Wunder

Buchseite und Rezensionen zu 'Wunder' von Raquel J. Palacio
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5 von 5 (2 Bewertungen)

August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783446241756

Rezensionen zu "Wunder"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Dez 2017 

    Was für ein WUNDERvolles Buch

    Ein wundervolles Buch. Ein Buch mit so viel Liebe. Allen Kindern der Welt wünsche ich diese Liebe, die die Kinder dieser Familie, Olivia und August, durch die Eltern erfahren durften. Eltern mit einem demokratischen und autarken Erziehungsstil. Eine Erziehung mit Herz und Verstand ...

    Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:

    "August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August."

    August leidet an einer seltenen Krankheit, die sich Treacher-Collin-Syndrom nennt. Es sind mehrere Defekte in den Genen. Kurz gesagt, August kommt mit einem entstellten Gesicht auf die Welt. Die Augen befinden sich zum Beispiel auf der Wange. August musste in seinem kurzen Leben mehrere Schönheitsoperationen über sich ergehen lassen … Die Ärzte gaben dem Jungen nicht viel Hoffnung was seine Lebenserwartung im Kleinkindalter betraf. Aber August hat überlebt ...

    Es ist eine große Herausforderung, August nach vier Jahren Homeschool einer öffentlichen Schule zu übergeben. Obwohl die Schule sich sehr kooperativ und tolerant zeigt, hat es August trotzdem sehr schwer mit seinen Klassenkameraden. Dort muss er sich einige bösartige Spitznamen wie z. B. Zombie anhören, und später, auf einer mehrtägigen Freizeit mit der Schule wird er von größeren Jungs verspottet und tätlich angegriffen. August wird von diesen Jungs mit Gollum verglichen und mit den Orks, Gollum und die Orks sind die hässlichen Figuren aus dem Fantasyroman Herr der Ringe. Das nimmt August psychisch sehr mit, obwohl er von seiner Familie immer zu spüren bekommen hat, dass er trotz seines Gesichtes ein wunderschönes Kind sei, denn hier zählen die inneren Werte und weniger die äußeren:

    >>Du bist wunderschön, ganz gleich, was andere sagen, Worte können dir nichts anhaben. Du bist wunderschön in jeder Weise. Ja, Worte können dir nichts anhaben.<<

    August hat Pech mit seiner Geburt, aber Glück mit seinen Eltern. Unabhängig davon, wie unschön Augusts Gesicht geformt ist, die Eltern lieben ihren Jungen trotzdem abgöttisch. Olivias Freund Justin zum Beispiel sehnt sich nach einem Vater wie August und Olivia ihn haben. Justin nimmt sich Olivias Vater zum Vorbild, er selbst möchte eines Tages für seine Kinder der Vater sein, den er selber nicht hatte … Daran kann man sehen, wie viel Glück August mit seinen Eltern hat. Viele Kinder, die mit Anomalien geboren werden, werden von den Eltern verstoßen … Es ist demnach nicht selbstverständlich, solche Eltern zu haben. Doch August hat nicht nur Glück mit seinen Eltern, er hat auch Glück mit seiner älteren Schwester Olivia, die für den Bruder einen Beschützerinstinkt entwickelt hat. Obwohl Olivia durch den Bruder von ihren Eltern stark zurück treten musste, lernte sie dadurch recht schnell selbständig zu werden. Aber sie leidet auch hin und wieder darunter, dass der Bruder so viel braucht und so viel bekommt.

    Obwohl es schwer für August auf der Schule ist, geht er tapfer seinen Weg, denn die Welt draußen ist nicht nur schlecht. Und einige seiner Schulkameraden lernen ihn schließlich kennen ... Ein einziges Mal erlebt er eine für ihn unerträgliche Situation, sodass er gar nicht mehr in die Schule gehen wollte, und fragt seine Mutter:

    >>Mom? Werde ich mir immer wegen dieser Mistkerle Sorgen machen müssen? (…) Auch wenn ich erwachsen bin, meine ich – wird das immer so sein? <<
    (…)>>Es wird immer Mistkerle auf der Welt geben. (…) Aber ich glaube ganz sicher, und Daddy glaubt das auch, dass es mehr gute Menschen auf dieser Welt gibt als böse, und die guten Menschen passen aufeinander auf und kümmern sich umeinander. <<

    Ein Jahr Schule hat August schließlich gepackt, als im neuen Schuljahr der Rektor in der Aula eine Rede an seine Schüler hält:

