Volkswagen Blues: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Volkswagen Blues: Roman' von Jacques Poulin
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Volkswagen Blues: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag:
EAN:9783446267619

Rezensionen zu "Volkswagen Blues: Roman"

  1. Roadtrip durch Amerika mit einem Blick auf die Vergangenheit

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Nov 2020 

    Dieses Buch konnte mich richtig begeistern. Ein Roadtrip durch Amerika wird hier beschrieben. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen begegnen sich und fahren gemeinsam durch Amerika. Jack Waterman, ein Schriftsteller, auf der Suche nach seinem Bruder Théo und die unstete und lesebegeisterte Halbindianerin Pitsémine, vom Schriftsteller Jack liebevoll wegen ihrer langen Beine Große Heuschrecke genannt, reisen zusammen von Quebec bis nach San Francisco in einem alten VW-Bus. So schrullig und liebevoll wie die beiden gezeichnet werden, erinnert mich das Ganze sehr an den französischen Film mit der wunderbaren Amelie. Doch genauso warmherzig wie die beiden beschrieben werden, wie die Annäherung der beiden funktioniert, werden auch Blicke auf die Geschichte Amerikas geworfen, auf die Annäherung der Weißen an die Indianer, die wenig warmherzig verlief, was auch immer wieder zum Ausdruck kommt und auch ungeheuer wichtig ist, denn nur ein nicht Vergessen und ein Aufarbeiten kann das Ganze verändern. Von daher kann die Annäherung der beiden Protagonisten auch als eine Metapher gedeutet werden. Wobei diese Annäherung der beiden Hauptfiguren auch voller weiser Blicke auf das Leben ist und sehr zum Nachdenken anregt. Allesamt ist dieses Buch eine perfekt gelungene Betrachtung der Eroberung Amerikas durch die europäischen Menschen und gleichzeitig ein wirklich gelungener Blick auf den Menschen und sein Handeln und Denken, egal ob Europäer oder Indianer, und damit auch ein Plädoyer gegen die Diskriminierung und ebenso ist dieses Buch eine Feier der Bibliophilie. Wunderbar! Und genauso interessant ist es, dass dieser in Amerika/Kanada schon 1984 erschienener Roman nun auch bei uns erschienen ist oder besser gesagt, erst jetzt bei uns erschienen ist. Ich wünsche diesem Buch wirklich viele Leser!!!

  1. Unterwegs

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Sep 2020 

    Vielleicht ist seine Schreibblockade der Grund, dass sich der Schriftsteller Jack Waterman mit der Vergangenheit beschäftigt. Vor Jahren hat er das letzte Lebenszeichen seines Bruders Theo erhalten: eine unleserliche Postkarte aus dem kanadischen Ort Gaspé. Plötzlich wird es im bewusst, was für eine große Rolle sein Bruder in seinem Leben spielte und er fühlt sich auch schuldig, nie nach Theo gesucht zu haben.

    Mit einem alten VW Bus will er den verwehten Spuren folgen und hätte er nicht unterwegs eine junge Anhalterin mitgenommen, wäre sein Versuch wohl schon zu Anfang gescheitert. Aber die „Große Heuschrecke“, wie er Pitsémine wegen ihrer langen und dürren Beine nennt, bringt ihn mit ihren Ideen auf die Spur. Außerdem ist sie Mechanikerin, was bei einem so alten Bus mit fast 200000 km auf dem Tacho ein unschätzbarer Vorteil ist. Die Große Heuschrecke ist eine fast manische Leserin und vor allem die Geschichte der Landnahme der französischen Einwanderer und Entdecker interessiert sie, ist sie doch als Nachfahrin der indigenen Bewohner direkt davon betroffen.

    Zusammen durchqueren sie den amerikanischen Kontinent, reisen wie die frühen Siedler auf dem Oregon Trail gen Westen und finden ab und zu Hinweise auf Theo. Für Jack wird diese Reise auch immer mehr in Reise zu sich selbst, je mehr er sich seiner Begleiterin öffnet. Dabei bleiben die Reisegefährten freundschaftlich distanziert, so siezen sich während der ganzen Fahrt.

    Diese Road Novel – ich finde einfach keine passendere deutsche Entsprechung ist ein wunderbarer Reisebericht, leise und intensiv und auch ein wenig melancholisch erzählt. Ich habe bedauert, dass ich dieses Buch nicht bei Erscheinen vor 20 Jahren lesen konnte, ich hätte mich vielleicht für eine solche Fahrt inspirieren lassen. Schade, dass es so lange dauerte, bis dieses Buch endlich in Übersetzung in Deutschland erschien. So folge ich Jack und Pitsémine per Buch quer durch Amerika und lerne dabei sehr viel über die Geschichte der Siedler und Entdecker.

    Man sollte sich Zeit nehmen und das Buch langsam lesen um die Geschichte besonders zu genießen, dann ist das Fernweh programmiert. Aber das ist ja auch das Ziel einer Reiseerzählung.