Wegkreuz in den Anden

Buchseite und Rezensionen zu 'Wegkreuz in den Anden' von Kerstin Westerbeck
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Die Region um Callín ist ein Pulverfass. Zwischen kolonialen Bergdörfern, Anden und tropischem Regenwald lagern Rebellen der FARC. Eine Nummer zu groß, resümiert Comisario Sergio Fabulos, als der korrupte Anwalt Blisovic aus Callín ermordet wird. Was hat der Mord mit dem Unfall der deutschen Journalistin Judith Rauschenberg zu tun? Wurde sie Opfer politischer Interessen, und wo im undurchdringlichen Urwald liegt ihr Leichnam? Rätselhafte Zeugen, verschlüsselte Botschaften und eine abenteuerhungrige Touristin lotsen den Comisario auf gefährliche Abwege - derweil der Mörder erneut zuschlägt. Fabulos verliert sich immer tiefer in einem Dickicht aus Geheimnissen und kriminellen Machenschaften, was ihn schließlich dem Mörder in die Arme treibt.

Format:Taschenbuch
Seiten:316
EAN:9783748147619

Rezensionen zu "Wegkreuz in den Anden"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Sep 2019 

    Mord und Menschlichkeit in Kolumbien

    „Das Leben wurde zur Wüste, wenn man anfing davor wegzurennen.“ (S. 159)

    Kann man einen Krimi unter „zwischenmenschlichen“ Aspekten lesen? Nach Ende der Lektüre von „Wegkreuz in den Anden“ von Kerstin Westerbeck kann ich sagen: ja, das geht. Jede*r fragt sich jetzt wahrscheinlich gerade, was ich wohl damit meine.

    Nun, ich will es kurz erläutern: für mich stand beim Lesen des ersten Falls für Comisario Sergio Fabulos eher der Mensch, das Individuum im Vordergrund - neben den interessanten Fakten zur Geschichte der kolumbianischen Rebellenbewegung FARC, der ELN und der rechtsgerichteten AUC. Die Autorin Kerstin Westerbeck hat sich durch Studium und eigenes Interesse intensiv mit der lateinamerikanischen Literatur, Kultur, Ethik usw. befasst – das spürt man in jeder Zeile, wenn es um selbige Themen geht.

    Ihren Figuren gibt sie Raum, sich zu entwickeln – nimmt manches vorweg, was den Leser zunächst irritiert, dann aber im Lauf des Romans wiederauftaucht und sich so zu einem runden Kreis schließt. Jede der Figuren (sei es Sergio Fabulos, sei es sein Freund und compradre Jaime, der seiner Kneipe den Namen einer fiktiven Stadt aus „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez gibt) – sie alle haben ihr Päckchen zu tragen, machen sich Gedanken über die vorherrschende Gewalt in ihrem Land, wollen was ändern, haben Ecken und Kanten – man muss nicht jeden (fragwürdigen) Charakterzug mögen. Gerade deshalb kann man sich aber mit den Menschen aus dem fiktiven Ort Callín identifizieren.

    Die Krimihandlung war durchaus gutes Beiwerk – spannend konstruiert, mit einigen Kniffen und Tricks versehen, die die Leser*innen in die Irre führen und somit dafür verantwortlich sind, dass man diesen Kriminalroman innerhalb kürzester Zeit lesen kann.

    4* Sterne