1. Leseabschnitt: Anfang bis „Alles Gute zum Geburtstag“ (Anfang bis S. 93)

Emswashed

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9. Mai 2020
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Ha! Ein fulminanter Start. Gleich die erste Geschichte ist die Buchtitelgebende. Und so kurz, aber überzeugend. Denn, "Männer stellen für sich gern andere Theorien auf als für Frauen." Damit ist doch eigentlich alles gesagt.

Sehr viel unbefriedigender war dann doch die "missglückte", weil abgebrochene Flucht. Und der Usurpator, der Verursacher, der eigentliche Grund, hat noch nicht einmal etwas davon mitbekommen. Oh Mann!!

Tagtraum und Trunkenheit hat mich da schon ein wenig mehr herausgefordert. Die Protagonistin genießt die Blicke der Anderen, schämt sich aber gleichzeitig dafür; fühlt sich stark und bezeichnet sich selbst als Schlampe. Ich glaube ihr fehlen Anhaltspunkte im Leben, etwas womit sie sich messen kann und wo sie auch Feedback bekommt.

Die Nachfolge der Rose (warum musste ich die ganze Zeit an den Namen der Rose denken?), da habe ich mir den Satz "Nie wieder sollte die Aufmerksamkeit der anderen gefordert sein." herausgestrichen. Laura war/ist krank. Aber was ist das für eine merkwürdige Krankheit, die mit einem Glas Milch im Zaum zu halten ist? Ich glaube nicht, dass Armandos Sprachlosigkeit zu Lauras Heilung beiträgt. Der verschenkte Rosenstrauß nimmt einen großen Platz in dieser Geschichte ein.

Meine bisher liebste Geschichte ist allerdings die Geburtstagsfeier der 89jährigen Anita. Tochter Zilda hat gefälligst die Mischpoke einzuladen und zu bedienen, während die Jubilarin scheinbar teilnahmslos dabeisitzt, bis ihr innerer Vukan "Bande von Schwuchteln, Hornochsen und Flittchen" ausbricht. Herrlich! Schockiert fehlt der versammelten Verwandtschaft die Worte und jeder geht mit einme mulmigen Gefühl nach Hause, dass die Alte wohl auch noch 90 Jahre alt werden will. Dabei "war ihr der Tod [doch nur] ein Rätsel". Die Geschichte hat was Bittersüßes.

Ach, so kann es ruhig weitergehen. Abwechslungsreich, aber immer mit Protagonistinnen. Ich hoffe sie bekommen noch mehr Durchlagskraft.
 

Ciommoci

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29. April 2022
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Ich schreibe zunächst etwas zur ersten Geschichte., die auch für mich einen fulminanten Start darstellt, da gebe ich @Emswashed recht; allerdings sehe ich die Erzählerin etwas kritischer.

Ja, Männer stellen für sich gern andere Theorien auf als für Frauen. Interessant finde ich, dass die Mutter der Erzählerin eigenen Ideen gehabt hat. Sie wirft sie zwar zugunsten der ihres Mannes über Bord und macht sich zur "Nebensache, die der Hauptsache folgt", aber sie ist für mich trotzdem zunächst weiter als die Erzählerin, die keine eigenen Theorien hat, sondern nur die anderer Männer (sei es Jimmy, der Prüfer oder auch Hegel) übernimmt. Zwar versucht sie, Jimmy mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, aber warum eigentlich? Und warum lässt sie sich zweimal "zum Teufel schicken" und schickt nicht Jimmy zum Teufel? Warum bezeichnet sie ihre Untreue als "Verbrechen"? Man mag einwenden, dass es sich um Ironie handelt, der Titel deutet darauf hin und hat mich, und zwar auch schon vor der Lektüre, stutzig gemacht. Normalerweise würde man doch "Jimmy und ich" sagen. Dass hier die Reihenfolge verkehrt ist (und ihre lapidare Haltung zur Sache), weist für mich darauf hin, dass für die Erzählerin Jimmy die Nebensache und sie die Hauptsache ist.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Dass hier die Reihenfolge verkehrt ist (und ihre lapidare Haltung zur Sache), weist für mich darauf hin, dass für die Erzählerin Jimmy die Nebensache und sie die Hauptsache ist.
Bisher wurden alle Geschichten aus der Sicht einer Frau geschrieben und bei "Ich und Jimmy" ist die Reihenfolge vielleicht eine vorweggenommene Herausforderung, mal die andere Seite zuerst zu sehen.
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Ha! Ein fulminanter Start. Gleich die erste Geschichte ist die Buchtitelgebende. Und so kurz, aber überzeugend. Denn, "Männer stellen für sich gern andere Theorien auf als für Frauen." Damit ist doch eigentlich alles gesagt.
Das Messer in der Tasche ist mir ja aufgeklappt bei der Aussage von Jimmy auf S. 9: ich sei nichts als eine Frau, unbeständig und flatterhaft wie alle anderen. (Mit so einer Aussage käme er heute nicht mehr durch!)
Grandios dagegen fand ich ihre Großmutter, eine freundliche und kluge alte Frau! :joy
 
