Zorn - Vom Lieben und Sterben

Buchseite und Rezensionen zu 'Zorn - Vom Lieben und Sterben' von Stephan Ludwig
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5 von 5 (1 Bewertungen)

»Das, was geschehen ist, war erst der anfang, es ist noch nicht vorbei - langsam beginnt es, spaß zu machen, ihr seid so lächerlich, so unglaublich dumm und ihr seid mir nicht gewachsen. ich bin noch nicht fertig. denkt das bloß nicht.« Hauptkommissar Claudius Zorn und Hauptkommissar Schröder müssen sich mit einer Einbruchserie in der städtischen Kleingartenanlage herumschlagen. Der Fall ist schnell geklärt, eine Clique von Jugendlichen hat die Einbrüche aus Langeweile begangen. Doch dann ist ein Junge aus der Clique tot. Er war gerade einmal 18 und wurde kaltblütig ermordet. Als ein Freund des Opfers, auch er Teil der Clique, stirbt, ist Zorn genervt - ein Mord pro Woche hätte auch genügt! Aber genau wie Schröder ist ihm sofort klar, dass hier jemand gezielt und durchdacht vorgeht, seine Opfer ganz genau auswählt. Sie vielleicht sogar kennt. Als es endlich eine erste vage Spur gibt, ist die Zeit bis zum nächsten Mord bereits abgelaufen. Und Zorn kann sich einfach keinen Reim darauf machen, weshalb Schröder sich plötzlich so merkwürdig verhält ...

Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783596195077

Rezensionen zu "Zorn - Vom Lieben und Sterben"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Jun 2017 

    Gelungener zweiter Band

    Es gibt Thriller, die lese ich wegen der irrsinnig verwickelten, clever konstruierten Handlung. Es gibt Thriller, die lese ich wegen der rasanten unerwarteten Wendungen. Und dann gibt es noch "Zorn" –das lese ich wegen seines absurden, schrulligen, witzigen, grandiosen und bewegenden Ermittlerduos. Klingt widersprüchlich? Ist es vielleicht auch, denn die beiden Protagonisten sind es auf jeden Fall. Hauptkommissar Claudius Zorn ist eigentlich alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse: er ist stinkfaul, ständig schlecht gelaunt und ihm geht jegliches Einfühlungsvermögen in andere Menschen komplett ab. Sein Kollege Schröder ist dagegen eine Seele von Mensch, fleißig und gutmütig und scheinbar immer bereit, an das Gute im Menschen zu glauben. Auf jeden Fall glaubt er an das Gute in Zorn!

    Die merkwürdige Freundschaft, die diese beiden Männer verbindet, hat etwas unglaublich Rührendes und gleichzeitig etwas unglaublich Komisches. Zorn tut manchmal (aber auch nur manchmal) wirklich sein Bestes, um Schröder zu zeigen, dass er ihn wertschätzt, aber er kann einfach nicht aus seiner Haut! Und dann gibt es in diesem zweiten Band Szenen, da hatte ich plötzlich einen Kloß im Hals, denn inmitten all der lustigen Szenen geht es in der Geschichte um die schwärzesten menschlichen Abgründe.

    Schröder gewinnt in diesem Band einiges an Tiefgang, was wiederum dazu führt, dass auch Zorn ganz neue Seiten zeigt. Irgendwie schafft es Stephan Ludwig, mir einen Menschen sympathisch zu machen, der eigentlich unsympathisch sein müsste!

    Ganz ehrlich, ich würde die Abenteuer von Zorn und Schröder wahrscheinlich auch dann lieben, wenn sie sich mit Strafzetteln und geklauten Gartenzwergen beschäftigen würden... Das heißt aber nicht, dass "Vom Lieben und Sterben" nicht auch eine wirklich interessante, gut konstruierte Handlung hätte, die mit Einbruch und jugendlichem Vandalismus beginnt und sich schnell zu einer Mordserie ausweitet. Das Thema ist dieses Mal ein unerwartet Düsteres, aber ich möchte da noch nichts vorwegnehmen.

    Irgendwann in der Mitte scheint sich eine klischeehafte Auflösung anzubahnen, aber dann ist doch wieder alles ganz anders – hätte mich sonst auch enttäuscht! –, allerdings kann man sich dann doch ab einem gewissen Punkt denken, wer hinter den Morden steckt. Aber es bleibt dennoch spannend, denn Zorn und Schröder müssen denjenigen ja immer noch schnappen!

    Der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen. Er ist einfach durch und durch originell, und Stephan Ludwig beherrscht den staubtrockenen bösen Humor genauso wie die unerwartet gefühlvolle Beschreibung einer schrägen Männerfreundschaft.

    Fazit:
    Für mich sind der mürrische Hauptkommissar Claudius Zorn und sein freundlicher Kollege Schröder auf ihre schräge Art ein ebenso großartiges Duo wie Sherlock Holmes und John Watson. In diesem Band geht es viel um ihre sonderbare Freundschaft, denn eine Mordserie bringt Schröder an seine Belastungsgrenzen und Zorn muss sich widerwillig fragen, wann ihm sein gutmütiger Kollege eigentlich dermaßen ans Herz gewachsen ist.

    Dieser zweite Band ist düsterer als der erste, mit ernsteren Themen, und dennoch kommt der typische aberwitzige Humor nicht zu kurz – eine interessante Gratwanderung! Spannend ist das, wahnsinnig lustig ist es auch, und manchmal kann man nebenbei fast den Glauben an die Menschheit verlieren.