Zu richten die Lebenden

Rezensionen zu "Zu richten die Lebenden"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Dez 2015 

    Spannend und unterhaltsam

    Inhalt:
    Ein Priester wird ermordet und die Fenster seiner Kirche werden mit den Worten: "Er ist gekommen, um zu richten die Lebenden und die Toten" verunstaltet. Es ist der Beginn einer Mordserie bei der es nur einen gemeinsamen Nenner gibt, die Glas-Künstlerin Mira Gallier. Sie hat bei Katrina ihren Mann verloren und hat sich dank ihrer Arbeit von dem Verlust erholen können. Nun bricht wieder alles über sie hinein...

    Meine Meinung:
    Wer schon länger meine Rezensionen liest, weiß das Erica Spindler zu meinen Lieblingsautorinnen gehört und so jeder neue Roman sofort wenn ich ihn entdeckt habe, auf meiner Wunschliste landet. So auch zu richten die Lebenden.

    Wieder hat die Autorin New Orleans als Schauplatz gewählt. Eine Stadt die wirklich arg gebeutelt wurde durch Katrina und so schon eine gute Grundlage für Thriller bietet. Auch hier wird Katrina immer wieder erwähnt und die Zeit danach ist Teil der Geschichte. Es bietet dem Leser eine bekannte Szenerie, wenn auch aus den Nachrichten.
    Was mich ein wenig störte, aber auch zum Plot dazu gehörte, waren die Szenen in denen es um den fanatischen Täter ging, der nur seine Religion sieht. Man erkennt daraus noch nicht wer der Täter ist und diese Kapitel waren auch recht kurz, doch ich kann mit so einem fanatischen Glauben einfach nichts anfangen und habe stellenweise auch Probleme mich da rein zu versetzen. Erica Spindler hat den christlichen Glauben gewählt und das wiederum sehr spannend gestaltet. Der christliche Glauben ist Elementar für die Taten und für die gesamte Geschichte.
    Der Schreibstil war wieder sehr leicht und flüssig. Es waren viele kurze Kapitel, die das Buch zu einem Page-Turner machen, denn wenn man einmal in der Geschichte drin ist, mag man nur noch weiter lesen.

    Die Figuren sind zahlreich, aber so gut zu unterscheiden, das ich damit auch keine Probleme hatte und sie nie durcheinander brachte.
    Mira Gallier, der Mittelpunkt der Geschichte und eine der Figuren die wir beim Lesen begleiten. Sie ist seit dem Tod ihres Mannes mehr wie am Boden. Nur ihre Arbeit hält sie aufrecht und bringt sie durch den Alltag. Sie zeigt eine ungeheure Stärke in dem sie sich selbst wieder aus diesem Loch raus zieht. Wobei ich denke, dass das nach sechs Jahren, und einigen davon in Therapie, zu erwarten sein konnte. Mira Gallier ist die Figur die sich in der Geschichte am meisten wandelt.
    Kommissar Spencer Malone, hier wird es mit dem Unterscheiden der Figuren kurzzeitig schwierig, denn sein Bruder Percy ist auch beim NOPD und ist auch Teil einiger Emittlungen. Doch es ist wirklich nur kurzzeitig und störte mich nicht beim Lesefluss. Malone ist ein Ermittler mit Bauchgefühl und einem guten Händchen für Vernehmungen und Zwischenmenschliches. Zu Beginn wird erzählt das er heiratet, das hat allerdings für mich nicht wirklich etwas mit der Geschichte zu tun. Malone begleitet der Leser auch hin und wieder bei seinen Ermittlungen und gibt so nochmal einen anderen Einblick.
    Der Täter, er ist mehrfach beschrieben und bekommt auch ein paar Kapitel um zu untermalen wie verrückt er ist. Ich ahnte recht schnell wer es sein könnte, wurde aber auch immer wieder verunsichert, als sich wieder neues ereignete.

