Von dieser Welt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Von dieser Welt: Roman' von James Baldwin
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Ein Buch, das die Welt veränderte

John Grimes ist ein schwarzer, empfindsamer Junge aus Harlem, sexuell unschlüssig, seine einzige Waffe zur Selbstverteidigung ist sein Verstand. Aber was nützt es, von den weißen Lehrern gefördert zu werden, wenn der eigene Vater einem tagtäglich predigt, man sei hässlich und wertlos, solange man sich nicht von der Kirche retten lässt. John sehnt sich danach, selbst über sein Schicksal zu entscheiden, nicht sein Vater, den er trotz allem liebt, nicht ein Gott, den er trotz allem sucht. Als am Tag von Johns vierzehntem Geburtstag sein Bruder Roy von Messerstichen schwer verletzt nach Hause kommt, wagt John einen mutigen Schritt, der nicht nur sein eigenes Leben verändern wird.

Mit einem Vorwort von Verena Lueken.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
EAN:9783423281539

Rezensionen zu "Von dieser Welt: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Feb 2019 

    Reifeprozess

    Dies ist kein einfacher Roman. Er verlangt Einiges von einem ab. Aber es ist eine wunderbare Sprache, eine Sprache die aus Bildern besteht, welche beim Leser Gedanken und Gefühle erzeugen. Es ist ein Roman von einer ungeheuren Intensität, die fast etwas abstößt, aber gleichzeitig auch ungeheuer neugierig macht. Es ist ein Roman von einem Virtuosen der Sprache, einem Großen seines Faches.

    Es ist ein Roman über die Schwarzamerikaner. Über ihr Leben in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In einem Land, das von Rassendiskriminierung geprägt ist, und damit ist der Süden, wie auch der Norden des Landes gemeint. Anfänglich wohnen die älteren Hauptakteure in den Südstaaten, wandern aber später in den verheißungsvolleren Norden aus, nach Harlem. Dieser Roman ist von ungeheurer Intensität geschrieben, man spürt diese Welt, man spürt wie es dem Autor in dieser Zeit ging. Man spürt seine Traurigkeit und auch seine Wut über die Ungerechtigkeiten des Lebens. Das zweite große Thema des Romans ist die Religion. Und die Kraft, die die Afroamerikaner aus diesem tiefen Glauben ziehen. Und man spürt die Intensität, die dieser Glaube für die Menschen hat. Man ist förmlich in der Kirche dabei, sieht die Menschen, sieht sie beten und singen. Manchmal klingt das Geschriebene schon sehr prophetisch. Aber dies untermauert nur die Stärke des Glaubens der Menschen. Und der Autor zeichnet seine Charaktere tief, mit allen Eigenschaften die Menschen haben, mit den Positiven, wie auch den Negativen. Das löst wiederum auch eine Bandbreite an Gefühlen beim Leser aus.

    "Nach und nach rief er ihren Namen. Dann drehte er sich um, und sie hielt ihn an ihrer Brust, während er schluchzte. Irgendwann schlief er ein, an sie geklammert, als würde er endgültig untergehen.
    Und es war endgültig. In der Nacht schnitt er sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern auf und wurde am Morgen von seiner Wirtin tot unter dunkelroten Laken gefunden; seine Augen starrten lichtlos an die Decke."

    Und ich betone intensive Gefühle, die das Lesen teils etwas schwierig machen, damit meine ich für mich die Rolle des Stiefvaters, der mich schon sehr abgestoßen hat. Im dritten Thema des Buches geht es um die Weiterentwicklung eines Jungen, der seine Umwelt anfängt aus anderen Augen zu sehen, sich mehr seinen Gefühlen zu öffnen, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich seiner sexuellen Orientierung zu öffnen und authentisch zu leben. Dieser Roman wird getragen von starken autobiographischen Zügen, Baldwin verarbeitet sein Leben in diesem Werk.

    Aber es ist ein Buch für das man bereit sein muss !