Vollkommen

Buchseite und Rezensionen zu 'Vollkommen' von Patricia Rabs
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Sie haben sich in einer streng regulierten Idealgesellschaft den besten Platz erobert: Die Familie der 17-jährigen Teresa Evans gehört zu den Privilegierten, die in Mitte wohnen dürfen. Ihr Blut wird seit Generationen als so wertvoll eingestuft, dass sie es spenden und dafür besser leben können. Doch mit Teresa kommt die Wende, sie hat die Einstufung zur Blutspende nicht bestanden. Wegen ihr könnten sie jederzeit in die Armutswelt der Randbezirke abgeschoben werden. Dorthin, wo auch Lukas wohnt. Der Junge, mit dem Teresa als Privilegierte niemals zusammen sein dürfte und der jetzt ihr einziges Licht im Dunkeln ist. Doch gerade Lukas besteht als Erster seines Stammbaums die Einstufung und gehört plötzlich zu den Privilegierten…

Format:Kindle Edition
Seiten:406
Verlag: Impress
EAN:

Rezensionen zu "Vollkommen"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Feb 2015 

    Wenn Blut zur Währung wird...

    "Vollkommen" ist eine sehr einfallsreiche Dystopie - eben nicht der tausendste Abklatsch der erfolgreichen "Stars" des Genres, wie "Die Tribute von Panem", sondern etwas ganz Eigenes mit einer besonderen Atmosphäre und einer interessanten Grundidee, die viel Stoff zum Nachdenken bietet.

    In der bedrückenden Welt, die uns die Autorin beschreibt, kann man sich glücklich schätzen, wenn man in der sogenannten "Mitte" lebt, sich ab und an den unerhörten Luxus eines Apfels oder einer Banane gönnen und seinen Kindern die Schule finanzieren kann. Wer so richtig im Wohlstand lebt, kann sogar den ganzen Winter hindurch heizen! Am "Rand" sieht das schon ganz anders aus: frisches Obst und Gemüse kann sich keiner leisten, die meisten Kinder können nicht mal lesen oder schreiben, und im Winter kann man sich nur in zerlumpte Decken wickeln und hoffen, dass man in der Nacht nicht erfriert.

    Wer in der Mitte lebt und wer am Rand, das wird nicht etwa entschieden durch Arbeitswillen, Bildung oder andere Faktoren, die ein Mensch vielleicht beeinflussen kann, sondern einzig und alleine von der Qualität seines Blutes. Mit 15 können sich Jugendliche testen lassen, und wenn ihr Blut den Ansprüchen genügt, müssen sie zwei Jahre lang alle möglichen Vitamine und Medikamente einnehmen und dürfen dann von ihrem 17. bis zu ihrem 25. Geburtstag regelmäßig Blut spenden. Und das wird richtig, richtig gut bezahlt. Schon ein Blutspender kann eine ganze Familie ernähren, und mehrere Kinder zu haben, die spenden, kann eine Familie schwindelerregend reich machen!

    Familien, deren Kinder abgelehnt wurden, haben dagegen kaum eine Chance, der Armut zu entkommen. Und wem das nicht passt, der sollte es nicht zu laut sagen. Am besten schaut man auch weg, wenn der Nachbar, der Kritik geäußert hat, deportiert wird... Warum das Ganze? Das möchte ich auch noch nicht verraten, aber nein, es hat nichts mit Vampiren zu tun.

    Die Geschichte fand ich von der ersten Seite an sehr spannend, sehr geheimnisvoll. Ich stellte immer neue Theorien auf, was die Regierung wohl mit dem ganzen Blut vorhat, und wurde dann gegen Ende doch komplett überrascht! Damit hatte ich nicht gerechnet, und ich finde die Idee sehr interessant und leider auch nicht so ganz abwegig. Die Spannung schraubt sich immer weiter hoch, und ab einem gewissen Punkt ist die Geschichte sehr rasant und actionreich.

