Wanka würde Wodka kaufen: Roman

Rezensionen zu "Wanka würde Wodka kaufen: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Aug 2019 

    Kurzweilige Unterhaltung...

    Deutschland war eine schlechte Idee. Nicht, dass sie es sich ausgesucht hätte; sie wollte ja in Russland bleiben. Doch mit der Mafia kam das Zeugenschutzprogramm, und so musste Wanka, die im Zirkus zu Hause war, nehmen, was sie kriegt. Nicht nur das Land, sondern auch einen neuen, nicht einmal korrekten Namen: Jekaterina Poljakow. Plus den Schein-Ehemann. Weder mit ihm, Vladimir, noch mit seinen Gören versteht sie sich. Und ihr Betreuer, Herr Lehmann, zeigt bald allergische Reaktionen, wenn er nur ihren Namen hört. Denn die Russin versagt in jedem Job und begegnet den Deutschen auf eher besondere, ohne Zweifel Wanka-typische Weise. Ohne zu wissen, wohin sie kann, will sie bloß wieder weg, doch mit der Zeit macht ausgerechnet Vladimir ihr bewusst, dass Deutschland eigentlich ein ganz schönes Zuhause ist. Das Projekt „Integration“ scheint (fast) zu klappen, als die Russin auf Musikproduzent Max Leif aufmerksam wird, der eine Stelle als Putzfrau ausgeschrieben hat …

    Wanka ist tot. Gestorben bei einem fingierten Unfall in Russland und nun heimlich in Deutschland untergetaucht nach einer unschönen Begegnung mit der Mafia. Was sie nicht wusste: gleich nach ihrer Einreise wird sie heiraten - alles organisiert von den Geheimdiensten. Was tut man nicht alles, um inkognito zu bleiben und sich möglichst unsichtbar zu machen? Also willigt Wanka schließlich zähneknirschend ein und findet sich kurz darauf in einer Wohnung wieder mit ihrem Ehemann Vladimir und dessen zwei halbwüchsigen Kindern.

    Da sind Probleme vorprogrammiert. Angefangen bei der Nachbarin, die nichts besseres zu tun hat als hinter ihren Mitbewohnern im Haus herzuspionieren und dabei jedes Haar in der Suppe zu finden, über Vladimir, der seinen Posten als Ehemann als gut bezahlten Nebenverdienst sieht, bis hin zu den beiden Kindern, die Wanka versuchen das Leben schwer zu machen. Wankas einziger Halt ist ihre Matrjoschka, die sie aus Russland herüber gerettet hat, und die sie auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, wann immer die Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit sie überkommt.

    Ach ja, und da wäre noch die Sache mit dem Job. Herr Lehmann - Wankas zuständiger Geheimdienst-Sachbearbeiter - bemüht sich redlich, Wanka auch auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland zu integrieren. Doch ohne vorweisbare Ausbildung und Berufserfahrung gestaltet sich dies gar nicht so leicht. Und immer wieder gerät Wanka in den meist wenig profitablen Jobs in Schwierigkeiten - meist kann die Russin gar nichts dafür, aber ihr Temperament trägt oft zumindest dazu bei, dass sie sich beruflich wieder einmal umorientieren muss...

    Dieser Roman, der die Vorgeschichte zu den Max Leif Büchern darstellt, bietet einen bunten Mix. Humorvoll und voller Situationskomik sorgt die Erzählung für einige Lachtränen, bietet aber auch nachdenkliche Passagen, Gefühlvolles und interessante Einblicke in die russische Kultur. Sehr amüsant sind oft auch die mühseligen und ratlosen Versuche Wankas, den Sinn deutscher Sprichwörter zu entschlüsseln - und das Verdrehen derselben. Daran wird deutlich, wie schwierig die deutsche Sprache wohl tatsächlich ist, wenn man sie nicht von Kindesbeinen an lernt.

    Eine angenehm zu lesende Geschichte, die hält, was sie verspricht: kurzweilige Unterhaltung...

    © Parden