Violeta

Buchseite und Rezensionen zu 'Violeta' von Isabel Allende
4.3
4.3 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Violeta"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:395
EAN:9781644734780

Rezensionen zu "Violeta"

  1. 4
    05. Sep 2022 

    Violetas Weg

    Isabel Allende gibt in "Violeta" interessante Einblicke in das Leben einer chilenischen Frau, es handelt sich bei diesem Buch um eine langsame Emanzipation. Ich habe mich schon sehr auf dieses Buch gefreut und gehofft, dass es mich so richtig umhaut, wie damals das Geisterhaus, oder eigentlich die gesamte Geisterhaus Trilogie. Leider war dies nicht ganz der Fall. Aber 4 Sterne ist mir "Violeta" definitiv wert.
    Nach der Lektüre des recht autobiographischen Buchs "Was wir Frauen wollen" drängte sich mir bei "Violeta" schon der Gedanke auf, dass Isabel Allende hier in ihrer Violeta ein Teil ihres eigenen Ichs einarbeitet. Eine 1942 geborene Autorin blickt auf das Leben einer 1920 geborenen Chilenin. In ihrem Buch "Violeta" schaut die Autorin auf das lange Leben ihrer Violeta, auf das hundertjährige Leben ihrer Protagonistin. Und gibt damit auch gleich einen wunderbaren historischen Einblick in das chilenische Gebiet, in das chilenische Denken, in das chilenische Sein. Und dies gelingt der Autorin bravourös, denn ihr neuer Roman ist sehr spannend und absolut intensiv. Ich konnte ihn kaum aus der Hand legen und war in einer Windeseile durch das Buch durch. Sehr gefallen hat mir, dass in "Violeta" Verbindungen zum "Geisterhaus" gezogen werden, denn es ist von Verwandten die Rede, die mit Geistern reden können und furchtbare Autounfälle haben. Dann hat mir das Personal gefallen, und hier besonders die Tanten, die Lehrerin und Teresa Rivas, aber auch die titelgebende Violeta. Obwohl die Rolle der Violeta auch etwas gewöhnungsbedürftig ist und sie manchmal etwas arg gutbürgerlich und blauäugig daherkommt. Aber solche Menschen gibt es viele und manche Unwissenheit ermöglichte erst manches Grauen. Auch in unserem Land wird es in den Dreißiger Jahren viele gutbürgerlich-blauäugige Menschen gegeben haben und in der Coronazeit taucht diese Art des Homo Sapiens ja auch wieder in Erscheinung. Das Gute ist, Violeta sieht ihre Fehler ein. Woran sich manch ein anderer ein Beispiel nehmen könnte. Ansonsten ist der Charakter der Violeta aber schon etwas ihrer Zeit voraus, sie weiß viel und ist emanzipiert, aber alles Wissen nutzt auch ihr nichts. Denn die Liebe und die rosarote Brille der Liebe ereilt auch sie und hier bewegt sich Violeta wieder rückwärts in ihrer Entwicklung und bezahlt dafür einen hohen Preis. Was recht schade ist. Dennoch ist dieses Leben einer chilenischen und damit lateinamerikanischen Frau aber nachvollziehbar und glaubhaft. Denn obwohl man sich als Leserin einen feministischen Charakter wünscht, eine 1920 in Chile geborene Frau wird wohl meist Violeta ähnlich gewesen sein. Bzw. wird eine Violeta für die meisten anderen schon recht emanzipiert gewesen sein und eine Teresa Rivas sehr außergewöhnlich bis außerirdisch. Von daher ist dies alles absolut gelungen. Gefallen hat mir auch, dass Isabel Allende die Mapuche in ihrem Roman auftreten lässt, waren sie doch in der chilenischen Geschichte von jeher sehr wichtig gewesen. Der Name des Stammes fällt in dem Buch nicht, aber alles klingt nach diesem Stamm, nach diesem Volk. Der Wohnort, die Heiler, der Silberschmuck.
    Nicht gefallen haben mir einige zu melodramatische gelungene Sätze, die eigentlich in eine Liebesschnulze gehören und dem Buch den eigentlich verdienten fünften Stern rauben. Leider. Aber diese Sätze waren wirklich zu arg aufgetragen!
    Aber vier Sterne sind ja auch eine sehr gute Bewertung!