Zuletzt bearbeitet:

otegami

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17. Dezember 2021
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Sehr viel unbefriedigender war dann doch die "missglückte", weil abgebrochene Flucht. Und der Usurpator, der Verursacher, der eigentliche Grund, hat noch nicht einmal etwas davon mitbekommen. Oh Mann!!
:rofl Ich fand das typisch - ein Mann macht sich da nicht so viele Gedanken!

Ich fand das gut, dass die Erzählende einen ganzen Tag für sich hatte - tut einfach gut! (Ich habe immer die Seminare von GöGa genutzt, mitzufahren und einen ganzen Tag für mich zu haben! Meine Mutter nahm GottseiDank dann die Kinder! Und so handhabten wir das auch bei unseren Kindern, als sie stark in der Familienphase steckten und nahmen ihnen die Kinder ab, dass sie mal 'durchschnaufen' konnten.)
 

Ciommoci

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29. April 2022
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:rofl Ich fand das typisch - ein Mann macht sich da nicht so viele Gedanken!

Ich fand das gut, dass die Erzählende einen ganzen Tag für sich hatte - tut einfach gut! (Ich habe immer die Seminare von GöGa genutzt, mitzufahren und einen ganzen Tag für mich zu haben! Meine Mutter nahm GottseiDank dann die Kinder! Und so handhabten wir das auch bei unseren Kindern, als sie stark in der Familienphase steckten und nahmen ihnen die Kinder ab, dass sie mal 'durchschnaufen' konnten.)
Na ja, ich finde diese Geschichte viel tragischer als sich nur einen Tag eine Auszeit zu nehmen. Die Erzählerin ist offensichtlich unglücklich und fühlt sich in ihrer Ehe gefangen und nicht wahrgenommen. Tragisch fand ich, dass sie den Absprung nicht schafft wegen eines einzigen Grundes, nämlich dass sie 12 Jahre bereits "abgesessen" hat. Dies ist ja ganz häufig ein Grund für Frauen, bei ihrem Partner zu bleiben, und das kann ich nicht nachvollziehen.

Interessant fand ich zunächst den Wechsel der Zeitform, die bereits den Abbruch der Flucht ankündigt und den Wechsel in die Ich-Perspektive, als sie die Entscheidung trifft, zurückzugehen.

Allerdings wirken auf mich diese sprachlichen Auffälligkeiten wie auch die zahllosen Bilder etwas überladen. Dies wird in der dritten Geschichte noch auffälliger.
 

otegami

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Na ja, ich finde diese Geschichte viel tragischer als sich nur einen Tag eine Auszeit zu nehmen. Die Erzählerin ist offensichtlich unglücklich und fühlt sich in ihrer Ehe gefangen und nicht wahrgenommen. Tragisch fand ich, dass sie den Absprung nicht schafft wegen eines einzigen Grundes, nämlich dass sie 12 Jahre bereits "abgesessen" hat.
Och nöööö, 'tragisch' finde ich das nicht! In jeder Ehe gibt es mal einen Tiefpunkt, wo einer mal alles hinschmeißen möchte. (Und danach heilfroh ist, dass diesem Wunsch nicht nachgekommen wurde! ;) )
Wenn alte Menschen sagen: "Bei uns hat's nie was gegeben!", dann schiebe ich das immer auf eine Demenz! :cool: Das ist ja gerade das Schöne, dass man auch Krisen zusammen übersteht / überstanden hat!
(Im September werden es übrigens 48 Jahre, die ich mit meinem Mann glücklich verheiratet bin! Und ja, ich habe mich auch nebenbei viel mit Beziehungs-Psychologie beschäftigt! ;) Außerdem, wenn ich allein dran denke, was mir Bekannte, Freunde, und Mandanten erzählt haben..........:helo Ich kann also auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken!)
 