    Insgesamt ist Zu richten die Lebenden ein sehr spannendes und unterhaltsames Buch das recht schnell an Fahrt aufnimmt. Der Hauptaugenmerk liegt auf dem Fall auch wenn es eine Mini-Liebesgeschichte gibt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Dez 2015 

    Verwirrspiele...

    New Orleans ist der Schauplatz der Geschichte, und es ist schon einige Jahre her, dass der Hurrikan Katrina dort gewütet hat. Die Folgen jedoch sind bis heute spürbar in der Stadt, und so manchen hat es dabei hart getroffen. Auch Mira Gallier, obwohl selbständig und erfolgreich in ihrem Beruf als Glaskünstlerin, leidet gegenwärtig noch unter den Geschehnissen, hat es sie doch nicht nur ihre damalige Werkstatt samt der dort gelagerten Kunstwerke gekostet, sondern auch das Leben ihres Mannes.

    Die Auftragslage für Miras Werkstatt allerdings ist grandios durch die Folgen des Hurrikans. So viele Kirchenfenster sind dabei zu Bruch gegangen, dass Mira kaum hinterherkommt mit deren Restaurierung. Die Hilfe ihrer Assistentin Deni sowie von deren Freund Chris kann sie daher gut gebrauchen. Doch da erscheint plötzlich die Polizei bei ihr: gerade wieder von ihr eingesetzte Kirchenfenster wurden grob mit einem Bibelzitat beschmiert: "Er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten". Und der Pfarrer der Kirche liegt ermordet vor dem Altar.

    Bei diesem einen Mord bleibt es jedoch nicht, und schnell wird klar, dass alle Opfer auf irgendeine Weise einen Bezug zu Mira hatten. Eine eindeutige Spurenlage für Detective Spencer Malone und seine neue Partnerin Karin Bayle. Mira rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen... Dabei tut sich Detective Spencer Malone recht schwer mit seiner neuen Partnerin, obwohl er wirklich versucht, gut mit ihr zusammenzuarbeiten. Doch irgendwie will sich kein rechtes Vertrauen zwischen den beiden einstellen.

    "Bayle hatte die Sozialkompetenz eines Pittbulls, befand Malone, und schaltete sich ein..."

    Viel Zeit hat Malone allerdings nicht, über die merkwürdigen Spannungen zwischen sich und Bayle nachzudenken, denn die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Eindeutig treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen, und ein wie auch immer gelagertes religiöses Motiv scheint den Morden zugrunde zu liegen.

    Erica Spindler schafft hier ein grandioses Verwirrspiel mit ständig wechselnden Verdächtigen. Nach einem eher bedächtigen Einstieg nimmt der Thriller bei flüssigem und eingängigem Schreibstil an Fahrt auf und hält nicht nur die Polizei hübsch in Atem. Ein Mix voller Emotionen, Verwirrungen, Zweifel und zunehmender Spannung treibt den Leser zunehmend rasch durch die Seiten. Wie Mira kommt der Leser dazu, niemandem mehr zu vertrauen, denn nichts und niemand scheint zu sein, was man glaubte, das es sei. Unerwartete Ereignisse schleudern den Verdacht immer wieder in eine andere Richtung, und tatsächlich war ich mir bis kurz vor dem Ende nicht sicher, wer der Täter nun war.

    Kleine logische Fehler in der Polizeiarbeit sowie die Tatsache, dass mir keine der Personen wirklich sympathisch war, sind kleine Mankos, die die Höchstwertung hier verhindern. Die wechselnden Perspektiven meist zwischen Mira einerseits und der Polizei andererseits haben mir dagegen gut gefallen, und auch die vereinzelt eingestreuten Kapitel aus der Sicht des (noch unbekannten) Täters haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

    Insgesamt ein Thriller, der mich gut unterhalten hat und den ich im letzten Drittel kaum noch aus der Hand legen mochte...

    © Parden