Wattenmeermord

Buchseite und Rezensionen zu 'Wattenmeermord' von Katja Lund
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Wattenmeermord"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783734109294

Rezensionen zu "Wattenmeermord"

  1. Friesen schaffen alles

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Jul 2021 

    Gemeinsam mit seiner Frau Laura hat es Kommissar Jan Benden nach Pellworm verschlagen. Nun ist Jan der einzige Polizist auf der Insel und somit immer im Dienst, aber auch immer für einen Schnack zu haben. Laura betreut die Ferienwohnungen und die gemeinsame Tiermenagerie. Die beiden Nordrhein-Westfalen sind froh, den Großstadtstress los zu sein. Bis eines Morgens ein Toter auf einer Parkbank auf dem Deich sitzt. Natürlich ruft dies Tamme, den selbsternannten Polizeiassistenten, auf den Plan. Dieser wortkarge Hüne macht sich so seine Gedanken und er wäre allzu gerne ein richtiger Polizist. Schnell stellt sich heraus, dass der Tod nicht ganz so natürlich war.

    Aus der Stadt sind Jan und Laura eine andere Schlagzahl gewöhnt. Dennoch genießen sie in ihrem ersten Fall die Ruhe der friesischen Insel, auf der es Mord und Totschlag eigentlich nicht gibt. Allerdings ist durchaus merkbar, dass es Beiden in den Fingern juckt, mal wieder in eine ernsthafte Ermittlung einzusteigen. Als Inselpolizist ist Jan dafür aber nicht zuständig, er muss die Kollegen der Kriminalpolizei aus Flensburg hinzu rufen. Zwar übernehmen die und lassen Jan spüren, wo sein Platz ist, zum Glück hält das Jan nicht davon ab, seine Nase in die Untersuchung zu stecken. Immerhin hat er nach einem halben Jahr den Flensburgern eine gewisse Ortskenntnis und einige plattdeutsche Sprüche voraus.

    In der NDR Mediathek ist ein kleiner Film über das Buch und seine Autoren zu sehen, mit dem ein Eindruck gegeben wird, wie dieser Roman entstand. Fast als hätte eine höhere Macht es verfügt, traf die Autorin den Inselpolizisten, der gleichzeitig ihre Ferienwohnung vermietete. Und so steckt viel authentisches Pellworm und Inselpolizist in diesem Buch. Man spürt die Verbundenheit zu Land und Leuten. Auch wenn zu Beginn etwas zu reichlich so geben die Beschreibungen doch einen schönen Eindruck von der Landschaft und den teilweise urigen Schauplätzen. Je mehr Hinweise Jan und - natürlich kann es auch die ehemalige Polizistin nicht lassen - Laura finden, desto mehr gewinnt der Kriminalroman an Fahrt und nimmt einige überraschende Wendungen. Von dieser Reihe ist bereits der zweite Band angekündigt, was in Anbetracht der sympathischen Ermittler und des tollen Settings sehr erfreulich ist.

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  1. Der Tote auf dem Deich...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Jul 2021 

    Pellworm, Nordsee. Von Mord und Totschlag hatte der Polizist Jan Benden genug. Deshalb kam ihm die Stelle auf der kleinen, idyllischen Insel gerade recht – wenn die nur einen einzigen Polizisten brauchen, kann da ja nicht viel passieren, hatte er gedacht und zog kurzerhand mit seiner Frau Laura dorthin. Doch dann sitzt eines Morgens eine Leiche auf dem Deich. Jan nimmt die Ermittlungen auf – unfreiwillig unterstützt von Tamme, einem Inselbewohner mit etwas zu viel Begeisterung für Kriminalfälle. Und auch Laura beginnt zu recherchieren – auf ihre eigene charmante Art. Denn, was niemand gedacht hätte: Verdächtige gibt es nicht gerade wenige auf der sonst so friedlichen Insel…

    Erster Satz: "Wenn es eines gab, das Jan Benden an Pellworm liebte, dann war es der weite, unentschlossene Himmel." (S. 7)

    Was macht man, wenn man Urlaub hat, durch die derzeitigen Umstände aber nicht wegfahren kann? Na klar: Lesen. Was gibt es da Schöneres als einen Inselkrimi, der einen an Strand und Meer versetzt und gleichzeitig für spannende Lesestunden sorgt? Und tatsächlich las sich dieser Krimi ausgesprochen flüssig und rasch, auch wenn er insgesamt ein eher beschauliches Tempo vorlegte...