Renie

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Voller Erwartung bin ich in die Lektüre dieses wunderhübschen Büchleins eingestiegen. Doch die erste Geschichte hat meine Euphorie ein bisschen gebremst.
"Jimmy und ich" 'war für mich nichtssagend. Gut, die Sache mit Hegel und den Gegensätzen in die Waagschale zu werfen, war noch ganz nett. Doch konnte ich nichts mit dieser Frau anfangen.
Aber mir müssen bei einem Erzählband nicht alle Geschichten gefallen.

„Die Flucht" hat mich wiederum wegen ihrer Emotionalität gepackt. Was habe ich mit der Frau gelitten.:sad

„Tagtraum und Dunkelheit" war ebenfalls keine Geschichte für mich. Inhaltlich ist nicht viel bei mir hängengeblieben: eine unzufriedene Frau, die Selbstgespräche führt. Doch weswegen ist sie unzufrieden? Ich verstehe es nicht.

Mit „Die Nachfolge der Rose" haben wir es mit einer längeren Geschichte zu tun. Die gute Clarice hat sich diesmal die Mühe gemacht, die Protagonistin Laura ergiebiger darzustellen, als sie es bei den Charakteren zuvor gemacht hat. Mehr Fleisch an den Knochen - endlich habe ich ein Bild von der Protagonistin vor Augen. Das Bild, das dabei von Laura entsteht, ist aber alles andere als vorteilhaft: eine Frau, die es als Erfüllung ansieht, die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, wobei sie eigentlich lieber hinter ihm stehen würde, damit sie nicht auffällt.
Dieses Streben nach Unscheinbarkeit wird noch betont durch ihr braunes Kleidchen mit dem Spitzenkragen, das sie wie eine Rüstung trägt.
Was für eine bemitleidenswerte, aber gleichzeitig nervige Person. Dieses innerliche Ringen um die Rosen hat mir den Rest gegeben.
Ich befürchte, dass mir in diesem Buch noch viele derartige Frauen begegnen werden, die meine Geduld strapazieren, hoffe aber auch auf die eine oder andere Amazone, wie z.B. Dona Oma aus
„Alles Gute zum Geburtstag". Endlich ein Lichtblick beim weiblichen Personal dieses Buches.
Die Familienfeier mit all ihrer Heuchelei ist klasse beschrieben. Die biestige Oma, vor der alle stramm stehen, ist großes Kino. Ob die Oma in jungen Jahren auch schon so war, oder ob sie sich diese Freiheiten erst jetzt im hohen Alter herausnimmt, sei dahingestellt.

Im Moment bin ich noch unentschlossen, ob mir das Buch gefallen wird. Wahrscheinlich muss ich die einzelnen Geschichten später im Gesamtkontext dieses Werkes und der Intention der Autorin sehen, sofern ich diese am Ende erkenne. Aber ich bin optimistisch :think:smileeye
 

Renie

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Aber was ist das für eine merkwürdige Krankheit, die mit einem Glas Milch im Zaum zu halten ist?
Da war noch irgendetwas mit Insulin. Eine Essstörung in Verbindung mit Diabetes? Zumindest scheint sie nicht gut mit sich umgegangen zu sein, hat vielleicht sogar versucht, sich etwas anzutun, so dass ihr Mann seine Erleichterung kaschieren muss, wenn er zur Tür reinkommt und sieht, dass mit ihr alles in Ordnung ist. (S. 66)
 

