Westlake Haven

Rezensionen zu "Westlake Haven"

  1. Leben in der „Virtual Reality“ – auch nach dem irdischen Tod?

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Jan 2019 

    „Wissen Sie, Doc, ich glaube, immer wieder einmal den Blick über das endliche Leben hinaus zu werfen, hilft enorm, mit der eigenen Existenz umzugehen.“ (S. 80)

    Das oben genannte Zitat ist für mich eine der Kernaussagen von „Westlake Haven“ – ein in der Hauptsache in der virtuellen Welt und in der Zukunft angesiedelter Roman des schweizerischen Autors Marc Späni.

    Da ich es eigentlich nicht so mit der virtuellen Realität habe, war ich zunächst skeptisch, ob „Westlake Haven“ mich erreichen und berühren würde. Da es aber auch um ethische und philosophische Fragestellungen geht, die der Autor geschickt in die Handlung einbaut, kann ich sagen „Ja, es hat mich erreicht.“ Soviel also zum Vorab-Fazit.

    Wenn man sich die schon heute entwickelte Technik und die Möglichkeiten selbiger anschaut, was (nicht nur) virtuell schon alles möglich ist (Krieg auf Knopfdruck vom Monitor aus), kann einem schon angst und bange werden. Auf der anderen (beispielsweise medizinischen) Seite hält der technische Fortschritt Möglichkeiten bereit, die vor etlichen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wären. Und so wäre es falsch, hochmoderne Technologien komplett zu verteufeln.

    Was ist aber, wenn die Technik irgendwann so weit ist, dass es möglich ist, jemanden nach dessen „irdischen“ Tod virtuell weiterleben zu lassen mittels Transformation des Gehirns? Gruselige Vorstellung? Ja – für mich ein „No go“! Ich möchte nicht nach meinem Tod als Avatar durch eine virtuelle Welt geistern.

    Ron Kramer, der Titelheld von „Westlake Haven“ geht diesen Weg und gerät zusehends in einen inneren Selbst- und Gewissenskonflikt. Was er in der virtuellen Welt alles erlebt, wie er und seine Freunde mit den Möglichkeiten des „ewigen Lebens“ umgehen und wie sich die Welt „draußen“ entwickelt – das sollte die geneigte Leserschaft selbst herausfinden :-).

    Die 9 Kapitel werden mit fiktiven Zeitungsartikeln, Wikipedia-Einträgen usw. unterlegt, die den Inhalt ergänzen und weiterführen; ein interessantes Stilmittel. Etwas ungewöhnlich mutet das Format der gedruckten Version an: es ist in DIN-A4-Größe gehalten, was das lesen z. B. im Bett nicht oder nur bedingt möglich macht.

    Alles in Allem hat Marc Späni mit„Westlake Haven“ einen tiefsinnigen Roman veröffentlicht, der jenseits des Mainstreams eine Chance auf Beachtung verdient hat!