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  1. 3
    15. Aug 2022 

    Von der Spanischen Grippe bis zur Corona-Pandemie

    Violeta del Valle wird 1920 als jüngste Schwester von 5 Brüdern geboren. Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges sind noch zu spüren, als die Spanische Grippe in ihrem Heimatland ausbricht. Ein ganzes Jahrhundert wird ihr Leben andauern und als Violeta schließlich im Jahr 2020 verstirbt, hat mit dem Coronavirus erneut eine Pandemie die Welt im Griff.

    Mit „Violeta“ legt die Bestsellerautorin Isabel Allende einen Roman vor, der nicht nur 100 Jahre im Leben ihrer Protagonistin schildert, sondern damit auch einen wichtigen Teil der Geschichte Chiles miterzählt. (Obwohl der Handlungsort nie klar benannt wird, ist er doch durch die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse klar zu erkennen.) Die Geschehnisse werden vollständig aus Violetas Perspektive in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt – und zwar in einem Brief an einen Mann namens Camilo, dessen Identität und seine Verbindung zu Violeta erst nach und nach gelüftet werden.

    Jeweils ca. zwanzig Lebensjahre Violetas werden dabei immer zu einem Abschnitt zusammengefasst. Der erste widmet sich ihrer Geburt, dem Aufwachsen und dem Verlust des Elternhauses. Im zweiten Abschnitt geht es um die Liebe, sowohl in Beziehungen, als auch zu den eigenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn. Der dritte Abschnitt erzählt von schweren Verlusten, die Violeta erleiden muss, während sich im vierten Abschnitt ihr Leben im hohen Alter noch einmal grundlegend wandelt.Als Hintergrund für diese im Grunde 100 Jahre andauernde Familientragödie dienen historische Ereignisse.

    Obwohl mir der Roman grundsätzlich gut gefallen hat, muss ich doch zugeben, mehr erwartet zu haben. Gerade Violeta bleibt einen Großteil ihres Lebens viel zu passiv und lässt ihr Schicksal zu oft von Männern bestimmen. Erst viel zu spät entdeckt sie ihr Interesse für den Feminismus, von dem ich gehofft hatte, er würde eine größere Rolle spielen. Auch die geschichtlichen Ereignisse dienen leider nur als Motor der Handlung oder Spannungsmoment und werden im Prinzip nur von Violetas Sohn kritisch hinterfragt. Hier verschenkt Allende, in meinen Augen, Potenzial – schade!

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  1. Einhundert Jahre Leben

    Dies war mein erstes Buch von Isabel Allende und wird gewiss nicht mein letztes gewesen sein, denn gute Geschichten erzählen kann sie in jedem Fall.

    Sie schildert nicht nur das Leben von Violeta sehr intensiv, sondern auch die Umbrüche im dargestellten, südamerikanischen Land, welches nie klar benannt wird. Nach meiner Recherche her müsste es Chile sein, aber sicher bin ich mir nicht.

    Ich habe es genossen wie aus dem einstigen Wildfang eine gestandene Frau wird, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg geht. Mich hat dabei enorm wütend gemacht, wie ihr die Männer, die sie eigentlich lieben und beschützen sollten, dabei oft im Weg standen. Die anfängliche Faszination für Julian Bravo konnte ich so etwas von nachvollziehen, da er doch so anders war als ihr langweiliger Ehemann, den sie eh nur aus Pflichtgefühl geheiratet hatte.

    Man ist oft erstaunt wie trotz der politischen Umwälzungen Violeta gerade in der Militärdiktatur klarkommt und kaum Repressalien zu befürchten hat, was ich doch als sehr ungewöhnlich empfand.

    Während mir der Beginn mit den 20ern bis hinein in die 60er noch richtig gut gefallen hat, lasen sich die letzten Seiten von 1983 bis 2020 deutlich anstrengender und nicht mehr so fesselnd. Vielleicht lag es einfach daran, dass das Erzählte dann irgendwann auch für drei Leben gereicht hätte.

