Wind in deinen Segeln: Ready to be found

Buchseite und Rezensionen zu 'Wind in deinen Segeln: Ready to be found' von Jessica Winter
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Emerald Ich will nicht zurück in diese Hölle, die sich mein Zuhause nannte, nur habe ich keine Wahl. Ich darf mein Versprechen nicht brechen - was es auch kostet. Doch dann gibt mein Auto den Geist auf und zwingt mich, die Reise quer durch das Land in einer Kleinstadt zu unterbrechen, in der die sprichwörtlichen Steppenläufer völlig gelangweilt über die Straße rollen. Das Schlimmste dort ist Gabriel, der Automechaniker, genannt Angel: abweisend, unritterlich und absolut unnahbar. In der einen Minute rettet er mich vor einem Schmierbeutel, in der nächsten schmeißt er mich aus seinem Auto. Dieser Typ frustriert mich auf allen Ebenen. Erst als Gabriels streng bewachte Mauern immer mehr Risse bekommen, erkenne ich, dass ich nicht die Einzige bin, die Hilfe braucht. Und plötzlich fühle ich mich ihm näher als ich wollte... Gabriel: Elf Monate habe ich im Knast gesessen für eine Tat, die ich nicht begangen habe. Aber dieser Albtraum ist noch lange nicht vorbei. Denn wirklich frei bin ich nicht. Die endgültige Gerichtsverhandlung steht erst bevor und ich kämpfe buchstäblich um mein Leben. Das Letzte, was ich jetzt brauche, ist diese kleine schlagfertige Nervensäge, die in einer regnerischen Nacht in mein Leben stürmt und Hilfe sucht. Ob ich es will oder nicht: Emerald kratzt an meinem Panzer. Bald wird es keine Option mehr sein, mich von ihr fernzuhalten. Und ich werde jede Regel brechen, um sie zu schützen - selbst wenn ich dabei meine eigene Zukunft aufs Spiel setze...

Format:Taschenbuch
Seiten:372
EAN:9783738628746

Rezensionen zu "Wind in deinen Segeln: Ready to be found"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jul 2019 

    Mitreißende Gefühle & tiefe Abgründe

    Bei "Wind in deinen Segeln" habe ich eine typische Liebesgeschichte erwartet, doch von der Intensität war ich dann doch überrascht.

    Emerald und Gabriel haben beide schon einiges in ihrem Leben durchmachen müssen, als sie sich zufällig in einer Kleinstadt in Iowa kennen lernen. Emerald braucht dringend Hilfe und Gabriel lässt Emerald trotz seiner Vergangenheit nicht kalt. Doch bringt er sich selbst in eine brenzliche Situation in dem er Emerald hilft.

    Ich habe dieses Buch geliebt!!! Ich mag den langsamen Aufbau von tiefen Gefühlen zwischen den Charakteren und auch die Aufdeckung ihrer Vergangenheit Stück für Stück. Am Ende des Buches wartet ein wirklich fieser Cliffhanger auf den Leser und man kann es kaum erwarten den zweiten Teil in den Händen zu halten.
    Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen - passend zur Geschichte. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen und bin schon gespannt wie es für Emerald und Gabriel weitergeht.

    Von mir gibt's eine eindeutige Leseempfehlung für "Wind in deinen Segeln"!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Jun 2019 

    Geballte Emotionen in erschütternden Schicksalen

    Jessica Winter gehört inzwischen zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ihre Bücher sind immer sehr bewegend mit echten und authentischen Schicksalen. Da war es schnell klar, dass ich mein Glück auf Vorablesen.de versuchen wollte um Jessicas neuesten Titel schon vor der Veröffentlichung lesen zu können. Ich danke der Vorablesen-Losfee für die Möglichkeit und freue mich richtig über dieses Buch!