Renie

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Och nöööö, 'tragisch' finde ich das nicht! In jeder Ehe gibt es mal einen Tiefpunkt, wo einer mal alles hinschmeißen möchte.
Da die Frauen in den bisherigen Geschichten nur als Beiwerk zu ihren Männern dargestellt werden, unterstelle ich ihnen dauerhaftes Unglücklichsein ohne Perspektive auf Besserung. Sein Leben überhaupt so zu betrachten, ist schon tragisch. Dieses „das hat man mal, das wird schon wieder“ ist sicherlich ein probater Spruch. Doch wenn „das wird schon wieder“ bedeutet, dass man auch weiterhin Beiwerk des Mannes bleibt und damit alles gut wird, dient dieser Spruch nur dem Mann und nicht der Frau.
 

otegami

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Sein Leben überhaupt so zu betrachten, ist schon tragisch.
:thumbsup (Und das zieht sich ja dann durch - eines kommt zum anderen und sie sieht alles nur noch unter dieser Perspektive!)
Dieses „das hat man mal, das wird schon wieder“ ist sicherlich ein probater Spruch.
Und in vielen Ehen wird das auch wieder! Und solche Tiefpunkte haben ja nicht nur die Frauen! ;)

Doch wenn „das wird schon wieder“ bedeutet, dass man auch weiterhin Beiwerk des Mannes bleibt und damit alles gut wird, dient dieser Spruch nur dem Mann und nicht der Frau.
Das stimmt! Aber wir dürfen auch nicht den Zeitpunkt des Schreibens dieser Geschichte vergessen. (Und da war es schon das Übliche! Und doch kenne ich auch andere Geschichten, auch aus der eigenen Familie, wo die Frau auch in dieser Zeit alles andere als das 'Beiwerk' des Mannes war! :rofl )
„Tagtraum und Dunkelheit" war ebenfalls keine Geschichte für mich. Inhaltlich ist nicht viel bei mir hängengeblieben: eine unzufriedene Frau, die Selbstgespräche führt. Doch weswegen ist sie unzufrieden? Ich verstehe es nicht.
*Lach* ich auch nicht! Ich dachte dauernd, da kommt noch was! :cool:
 

Emswashed

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Was für eine bemitleidenswerte, aber gleichzeitig nervige Person. Dieses innerliche Ringen um die Rosen hat mir den Rest gegeben.
Ich befürchte, dass mir in diesem Buch noch viele derartige Frauen begegnen werden, die meine Geduld strapazieren,

Aber dann ist es doch gerade gut zu wissen, dass es Kurzgechichten sind. Lange muss man sich nicht mit nervigen Personen herumschlagen.

Wer weiß, vielleicht bleiben uns die nervigsten Protagonistinnen am längsten im Gedächtnis!:p
Allerdings wirken auf mich diese sprachlichen Auffälligkeiten wie auch die zahllosen Bilder etwas überladen. Dies wird in der dritten Geschichte noch auffälliger.

Ich finde, dass Kurzgeschichten damit arbeiten müssen. Jeder Satz muss sitzen, jede "Auffälligkeit" zum Nachdenken anregen und jedes offene Ende ein Weiterspinnen provozieren - dann sind es gute Kurzgeschichten. "Ich und Jimmy" hat es praktisch schon mit der Überschrift geschafft.
 

otegami

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Das Bild, das dabei von Laura entsteht, ist aber alles andere als vorteilhaft: eine Frau, die es als Erfüllung ansieht, die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, wobei sie eigentlich lieber hinter ihm stehen würde, damit sie nicht auffällt.
Dieses Streben nach Unscheinbarkeit wird noch betont durch ihr braunes Kleidchen mit dem Spitzenkragen, das sie wie eine Rüstung trägt.
Was für eine bemitleidenswerte, aber gleichzeitig nervige Person. Dieses innerliche Ringen um die Rosen hat mir den Rest gegeben.
Auf S. 56 spricht sie noch dazu von sich als 'seiner kleinen Frau'! *aufjaul*
Oder auf S. 52 'dass sie da schon einen etwas aufdringlichen Zug an sich entdeckte'! :monocle

Ich denke aber, es wäre ein Fehler alles mit unseren (modernen) Augen zu sehen - die Zeit und die Einstellung war halt ein mal eine andere! Wir sollten uns einfach auf diese Zeit einlassen, die Kurzgeschichten als....... ääähm Zeitdokument (?) sehen!
(Ich nehme mir das jetzt fest vor!!!!!)
 

ulrikerabe

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Normalerweise würde man doch "Jimmy und ich" sagen. Dass hier die Reihenfolge verkehrt ist (und ihre lapidare Haltung zur Sache), weist für mich darauf hin, dass für die Erzählerin Jimmy die Nebensache und sie die Hauptsache ist.
Unbedingt, so würde ich das auch sehen.

