Rezension Rezension (5/5*) zu Tibetisches Feuer: Shan ermittelt Roman (Inspektor Shan, Band 8) von Eliot Pa.

wal.li

Bekanntes Mitglied
1. Mai 2014
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Buchinformationen und Rezensionen zu Tibetisches Feuer von Eliot Pattison
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Feuergott

Seit Shan aus dem Gefängnis entlassen wurde, lebt er mehr oder weniger unter dem Schutz des Genossen Tan. Doch im Moment geschehen unheimliche Dinge in Tibet. Bereits mehrere Tibeter haben sich öffentlich verbrannt. Auf Geheiß der Obrigkeit wurde eine Kommission gebildet, die die Vorfälle untersuchen soll. Als ein Mitglied der Kommission plötzlich stirbt, wird Shan als Ersatz gewonnen. Um ihn von der Wichtigkeit der Teilnahme an dieser Aufgabe zu überzeugen, wird sein Freund und Mentor Lokesh gefangen genommen. Schweren Herzens macht sich Shan daran, die Geheimnisse um die Selbstverbrennungen zu erkunden und findet schnell einige Ungereimtheiten.

Tibet - von Europa aus gesehen ein fernes unbekanntes Land mit eigenen Sitten und Gebräuchen, vereinnahmt vom großen Bruder China, der die kommunistische Lebensart auch diesem kleinen Landstrich überstülpen will. So ganz gelingt es zum Glück nicht. Doch bedauerlicherweise sind wohl etliche der Rahmenbedingungen tatsächlich so wie in diesem Roman dargestellt. Und so schafft es Eliot Pattison zum wiederholten Male, dem Leser das Dach der Welt näherzubringen. Bereits nach wenigen Seiten vermeint man, sich in der zerklüfteten Bergwelt vorzufinden, den Wind rauschen zu hören, man sieht förmlich sie Gebetsfahnen, man spürt die Beobachtung durch die Machthaber, die Bedrohung durch das System. Man ist versucht, sich umzuschauen, ob nicht hinter einem etwas Ungutes vorgeht, dem man entrinnen sollte.

Eine große Beklemmung, in der Shan lebt und doch auf der Suche nach der Wahrheit ist. Bang ist ihm ums Herz aus Sorge um seinen Freund Lokesh, der ihm Halt gibt und den er auf keinen Fall verlieren möchte. Doch was wäre es nütze, würde Shan einfach nachgeben und machen, was von ihm verlangt wird. Vermutlich brächte das keinen Gewinn an Sicherheit, weder für Lokesh und schon gar nicht für Shan. Und so nähert sich Shan lieber der Wahrheit, manchmal nicht direkt, immer vorsichtig und dennoch zieht er manche dabei auf seine Seite, indem er die Augen öffnet oder hilft. Er lockt die Mönche oder Tibeter in ihnen hervor und führt sie zu tieferen Einsichten.

Ein wenig schaudert es einen beim Lesen, in solch einer Welt der Einschränkung und Begrenzung möchte man nicht leben. Und doch taucht man ein ins Geschehen, gepackt von der Geschichte um die Selbstverbrennungen. Vorsichtigen Schrittes folgt man Shan - fasziniert bis zum letzten Buchstaben.