    >>… aber<<, fuhr er fort, >>ich wünsche mir für euch, meine Schüler, dass das, was ihr von der Middle-School auf euren Lebensweg mitnehmen könnt, das sichere Wissen ist, dass in der Zukunft, die ihr euch selbst gestaltet, alles möglich ist. Wenn jede einzelne Person in diesem Raum es sich zur Regel machen würde, wo immer sie sich befindet, wann immer es möglich ist, zu versuchen, sich etwas freundlicher zu verhalten, als notwendig ist – würde die Welt zu einem besseren Ort werden. Und wenn ihr das tut, wenn ihr euch etwas freundlicher verhaltet als notwendig, dann wird irgendjemand irgendwo und irgendwann vielleicht in jedem Einzelnen von euch das Antlitz Gottes erkennen. <<

    Da jeder Mensch von dem anderen Menschen lernen kann, unabhängig vom Alter und von der Herkunft, war auch der Rektor in der Lage von August zu lernen. August hat die Menschen in seinem Umfeld menschlicher gemacht. Durch seine Präsenz, durch sein Denken, durch sein Wirken hat er schließlich sein Umfeld positiv beeinflusst. Welch ein Verlust für die Gesellschaft, würde August weiter vor der Öffentlichkeit versteckt gehalten werden.

    Mein Fazit?

    Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. August erzählt seine Sichtweise, Olivia ihre, etc. Dieser Erzählstil macht es noch zusätzlich spannend, an den Gedanken und den Gefühlen der verschiedenen Figuren teilhaben zu können. Es gibt nämlich nicht nur eine Wahrheit. Es gibt mehrere Wahrheiten und jede Wahrheit hat ihre Berechtigung ...

    Ein Buch mit so viel Weisheit; ein Buch über Freundschaft, ein Buch über familiäre Liebe, ein Buch über Schwächen und Stärken und dies nicht nur auf August bezogen. Ein Buch für Groß und Klein …

    Und den Schluss, der sich auf den Buchtitel bezieht, fand ich grandios ...

    Und es gibt zusätzlich noch so viele wunderbare Zitate in dem Buch zu lesen ...

    ____________
    Wenn du die Wahl hast, ob du recht behalten oder freundlich sein sollst,
    wähle die Freundlichkeit.
    (Dr. Wayne D. Dyer)

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mai 2017 

    Ein 6-Sterne Buch

    "Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt - es ist schlimmer." (S. 10)

    Mit diesen Sätzen endet das erste Kapitel des Jugendromans "Wunder". Sätze, die einen packen, die unter die Haut gehen und von denen es in diesem wundervollen Roman unendlich viele gibt. Die US-Amerikanerin Raquel J. Palacio hat dieses Buch im Jahre 2012 veröffentlicht, 2 Jahre später ist "Wunder" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden.
    Ich hatte zuvor noch nie etwas von diesem Roman gehört. Glücklicherweise hat mein Sohn dieses Buch in der Schule im Deutschunterricht gelesen. Er, der selten ein Buch liest, konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Was hat dieser Roman an sich, dass ein 11-Jähriger alles andere um sich vergisst? Ich war neugierig und habe mich darauf hin ebenfalls von diesem wundervollen Buch verzaubern lassen.

    Klappentext:
    August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner großen Schwester Via in New York. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. August ist es gewöhnt, angestarrt zu werden, und er weiß, dass die meisten Schüler nicht absichtig gemein zu ihm sind. Sie sind bloß verunsichert. Natürlich ist es sein sehnlichster Wunsch, nicht weiter aufzufallen, ein ganz normaler Junge zu sein, Freunde zu finden. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist wie August.

    Eine Buchbesprechung mit Junior:

    Frage: Was hat dir an diesem Buch besonders gefallen?

    Junior: Einfach alles! Die Geschichte ist cool und ich mag die Charaktere.

    Renie: Ging mir genauso. Was mir besonders gefallen hat, war der Aufbau dieses Romans. Es geht ja um dieses eine Jahr in der Schule, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Erzählt wird in erster Linie von August. Aber auch andere kommen zu Wort: u. a. seine Schwester Via, seine Schulkollegen Jack und Summer. Dadurch wird die Handlung mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen erzählt, wobei man jederzeit erkennen kann, wer gerade erzählt. Das hat die Autorin genial hinbekommen. Es gelingt ihr, in ihrem Sprachstil zu variieren, so dass die einzelnen Charaktere sehr authentisch rüberkommen.

    Dann schreibt die Autorin auch noch sehr mitreißend. Man leidet mit den Charakteren. Ich habe tatsächlich das eine oder andere Tränchen verdrückt, habe mich aber auch manchmal schlapp gelacht, weil der Humor zu köstlich ist.

