Wiener Totenlieder

Buchseite und Rezensionen zu 'Wiener Totenlieder' von Theresa Prammer
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Ein Tenor wird mit seinem Kostüm ermordet, eine Soubrette unter einem Kulissenteil begraben und eine Sopranistin vergiftet. Und das am weltberühmten Wiener Opernhaus. Die Polizei ist machtlos und bittet Kaufhausdetektivin Carlotta Fiore um Hilfe. Die ist nicht nur gescheiterte Opernsängerin, sondern auch die Tochter der weltberühmten Sopranistin Maria Fiore. Eigentlich wollte Lotta die Welt von egozentrischen, hyperventilierenden Künstlern für immer hinter sich lassen. Sie hasst alles, was damit zusammenhängt. Aber so richtig spannend ist die Arbeit im Kaufhaus auch nicht. Also lässt sie sich als Statistin in die Oper einschleusen. Ihr zur Seite steht Konrad Fürst, ein ehemaliger Kriminalkommissar, der sich als Clown durchschlägt, seit vor langer Zeit seine kleine Tochter verschwunden ist. Doch der Mörder lässt sich nicht aufhalten – sein nächstes Ziel: Lotta Fiore.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783547712094

Rezensionen zu "Wiener Totenlieder"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Apr 2016 

    Mordsoper

    Für eine Opernkarriere hat es nicht gereicht, deshalb arbeitet die Tochter der verstorbenen Operndiva als Kaufhausdetektivin. Also, auch deshalb, weil es mit der Ausbildung bei der Polizei nicht geklappt hat. Carlotta, die lieber Lotta heißt, fällt daher aus allen Wolken, als Hannes Fischer sie um Mitarbeit an einem Fall bittet. Wegen ihrer Kontakte zur Oper so sie dort eine Statistenrolle übernehmen. Gleichzeitig soll der Ex-Polizist Konrad Fürst eingeschleust werden, um die Ermittlungen voranzutreiben. Zwar ist es so ziemlich das Letzte, wovon Lotta träumt, aber nachdem bereits das zweite Ensemblemitglied umgekommen ist, willigt sie doch in das Angebot ein.

    Oftmals nicht ganz bei der Sache, in ihre eigenen Probleme verstrickt, taucht Lotta schneller wieder in die Welt der Oper ein als ihr lieb ist. Die ehemaligen Kollegen der Mutter erkennen sie natürlich und damit wird die Erinnerung an ihre Kindheit geweckt. Die alten Alpträume drängen sich ins Gedächtnis zurück. Doch auch ihr gemeinsamer Einsatz mit Konrad Fürst kann weitere Opfer nicht verhindern. Es muss ein Insider sein, der gute Kenntnisse der Szene hat. Was kann nur ein Motiv sein, Menschen, die eher als Nebendarsteller fungieren, auf offener Bühne zu töten.

    Vielleicht fragt man sich, ob ein lang gehegter Groll wirklich zu solchen Auswirkungen führen kann und ob es solche Zufälle geben kann. Nichtsdestotrotz fühlt man sich in die sympathischen Protagonisten hinein, verdreht zwar manchmal die Augen, wenn die Handlungen etwas abwegig erscheinen, ist aber in jeder Minute der Lektüre mit jeder Faser dabei. In die Zerrissenheit Lottas kann man sich bestens hineinfühlen. Man bebt förmlich mit ihr, wenn ihr innerlicher Vulkan auszubrechen droht, man wünscht, sie möge den Knoten in ihrem Herzen lösen können. Genauso möchte man Konrad in seiner Suche unterstützen. Dabei lässt man sich in die Welt der exzentrischen Operndarsteller entführen und erhält amüsante und witzige Einblicke in eine Szene, die sich selbst vermutlich sehr ernst nimmt.

    Ein spritzig spannendes Debüt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Okt 2015 