    Fazit: Unterhaltsam und lehrreich mit der kleinen Schwäche, dass vielleicht zum Schluss etwas zu viel gewollt wurde. Dennoch empfehle ich den Roman nur zu gern.

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  1. Ein aufregendes Leben...

    Das unglaublich schöne Cover hat mich auf den Roman aufmerksam gemacht und neugierig begann ich zu lesen ohne zu ahnen, was ich da Tolles in den Händen halte.

    In der Geschichte geht es um Violeta, die als Ich- Erzählerin ihrem Enkel Camilo ihre komplette Lebensgeschichte erzählt. Diese umspannt hundert Jahre, denn sie ist in einer stürmischen Pandemienacht geboren und stirbt während unserer aktuellen Pandemie. Was hatte das Leben für sie parat?

    Der Autorin gelingt es gekonnt eine Lebensgeschichte zu erzählen und ganz nebenbei die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Chile aufzuzeigen. Das ergibt eine gute Mischung aus Unterhaltung und Bildung. Zudem hat es meine Neugier für ein Land geweckt mit dem ich mich bisher noch gar nicht beschäftigt habe.

    Violetas Leben ist geprägt von der Unterdrückung der Frau und der Macht der Männer, was sich auch oft in ihren Liebschaften widerspiegelt. Am meisten bedrückt hat mich das gespaltene Verhältnis zu ihren Kindern, denn obwohl sie alles gibt, scheint es nie genug zu sein. Und trotz aller Tiefschläge geht sie ihren Weg, trickst und tut alles um sich durchsetzen zu können. Man spürt eine enorme Entwicklung vom unerzogenen Kind zu einer Frau, die ihren Mann steht und sich gegen Konventionen stellt.

    Ansonsten war auch schön zu lesen wie sie sich anderen Menschen aus ihrer Umgebung etwas ausführlicher widmet, wie ihrem einstigen Kindermädchen, ihrem Bruder oder ihren Kindern, so dass wir an vielen Leben teilhaben dürfen im Wandel der Zeit.

    Beim Lesen fragte ich mich oft wieviel ein Menschen eigentlich aushalten kann und schon kommt der nächste Schicksalsschlag. Mir ist ansonsten wieder einmal bewusst geworden froh zu sein in einem Land und in einer Zeit zu leben, wo Frauen deutlich mehr Rechte und Möglichkeiten haben sich frei zu entfalten.

    Fazit: Fesselnd, mitreißend und in meinen Augen etwas Besonderes. Sehr lesenswert!

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  1. Ein großartiges Generationenepos

    „Verteidige deine Unabhängigkeit, lass nicht zu, dass jemand anders für dich entscheidet. Du musst lernen, alleine klarzukommen.“ (Zitat Seite 127)

    Inhalt
    Am Ende eines langen, nicht immer einfachen, aber in allen Facetten sehr intensiv gelebten Lebens, schreibt Violeta del Valle ihr Leben für ihren Enkel Camilo auf, chronologisch, als Ergänzung zu ihren zahlreichen spontanen und emotionalen Briefen an Camilo. 1920 während der Pandemie geboren, damals war es die Spanische Grippe, wird ihr Leben in diesen Tagen des Jahres 2020 enden, wieder während einer Pandemie, wie sie es selbst formuliert, diesmal ist es Corona. Violeta hat fünf ältere Brüder und als Jüngste und vom Vater ersehntes Mädchen wird sie während ihrer ersten Lebensjahre nicht nur vom Vater, sondern auch von den ebenfalls im Haushalt lebenden Tanten Pía und Pilar verwöhnt. Violeta ist eigenwillig, wild und störrisch, bis Miss Taylor als englisches Kindermädchen in die Familie kommt, mit der Violeta eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. Josephine Taylor fördert ihre Wissbegierde, setzt ihr Grenzen, ohne jedoch ihren widerspenstigen Charakter einzuengen und bestätigt sie in ihrem Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit, die Violetas späteres Leben prägen werden.

    Thema und Genre
    Dieses Familien- und Generationenepos ist gleichzeitig ein Bericht über einhundert Jahre der wechselvollen Geschichte Südamerikas mit Schwerpunkt Chile.

