Wenn Martha tanzt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wenn Martha tanzt: Roman' von Tom Saller
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ...

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:288
EAN:9783471351673

Rezensionen zu "Wenn Martha tanzt: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Apr 2018 

    Vom Bauhaus und der Kunst in schweren Zeiten zu überleben...

    Ehrlich gesagt habe ich ausschließlich zu dem Buch gegriffen, weil es zu einer Zeit spielt, die stets mein Interesse weckt, nämlich die Zeit um den zweiten Weltkrieg. Und dann zog mich die Handlung so in ihren Bann, dass ich auch jetzt nach dem Lesen noch Gänsehaut habe und völlig überwältigt bin.

    In der Geschichte geht es um Martha, die mit einer Mutter und zwei Vätern groß wird. Ihr Vater ist Kapellenmeister und so wächst sie wohlbehütet und stets von Musik begleitet auf. Doch schnell wird ihr die enge Welt des Dorfes zu klein und sie begibt sich nach Weimar, eine Reise, die ihr Leben grundlegend verändern wird.

    Die Handlung wird uns über zwei Händlungsstränge nahe gebracht. Zum einen begleiten wir den Ich- Erzähler Thomas Wetzlaff im Jahr 2001, der das Tagebuch seiner Urgroßmutter veräußern will. Zum anderen erleben wird durch einen beobachtenden Erzähler die Geschehnisse um Martha Wetzlaff von 1900 bis 1945.

    Besonders auffällig ist der sehr eigenwillige Schreibstil des Autors. Völlig schnörkellos und mit kurzen Sätzen beschreibt er uns die Ereignisse. War ich anfänglich von dieser Art des Schreibens noch abgestoßen, zog mich doch die Handlung um Martha schnell mit und ließ mich die staccatohafte Ausdrucksweise aushalten und bald mögen.

    Unglaublich gut gefallen haben mir dabei die Beschreibungen um die Entstehung des Bauhauses und die dort vollführte Kunst. Sehr passend dazu gewählt sind die Absätze im Buch mit Rechteck, Dreieck und Kreis voneinander getrennt.

    Tom Saller gelingt es sehr gut, dass Durchdringen des braunen Gedankenguts der Gesellschaft aufzuzeigen, denn anfänglich spürt man nur sehr wenig von deren Aufkommen, bis letztendlich die Braunhemden das Ende des Bauhauses in Weimar einleuten.

    Tief berührt hat mich wie Martha stets von ihrem toten Bruder Heinzchen begleitet wird. Er hilft ihr bei der ein oder anderen Entscheidung und sorgte bei mir für die Schauderaugenblicke.

    Erst im letzten Teil des Buches wird dann der Zusammenhang klar zwischen Thomas und Martha, die letztendlich nur aufgrund von Missverständnissen zueinander fanden. Die Offenbarungen am Ende haben mich echt überrascht. Zwar hatte ich schon einige Vorahnungen, aber die Auflösung hatte ich in der Form dann doch nicht erwartet.

    Marthas Geschichte hat mich tief beeindruckt, zeigt es doch wieder einmal wozu Frauen alles fähig sein können. Und auch wenn die Geschichte rein fiktiv ist, kann man sich doch sehr gut vorstellen, dass es sich genauso abgespielt haben könnte.

    Fazit: Ein Roman der leise startet und mit lautem Knall endet. Ich bin tief beeindruckt. Die Geschichte wird noch lange in mir nachhallen. Lasst euch von dem merkwürdigen Schreibstil nicht abschrecken, das Durchalten wird belohnt. Klasse Lektüre, die ich nur uneingeschränkt empfehlen kann, Gänsehaut- und Taschentuchmomente garantiert.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Apr 2018 

