Wir sind schließlich wer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wir sind schließlich wer: Roman' von Anne Gesthuysen
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wir sind schließlich wer: Roman"

Von einer jungen Pastorin am Niederrhein, die ihre Gemeinde aufmischt, vom Aufwachsen zweier ungleicher Schwestern in Adelskreisen und vom Mut, den es braucht, ein Leben selbst zu gestalten, wenn alles vorherbestimmt scheint. Die Bürger der Gemeinde Alpen sind skeptisch, als Anna von Betteray die Vertretung des erkrankten Pastors übernimmt. Schließlich ist sie geschieden, blaublütig, mit Mitte dreißig viel zu jung für den Posten und eine Frau. Der einzige Mann an ihrer Seite: ihr Hund Freddy. Während Anna versucht, ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit zu bewältigen und die Gemeinde behutsam zu modernisieren, gerät das Leben ihrer Schwester Maria komplett aus den Fugen. Ihr Mann wird verhaftet, kurz darauf verschwindet auch noch ihr Sohn. Ausgerechnet sie, die in den Augen der standesbewussten Mutter die Vorzeigetochter war, die auf Schützenfesten zur Königin gekrönt wurde und einen Grafen heiratete, während Anna mit schmutzigen Hosen im Stall spielte und sich in die falschen Männer verliebte. Erst in der Not überwinden die Schwestern ihre Gegensätze – und erhalten Unterstützung von überraschender Seite. Denn wenn es darum geht, einen kleinen Jungen zu finden, halten die Alpener fest zusammen. Und allen voran: Ottilie Oymann aus dem Seniorenstift Burg Winnenthal!

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
EAN:9783462054088

Rezensionen zu "Wir sind schließlich wer: Roman"

  1. Die Pastorin

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Nov 2021 

    Anna von Betteray ist die Rebellin in der Familie. Unter anderem aus Protest gegen die katholischen Dogmen, die bei den Betterays gelebt werden, hat sie Theologie studiert. Nun hat sie eine Vertretungsstelle als evangelische Pastorin in der kleinen Gemeinde Alpen ungefähr eine halbe Stunde von ihrem Elternhaus entfernt. Die Gemeindemitglieder sind überrascht als sie ankommt. Sie ist eine Frau, geschieden und eigentlich zu jung. Anna merkt, sie wird es nicht leicht haben. Und auch mit der Familie gibt es Schwierigkeiten. Die behütete Welt ihrer Schwester Maria bricht zusammen als ihr Mann wegen eines Bankskandals verhaftet wird. Allerdings bringt dieses Ereignis auch Probleme zutage, die sowieso schon schwelten.

    Mechthild von Betteray wollte immer nur das Beste für ihre adeligen Kinder, besonders für ihre beiden Töchter, die einige Zeit nach den Jungen geboren wurden. Ob ihre Vorstellungen davon noch der heutigen Zeit entsprechen, zumindest Anna ist anderer Meinung. Maria hat ihren Grafen bekommen und muss mit ihm leben. Seine Verhaftung ist eine Katastrophe, die besonders ihrem Sohn Sascha das Leben schwer macht. Maria bricht unter der Last zusammen und Anna muss sowohl als Seelsorgerin und natürlich auch als Schwester einspringen. So ist sie mit Goldendoodle Freddy häufiger daheim als gedacht.

    Es ist schon eine besondere Familie, die die Autorin hier zu Wort kommen lässt. Was relativ harmlos mit der Vertretung des erkrankten Pastors beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Drama. Auch wenn man manchmal denkt, das ist zu viel, so bleibt die Handlung doch immer nah bei den handelnden Personen, die auch mit ihren Eigenheiten und Problemen sympathisch bleiben. Das dörfliche Leben am Niederrhein wird mit kleinen Spitzen und einer gehörigen Portion Humor geschildert, so dass die dramatischen Ereignisse um Maria und ihre Familie den Roman gerade im richtigen Maß bestimmen. Diese schöne turbulente Familiengeschichte, in der kleine und große Dramen durchzustehen sind, liest sich ausgesprochen gut und macht neugierig auf die anderen Romane der Autorin.

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  1. Familiennöte

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 04. Nov 2021 

    Anna und Maria sind Schwestern und schon von klein auf verschieden wie Feuer und Wasser. Maria ist Mutters kleines Prinzesschen, verwöhnt und verhätschelt. Die Mutter bildet sich auch viel auf ihren adligen Namen, sie lebt ihren Standesdünkel aus. Anna ist wesentlich handfester und lehnt sich schon früh gegen den mütterlichen Zwang auf. Sie konvertiert und wird letztendlich sogar evangelische Pastorin.

    Nun hat Anna ihre erste Gemeinde am Niederrhein und die Bevölkerung, inclusive der Pfarrhaushälterin macht ihr das Leben nicht einfach. Als dann Maria über Nacht vor den Trümmern ihrer Existenz steht und mit ihren Lebenslügen konfrontiert wird, bringt das auch für Anna viele Erkenntnisse mit.

    Anne Gesthuysens Stil ist erfrischend und oft sehr lebensnah. Das mag ich bei ihren Büchern, allerdings sind mir bei ihrem neuen Roman einige Figuren zu holzschnittartig geraten. Die Mutter von Betteray ist fast schon eine Karikatur einer aus der Zeit gefallenen standesdünkeligen Adligen. Ebenso die Haushälterin in Pastorin Annas Haushalt scheint direkt einer Posse entsprungen. Ihr nimmt man auch später den Wandel zu herzlich zupackenden Helferin nicht mehr ab. Bösartiger Tratsch und handfeste Ausgrenzung im Dorf lösen sich schnell in Idylle auf, auch das ging mir etwas zu schnell und unrealistisch.

    Der Niederrhein ist der landschaftliche Hintergrund der Gesthuysen-Romane und sie kann die Gegend und ihre Menschen sehr schön schildern. Das weckt schon fast heimatliche Gefühle.

    Eine turbulente Familiengeschichte, in der wirklich alles passiert, was man sich vorstellen kann und die sich manchmal ins Klischee verirrt hat

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