    Charaktere
    Im Laufe der Jahre begegnen wir unterschiedlichen Mitgliedern der Familie del Valle und ihren Freunden. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Violeta del Valle, eigenwillig, unangepasst, leidenschaftlich. Eine starke, gemeinsam mit ihrem ältesten Bruder auch geschäftlich sehr erfolgreiche Frau, die in ihren Aufzeichnungen auch offen über ihre Fehler, Schwächen und Zweifel schreibt.

    Handlung und Schreibstil
    Violeta verfasst diese Geschichte ihres Lebens für ihren Enkel Camilo und tut dies als Ich-Erzählerin. Daher schwingen in allen Schilderungen ihre persönlichen Gefühle mit, auch dann, wenn sie über die wichtigen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen dieser langen Zeitperiode schreibt, besonders über die auch für die Familie gefährliche Zeit der Diktatur, wo jeder Schritt und jedes Wort genau beobachtet wurden. Die Handlung wird chronologisch geschildert, mit einigen erklärenden Erinnerungen und ist in übergeordnete Kapitel eingeteilt, die jeweils zwanzig Jahre umfassen. Zusammen mit den besonders prägenden Erlebnissen, die immer auch mit jenen wichtigen Frauen und Männern verbunden sind, die sie über viele Jahre ihres Lebens begleitet haben, ergibt dies ein großartig zu lesendes Generationenepos, von der ersten bis zur letzten Seite interessant, spannend und überzeugend.

    Fazit
    Die Bücher der Schriftstellerin Isabel Allende haben eines gemeinsam: von der ersten Seite an folgt man gebannt der Geschichte ihrer Figuren, nicht gewillt, die Lektüre zu unterbrechen, bevor man den letzten Satz gelesen hat. Andererseits möchte man innehalten und wünscht sich, das Buch möge nicht so rasch zu Ende sein – doch dies ist mir auch diesmal nicht gelungen, einmal begonnen, konnte ich diesen packenden, vielschichtigen Roman nicht aus der Hand legen.

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  1. Ein bewegtes Leben

    Die Auswirkungen des Krieges sind 1920 noch zu spüren, als die Spanische Grippe in Südamerika um sich greift. Genau zu dieser Zeit wird Violeta del Valle geboren, ein Mädchen nach fünf Brüdern. 2020 blickt sie auf ihr langes Leben zurück und schreibt für ihren Enkel, den sie großgezogen hat nachdem ihre Tochter gestorben ist, alles auf. Es war ein bewegtes Leben, das sie in vielen Momenten genossen hat, das ihr aber auch Verluste und schwere Zeiten beschert hat.
    Immer wieder gelingt es der Autorin Isabel Allende mich mit ihren Geschichten zu packen, bei einigen Romane sehr, bei anderen weniger. Dieses Buch ist wieder einmal ein großer Wurf. Nachdem ich das Buch begonnen hatte, fiel es mir wirklich schwer, es wieder beiseite zu legen. Aber man muss schon aufmerksam lesen, denn es sind sehr viele Personen im Spiel.
    Violeta ist keine einfache Person. Von Anfang an ist sie willensstark und eigensinnig. Erst als sie ein Kindermädchen bekommt, erhält sie damit auch eine Erziehung, die sie auf das Leben vorbereitet. Daraus wird eine Freundschaft. Es sind turbulente Zeiten, die immer wieder zu Umbrüchen, Revolutionen und Krisen führen. Diese politischen Entwicklungen sind mit dem Schicksal von Violeta verknüpft. Violeta ist eine kämpferische und mutige Frau, die aber auch ihre verletzlichen Seiten hat. Sie hat einige Beziehungen gehabt und musste mit dem Verlust von geliebten Menschen fertig werden. Aber auch die Konventionen haben es ihr nicht leicht gemacht, dabei wollte sie gleichberechtigt und frei sein.
    Es ist ein gelungener Roman, informativ, fesselnd und berührend. Meine absolute Leseempfehlung!