    Coverbild

    Bei dem Coverbild bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Ein umschlungenes Pärchen in zarten rosa bis himmelblauen Tönen gegen die Sonne fotografiert. So lieblich und versonnen… nein, dieses Cover kann nicht wirklich das zeigen was dieser Roman ist. Denn es ist keine “klassische” Liebesschmonzette mit weichgespülten Charakteren in sonnigem Setting. Es ist wesentlich mehr! Schön finde ich die Zeichnung des kleinen Papierbootes, welches sich auch im Buch als visuellen Absatztrenner wiederfindet.

    Handlung

    Emerald West hat ihren jüngeren Geschwistern das Versprechen gegeben an ihrem 18. Geburtstag wieder zurück zu kommen, zu ihnen nach Hause. Doch irgendwo mitten im Niemandsland, auf irgendeiner Interstate zwischen Illinois und Iowa, bleibt Em mit ihrem alten Ford stecken. Sie versucht alles, um ihr Auto wieder fit zu bekommen. Doch ausgerechnet Gabriel Brooks, der einzige in dem Kaff Ceasar City, der einen Abschleppwagen und die dazugehörige Autowerkstatt besitzt, ist Em gegenüber total abweisend und schrecklich schroff. Zu allem Überfluss verhindert ein Unglück nach dem anderen Ems Weiterreise und Gabe und Em müssen sich immer weiter zusammenraufen.

    Gabe steht mit einem Fuß immer noch im Knast, er ist nur auf Bewährung draußen. Und ausgerechnet jetzt kommt ihm Em über den Weg gelaufen. Ihm ist klar, dass er sich keinen Ausrutscher erlauben darf. Aber Em macht es ihm schwer, seine Mauern ihr gegenüber aufrecht zu erhalten.

    Buchlayout / eBook

    Die 372 Seiten werden in 29 Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel wird mit der ausgeschriebenen Kapitelnummer eingeführt und den Namen, aus dessen Perspektive das Kapitel geschrieben ist. Außerdem sind die ersten Wörter mit Kapitälchen abgesetzt. Insgesamt ist die Gestaltung des eBooks einfach aber hübsch, vor allem mit dem kleinen Papierboot.

    Idee / Plot

    Wie viel lassen sich Kinder von ihren Eltern gefallen und wie viel Verantwortung darf auf den Schultern älterer Geschwister liegen? Hier zeigt Jessica Winter ganz gnadenlos den sozialen Mißstand in den weniger gut aufgestellten Gesellschaftsschichten, gerade in der USA. Das, was hier in Deutschland Usus ist, eine gesetzliche Krankenversicherung und Schulpflicht, das können sich viele Menschen in der USA nicht leisten. Da gibt es Bundesstaaten, in denen es gestattet ist, die Kinder zu Hause im Heimunterricht zu schulen. Aber wenn die Eltern selber am untersten sozialen Limit kratzen, wie soll das funktionieren? Welche Chance haben diese Kinder? Man ist abgestempelt. Genauso wie ein vermeintlicher Verbrecher, der zu unrecht verurteilt wurde. Auch wenn dann das Unrecht anerkannt wurde, bleibt man in der Gesellschaft mit einem Stempelaufdruck auf der Stirn zurück. Wie soll man in so einem Umfeld wieder Fuß fassen können?

    Bei Jessica Winter gibt es keine seichte Lovestory, sondern immer Schicksale in ihrer ganzen Ehrlichkeit und Wucht. Das Schlimmste dabei ist, dass es diese Schicksale wirklich so gibt und die Gesellschaft davor die Augen verschließt.

    Emotionen / Protagonisten

    Die nach außen quirlige Emerald ist schlagfertig, frech, und um keinen Spruch verlegen. Mit 14 von zu Hause ausgerissen versuchte sie in New York über die Runden zu kommen. Sie musste sich auf der Straße eine harte Schale aneignen um ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. In vielen Situationen kann ich Em sehr gut nachfühlen, ich finde sie großartig. Ja, sie ist fast 18, aber hat schon sehr viel in Ihrem Leben erleben und ertragen müssen. Wenn ich bedenke, dass meine Tochter gerade 14 Jahre alt ist, bleibt mir ein fetter Kloß im Hals stecken. Das einzige was Em hat, und an dem sie sich fest hält, ist ihr Versprechen.