    Bemerkenswert

    Als Thomas Wetzlaff von seinen Eltern den Auftrag erhält den Haushalt seiner Großmutter Hedi aufzulösen, ahnt er von nichts. Hedi war gerade erst verstorben und hatte wie alle älteren Menschen doch einiges an Erinnerungsstücken aufgehoben, welche Thomas erst noch sichten wollte. Es gab nicht so viel von Hedi, was er von ihrer Vergangenheit, vor allem über ihre Kindheit und der Jugend wusste. Umso erstaunter war er über den alten Koffer und den Rucksack, welche er auf dem Dachboden fand. Er wusste, dass sie damals aus Ostpreußen vor den Russen auf der Flucht war. Wahrscheinlich waren es alte Erinnerungstücke von damals. Durch Zufall findet er am Boden des Rucksacks eine verborgene Tasche und in ihr ein altes Tagebuch. Dieses Tagebuch hat es ihm angetan. Es sind Aufzeichnungen von Martha Wetzlaff, seiner Urgroßmutter, die im Jahre 1900 geboren wurde. Auch das Tagebuch ist außergewöhnlich. Es handelt sich um ein altes Notenheft mit Aufzeichnungen von Martha und vor allem mit Zeichnungen offensichtlich berühmter Künstler. So haben sich dort nicht nur Paul Klee verewigt, sondern es gibt auch Zeichnungen von Wassili Kandinsky. Doch was haben die mit Martha zu tun?

    Der Autor entführt uns zusammen mit Martha nach Weimar ins Bauhaus um 1920. Hier agiert Martin Gropius als Leiter und bildet neben Martha auch viele andere zukünftige Künstler aus. Thomas studiert dieses Tagebuch seiner Großmutter sehr genau und lässt uns als Leser daran teilhaben. Dieser Ausflug ins Deutschland der 20er und 30er Jahre ist überaus lesenswert. Obwohl das Buch auf eine völlig andere Art geschrieben ist, liest es sich doch ungemein flüssig und erzeugt eine gewisse Spannung, wie es weitergehen könnte. Das es sich bei diesem Tagebuch um ein sehr wertvolles Zeitzeugnis handelt, erfahren wir ja bereits am Anfang des Buches, da es für viele Millionen Dollar bei Sothebys versteigert wurde. Aber es gibt diese kleinen Geheimnisse, die in jedem Buch stecken. Diese gilt es beim Lesen zu finden. Auch die Familiengeschichte, mit ihren Irrungen und Wirrungen, auch bedingt durch den Krieg, sind absolut spannend zu lesen.

    Letztlich war ich von diesem Buch begeistert. Auch nach dem Lesen spuken mir nachträglich immer noch Ereignisse des Buches im Kopf herum und meine Verarbeitung ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen.

    Von mir gibt es für dieses Buch verdient fünf Lesesterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Mär 2018 

    Tagebuch

    Inhalt:
    Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ...

    Fazit:
    Der Schreibstil ist sehr lebendig und fesselnd - das passt hervorragend zu der Geschichte. Man kommt somit flüssig voran und da das Buch auch sehr interessant aufbereitet ist, kann man es kaum noch aus der Hand legen.
    Die Idee für den Roman finde ich sehr ansprechend - einmal etwas anderes. Für mich war es ein erfrischendes Lesevergnügen, welches ich uneingeschränkt weiteremfpehlen kann an jene, die ein Interesse für das Bauhaus haben.
    Martha ist eine lebenslustige Frau - mit der man sich als Leser auch sehr gut authentifizieren kann.
    Inhalt:
    Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ...

    Fazit:
    Der Schreibstil ist sehr lebendig und fesselnd - das passt hervorragend zu der Geschichte. Man kommt somit flüssig voran und da das Buch auch sehr interessant aufbereitet ist, kann man es kaum noch aus der Hand legen.
    Die Idee für den Roman finde ich sehr ansprechend - einmal etwas anderes. Für mich war es ein erfrischendes Lesevergnügen, welches ich uneingeschränkt weiteremfpehlen kann an jene, die ein Interesse für das Bauhaus haben.
    Martha ist eine lebenslustige Frau - mit der man sich als Leser auch sehr gut authentifizieren kann.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Mär 2018 

    Martha tanzt durch brisante Zeiten

    Tom Saller gelingt die Kunst, wichtige historische Ereignisse mit den Einzelschicksalen seiner Protagonisten zu verknüpfen und daraus einen lehrreichen und mitreißenden Roman zu schaffen.

    Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 2001, wo Thomas das Notizbuch seiner Uroma Martha zu einem Millionenpreis versteigert. Martha hielt darin ihre Erlebnisse an der Kunstschule Bauhaus in Weimar sowie nach Kriegsbeginn in ihrer Heimat Pommern fest. Berühmte Bauhaus-Künstler wie Paul Klee und Wassily Kandinsky verewigten sich ebenfalls in dem Büchlein. Die Höchstbietende bleibt zunächst anonym, lädt Thomas dann jedoch zu einem Abendessen voll überraschender Wendungen ein.

