Zornesbrand (Ein Fall für Leitner & Grohmann)

Rezensionen zu "Zornesbrand (Ein Fall für Leitner & Grohmann)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Jul 2019 

    Opfersicht, Tätersicht, Spannung pur

    Bei “Zornesbrand” handelt es sich um den fünften Band der Reihe, die ersten vier habe ich bisher nicht gelesen. (Betonung auf “bisher”.) Ich war daher etwas in Sorge, ich könnte nicht in die Geschichte reinfinden – besonders, da ich ja auch die Protagonisten noch nicht kannte. Mit den Protagonisten steht und fällt ein Buch für mich nämlich meist.

    Die Sorge erwies sich indes als unbegründet!

    Tatsächlich packte mich die Handlung in Nullkommanix, und auch zu den Charakteren entwickelte ich schnell einen Draht.

    Man merkt, dass da schon vier Bände an Hintergrundgeschichte drinstecken, die den Charakteren eine gewisse Tiefe geben, auch wenn manches in diesem fünften Band natürlich nur angedeutet wird. Die Autorin liefert jedoch genug Informationen, dass auch neue Leser ohne Schwierigkeiten mitkommen. Die Charaktere sind vielschichtig und glaubhaft, man kann auch als Neuling mühelos mit ihnen mitfühlen – was für Gänsehaut und ungute Gefühle sorgt, wenn die Geschehnisse aus Sicht des Täters beschrieben werden…

    Denn in verschiedenen Perspektiven kommen Ermittler, Opfer und Täter zu Wort.

    Das ist für mich einer der interessantesten Aspekte des Buches: die Perspektiven werden geschickt verwoben, um die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen, wodurch man als Leser quasi im Kopf ‘mitermittelt’. Sozusagegen Kopfkino in 3D.

    Dennoch führt die Autorin einen auf Abwege und man muss manchmal feststellen, dass die Dinge doch ganz anders sind, als es erst den Anschein hat.

    (Oh, diese unerwartete Wendung… Mehr sage ich dazu nicht.)

    Immer mal wieder tritt der Fall etwas zurück, wenn es um das Privatleben der Ermittler geht, aber auch das wird nie langweilig – besonders, da Jennifers Privatleben derzeit alles andere als gemütlich und normal ist. Nicht nur die Opfer kämpfen mit den Folgen von Gewalt und psychischem Druck, sondern auch die Kriminalkommissarin. Eine interessante Parallele, die die Spannung beim Leser noch weiter hochschraubt.

    Stalking, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, psychische Erkrankungen, mehr und mehr Brutalität… Das Buch spart nicht an Themen, die es in sich haben.

    Die Gewalt ist manchmal heftig, wird aber nicht voyeuristisch überzeichnet.

    Der Schreibstil geht runter wie Öl, da sind 344 Seiten um, bevor man sich versieht… Deswegen bin ich fast froh, dass ich die ersten vier Bände noch nicht gelesen habe – darauf kann ich mich jetzt freuen.

    Die ersten vier Bände sind zur Zeit nur gebraucht erhältlich (ich habe sie mir direkt besorgt, da ich unbedingt wissen will, was bisher im Umfeld der Ermittler so geschehen ist), werden aber vom Kuneli-Verlag bald neu herausgegeben. “Herzenskälte” und “Wundmal” sollen noch 2019 erscheinen.

    FAZIT

    Obwohl es sich bei “Zornesbrand” um den fünften Band der Reihe handelt, kann man das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen. (Ich kann es bezeugen, weil ich genau das getan habe.) Besonders gut gefielen mir die Perspektivwechsel, die es dem Leser ermöglichen, den Fall aus Opfersicht und Tätersicht zu verfolgen; auch Charaktere und Schreibstil machen das Lesen meines Erachtens zu einem spannenden Vergnügen.