Wallace: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Wallace: Roman' von Anselm Oelze
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Frühjahr 1858: Ein Brief verlässt eine kleine Insel in den Molukken. Sein Ziel ist Südengland, sein Inhalt: ein Aufsatz über den Ursprung der Arten. Kaum ein Jahr später sorgt die Schrift für Aufsehen und wird bekannt als Theorie der Evolution. Doch nicht der Verfasser des Briefes, der Artensammler Alfred Russel Wallace, erntet den Ruhm dafür, sondern sein Empfänger, der Naturforscher Charles Darwin. Von Wallace bleibt lediglich eine nach ihm benannte Trennlinie der Arten im Malaiischen Archipel. Einhundertfünfzig Jahre später stößt der Museumsnachtwächter Albrecht Bromberg auf das Schicksal des vergessenen Wallace. Er begibt sich auf seine Spuren und je länger er mit Wallace unterwegs ist, desto mehr zweifelt Bromberg an, ob alles so bleiben muss, wie es ist. Er fasst einen Plan, der endlich denjenigen ins Licht rücken soll, der bisher im Dunkeln war, und erkennt: Geschichte wird nicht gemacht, sondern geschrieben. Mit seinem Debüt ist Anselm Oelze ein philosophischer Abenteuerroman gelungen, ein literarisches Denkmal für die Außenseiter des Lebens und der Geschichte.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:264
Verlag: Schöffling
EAN:9783895611322

Rezensionen zu "Wallace: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 10. Feb 2019 

    Ein Verlierer der Geschichte

    „Wallace“ betitelt der Autor Anselm Oelze seinen Roman, der englische Naturforscher Herbert Russell Wallace ist damit gemeint. Das ist aber auch das einzige Mal, dass Oelze seinen Protagonisten beim Namen nennt. Er wird der „Junge Bärtige“ genannt, im Lauf der Jahre verliert sich das Attribut jung und es bleibt nur der „Bärtige“ über.

    Aber ich beginne von vorn: Bromberg ist ein Museumsnachtwächter, eine Aufgabe so gut wie jede andere, die Bromberg seine Routine lässt. Er scheint überhaupt ein in Gewohnheiten und zeitlichen Ritualen feststeckender Mensch zu sein, dessen Alter anfangs deutlich höher scheint, als sich im Lauf der Geschichte erweist. Eines Nachts stolpert er über eine alte Fotografie, die den blassen, bärtigen jungen Herbert Russell Wallace zeigt und erklärt, dass er zusammen mit Darwin als Entdecker der natürlichen Selektion der Arten gilt, aber leider nie die Anerkennung bekam, der ihm zusteht. Das elektrisiert Bromberg und er sinnt darüber nach, wie er Wallace posthum zum verdienten Ruhm verhelfen kann.

    Abwechselnd begleiten wir den Bärtigen auch auf zwei seiner Reisen, haben Teil an seiner Sammelleidenschaft, seinen Strapazen und Abenteuern. Die erste Reise war anfangs erfolgreich, aber dann verliert er durch ein Schiffsunglück seine gesamten Präparate und damit ist der finanzielle Erfolg dahin. Einige Jahre später lässt er sich zu einer zweiten Reise inspirieren und beginnt seine Gedanken über die Selektion der Arten zu formulieren. Doch ein Landsmann ist schneller. Darwin, der von Freunden auf den jungen Mann aufmerksam gemacht wurde, lässt nur sein schon lange in Schublade liegendes Manuskript veröffentlichen und heimst damit den alleinigen Ruhm der Nachwelt ein.

    Es gibt in der Geschichte viele Beispiele von fast gleichzeitigen Entdeckungen und Erkenntnissen, die einen Verlierer zurücklassen. Wallace ist einer davon und ich hätte gern mehr über diesen Sammler und Amateurforscher gelesen. Doch ausgerechnete diese Kapitel konnten mich nicht so recht begeistern. Sicher lag es auch am inflationären Gebrauch der Bezeichnung „Junger Bärtiger“, die eine unnötige Distanz herstellten. Die Sprache empfand ich überladen, gewollt blumig um vielleicht „altmodisch gelehrt“ zu scheinen. Ich hatte den Eindruck, Oelze versucht durch eine Vielzahl von Adjektiven, die manchmal arg konstruiert schienen, der Geschichte eine bedeutsame Atmosphäre zu verleihen. Dazu gehören auch immer wieder eingestreute Exkurse in alle möglichen Randgebiete, zum Beispiel Spiritismus, dem sich Wallace im späteren Leben auch zuneigte.

    Lebendiger erschienen mir Bromberg und sein erwachter Lebensgeist, der aber letztlich in einer Aktion verpuffte, die eher einen Schelmenstreich darstellt.

    Eines macht dieses Buch aber besonders: das ist die Ausstattung, die der Schöffling Verlag dem Roman mitgibt. Ein wunderschönes Cover, edles Papier und ein Lesebändchen. Es ist ein sinnliches Vergnügen das Buch in Händen zu halten.

    Als Fazit bleibt aber eine gewisse Enttäuschung, ich hatte mir von diesem Roman mehr erhofft.