    Die Hauptfigur, Teresa, gefiel mir erst richtig gut. Am Anfang ist sie einfach nur eine sympathische junge Frau, die von einem besseren Leben für ihre Familie träumt. Dann stellt sich ihre Welt über Nacht auf den Kopf, und ihre Liebe scheint schon verdammt, bevor sie richtig angefangen hat... Ich habe sehr mit ihr mitgefühlt und mitgefiebert. Im Laufe der Geschichte hat mich dann aber immer wieder befremdet, wie launenhaft sie sein kann. Mal ist sie unerträglich naiv und beinahe schon märtyrerhaft, dann wirkt sie wieder sehr ich-bezogen und sogar etwas selbstsüchtig. Eigentlich ist ihr egal, wie krank die Gesellschaft ist. Sie will nur, dass es ihr und ihren Lieben gut geht. Erst sehr spät in der Geschichte entwickelt sie Kampfgeist über den reinen Überlebenswillen hinaus.

    Aber vielleicht bin ich da auch etwas zu streng mit ihr, sagte ich mir letztendlich. Sie ist schließlich völlig überfordert mit der ganzen Situation, und es ist für den Leser einfach, Kampfwillen zu fordern, wenn die eigene Familie nicht bedroht wird, nicht wahr? Außerdem ist sie in einer Gesellschaft großgeworden, in der Zivilcourage tödlich sein kann und das Wegschauen zum Volkssport geworden ist. Mit gemischten Gefühlen folgte ich dem Geschehen und dachte immer wieder über Teresa nach - und ist das nicht das Merkmal eines guten Charakters? Gegen Ende hatte ich dann wieder meinen Frieden mit ihr gemacht, und im Rückblick würde ich sagen: ja, doch, sie ist ein guter Charakter.

    Auch mit Lukas durchlief ich ein Wechselbad der Gefühle. Manchmal fand ich ihn richtig großartig, dann fragte ich mich wieder, was Teresa eigentlich an ihm findet. Die beiden haben scheinbar sehr wenig gemeinsam. Sie war immer schon hungrig nach Bildung und versessen aufs Lesen, und er hat eigentlich überhaupt keine Lust darauf, das Lesen zu lernen, sondern hängt lieber mit seinen Kumpels ab. Aber natürlich ist er im Grunde das Produkt der Welt, in der er lebt, denn er wurde am "Rand" geboren. Woher soll die Lust auf Bildung kommen, wenn Bildung Luxus ist und man sich erstmal darum kümmern muss, nicht zu erfrieren oder zu verhungern? Auf jeden Fall ist er mutig, loyal und fest entschlossen, Teresa zu beschützen, und damit hat er dann doch noch mein Herz gewonnen.

    Dennoch, die Romantik kam blieb für mich eher lauwarm... Es gibt auch eine Dreiecksgeschichte, und das hasse ich ehrlich gesagt normal wie die Pest. Allerdings fand ich es hier noch erträglich und ich konnte es sogar ein Stück weit nachvollziehen, denn hier geht es um junge Menschen in einer Extremsituation, und da können Gefühle wie Angst und Dankbarkeit schon mal für emotionales Chaos sorgen.
    Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Er liest sich leicht und angenehm und beschwört mit Leichtigkeit eine Welt herauf, die unserer völlig fremd und doch sehr ähnlich ist.

    Fazit:
    Eine Welt, in der Angst und Armut an der Tagesordnung sind und Blut eine Währung darstellt. Eine Heldin, die wegen ihres Blutes erst eine Ausgestoßene ist und dann etwas Kostbares, das von vielen Menschen begehrt wird. Die Geschichte ist originell, spannend und regt zum Nachdenken an, und bis zum Ende tappte ich im Dunkeln, was hinter all dem steht. Die beiden Protagonisten waren für mich nicht unproblematisch, aber definitiv interessant! Für mich ist "Vollkommen" eine der interessanteren Dystopien der letzten Jahre.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Nov 2014 

    "Egal was du tust, lass dir niemals Blut abnehmen !"

    Für die 17-jährige Teresa Evans, die mit ihrer Mutter und Schwester in der Mitte lebt, gelten nur zwei Regeln:

    "Meide das Labor !" und "Egal was du tust, lass dir niemals Blut abnehmen !".

    Als sie ihren Freund Lucas, der im Gegensatz zu ihr zur Spende zugelassen wurde was ihm einen sozialen Aufstieg vom Rand, an dem nur die Ärmsten leben, in die Mitte verschafft, zu seiner ersten Spende ins Labor begleitet, bricht sie beide Regeln. Um das Gebäude betreten zu können mus sie einen Tropfen ihres Blutes dort lassen. Dieser Moment ist es, der ihr Leben für immer verändert.

    Denn Tess ist etwas Besonderes. Tess ist Vollkommen....