    Junior: Ich nicht. Ich fand das Buch nicht humorvoll. Laut gelacht habe ich nicht.

    Renie: Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht.

    "Rattenjunge. Missgeburt. Monster. Freddy Krueger. E. T. Ekelfresse. Eidechsengesicht. Mutant. Ich kenne die Namen, die sie mir geben. Ich bin auf genug Spielplätzen gewesen, um zu wissen, dass Kinder gemein sein können. Ich weiß, ich weiß, ich weiß." (S. 98)

    Frage: Was hat dich an dem Buch gestört?

    Junior: Gar nix.

    Renie: Stimmt, mich hat auch gar nix gestört.

    Frage: Wer war dein Lieblingscharakter?

    Junior: August natürlich. Er hat am meisten erzählt. Ich mag es nämlich nicht, wenn ständig die Personen beim Erzählen wechseln.

    Renie: Aber das haben sie doch in diesem Buch.

    Junior: Ja, aber sie haben immer ganz schön lange erzählt, so dass ich Zeit genug hatte, mich an sie zu gewöhnen und besser kennen zu lernen.

    Renie: Aha, jetzt verstehe ich, was du meinst. Es gibt insgesamt 8 Abschnitte, die jeweils aus der Sicht eines Charakters erzählt werden. Lediglich August kommt häufiger zu Wort.

    Selbstverständlich war August auch mein Lieblingscharakter. Ich fand es bewundernswert, wie er sein erstes Jahr an einer Schule gemeistert hat und am Ende die Herzen aller erobert hat, so dass sein Aussehen völlig nebensächlich geworden ist. Mir haben aber auch die Kinder gefallen, die unvoreingenommen und neugierig an August herangegangen sind, und es riskiert haben, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Schließlich ist ja von einigen Mitschülern ein enormer Druck auf sie ausgeübt worden, sie sind sogar gemobbt worden, weil sie sich auf Auggies Seite gestellt haben. Und trotzdem wollten sie mit ihm befreundet sein.

    "Er ist bloß ein Junge. Der seltsamstaussehende Junge, der mir je begegnet ist, ja. Aber bloß ein Junge." (S. 148)

    Frage: Fällt dir eine Lieblingsstelle in dem Buch ein?

    Junior: Bei Auggie Doggie* musste ich grinsen.

    Renie: Hast du nicht eben gemeint, dass das Buch nicht lustig ist?

    Junior: Es ist nicht humorvoll. Denn Humor ist, wenn man ganz laut lachen muss. Bei Auggie Doggie musste ich nur grinsen.

    Renie: Aha.

    * "'Also, Auggie Doggie', sagte er, 'Der Tag war wirklich okay?' Er hatte das aus einer alten Zeichentrickserie über einen Hund namens Auggie Doggie. Er hatte mir das Video bei eBay gekauft, als ich vier Jahre alt gewesen war, und eine Zeit lang hatten wir es uns oft angesehen - vor allem im Krankenhaus. Er nannte mich Auggie Doggie und ich ihn 'lieber alter Vater', wie das Hundekind den Dackel in der Serie." (S. 74)

    Frage: Warum lautet der Titel dieses Buches "Wunder"?

    Junior: Ist doch klar. August ist ein Wunder. Er kommt mit seinem Aussehen klar und fordert andere auf, sich mit ihm zu beschäftigen. Auf dem Buchumschlag steht der Satz "Sieh mich nicht an". Am Anfang fällt es ihm zwar schwer und er hat Angst vor der Schule. Doch mit der Zeit geht es ihm immer besser und sein Aussehen ist egal. Er kommt sogar damit klar, dass er gemobbt wird. Andere Leute bringen sich um, weil sie wegen ihres Aussehens gemobbt werden. August nicht.

    Renie: Stimmt. August ist so mutig. Er beweist, dass Äußerlichkeiten völlig egal sind. Davon kann sich mancher eine Scheibe abschneiden.

    Frage: Wirst du dich in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern?

    Junior: Ich glaube nicht. Es ist zwar ein außergewöhnliches Buch, und man liest so etwas nicht alle Tage. Aber es ist "nur" ein Buch und ich lese ja eigentlich nicht gern.

    Renie: Irgendwann hast du bestimmt auch Spaß am Lesen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es gibt nicht viele Bücher, die so besonders sind wie "Wunder" und die eine Geschichte erzählen, die mitten ins Herz geht. Ich werde mich auf jeden Fall auch in ein paar Jahren noch an dieses Buch erinnern.

    © Renie und Junior