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  1. Ein Leben wie ein Roman

    "Leben hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit. Dazwischen ist Zeit, sich zu erinnern." (S. 391/392)

    Nachdem sie länger gelebt hat, „als die Würde es gebietet“ (S. 387), schreibt Violeta del Valle einen Bericht, um vor ihrem geliebten Enkel Camilo Zeugnis abzulegen:

    "Du wirst sehen, mein Leben ist ein Roman." (S. 7)

    In den vier ähnlich umfangreichen Teilen „Die Verbannung 1920 – 1940“, „Leidenschaft 1940 – 1960“, „Die Abwesenden 1960 – 1983“ und „Wiedergeburt 1983 – 2020“ verbindet Violeta ihre Biografie mit der Geschichte eines Jahrhunderts in Südamerika, das eine nicht weniger dramatisch als das andere. Zwei Pandemien rahmen ihr Leben ein: die Spanische Grippe und die Corona-Epidemie.

    Ein turbulentes Leben in dramatischen Zeiten
    Während eines Sturms kommt Violeta 1920 in Chile zur Welt. Ihre wohlhabende Oberschichtfamilie büßt in der Weltwirtschaftskrise ihr Vermögen ein, nach dem tragischen Verlust des Vaters zerfällt die Familie und Violeta erlebt die Verbannung nach Patagonien, wo sie trotz der widrigen Umstände glücklich heranwächst. Leidenschaften und Sexualität prägen sie bis ins hohe Alter, vier grundverschiedene Männer begleiten sie durch ein Leben voller persönlicher und gesellschaftlicher Turbulenzen. Erst spät erkennt Violeta, die wie in ihren Kreisen üblich stets die Konservativen wählte, die Verbrechen der Junta, als sie die Leiche ihres treuen Familienbediensteten Torito anhand eines Kreuzes identifiziert:

    "Ich weiß noch, wie ich mit vierundsechzig drauf und dran war, mich dem Altwerden zu überlassen, und wie Toritos Kreuz mich damals zwang, den Kurs zu ändern und ein neues Leben zu beginnen, wie es mir ein Ziel schenkte, eine Möglichkeit, nützlich zu sein, und eine wundervolle Freiheit der Seele." (S. 387)

    Die Mutter als Vorbild
    Die Inspiration zu Violeta verdankt die 1942 geborene Isabel Allende ihrer kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie verstorbenen Mutter. Wie die Titelfigur des Romans war sie schön, klug, freiheitsliebend und leidenschaftlich, allerdings erreichte sie nie deren wirtschaftliche Unabhängigkeit. Vorbild für Violetas Tochter Nieves, nach der sie im hohen Alter ihre Stiftung für Opfer häuslicher Gewalt benannte, war Allendes drogensüchtige Stieftochter und viele Anekdoten über Violetas rebellischen Sohn Juan Martín und ihren noch aufmüpfigeren Enkel sind von ihrem eigenen Sohn inspiriert.

    Eine Vielschreiberin
    Keine Autorin und kein Autor nimmt mit seinem Werk so viel Platz in meinem Bücherregal ein wie Isabel Allende, obwohl sie nie wieder die überragende Qualität ihres Debüts "Das Geisterhaus" von 1982 erreichte. Nichtsdestotrotz ist sie nach wie vor die weltweit meistgelesene spanischsprachige Stimme und auch ihre leichteren Romane habe ich immer wieder gern gelesen, egal, ob sie im Plauderton aus ihrem Leben erzählte oder fiktive Stoffe behandelte. Neben leidenschaftlichen Charakteren sind es besonders die politischen Themen, die mich interessieren, die sozialistischen Bewegungen Lateinamerikas, die chilenische Militärdiktatur, der Feminismus und gesellschaftliche Fragen.

    Ich bin Violeta gerne durch ihr Leben vom ungezogenen Kind bis zur altersweisen Großmutter gefolgt. Statt magischen Realismus gibt es einen starken Frauencharakter mit einem unsentimentalen, selbstkritischen, teilweise humorvollen Blick auf ein Leben, das tatsächlich mehr als genug Stoff für einen unterhaltsamen, bisweilen allerdings durch die Vielzahl der Themen eher oberflächlichen Roman bietet.

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