    Meinung:

    Patricia Rabs entführt uns mit ihrer Dystopie in eine Welt, in der alles vom Blut abhängt. Es bestimmt dein ganzes Leben. Bestehst du den Einstufungstest des Pharmagon nicht, dem sich jeder im Alter von 15 Jahren unterziehen muss, dann droht dir der soziale Abstieg an den Rand. Es bestimmt dein ganzes Leben, ob du willst oder nicht, denn seine Blutgruppe kann man leider nicht ändern.

    Diese neue Idee fand ich erfrischend anders und megaspannend.
    Sicher gibt es auch einige Parallelen zu anderen Dystopien, wie beispielsweise ein System das alles kontrolliert, es gibt die Menschen die man klein und auch ein Stück weit blind und dumm hält, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen sich aufzulehnen. Das alles gab es schon mal und doch schafft Patricia Rabs hier etwas ganz Neues und Eigenes und das liest sich wirklich großartig.
    Ihr Schreibstil ist packend und sehr sehr anschaulich. Ich konnte mir diese neue Welt wirklich gut vorstellen und hatte quasi Kopfkino.

    Die Geschichte beginnt recht ruhig, man bekommt erst mal einen Einblick in Teresas Leben in der Mitte und durch ihre Besuche am Rand, wo sie Kinder das Lesen lehrt, auch einen Einblick in das Leben von Lucas für den sich bald alles zum besseren wenden soll. Ab dem Moment an dem die beiden das Labor betreten ändert sich für Teresa alles, man entführt ihre Familie und ist hinter ihr her.
    Ab hier nimmt die Handlung richtig Fahrt auf, die Spannung steigert sich peu à peu, es gibt immer wieder Wendungen die man so nicht kommen sieht, bis man schließlich diesen Punkt erreicht, an dem man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, bevor nicht auch die letzte Seite verschlungen ist.

    Ein kleines Manko sind die fehlenden Hintergrundinformationen über das Pharmagon oder auch darüber wie es zur Spaltung des Landes kam, denn während die Menschen in Mitte und am Rand wirklich ein armseliges Dasein fristen, lebt der Norden quasi in Saus' und Braus. Da es sich hier um den ersten Band einer Dilogie handelt, gehe ich aber einfach davon aus, das uns Patricia im Folgeband aufklären wird, was es mit all diesen Dingen auf sich hat.

    Zu den Protagonisten:

    Mit Tess erleben wir endlich mal eine Protagonistin, die nicht mutig und tapfer in den Krieg gegen ein undurchdringliches System zieht. Sie möchte einen Kampf um jeden Preis verhindern und die schützen die sie liebt, mehr will sie gar nicht. Die Vorstellung einer Schlacht in der vielleicht Bomben fallen könnten widerstrebt ihr komplett. Sie ist hilflos, weil man ihr eine Entscheidung überlässt, die das Leben aller bestimmt, die ihr wichtig sind, das versetzt sie immer wieder in einen inneren Zwiespalt und kann manchmal ein bisschen nerven. Vorallem dann, wenn sie abwägt was für ihre Freunde besser ist. Man könnte das freilich als "selbstlos" bezeichnen, aber in Wirklichkeit ist es etwas naiv, da sie sich selbst immer wieder zurückstellt und vergisst. Das sie oft manche Dinge nicht versteht und immer wieder nachfragen muss oder falsche Entscheidungen trifft, ist für mich als Leser zwar ein bisschen zermürbend, aber auch nachvollziehbar, da sie es einfach nicht besser weiß. Man hat sie ein Leben lang über eigentlich ALLES im Unklaren gelassen.

    Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich konnte mich an manchen Stellen gut mit ihr identifizieren, weil ich oft genauso gehandelt hätte wie sie und ihre Entscheidung somit verstehen konnte.

    Lucas ist ein Charakter der für mich noch nicht so ganz greifbar ist. Meine Gefühle in Bezug auf ihn schwanken immer zwischen: Ich mag ihn, ich mag ihn nicht und je weiter die Geschichte vorankommt umso weiter rückt er für mich in den Hintergrund, was nicht nur mit den blutaufbereitenden Medikamenten zusammenhägt, die er nehmen muss und die ihn verändern, sondern auch mit Beatrice , der ich übrigens von Anfang an misstrauisch gegenüber stehe, denn die versucht ihn von den anderen, ganz besonders von Tess abzuschotten.

