Wolkenkuckucksland: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wolkenkuckucksland: Roman' von Anthony Doerr
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wolkenkuckucksland: Roman"

Im Mittelpunkt dieses großen Romans stehen Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die sich in einer zerbrechenden Welt zurechtfinden müssen. Anna und Omeir während der Belagerung und Eroberung von Konstantinopel 1453, Seymour, der aus fehlgeleitetem Idealismus einen Anschlag auf eine Bibliothek im heutigen Idaho verübt, und Konstance im Raumschiff "Argos" in der Zukunft, auf dem Weg zu einem Exoplaneten. Was sie alle auf geheimnisvolle und geradezu atemberaubende Weise über Zeiten und Räume miteinander verbindet, ist eine Geschichte über ein utopisches Land in den Wolken. Anthony Doerr schreibt über menschliche Verbindungen – miteinander, mit der Natur, mit früheren und zukünftigen Generationen. Ihm gelingt es in diesem gleichzeitig wunderschön erzählten, außerordentlich spannenden und wirklich liebevollen Roman ins pulsierende Herz dieser Verwobenheit vorzudringen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:532
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406774317

Rezensionen zu "Wolkenkuckucksland: Roman"

  1. 4
    08. Jan 2022 

    Alle Zeiten

    Immer lesen sie über Aethon, der achtzig Jahre als Mensch lebte, ein Jahr als Esel, ein Jahr als Zackenbarsch und ein Jahr als Krähe. Die Geschichte wird gefunden von Kindern und Jugendlichen im Konstantinopel des 15. Jahrhunderts, in den USA in unseren Tagen und in der Zukunft von der jungen Konstance. Die Fragmente, die von Aethons Historie erhalten sind, übersetzt Zeno für die amerikanischen Kinder, die mit ihm gemeinsam ein Stück schreiben, dass sie dem Publikum in einer einzigen und einzigartigen Aufführung darbieten wollen. Anna hat die Überbleibsel des Buches im 15. Jahrhundert in einer verlassenen Bibliothek entdeckt und gehütet.

    Wie blicken die Kinder und Jugendlichen auf die Welt und wohin treibt es sie? Schon Anna, die im Mittelalter lebt, wirkt wie eine Entdeckerin auf der Suche nach den Buchstaben, während Zeno im Alter für seine Theatertruppe sorgt. Konstance, erfährt von den Geschichten aus dem gespeicherten Wissen, welches in die Zukunft gerettet wurde. Auch sie ist ein intelligentes Mädchen, das sehr wissbegierig ist. Dagegen wirkt Seymour, der schon als Kind anders ist, wie ein missgeleiteter Gegenpol. Und doch haben versammeln sich auch viele, die es im Leben nicht immer so leicht haben, weil sie arm sind, anders aussehen oder anders lieben.

    Ein neuer Roman von Anthony Doerr, den muss man haben, auch wenn er vielleicht nicht ganz so mitreißend ist, wie der, den man vorher gelesen hat. Doch die Erzählungen aus drei Jahrhunderten, die über die Geschichte Aethons zusammengehalten werden, sind interessant und packend. Toll, wie sich eigentlich kleine Existenzen durch ihren Wissensdrang aus der Masse herausheben. Das gibt Zuversicht, dass man auch in weniger schönen Zeiten über sich hinauswachsen kann. Für manchen Schritt braucht es Mut und vielleicht auch Opferbereitschaft. In diesem Buch trifft man Charaktere, die eben hiermit ausgestattet zum Vorbild werden können. Am Schluss wirklich gefesselt, schließt man das Buch mit großer Zufriedenheit.

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  1. 4
    11. Dez 2021 

    Träume

    Anthony Doerr's "Wolkenkuckucksland" ist eine schöne Geschichte über die Liebe zur Literatur, aber auch über die Liebe zu unserer Erde und ihren Bewohnern und eine Kritik an unserer Geldgier und an unserem Umgang mit den Ressourcen der Erde.

