Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche

Buchseite und Rezensionen zu 'Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche' von Christiane Antons
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

In einem Mehrfamilienhaus in Bielefeld treffen drei Frauen aufeinander, deren Biografien kaum unterschiedlicher sein könnten. Vermieterin Dorothee Klasbrummel hat seit fünfzehn Jahren die eigenen vier Wände nicht verlassen, sich ihr heiteres Gemüt aber trotzdem bewahrt. Polizistin Nina Gruber verbringt ihr Sabbatjahr nicht wie geplant an malerischen Stränden, sondern pflegt ihre schwierige Mutter. Die junge Kioskbesitzerin Yasemin Nowak liebt das Leben und lässt in der Liebe nichts anbrennen, allerdings bereiten ihr die zunehmend unheimlicher werdenden Briefe eines heimlichen Verehrers Sorge. Als im Altpapiercontainer des Kiosks eine Leiche gefunden wird, tun die drei ungleichen Frauen sich zusammen und ermitteln auf eigene Faust. Primär, um sich von den eigenen Problemen abzulenken. Doch diese Rechnung geht nicht auf …

Format:Taschenbuch
Seiten:224
Verlag: Grafit
EAN:9783894255824

Rezensionen zu "Yasemins Kiosk: Zwei Kaffee und eine Leiche"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Mär 2018 

    Isso Momente

    Nina Gruber kehrt zurück nach Bielefeld. Ihre Mutter ist krank und bedarf ihrer Hilfe. In ihrem Beruf als Polizistin läuft es nicht so. Yasemin führt einen kleinen Kiosk für alles, man bekommt Tabak, Zeitschriften, Kaffee, Wolle und eine neue Frisur. Die Besitzerin des Hauses, Doro, hat ihr Haus seit 15 Jahren nicht verlassen und doch steht sie mit beiden Beinen fest im Leben. Als in einer Altpapiertonne eine Leiche gefunden wird, wollen die drei Frauen der Sache auf den Grund gehen. Yasemin kannte den Toten flüchtig und nie im Leben würde dieser an einer Überdosis sterben.

    Ja, die Bielefelder isso-Momente (es ist eben so) werden hier sehr ansprechend ausgekostet. Vielleicht muss man schon mal in Bielefeld oder der OWL-Umgebung (Ostwestfalen) gewesen sein, um das richtig genießen zu können. Aber wenn man nach den ersten paar Seiten merkt, dass man sich in dem Setting doch ganz gut auskennt und wenn vielleicht auch nicht alle dann doch etliche Andeutungen versteht, beginnt man zu schmunzeln. Yasemin ist eine selbstbewußte junge Frau, die es manchmal faustdick hinter den Ohren hat. Nina dagegen, scheint einiges zu verbergen. Weshalb übt sie ihren Job nicht aus, weshalb ist sie zu dem schnuckeligen Bullen eher abweisend? Und Doro, die zwar wegen ihrer Angst das Haus zu verlassen, körperlich eingeschränkt und dabei geistig doch ausgesprochen rege ist. Die Drei bilden ein tolles Team, dessen Mitglieder sich super ergänzen.

    Spontan auf den Reader geladen, bietet dieser humorige Kriminalroman eine ausgesprochen positive Überraschung. Der ostwestfälische Lokalkolorit ist wunderbar eingefangen, man grinst sich einen weg, während man liest. Der Fall ist in einem Moment etwas vorhersehbar, aber dennoch interessant und nicht überfrachtet. Die drei Frauen vom Kiosk überstrahlen jedoch alles und man wünscht ihnen noch viele gemeinsame Erlebnisse, an denen die Autorin ihre Leser gerne teilhaben lassen kann.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Mär 2018 

    Frauen Power

    Nina nimmt unfreiwillig eine Auszeit in ihrem Beruf als Polizistin. Nach einem Vorfall auf der Dienststelle wurde sie bis auf weiteres suspendiert und kümmert sich in der Zeit um ihre depressiv-alkoholkranke Mutter. Ihrer Umgebung verschweigt sie den wahren Grund ihrer Freizeit. Ihre Wohnungssuche führt sie zu Doro, einer patenten älteren Frau, die in ihrem Mehrfamilienhaus eine Wohnung frei hat. Dort lernt sie auch Yasemin kennen, eine junge, sehr temperamentvolle Frau, die den Kiosk vor dem Haus betreibt.

    Das Damentrio wird sofort gefordert, als Yasemin im Altpapiercontainer eine Leiche entdeckt, da sie das Opfer flüchtig kannte, ist sie mit den polizeilichen Abschlussermittlungen überhaupt nicht zufrieden und bittet Nina um Mithilfe. Außerdem könnte sich Nina doch um den lästigen Stalker kümmern, der ihr seit einiger Zeit das Leben schwer macht.

    Damit sind wir schon mitten im Geschehen dieser liebenswerten, turbulenten Krimigeschichte, die mit wenig Gewalt und blutigen Szenen auskommt. Dafür punkten die tollen Charaktere, die sich die Autorin ausgedacht hat. Lebensecht, mit herbem Charme und zupackende Wesen ergänzen sich die Drei mit ihren zum Teil recht außergewöhnlichen Fähigkeiten. Die Spannung steigt stetig an und wenn man sich schon auf der richtigen Spur wähnt, gelingt der Autorin immer noch mal eine gelungene Wendung.

    Die Dialoge sind rau aber herzlich und bringen noch zusätzlich Schwung in die Geschichte. Es passt einfach alles, originelle Typen und eine frische, ideenreiche Handlung – kurz gesagt: ein gelungenes Debüt. Die Autorin werde ich mir merken.