Waldsterben in Vertikow

Buchseite und Rezensionen zu 'Waldsterben in Vertikow' von Frank Friedrichs
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Kaum hat Peer Wesendonk seinen ersten Fall gelöst, tritt man schon mit einer neuen Aufgabe an ihn heran: Acht Hektar Wald wurden abgeholzt und gestohlen, eine Menge, die die ortsansässige Firma in den Ruin treiben könnte. Wer tut so etwas? Und warum? Wer hat überhaupt Mittel und Wege, eine solche Fläche so schnell kahlzuschlagen? In dem landwirtschaftlichen Unternehmen entdeckt Peer mehr als eine Unregelmäßigkeit, zwielichtige Gestalten versuchen, ihre Taten zu verschleiern, Drohbriefe schüchtern die Belegschaft ein. Und Peer ist plötzlich regelmäßiger Gast im Schloss, um der Baronin Bericht zu erstatten. Oder steckt sie womöglich selbst mit in der Sache? Wie viel weiß sie von der desolaten Situation ihres Unternehmens? Und was hat das verschwundene Diamantcollier damit zu tun? Fragen über Fragen, die Peer nicht nur quer durch Vertikow, über das Gut und mitten in den Wald treiben, sondern bald auch in Lebensgefahr …

Format:Taschenbuch
Seiten:310
Verlag: DichtFest
EAN:9783946937210

Rezensionen zu "Waldsterben in Vertikow"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Apr 2018 

    Ein Wald verschwindet

    Seit einem Unfall sitzt Peer Wesendonk im Rollstuhl und mangels anderer Möglichkeiten fest in Vertikow, einem kleinen mecklenburgischen Dorf. Nicht, dass er nicht gern dort lebt, aber Sandwege und buckliges Kopfsteinpflaster sind für seinen Rolli nur bedingt geeignet. Als er vor kurzem einen Kriminalfall (Erntedank in Vertikow) lösen konnte, erwachte in ihm eine Art detektivischer Instinkt. Denn seinem eigentlichen Beruf als Organist kann er nicht mehr nachgehen. Lediglich seiner Frau Sascha sind diese Aktivitäten ein Dorn im Auge. Aus Sorge hätte sie ihr „Perlchen“ am liebsten in Watte gepackt, was zu manchem Wortwechsel führt.

    Nun sind plötzlich 8 Hektar Wald verschwunden, abgeholzt und abtransportiert, ohne dass jemandem das aufgefallen ist. Wie ist das möglich? Die Gutsbesitzerin, eine Rückkehrerin aus dem Westen, bitte Peer um Hilfe. Zusammen mit dem ganzen Dorf, macht er sich auf Spurensuche. Es gibt jede Menge Indizien und Verdächtige, aber es ist für Peer gar nicht so einfach, allen Hinweisen nachzugehen, denn es fehlt ihm nicht nur Beweglichkeit und ein größerer Aktionsradius, er hat auch kaum Möglichkeiten an Dokumente und Akten zu kommen. Denn eines ist klar, es ging um mehr als nur um den Holzwert. Als dann noch eine Katze zur Warnung getötet wird und ein Brand im Gutshaus ausbricht, ist klar, hier wird mit harten Bandagen gekämpft.

    Ich habe das Dörfchen Vertikow richtig ins Herz geschlossen, inklusive aller Bewohner, obwohl sie mit ihrer rauen Art Zuneigung zu zeigen nicht ganz einfach zu nehmen sind. Sie sind alle von den Zeitläufen geprägt und wenn Peer von einem Rentner zum „Wossi“ erklärt wird, kommt das schon einem Ritterschlag gleich. Außerdem mag ich die Figur des Peer Wesendonk. Ein Mann, der mit seinem Schicksal hadert, seit einem – selbstverschuldeten – Unfall auf den Rollstuhl angewiesen, hat ihn das in seinem Selbstwertgefühl erschüttert. Die Beziehung zu seiner Frau ist auch nicht konfliktfrei, beide suchen noch den Weg zurück in eine normale Beziehung. Ein wenig Eifersucht ist auch dabei, denn Sascha arbeitet die Woche über in der Stadt, während Peer an Vertikow gebunden ist.

    Frank Friedrichs hat die Figuren und ihre Konflikte sehr warmherzig ausgestaltet, ich habe deshalb auch gleiche eine Verbindung zu den Personen gefunden. Außerdem merkt man die Sympathie für die kleinen Dörfchen, denen es an jeder Infrastruktur fehlt.

    Wie Peer auch diesen Fall löst und wieder ein Stück über sich hinaus wächst, ist spannend und unterhaltend geschrieben. Ich mag Vertikow und seine Bewohner und bin gespannt auf das nächste Buch.