    „Wenn sie lächelt oder lacht, ist es einfach, diese Traurigkeit und Schwere zu ignorieren, die in ihrem Gesicht liegt. Die sie hinter frechen Sprüchen und viel Make-up versteckt, die aber trotzdem immer wie eine Gewitterwolke über ihr hängt, auf den richtigen Moment wartet einzuschlagen”

    Jessica Winter, „Wind in deinen Segeln“, Pos. 1205 (© Jessica Winter, kindle Edition 2019)

    Was Gabe alles als junger Erwachsener - oder eigentlich fast noch ein Kind - im Knast erlebt haben muss, möchte man nicht wissen, aber man kann es sich denken. Auch wenn er doch auf Bewährung raus gekommen ist, die Narben am Körper und in der Seele verschwinden trotzdem nicht mehr. Er ist genauso verwundbar und misstrauisch wie Em, hat sich aber eine harte Mauer aufgebaut durch Ablehnung und Ignoranz. Und jeder Fehler wird ihm doppelt angekreidet. Manchmal wollte ich ihn schütteln, und dann blitzten so unglaublich liebevolle und herzerwärmende Momente auf.

    Mir gefällt vor allem sehr gut, dass beide selbstreflektierend sind und sich über ihre Grenzen, Wünsche und Macken sehr wohl bewußt sind, und wir als Leser das Aufweichen der Mauern miterleben dürfen.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Jessica Winter hat geschickt die einzelnen Puzzleteile über das Buch verteilt. Man kann sich zwar schon einiges von der Vorgeschichte denken oder erahnen, aber dann plötzlich mit der Wahrheit konfrontiert zu werden hat mich sehr stark berührt. Die Handlung an sich ist erst mal nicht spektakulär. Em bleibt einige Zeit in Ceasar City und wir begleiten Em und Gabe, wie sie sich kennenlernen und beginnen Vertrauen zueinander zu empfinden. Das finde ich toll. Doch dann ab dem 2. Drittel wird es unglaublich ergreifend. Am Ende werden wir mit einem Cliffhanger zurückgelassen, der mich aufschluchzen lies! Um Himmels Willen, ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht!

    Szenerie / Setting

    Die sozialen Mißstände sind gerade in der USA so deutlich, da hätte diese Geschichte hier in Deutschland nicht funktioniert. Jessica hält sich nicht groß mit Beschreibungen der Umgebung auf. Aber das ist hier auch nicht wichtig und würde diesen emotionalen Roman nur stören.

    Sprache / Schreibstil

    Zur Sprache kann ich nur sagen, genial! Keine Kapriolen oder aufwendigen Satzkonstruktionen, sondern zum Roman passend sprechen die Protagonisten wie sie denken, authentisch und ehrlich. Kurze Sätze, gern auch Zweiwortsätze oder auch nur ein Wort, unterstreichen die direkten Gedankengänge und die Selbstreflektionen. Die Autorin hat den Präsens als Erzählzeit gewählt, was ich für diese Geschichte richtig finde. Die Kapitel wechseln sich mehr oder weniger regelmäßig als Multiperspektive zwischen Em und Gabe ab. So erhält man immer direkt die Eindrücke der Szenerie aus der jeweiligen Person und kann sich in beide genauso gut hineinversetzen.

    FAZIT

    Selten hat mich mal wieder ein Buch so berührt und Rotz und Wasser heulen lassen. Was für ein Roman! Das hat nur Marah Woolf mit “Timing is everything” geschafft. Trotz anfänglich sanftem Handlungsaufbau kommt es zum Schluß mit geballter Kraft und Emotion. Keine weichgespülte Liebesschmonzette.