    Jan Benden und seine Frau sind vor einigen Monaten auf die Insel Pellworm gezogen. Während Laura dort einen Ferienhof bewirtschaftet, versieht Jan seinen Dienst in der Ein-Mann-Polizeistation - in der Regel ein ruhiger Job, der ihm auch Zeit lässt, sich auf der Insel Wind und Wetter um die Nase wehen zu lassen. Doch nun sitzt ein Toter auf dem Deich - und der ist keines natürlichen Todes gestorben.

    Der pensionierte Arzt und passionierte Maler Jens Hofmann wurde ermordet - die Aufregung ist groß. Viele Menschen auf der Insel kannten den alten Mann, der in den Sommermonaten auf die Insel kam um zu malen. Wer könnte einen Grund gehabt haben, Hofmann zu töten? Jan Benden als Inselpolizist ermittelt nicht in diesem Fall - jedenfalls nicht offiziell. Zwei Kriminalbeamte*innen vom Fachkommissariat in Flensburg kommen nach Pellworm und übernehmen die Ermittlungen.

    Doch sowohl Jan als auch seine Frau Laura haben Erfahrungen bei Mordermittlungen. Beide waren im Ruhrgebiet im aktiven Polizeidienst - bis Laura schwer verletzt wurde. Das Ehepaar beschloss daraufhin, ihr Leben zu verändern und alles ruhiger angehen zu lassen. Doch nun: ein Mord direkt vor ihrer Nase? Ein wenig wird man sich doch wohl kümmern dürfen?

    Mit von der Partie ist Tamme, ein Insel-Original, für den es nichts Schöneres gibt als die Vorstellung, dass auf Pellworm endlich etwas los ist. Als begeisterter Krimi-Fan sieht er Verbrechen an allen Ecken und Enden, was für Jan Benden durchaus auch anstrengend sein kann, auch wenn Tamme nur helfen will. Wortkarg, übereifrig, etwas einfältig, dabei gutmütig und hilfsbereit, heftet sich Tamme an Jans Fersen - so auch in dem Mordfall. Doch das geht mitunter auch schon mal in die falsche Richtung...

    Auf der Insel ticken die Uhren langsamer, und so erweisen sich auch die Ermittlungen als recht beschaulich. Schnell sind einige Verdächtige gefunden, doch mit der Beweislage sieht es mau aus. Während der eigentliche Krimi über weite Strecken eher spannungsarm verläuft, sorgen die sympathischen und schrägen Charaktere sowie eine gehörige Portion Insel-Feeling mit diversen plattdeuschen Einschüben für den zu erwartenden Wohlfühlcharakter. Mir hat die Mischung gefallen!

    Allerdings gab es doch auch einige Stellen, die entweder fehlerhaft waren oder nur schwer vorstellbar. So hatte ich bei mehreren Passagen den Eindruck, dass da ursprünglich ein anderer Verlauf geplant war, dass bei der Änderung aber nicht alle Sätze daraufhin überprüft wurden, ob das geschilderte Geschehen auch zu der neuen Fassung passt. Und das Ende war zwar überraschend, doch tauchten auch da bei mir einige Fragezeichen auf, die ich hier jedoch nicht näher erläutern kann ohne zu spoilern. Und bei aller Lesebegeisterung: solche Dinge stören mich.

    Alles in allem sorgte der Krimi bei mir jedoch für unterhaltsame Lesestunden und bot im Grunde genau das, was ich mir für meinen Urlaub erhoffte: einen beschaulichen Inselkrimi, der am Ende etwas an Spannung zulegt, insgesamt aber auch den Wohlfühlfaktor nicht vernachlässigt. Und definitiv sorgt er auch für Sehnsucht nach dem Meer...

    Nett zu lesen mit sympathischen Charakteren, macht definitiv Lust auf einen zweiten Band der Pellworm-Reihe...

    © Parden

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