Winterkind: Roman

Rezensionen zu "Winterkind: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Apr 2019 

    Spieglein

    Sehnsüchtig wartet Blanka von Rapp darauf, dass ihre kleine Tochter Johanna, ihr Mann und das Kindermädchen Sophie zurückkehren. Seit langem schon kann Blanka das Haus nicht mehr verlassen und so konnte sie nicht einmal der Bestattung ihrer Mutter beiwohnen. Es ist kalt, es ist Winter. Endlich kommen sie und sie bringen das einzige Erbe, einen Spiegel. Obwohl Blanka erfreut ist, dass ihre Familie endlich um sie vereint ist, herrscht doch eine gedrückte Stimmung. Und bald schon muss ihr Mann wieder fort. Der Zahltag für die Arbeiter der Glashütte naht und noch steht das Geld nicht parat.

    Ein Winterroman, den man lieber in der helleren Jahreszeit liest. Zu düster ist die Stimmung, die verbreitet wird. Es steht nicht gut um die Familie von Rapp, sowohl was das zwischenmenschliche angeht als auch, was die finanzielle Seite anbetrifft. Der von Rapp war einmal ihr Traummann, für ihn ist sie andere Wege gegangen. Doch was ist geblieben, nach den Ehejahren. Nur ihr liebstes und einziges Kind. Als Johanna nach der Fahrt durch die Winterluft schwer erkrankt, ist ihre Mutter untröstlich. Gemeinsam mit Sophie versucht sie alles, um dem Kind zu helfen. Nicht immer allerdings ist gut gemeint auch gut gemacht. So bringt Blanka ihre Tochter in noch größere Gefahr.

    Erinnert an das Märchen vom Schneewittchen wird man bei der Lektüre dieses Buches. Doch die Vorstellung von einem happily ever after sollte man beim Lesen dieses Romans nochmal überdenken. Man muss damit rechnen, aus seinen romantischen Vorstellungen gerissen zu werden. Nach dem Happy End geht das Leben erst los. Und nicht immer schwebt man auf rosa Wolken. Blanka jedenfalls ist in ihrer Vergangenheit gefangen und sie kann sich nur mit ihrer Fowlerschen Lösung aufrecht halten. Doch Blanka kämpft gegen die Dunkelheit in ihrem Inneren und für ihre Tochter. Und damit nährt sich auch der Glaube, dass es wieder aufwärts geht, wenn ein Tal durchwandert ist.

    Ein spannender, düsterer Roman, der in einer alten Zeit spielt, in welcher schon der Umbruch in die Moderne zu spüren ist.
    3,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Feb 2015 

    Einfach ein wunderbarer Roman!

    Inhalt:
    Es war einmal im Winter... so scheinen Märchen zu beginnen... doch was ist wenn die Realität einen einholt und der "Prinz" geheiratet ist? Winterkind beginnt dort wo Märchen enden... Jahre nach dem Blanka von Rapp geheiratet hat, kehrt ihr Mann eines Tages von der Beerdigung ihrer Mutter zurück. Ein großer Spiegel ist alles was ihr geblieben ist... von der Mutter vor der sie schon als Kind Angst hatte. Und vor dem Spiegel... dem Spiegel der sogar ihrer kleinen Tochter Johanna das fürchten lehrt. Und während die Arbeiter ihres Mannes auf ihren Lohn hoffen und der Schnee immer Dichter wird muss sich Blanka fragen ob sie ihrem Mann jemals wieder vertrauen kann und ob ihre Angst vor dem Spiegel und dem Geist der Mutter jemals enden wird...

    Meine Meinung:
    Der siebte Schwan war schon eines meiner ganz besonderen Lesehighlights in diesem Jahr und mir klar das ein neuer Roman der Autorin automatisch in mein Regal wandern würde. Ich habe es keine Seite lang bereut.
    Die ganz besondere Atmosphäre die die Autorin in Winterkind heraufbeschwört ist wirklich einfach phantastisch. Der Winter ist greifbar nahe und ich hatte fast gedacht es schneit - bis ich aufgeblickt habe *g* Es war so schön geschrieben, das ich fast nicht weiter lesen wollte, damit es nicht so schnell zu Ende ist damit. Märchenhaft einerseits und doch wieder kein Märchen andererseits.

    Wieder gelingt es Lilach Mer Motive eines Märchens - hier Schneewittchen- in etwas völlig eigenständiges zu Verwandeln. So erkennt man zwar einige Bilder wieder, aber es ist nie einfach nur abgeschrieben, sondern eher eine kleine Hommage, aber eben trotzdem so völlig neu und anders. Das war einfach wunderbar, ich hätte noch Tage darin schwelgen können. Zudem ist Manches auch so bildhaft geschrieben, dass ich die Kleidung der Figuren und das Haus in dem sie agieren direkt vor Augen hatte. Auch die Gefühle zwischen Blanka und ihrem Mann, diese merkwürdige Spannung zwischen all dem Ungesagten. Dazu lernt man neben Blanka der Dame des Hauses, auch ihre kleine Tochter kennen, sowie deren Gouvernante Sophie die eine Art Gegengewicht zu Blanka darstellt, die durch ihre Erziehung erstarrt ist in ihren Ängsten und den Konventionen der Zeit. Die Autorin hat die Handlung in das 19. Jahrhundert gelegt, obwohl diese daher eine Rolle spielt und der Roman anders hätte geschrieben werden müssen wenn die Zeit eine andere wäre, spielen für mich trotzdem diese beiden Frauen die tragende Rolle.

    Frau Mer konnte mich einfach mit ihrem Gesamtpaket überzeugen. Da war kein Wort zu viel oder zu wenig. Keine noch so kleine Falte eines Kleides zu viel beschrieben. Zu dem war auch die Ganze Entschlüsselung von Blankas Vergangenheit ganz wundervoll in die Geschichte verwoben. Ich bin sehr sehr begeistert und die Autorin konnte mir damit gleich zwei Lesehighlights in diesem Jahr bescheren - Lesen!!!!

    PS: Diese Meinung wurde 2012 geschrieben