    Mord in der Oper

    Makabre Todesfälle in der Wiener Oper beherrschen Presse und Publikum, meist sind es mittelmäßige Künstler die auf der Bühne zu Tode kommen, jedes Mal ist der Mord geradezu theaterreif inszeniert.
    Carlotta Fiore und Konrad Fürst sind beide vom Schicksal gezeichnet. Lotta versucht ihr verpfuschtes Leben mit Alkohol und zunehmend gefährlicheren One Night Stands zu betäuben. Zu engeren Bindungen scheint sie nicht mehr fähig. Konrad, ein Expolizist, wurde durch das Verschwinden seiner Tochter aus der Bahn geworfen. Er fühlte sich von seinen damaligen Kollegen im Stich gelassen und der Zorn auf den Exkollegen Heinz lodert auch nach 23 Jahren ungebrochen in ihm. Die Beiden werden von Hannes Fischer, einem weiteren früheren Kollegen überredet, sich als Privatermittler in die Wiener Oper einschleußen zu lassen. Lotta ist dafür prädestiniert, war doch ihre Mutter die gefeierte Operndiva Maria Fiore, sie selbst hat leider nie den Sprung auf die Bühne geschafft, ihr Talent reichte nicht. Besonders kompliziert ist diese Bitte, da Hannes und Lotta eine Beziehung hatten, die er nicht vergessen kann, aber da sie keine Nähe zulassen konnte, endete das Verhältnis katastrophal.
    Zwischen den Kapiteln begleiten wir ein kleines Mädchen, das durch nächtliche Alpträume gequält wird.
    Eine etwas morbide Spannung durchzieht das Buch, die Opernwelt mit Eifersüchteleien, Exzentrik und Geltungsdrang ist die eine Seite, die psychologisch dichte Schilderung der Hauptpersonen Lotta, Konrad und Hannes die andere. Beides führt dazu, dass mich das Buch sofort in Bann geschlagen hat. Die Episoden um das träumende Kind halten die Spannung ebenfalls hoch, spürt man doch sofort, dass diese kindlichen Alpträume Lotta betreffen.
    Die Autorin versteht es die Spannung von der ersten Seite an hoch zu halten, es gibt keine Längen oder überflüssige Nebenstränge, die Opernatmosphäre ist lebendig geschildert, hier merkt man, dass Theresa Prammer vom Fach ist. Ein toller Krimi, ich hoffe es wird bald weitere Bücher der Autorin geben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mai 2015 

    Mord in der Opernwelt

    Der Tenor Wilhelm Neumann wird während der Premiere auf der Bühne ermordet, er kann gerade noch den Beginn der Rolle des Monostatos in Mozarts Zauberflöte schmettern und das auch noch besser als jemals zuvor, dann bricht er tot zusammen. Wollte jemand die Premiere des Stückes verhindern oder ist jemand anderes scharf auf die Rolle des Monostatos? Da es nicht bei diesem einen Mord an der Oper bleibt, zieht die Polizei die Privatdetektivin Lotta Fiore hinzu. Sie soll im Mordfall an der Oper undercover ermitteln, verfügt sie doch über eine abgebrochene Opernausbildung und ist zudem die Tochter der berühmten Sopranistin Maria Fiore. Ihr zur Seite gestellt wird der ehemalige Kriminalkommissar Konrad Fürst, der sich seit dem Verschwinden seiner Tochter als Clown über Wasser hält.

    Die Autorin Theresa Prammer schafft es in brillanter Weise die Atmosphäre ihrer Schauplätze lebendig werden zu lassen und baut gleich zu Beginn eine unglaubliche und atemberaubende Spannung auf, die sie bis zum Schluss aufrecht erhalten kann. Die Charaktere sind kantig und liebenswert zugleich. Dadurch dass ihre beiden Hauptfiguren, Lotta und Konrad, ein durchaus als schwierig zu bezeichnendes Vorleben besitzen, also ihre Ecken und Kanten haben, kommen sie richtig authentisch rüber.

    Die Mordaufklärung und die Geschehnisse an der Oper werden in den Kapiteln des Buches abgewechselt mit kurzen Passagen über ein kleines Mädchen, auch hier schafft Theresa Prammer eine Spannung und Geheimnisse aufzubauen, die bis zum Ende des Buches aufrecht erhalten werden und die den Leser fesseln.
    Das Buch ist wunderhübsch eingebunden, der Schutzumschlag gefällt mir ausgesprochen gut, er zeigt eines der bekanntesten Wahrzeichen Wiens: das Riesenrad im Prater. Der Hintergrund signalisiert das Licht eines Sonnenauf- oder -unterganges in seinen herrlichen Farben.
    Die Kapitelüberschriften haben fast ausschließlich alle einen Bezug zur Musik, was ich als sehr stimmig zur Atmosphäre in der Opernwelt empfinde.
    Außerordentlich beeindruckt bin ich von der Story und dem rasanten Erzähltempo der Autorin.
    Besonders schön ist auch die Taktik von Theresa Prammer, den Mörder und sein Motiv über lange Zeit geheim zu halten. Ein Thriller in einem ungewöhnlichen Ambiente, dem ich 5 von 5 Sternen vergebe und den ich von Herzen gerne weiter empfehlen möchte.