Rezension Rezension (3/5*) zu Babylon: Thriller von Thomas Thiemeyer.

parden

Bekanntes Mitglied
13. April 2014
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49
Niederrhein
www.litterae-artesque.blogspot.de
Zu viel Genre-Mix...


Im irakisch-syrischen Grenzgebiet, das einst als Wiege der Zivilisation galt, heute aber eine der gefährlichsten Krisenregionen der Welt ist, spielt das inzwischen vierte Abenteuer um die Archäologin Hannah Peters und ihren Mann John Evans. Der inzwischen schwerkranke Multimilliardär Norman Stromberg, für den die beiden schon mehrfach gearbeitet haben, hat einen neuen Auftrag für sie. Ein rätselhafter Fund in besagtem Grenzgebiet hat Stromberg in Aufregung versetzt, und er möchte mit den besten Fachleute dorthin reisen, um diesen Fund im Geheimen zu erforschen. Mit der erhofften Sensation will der Multimilliardär sein Lebenswerk krönen und der Welt ein Zeugnis der Menschheitsgeschichte präsentieren, das seinesgleichen sucht.

Doch während sich Hannah und die anderen auf Spurensuche begeben, zeichnet Thiemeyer noch einen parallelen Handlungsstrang. Die Angriffe der IS-Miliz gegen amerikanische Truppeneinheiten nehmen in dem Gebiet zu, und die britische Reporterin Leslie Rickert berichtet live von den Geschehnissen. Doch bei einem Angriff auf ihren Konvoi wird die Journalistin von einer IS-Einheit gefangen genommen und gerät angesichts eines fanatischen religiösen Führers in akute Lebensgefahr. Als ihr die Flucht gelingt, setzt sich der Führer der IS auf ihre Spur - und gelangt mit ihr ebenfalls an die geheime Ausgrabungsstätte. Als es Hannah und ihrer Gruppe gelingt, das imposante unterirdische Portal zu öffnen, sind es neun Menschen, die den Weg hinunter in die Erde antreten. Aber nicht alle werden das Ziel erreichen...

Thriller steht auf dem Cover - doch was ist es nun wirklich? Thriller? Politischer Spannungsroman? Abenteuerroman? Wissenschaftsthriller? Mystischer Roman? Fantasy? Horror? Science Fiction? Im Grunde ist es von allem ein wenig. Der Turmbau zu Babel ist hier ebenso Thema wie 'Die göttliche Komödie' von Dante Alighieri, alles wird gewürzt mit einer Prise aktueller politischer Begebenheiten, zwischenzeitlich meint man den Atem von Indiana Jones zu spüren, dann wieder entsteht der Eindruck, Wolfgang Hohlbein habe die Regie übernommen. Manch einem wird dieser Genre-Mix sicherlich gefallen, mir persönlich war er aber tatsächlich zu viel, auch wenn mich das Ende noch einmal überraschen konnte.

Die Personen sind in meinen Augen recht klischee- und schablonenhaft gezeichnet. Auch wenn Thiemeyer zwischenzeitlich etwas differenziert, sind die 'Guten' und die 'Bösen' klar definiert. Auch Hannah Peters blieb für mich - wie schon im vorherigen Roman 'Valhalla' - eher blass und wenig greifbar. Immer wieder handeln hier einzelne Charaktere eher drehbuchhaft denn authentisch, gerade auch im Inneren des geheimnisvollen pyramidenartigen Bauwerks, das sich in immer engeren Spiralen hinunter in die Erde schraubt. Die Rolle, die hier einzelnen Charakteren zugedacht wurde, lässt oft wenig Spielraum und ist so einige Male recht vorhersehbar.

Bis auf die genannten Kritikpunkte ist dies jedoch ein flott zu lesender Roman in flüssigem Schreibstil. Thiemeyer wartet mit fundierten Kenntnissen in den verschiedensten Bereichen auf, die auf eine ausgiebige Recherche schließen lassen, und setzt diese in einen insgesamt unterhaltsamen Zusammenhang.


© Parden


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