Jimmy stellt also die Theorie auf, dass wenn zwei Menschen aneinander Gefallen finden, sie ein Liebespaar werden sollen. "Ganz einfach" Die Erzählerin versucht auch an Jimmy Gefallen zu finden und dann wird sie geküsst. "Nach alldem... so was " :D

Ich mag den zynsichen Witz, dass die Nebensache wohl der Hauptsache folgen soll. (EiInführung ins allgemeine Sachenrecht :) )

Und wie wir von der Großmutter hören, stellen Männer geren für sich andere Theorien auf als für Frauen. Wohl eine universelle Weisheit, die immer noch gilt...
 

ulrikerabe

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Ich fand das gut, dass die Erzählende einen ganzen Tag für sich hatte - tut einfach gut! (Ich habe immer die Seminare von GöGa genutzt, mitzufahren und einen ganzen Tag für mich zu haben! Meine Mutter nahm GottseiDank dann die Kinder! Und so handhabten wir das auch bei unseren Kindern, als sie stark in der Familienphase steckten und nahmen ihnen die Kinder ab, dass sie mal 'durchschnaufen' konnten.)
Schön und gut, aber die Frau wolte nicht einen Tag ausspannen. Sie wollte ihren Mann verlassen. Sie beginnt nach 12 Jahren wieder sich selbst zu spüren. Beginnt wieder statt zu fallen und alles im Fallen zu erleben,, dass sie wieder einer Schwerkraft unterliegen kann. Doch dann wird sie schwach, geht ihre Möglichkeiten durch. Kein Geld, keinen Ort wo sie hingehen könnte. Es kommt der Point of Return, alles wieder beim Alten.
Mich macht die Geschichte traurig. Wann ist sie verfasst worden, irgendwann inden 1940ern bis 1960ern? Damals sicher kein leichtes Unterfangen, einfach so den Mann zu verlassen. Heut aber auch nicht immer.

Eigentlich habe ich ein anderes Ende erwartet. Schon als sie sagt, sie hat den "Berg der Witwen" hinter sich (S. 14) und als auf S. 17 ein Knall das Haus erschütterte: da habe ich echt gedacht, sie hat ihren Mann umgebracht (hätte mir besser gefallen, glaube ich)
 

ulrikerabe

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Ich habe bei dieser Geschichte sehr viele Fragezeichen. Diese Frau sitzt zunächst vor dem Spiegel. Der Mann und die Kinder nicht zuhaise. Später verbringt sie ganze Tage im Bett, lässt sich von ihrem Mann keinen Kuss geben.
S. 26 Aber am Samstagabend waren sie in das Lokal gegangen.... Kann ich das zeitlich richtig einordnen. Ich meine, dass dieses Essen davor statt gefinden hat. Sie hat sich betrunken, will eloquent und gewandt erscheinen (sie weiß wie Wort klingen im betrunkenen Zustand ausgesprochen). Der Geschäftsfreund reibt seinenen Fuß an ihrem Bein. Und "auf ihrem runden Ausschnitt..als sich da die Fliege...ach wie dreist.. (S. 35)
Zu Hause fühlt sie sich unförmig, wie eine Riesenkuh, alles ist "fleisch"
Sie schämt sich (S. 36) und am Schluss nennt sie sich lachend Schlampe.

Ich frage mich, was hat der Geschäftsfreund mit ihr wirklich gemacht (und wo war ihr Mann)? Irgendwie hat das für mich den Geruch von sexuellem Missbrauch.
 

ulrikerabe

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Die Geschichte mochte ich auch. Genauso, wie beschrieben.
 

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