Weit weg ist anders: Roman (insel taschenbuch)

Rezensionen zu "Weit weg ist anders: Roman (insel taschenbuch)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Mär 2017 

    Weit weg ist anders

    Titel : Weit weg ist anders
    Autor : Sarah Schmidt
    Seitenzahl : 260
    Verlag : Insel Verlag

    Klappentext:
    Kratzbürstige Berlinerin die eine, norddeutsche Kleinstädterin mit einer Vorliebe für Yoga und Handarbeiten die andere: Außer einer gegenseitigen tiefen Abneigung haben Edith Scholz und Christel Jacobi nichts miteinander am Hut – dennoch lassen sich die beiden 70-Jährigen auf ein Abenteuer ein, das sie quer durch Deutschland führt. »Frei sein heißt allein sein können«, ist die verwitwete Edith Scholz überzeugt, die in ihrer Berliner Mietwohnung mit einer Zigarette und hin und wieder einem Gläschen Schnaps ganz zufrieden ist. Doch ein Sturz macht ihr einen Strich durch die Rechnung – Frau Scholz muss zur Reha nach Usedom. Was im Grunde recht erholsam sein könnte. Wäre da nicht Christel Jacobi, ihre viel zu freundliche und esoterische Zimmernachbarin: »Wir alten Weiber – wir müssen doch zusammenhalten«, meint die, überschüttet die knurrige Frau Scholz mit Freundlichkeiten und schafft es schließlich sogar, sie zu ihrer Verbündeten zu machen. Denn Christel Jacobi will sich nicht länger dem Willen ihrer Familie beugen, sondern endlich mal ein Abenteuer erleben, bevor es zu spät ist ...

    Ein tolles Buch über zwei Frauen die sich eigentlich nur durch Zufall treffen und eine letzte gemeinsame Reise antreten.
    Das Buch ist sehr gut geschrieben. Der Schreibstil ist sehr flüssig und macht das lesen einfach.
    Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen weil ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht.
    Beide Frauen sind sehr sympathisch beschrieben und haben beide ihre Eigenheiten. Die Frauen verbindet eine Freundschaft die eigentlich nicht passt weil beide so verschieden sind. Aber letztendlich klappt es doch.
    Wenn ich im Buch überhaupt nicht mochte waren Kim und ihr Mann Hagen. Ich mochte nicht wie sie mit Frau Jacobi umgegangen sind. Und diesen Herr Meininiger mit seinem Trick älteren Damen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sehr nett hingegen fand ich den Postboten. Es war toll wie er beiden aus ihrer misslichen Lage geholfen hat. Obwohl er mir auch leid tat wegen seiner unerwiderten Lieben:-)
    Das Buch wurde zum Ende hin immer ernster. Und ich wollte eigentlich gar nicht wissen wie es zu Ende geht weil es mich traurig gemacht hat.
    Es hat aber sehr viel Spass gemacht beide Frauen auf ihrer Reise zu begleiten

    Fazit:
    Ein tolles Buch über zwei grundverschiedene Frauen und ihre ungewöhnliche Freundschaft.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Feb 2017 

    Alt. aber nicht unsichtbar

    Zwei alte Frauen führt der Zufall in einer Rehaklinik zusammen. Edith, Berlinerin mit mehr Schnauze als Herz, pflegt ihre Eigenbrötlerei und Misanthropie eher aus Selbstschutz. Christel, finanziell unabhängig, aber chronisch krank, kämpft mit Ängsten und Unsicherheiten und gegen die Bevormundung durch die Tochter, will aber auch in dieser Phase ihre Unabhängigkeit bewahren.
    Es wird keine Freundschaft zwischen den beiden Frauen wachsen, dazu sind sie zu unterschiedlich. Aber man kann es vielleicht Respekt, Verständnis und Selbsterkenntnis nennen, was in den gemeinsamen Tagen wächst, als sie zusammen zu einer Reise aufbrechen.
    Begeistert hat mich das Psychogramm der beiden Frauen, die stellvertretend für eine ganze Generation ähnlicher Schicksale stehen. Einfühlsam werden die Charaktere dargestellt und beim Lesen wurde mir bewusst, wie viel ähnlichen Biografien ich schon begegnet bin. Auch die Entwicklung, die beide während ihrer gemeinsamen Tage nehmen, gefällt mir. Ein wenig aus ihrem Schneckenhaus kommt Edith, während Christel sich endlich, fast schon zu spät, sich ihrem Problem mit ihrer Tochter stellt.
    Zwar behandelt das Buch ernste Themen: Alterseinsamkeit, Umgang mit älteren Menschen in Heimen und Einrichtungen, Krankheiten und eingeschränkte Beweglichkeit – aber es verfällt nie in einen larmoyanten Ton, es sprüht auch vor Witz, den vor allem von Edith ausgeht, die als typische Berlinerin nie ein Blatt vor den Mund nimmt. Das brachte mich immer wieder zum Schmunzeln und beide Frauen sind mir sehr nah gekommen. Außerdem fand ich noch eine Lieblingsfigur, einen Nebendarsteller sozusagen, den Briefträger Mannstein, der mit seiner Geschichte eine gelungene Ergänzung zur Lebensgeschichte von Edith und Christel wird.
    Eine warmherzige Geschichte, die mir gut gefallen hat und die mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat.