Viga-Ljot und Vigdis: Roman

Rezensionen zu "Viga-Ljot und Vigdis: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Sep 2019 

    Nordische Sagen sind nicht rosarot!

    Nordische Sagen lesen sich in etwa wie griechische Mythologie. Spannend, aber ohne große Emotionen. Allerdings sind die nordischen Sagen viel düsterer. Mord und Totschlag ist an der Tagesordnung.

    Die Neuübersetzung durch Gabriele Haefs macht Sigrid Undsets sperrige Romane endlich lesbar. Kristof Magnusson schreibt dazu zum vorliegenden Roman „Viga-Ljot und Vigdis“ ein sehr gutes Vorwort.

    Die Saga Viga-Ljot und Vigdis, im frühen Mittelalter spielend, ist grausig genug und zeigt, was dabei herauskommt, wenn man Gewalt mit Gewalt beantwortet. Denn Vigdis wird von ihrem bevorzugten Verehrer Viga-Ljot vergewaltigt, wird schwanger und verlangt später von ihrem Sohn, seinen Vater zu ermorden.

    Die Handlung so im Groben darf man ausnahmsweise einmal verraten, weil es sich um ein uraltes Buch handelt, das bereits 1909 erschienen ist und die Handlung auch schon intensiv im Vorwort besprochen wird.

    Einer Sage angemessen ist dann auch Sprache und Erzählung nicht so emotional, dass man in Tränen ausbrechen würde, sie ist jedoch schlicht und kraftvoll. Man kann die Geschichte lesen, wie man ein Märchenbuch lesen würde, nur dass die nordischen Sagen eben düster sind und nicht rosenrot.

    Die Charaktere:
    Ist die Frauengestalt Vigdis wirklich so beeindruckend und führt Vigdis ein selbstbestimmtes Leben, was außergewöhlich für jene Zeit gewesen ist, wie die Ausleger behaupten? Ja und Nein. Sie entscheidet, nie zu heiraten. Das konnte sie nur, weil sie wohlhabend war. Ein armes Ding hätte nie selbstbestimmt leben dürfen oder können.

    Aber Vigdis war nicht in der Lage, ihr Kind mehr zu lieben als sich selbst und ihm nicht die Bürde der Rache aufzuerlegen. Insofern habe ich sie eher als schwache Person erlebt. Jemand, der nicht im Ansatz dazu bereit war, zu verzeihen und dessen Verbitterung viel Unglück für alle nach sich zog. Mehr beeindruckt hat mich die männliche Rolle. Viga-Ljot durchläuft eine Entwicklung. Aber Vigdis stagniert. Dennoch sind beide Opfer ihrer Zeit. So ist es ja oft.

    Charmant sind die lose eingestreuten Sagen, die man einander am Lagerfeuer abends erzählte und die immer die Richtung vorgaben, welche Handlungs- und Denkweise die Richtige und wünschenswerte sei und dennoch den Anwesenden die Freiheit ließ, selbst zu entscheiden.

    Fazit: Wenn man nordische Literatur liest, muss man immer auf Düsterkeit und harte Charaktere gefasst sein.

    Kategorie: Anspruchsvoller Roman
    Verlag: Hoffmann und Campe, 2019