    Dabei ist das Buch in vier verschiedene Erzählstränge gegliedert, die in verschiedenen Zeiten spielen, einmal sind die Lesenden bei Antonios Diogenes im alten Griechenland bei den Tafeln des Wolkenkuckuckslandes, dann sind die Leser bei Anna und Omeir im 15. Jahrhundert in Konstantinopel, dann wieder sind sie bei Zeno und Seymour im 20./21. Jahrhundert in den USA und zuletzt ist die Leserschaft bei Konstance in der Zukunft auf einem Raumschiff. Alle vier Lesestränge sind unterschiedlich, ihrer Zeit angepasst erzählt. Allerdings sind sie auch unterschiedlich mitreißend erzählt, mich faszinierte am meisten und auch durchgehend die Geschichte um Omeir und Anna. Der geschichtliche Hintergrund und die Zeichnung der beiden Hauptcharaktere berührten mich. Die anderen drei Sequenzen gewinnen im Laufe der Erzählung einen Charme, anfänglich fand ich sie leider etwas hölzern. Die Gliederung des Buches in die unterschiedlichen Zeitabschnitte der verschiedenen Kapitel ist etwas verwirrend und zerreißt den Lesefluss etwas. Wenn man sich im Laufe der Lektüre damit angefreundet hat, kann man die Geschichte allerdings auch recht flüssig lesen und die Geschichte gewinnt an Kraft. Und nach und nach, besonders über das titelgebende "Wolkenkuckucksland" finden die unterschiedlichen Lesestränge auch zueinander und trudeln auf das etwas überraschende Ende zu.

    Wobei ich dieses Ende auch etwas wenig und nicht ausreichend ausgezeichnet fand und hier in den letzten Seiten auch einiges fehlt, was die Geschichte noch etwas abgerundet hätte.

    Dabei zeichnet dieser Lesestrang in der Zukunft auch ein recht erschreckendes Bild und passt damit perfekt in die heutige Zeit, denn heute können die Stellschrauben für das Kommende vielleicht noch gedreht werden, aber das ist ein anderes Thema.

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  1. Faszinierend!

    Klappentext:

    „Im Mittelpunkt dieses großen Romans stehen Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die sich in einer zerbrechenden Welt zurechtfinden müssen. Anna und Omeir während der Belagerung und Eroberung von Konstantinopel 1453, Seymour, der aus fehlgeleitetem Idealismus einen Anschlag auf eine Bibliothek im heutigen Idaho verübt, und Konstance im Raumschiff "Argos" in der Zukunft, auf dem Weg zu einem Exoplaneten. Was sie alle auf geheimnisvolle und geradezu atemberaubende Weise über Zeiten und Räume miteinander verbindet, ist eine Geschichte über ein utopisches Land in den Wolken.“

    Welch toller Titel! Habe ich aber, zugegebener Maßen, eher mit Pixie aus dem Wolkenkuckucksheim (die 80er Generation wird sich noch dunkel an Pixie erinnern können) assoziiert und an die Trickserien-Geschichten von Hans Christian Andersen gedacht und natürlich selbstredend an die Geschichte aus Aristophanes’ Komödie „Die Vögel“, dem Wolkenkuckucksheim… Was hat aber Autor Anthony Doerr uns mit seinem wolkigen Titel „Wolkenkuckucksland“ hier erzählen wollen? Eine ganz Menge und man kann meine gedanklichen Vorreiter sogar hier und da in gewissen bildhaften Beschreibungen wiederfinden, etwas damit assoziieren. Doerr beschreibt auf drei zeitlichen Ebenen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft und dies mit sehr interessanten Protagonisten. Er erzählt so herrlich eindringlich, flüssig und bildhaft, das man schon dahin schweben kann…aber…hier steckt eben mehr drin und die Freunde der „zwischen-den-Zeilen-Lesersvhaft“ werden hier vor Freude jubeln.

    Die drei Zeiten haben so viel gemeinsam genau wie ihre Darsteller und ich will gar nicht zu viel verraten, denn das muss sich schon schön jeder selbst erlesen.

    Zugegeben der Anfang war etwas holprig für mich und ich bin auch kein Fan von irgendwelchen Dystopien aber Doerr‘s Schreibstil ist wahrlich gelungen, hier und da mit ein paar Längen, und fesselt den Leser von Seite zu Seite. Der sich mal mit dem Wolkenkuckucksheim auseinandersetzt und die Geschichte hier versucht ein wenig zu vergleichen, wird viele Dinge wiederfinden, obwohl es so anders ist, was auch gut ist.

    Ein weiterer schöner Tenor hier zu entdecken: ein Hoch auch die Buchwelt! Die kann man eh nicht genügend lobend….finde ich…

    Eine äußerst besondere Leseerfahrung mit enormen Denkpotential und vielen Inspirationen für‘s Leben! 4 von 5 Sterne!

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