Wolfsspinne (Vincent Veih ermittelt, Band 3)

Buchseite und Rezensionen zu 'Wolfsspinne (Vincent Veih ermittelt, Band 3)' von Horst Eckert
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Broschiertes Buch
Ein hochbrisanter Thriller, der die offizielle Version zum Thema NSU infrage stellt.

Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in einem Wohnmobil - Mitglieder des rechtsextremen Terror-Trios, das jahrelang unerkannt gemordet hat. Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den "Nationalsozialistischen Untergrund" für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er weiß, dass er für immer schweigen muss.
Jahre später wird in Düsseldorf die Promiwirtin Melli Franck ermordet. Hauptkommissar Vincent Veih ahnt noch nicht, dass es sein persönlichster Fall werden wird. Und als weitere Morde geschehen, stößt er auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur "Aktion Wolfsspinne" - und zum NSU ...

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:496
EAN:9783499271854

Rezensionen zu "Wolfsspinne (Vincent Veih ermittelt, Band 3)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Sep 2017 

    Fadenkreuz

    Die bekannte Düsseldorfer Wirtin Melli Franck wird in ihrem Lokal tot aufgefunden. Der Leiter der Mordkommission Vincent Che Veih übernimmt die Ermittlungen. Völlig unklar ist zunächst ein Mordmotiv. Melli Franck war ein eher unbeschriebenes Blatt und so liegt zunächst die Vermutung nahe, es könnte es um eine Zufallstat gehandelt haben. Schnell jedoch ergeben sich Hinweise, die doch eher auf einen geplanten Mord hindeuten. Spuren führen sowohl ins Drogenmilieu als auch in die rechte Szene. Und so gewinnt der Fall eine ungeahnte Brisanz. Gegen Vincent, der im Rahmen einer Demo gegen Rechts, an der er als Privatmensch teilgenommen hatte, in eine Rangelei geraten war, wird ebenfalls ermittelt.

    Was mit einem relativ harmlos anmutenden Mord beginnt, wächst sich in Vincent Che Veihs drittem Fall zu einer komplizierten und vielschichtigen Ermittlung aus. Drogen, Politik, die Diskussion, wie sich Beamte in der Öffentlichkeit zu verhalten haben vor dem Hintergrund einer Mordserie, die bereits aufgeklärt schien. Für die Ermittler geht es hart zur Sache und für Vincent wird klar, welche seiner Kollegen wirklich hinter ihm stehen und welche eigene Ziele verfolgen. Die Situation ist vertrackt. Doch der Kommissar lässt sich nicht beirren und fährt mit seinen Nachforschungen zur Aufklärung des Mordes und der weiteren Umstände fort. Je tiefer er dabei vordringt, desto unglaublicher und gerade deswegen glaubhafter wird das, was er herausfindet.

    Puh, man zweifelt ja schon so manches Mal an den Vorgängen in diesem Staat. Hin und wieder kommt sogar der Gedanke, mit den Machenschaften des Staates ist es ähnlich wie mit den Packungsbeilagen der Medikamente. Je weniger man liest, desto besser, schließlich soll es ja helfen. Und so ist man hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis zu wissen und dem Wunsch, den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich enden viele Dinge, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, mit strengeren Gesetzen und mehr Einfluss für den Staat. Da sollte es aber irgendwann eine Grenze geben. Gerade gegen den Rechtsextremismus müsste viel stärker vorgegangen werden. Natürlich sind auch andere Krawalle zu verfolgen, doch wirken diese im Vergleich harmloser. Beinahe könnte man befürchten, wir seien sie nie richtig losgeworden. Und so kann es nur eine Aufgabe sein, immer wieder zu mahnen, zu verfolgen und gewissen Entwicklungen möglichst früh entgegen zu treten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Wahlen oder Abstimmungen mitunter sehr eigenartig ausgehen, wollen wir unsere Freiheit und Demokratie behalten, vielleicht sogar den Glauben an den Staat. Wenn dann im Rahmen einer einfachen Mordermittlung ordentlich aufgerüttelt wird und etliche Fragezeichen im Denkapparat erzeugt wurden, kann das Fazit nur lauten: äußerst lesenswert.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Feb 2017 

    Aktuell und brisant

    Mein erster Politthriller und ich habe festgestellt, daß das Thema in einen Thriller verpackt wurde, der sehr gut recherchiert und packend zu lesen ist. Die verschiedenen Handlungsstränge sind übersichtlich und nähern sich logischerweise immer mehr an.
    Extrem berührend fand ich den Prolog, den Epilog und den Anhang. Im Prolog und Epilog kommt ein Kind eines der NSU-Opfers zu Wort und das berührt sehr, wie die Familie ihr "normales Leben" verliert und sehen muss wie sie weiter klarkommen, wie sehr der Vater vermisst wird. Der Anhang, der über 10 Seiten geht, führt uns nochmal namentlich alle Todesopfer rechter Gewalt vor Augen seit 1999. Diese extrem lange Liste hat mich echt geschockt.
    Horst Eckert schafft es die ganzen, immer noch aktuelle Themen, interessant zu beschreiben und in einer Story unterzubekommen, ohne das es beim Lesen gezwungen und überlastet wirkt.
    Als Charakter hat mir Ronny Vogt sehr gut gefallen, als Undercovermann, der bei der NSU-Truppe eingeschleust wurde und sich ihnen anpassen musste, um nicht aufzufliegen. Er ging über seine persönlichen Grenzen, er musste morden und seine Gedanken auf "rechts" drehen um in der Gruppe angesehen zu sein und vor allem um nicht aufzufallen.
    Beim Lesen der Geschichte verwendet Eckert zwar andere Namen für die NSU-Terror-Zelle, aber man weiß sofort wer eigentlich damit in echt gemeint ist.
    Tja und wer weiß wie es nun eigentlich wirklich war? Haben uns Geheimdienst und Verfassungsschutz die Wahrheit gesagt? Ich glaube das wir Bürger gar nicht alles wissen sollen und auch niemals wissen werden.
    Ein Buch welches mich, aufgrund des brisanten Themas fesseln konnte, aber mich nicht zum Fan dieses Genres *Politthriller* machen wird.