    Ganz anders ist Carter. Der ist charismatisch, witzig und bis zur letzten Seite gleichbleibend präsent. Team Carter ? Yeah, ich bin dabei. Ich mochte ihn auf Anhieb, auch wenn ich gestehen muss, das ich mir lange Zeit nicht sicher war auf welcher Seite er steht.

    Es gibt jede Menge gut ausgearbeitete Nebenfiguren, die sich im Lauf der Zeit entwickeln und denen man wirklich nie in den Kopf gucken kann. Man ist sich niemals ganz sicher, wer auf welcher Seite steht und erlebt somit immer wieder Überraschungen.

    Das Ende besticht nochmal durch reichlich Action, aber auch durch emotionale Momente und lässt mich sehnsuchtsvoll auf die Fortsetzung wartend zurück.

    Fazit:

    Mit "Vollkommen" ist Patricia Rabs eine Dystopie gelungen, die sich durch eine neue Idee von anderen Werken dieses Genre ein Stück weit abhebt. Ein packender, sehr anschaulicher Schreibstil, eine spannende Handlung und wirklich gut ausgearbeitete Charaktere sorgen für ein echtes Leseerlebnis.

    ©Ina's Little Bakery

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Nov 2014 

    Interessante Ideen geparrt mit Bekanntem

    „Vollkommen“ von Patricia Rabs ist eine Dystopie.

    Die Blutspenden sind allgegenwärtig. Wer ein Spender hat, hat ein gutes Leben. Tess wohnt zwar noch im besseren Bereich mit ihrer Familie. Doch sie ist keine Spenderin. Sie hat ihrer Mutter versprochen nicht noch mal zu den Spenden zu gehen. Doch als Lucas sie bittet ihn zu begleiten, kann sie nicht nein sagen und danach wird nichts mehr so sein wie vorher.

    Tess hat die Werte des Systems voll aufgesogen. Deswegen fühlt sie sich auch als schlechterer Mensch. Denn sie darf ja nicht spenden. Ihre Hoffnung ruht auf ihrer Schwester. Damit sie ihre Familie dennoch unterstützen kann, gibt sie bei den Armen Unterricht. Dort hat sie auch Lukas kennen und später auch lieben gelernt.

    Die Charaktere sind schön gestaltet. Bei einigen merkt man relativ schnell, was sie fühlen und wie sie zu Tess stehen oder dem System stehen. Andere wiederum überraschen den Leser und sorgen so für schöne Wendungen. Alle sind aber auf die eine oder andere Weise vom System geprägt. Dieser Umstand lässt sie aber auf keinen Fall auf derselben Seite stehen.

    Auch in dieser dystopischen Weltordnung gibt es wieder eine Klasseneinteilung. Am Rand lebt die unterste Gruppe. Sie haben nur die Hoffnung aufzusteigen, falls ein Kind als Spender geeignet ist. In der Mitte leben die Spender und ihre Familien. Alles steht und fällt mit Spendern in der Familie. Frei sind ist keiner. Alle müssen sich an das System halten, sonst wird man bestraft.

    Die Idee mit der Blutspende ist richtig interessant. Das Blut ist hier wie ein Zahlungsmittel, obwohl es hier keine Vampire gibt. Durch die Augen von Tess lernt der Leser langsam die Welt kennen, in der sie lebt. Schnell fühlt man sich mit ihr verbunden und fragt sich, was genau hinter dem System steckt.
    Nach den ersten Eindrücken wird es auch spannend und die Geschichte kommt richtig ins Rollen.
    Sicher gibt es hier die typischen Elemente einer Dystopie, wie die Klassen, das System, das „Außerhalb“ der bekannten Umgebung und eine Auflehnung. Die Autorin geht lässt Tess mit vielen Situation einfach anders umgehen, als andere Protagonisten dies vielleicht getan hätten. Somit ist das ganze doch anders und hat sein eigenen Flair.

    Das Cover zeigt ein makelloses und junges Frauengesicht. Was damit und mit dem Titel auf sich hat, erfährt man mit der Zeit.

    Der Klappentext war schuld, dass ich dieses Buch haben wollte. Die Idee mit den Blutspenden, fand ich einfach nur genial. Dies war es auch beim Lesen. Mich hat Tess Schicksal einfach gefesselt und die Welt in der sie lebt, hat mich geschockt. Es ist richtig gut gelungen.

    Dafür gibt es 5 von 5 Wölfen!