WEST: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'WEST: Roman' von Carys Davies
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

»WEST lässt uns eintauchen in den Mythos des amerikanischen Westens und erzählt von der Hingabe und Verletzlichkeit des Menschen.« San Francisco Chronicle »Dieses Buch geht einem nicht mehr aus dem Kopf.« Claire Messud

Pennsylvania, im Jahr 1815: Der einfache, gutherzige Maultierzüchter Cy Bellman findet keine Ruhe mehr, seit er in der Zeitung von einer unglaublichen Entdeckung gelesen hat. Um seinem Traum nachzujagen, bringt er das größte Opfer und lässt seine 12-jährige Tochter Bess in der Obhut ihrer ruppigen Tante zurück. Während Bess auf sich allein gestellt zur Frau wird, erlebt Bellman im tiefen Westen ein Abenteuer, das sich völlig anders entwickelt als erwartet. Carys Davies hat eine »eine traurig schöne Geschichte« (The Times) geschrieben über die tiefe Sehnsucht, alles hinter sich zu lassen und seinem Leben einen neuen Sinn zu geben.


Best Book of the Year: The Sunday Times. The Guardian.
Gewinnerin des Frank O'Connor Short Story Awards.


Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:208
EAN:9783630876061

Rezensionen zu "WEST: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Aug 2019 

    Vom Suchen und Finden

    Diese kurze Geschichte hat mich jetzt auf eine Reise mitgenommen. Eine Reise in eine vergangene Zeit. Eine Reise in das Jahr 1815 und einige darauffolgende Jahre, eine Reise nach Pennsylvania und in die Prärien der damaligen Zeit, ein damals unentdecktes Land, eine Reise ins Terra incognita. Und genauso ist dieses Buch eine Geschichte von drei Menschen. Erstens haben wir einen Suchenden, John Cyrus Bellman, kurz Cy Bellman, der einem Traum hinterherjagt, seinem Feuer folgt, ein zutiefst Brennender. Cy Bellman lebt mit seiner Tochter Bess im kleinen Ort Lewistown in Pennsylvania, hat dort eine Farm und züchtet Maultiere. Nachdem er aber in der Zeitung von unglaublichen Dingen gelesen hat, findet er keine Ruhe mehr, er muss suchen, er muss finden und er muss dazu ein großes Opfer bringen, er muss seine heranwachsende Tochter Bess verlassen. Womit wir beim zweiten Charakter wären, Bess Bellman, eine Wartende, einerseits wartet sie auf ihren Vater, andererseits steht sie an der Schwelle zur Erwachsenen, ist also auch eine Suchende und erwachsen wird sie schlussendlich auch. Der letzte Charakter ist Alte Frau aus der Ferne, ein Shawnee Indianer, ein vom Leben Enttäuschter, ein von den Menschen Enttäuschter, ein sich Fragender, und auch ein Suchender, er verkörpert in meinen Augen auch das Vergangene, trägt Verletzungen mit sich herum, über seine Erfahrungen hin heilt vielleicht ein Teil der Verletzungen und ein Kreis schließt sich. Eine wirklich interessante Geschichte über das Suchen und Finden, zugleich schön und traurig geschrieben, einerseits ein Abenteuerroman, andererseits aber auch ein Roman über die Menschen, über Suchende und Findende, wobei das Gesuchte und das Gefundene nicht unbedingt überein stimmen müssen. Und das Ganze ist in einer schönen Sprache gehalten, ein kurzes Buch für zwischendurch könnte man meinen, aber eigentlich ist es ein kleines Buch mit jeder Menge Inhalt. Ich kann nur sagen bitte unbedingt lesen!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jul 2019 

    Bellmans Tochter

    In einer Zeitung liest er von den großen Tieren und er muss sich auf den Weg machen, um sie zu suchen. Im Jahr 1815 verlässt Cy Bellman seine 10jährige Tochter Bess. Mit einem schwarzen Zylinder und einem langen Mantel, zu Pferd und bewaffnet, einige Dinge im Gepäck, die sich zum Eintauschen eignen. Er verspricht, seiner Tochter so häufig wie möglich zu schreiben. In der Obhut ihrer Tante, die von Bellmans Unternehmung absolut nichts hält, beginnt Bess auf Nachricht von ihrem Vater zu warten. Bellman reitet westwärts, dahin wo er sein Ziel vermutet. Häufig schreibt er, aber wichtiger ist ihm seine Expedition.

    Bellmans Leben ist etwas eingefahren, seine geliebte Frau ist allzu früh gestorben, seine Maultierzucht ist erfolgreich, aber auch ein Einerlei. Seine Tochter Bess kann ihn nicht halten, zu sehr ist er auf sein Abenteuer fixiert. Die Sehnsucht nach der Ferne ist zu groß. Sein Weg ins Ungewisse ist beschwerlich, doch beschwerlich es auch für Bess, ohne ihren Vater groß zu werden. Die daheim gebliebenen halten seine Reise für den größten Unsinn und das kann Bess nicht gelten lassen. Doch die Briefe ihres Vaters lassen auf sich warten.

    Die Schauplätze in diesem ergreifenden Roman wechseln zwischen Bess’ Erlebnissen und denen ihres Vaters hin und her. Als Leser weiß man also, wie es in beider Welt zugeht. Man erfährt den Enthusiasmus, mit dem sich Bellman auf den Weg macht. Und man erlebt Bess’ Trauer über das Fehlen ihres Vaters, ihr Leben mit der strengen Tante und dem Nachbarn, der bei der Bewirtschaftung des Hofes hilft. Ob dessen Hilfe so selbstlos ist? Je länger ihr Vater fort ist, desto sehnsüchtiger beginnt Bess zu warten. Und je länger Bellman vergeblich nach den großen Tieren fahndet, desto häufiger werden die Gedanken an seine Tochter und desto größer wird seine Hoffnung, dass seine Briefe sie erreichen.

    Eine einfache Geschichte von Vater und Tochter, eine Geschichte, die abgerundet ist, die traurig ist, vergeblich, sehnsuchtsvoll und doch eine große Stärke ausdrückt. Zu Beginn ahnt man nicht, welche Reise einem bevorsteht, mit jeder Leseminute, die vergeht, wird man immer mehr berührt von Bellmans und Bess’ Schicksal. Dieser Roman ist ein echtes Kleinod aus der Zeit des wilden Westens, in der der Forschergeist manchmal stärker war als die Liebe zum eigenen Kind.

    4,5 Sterne