    In der zweiten Erzählebene begleitet der Leser die junge Martha durch ihr wechselhaftes Leben vor und während des Zweiten Weltkriegs. In Pommern aufgewachsen, geht sie als Schülerin ans Bauhaus, wo sie sich zu einer Pionierin im Ausdruckstanz entwickelt. Kurz vor Kriegsbeginn kehrt Martha jedoch mit ihrer Tochter Hedi in ihre Heimat zurück und erlebt dort Tragisches, bevor sie schließlich fliehen muss.

    Die Geschichte bietet eine Menge emotionale, erschreckende und bewegende Momente und lässt sich flüssig lesen. Besonders zu Beginn hat mich die bildreiche Sprache begeistert, die das Geschehen auf ungewöhnliche Weise lebendig werden ließ. Leider hatte ich das Gefühl, dass der Stil mit dem Fortschreiten des Buches etwas nüchterner und weniger inspirierend wurde. Trotzdem halte ich „Wenn Martha tanzt“ für ein empfehlenswertes Buch, das in einigen Passagen besonders aktuell erscheint.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Mär 2018 

    Wenn die Musik zu Kreisen, Dreiecken und Quadraten wird

    New York im Jahr 2001: Thomas, ein 25-jähriger Mann, ist in die Staaten gereist, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha Wetzlaff für sehr viel Geld versteigern zu lassen. Es enthält Skizzen und Zeichnungen bekannter Bauhaus-Künstler wie Feininger, Klee und Kandinsky. Der junge Mann hat Martha selbst nie kennen gelernt. Sie wird 1900 als Tochter eines Kapellmeisters in Türnow, einem kleinen Dorf in Pommern, geboren. Von dort geht sie nach Weimar. Walter Gropius wird auf die Frau aufmerksam. Durch das Tanzen erwirbt sie sich den Respekt und die Bewunderung der Bauhaus-Mitglieder. Doch die Nationalsozialisten schließen die Kunstschule und so kehrt Martha zurück in ihre Heimat - das wertvolle Notizbuch im Gepäck. Am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich ihre Spur. Was ist passiert?

    „Wenn Martha tanzt“ ist der Debütroman von Tom Saller.

    Meine Meinung:
    Erzählt wird die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen, die sich abwechseln: Der Leser begleitet einerseits den jungen Mann in der jüngeren Zeit, also den Jahren 2001 und 2002. Andererseits taucht man in Marthas Vergangenheit ab – von ihrer Geburt bis ins Jahr 1945. Marthas Sicht drückt sich unter anderem in Tagebuchnotizen aus, ergänzt mit den Worten ihres Urenkels. Dieser Aufbau sagt mir sehr zu.

    Der Schreibstil ist größtenteils ungekünstelt, aber angenehm und liest sich sehr flüssig. Ich konnte gut in die Geschichte eintauchen und bin schnell durch die Seiten geflogen.

    Die Hauptprotagonistin Martha ist ein ungewöhnlicher und reizvoller Charakter. Ich wurde nicht gleich mit ihr warm. Dies änderte sich jedoch mit zunehmender Seitenanzahl. Zum Urenkel bleibt beim Lesen lange Zeit eine gewisse Distanz, da man über ihn zunächst nicht so viel erfährt.

    Die Lektüre ist nicht nur emotional und sehr bewegend, sondern auch spannend. Die Handlung konnte mit einigen überraschenden Wendungen überzeugen.

    Auch das Thema des Romans konnte mein Interesse wecken. Generell mag ich Geschichten mit historischem Bezug sehr gerne. Es war lehrreich, mehr über die Bauhaus-Künstler und die Umstände der damaligen Zeit zu erfahren.

    Der Titel des Romans klingt nicht nur wundervoll, sondern passt inhaltlich auch hervorragend. Das Cover verströmt eine gewisse Nostalgie, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.

    Mein Fazit:
    „Wenn Martha tanzt“ von Tom Saller ist ein lesenswerter Roman, der bei mir für unterhaltsame Lesestunden gesorgt hat.