Vater unser

Buchseite und Rezensionen zu 'Vater unser' von Angela Lehner
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Sie weiß alles, sie kriegt alles, sie durchschaut jeden. Nur sich selbst durchschaut sie nicht: Eine Geistesgestörte, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch und zutiefst manipulativ.
Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden. In ihrem fulminanten Debüt lässt Angela Lehner eine Geistesgestörte auftreten, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:284
Verlag: Hanser Berlin
EAN:9783446262591

Rezensionen zu "Vater unser"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 30. Okt 2019 

    Lüge und Wahrheit

    Weil sie erzählt, sie habe eine Kindergartenklasse erschossen, wird Eva Gruber in ein psychiatrisches Krankenhaus in Wien gebracht. Doch wird auch ihr Bruder Bernhard behandelt. Er ist der eigentliche Grund ihrer Einweisung. Bernhard will seine Schwester nicht sehen. Es erscheint ihr also am einfachsten, seinen Wunsch zu übergehen, wenn sie selbst therapiert werden muss. Auch im Krankenhaus legt sich Eva ihre Welt zurecht. Ihrem Therapeuten Dr. Korb macht sie das Leben nicht leicht. Mal widerborstig, mal kooperativ und unvorhersehbar. Wieso wurden die Geschwister so?

    In ihrem auf knapp 300 Seiten komprimierten Roman konfrontiert die Autorin ihre Leser mit einer schwierigen Protagonistin. Kann man Eva glauben, dass sei das Beste für Bernhard will? Was ist in ihrer Kindheit wirklich geschehen? Wieso hadern die Geschwister so mit ihrem Leben oder ihrer Kindheit, dass sie schließlich in der geschützten Welt der Psychiatrie landen? Was ist Lüge, was ist Wahrheit? Gewitzt ist Eva alle mal und auch Humor kann man ihr nicht absprechen. Doch sie macht sich ihre Welt wie sie ihr gefällt, aber gefällt sie ihr wirklich? Kaum zu glauben. Jedenfalls duldet sie kaum jemanden außer sich selbst neben ihrem Bruder und es erscheint doch sehr zweifelhaft, ob dies ihm guttut.

    Eine schwierige Entscheidung bahnt sich an. Je weiter man mit der Lektüre kommt, desto mehr beginnt man sich nach dem Sinn oder der tatsächlichen Geschichte zu fragen. Man möchte Eva und Bernhard verstehen. Man möchte ihre Verrücktheit erklärt bekommen. Oder werden Menschen einfach so so? Manchen Lesern mag gerade die Zerrissenheit der handelnden Personen gefallen und die verquere Weltsicht Evas. In anderen Lesern wächst möglicherweise der Wunsch nach der Erklärung, nach einer neutralen Sicht von außen, nach einem Rahmen, in dem sich die Ereignisse in gewissem Umfang ordnen lassen. Und so wird dieser durchaus neugierig machende Roman den einen mit seiner Konsequenz, immer bei Eva zu bleiben, begeistern und andere werden gerade darin einen Knackpunkt sehen, der die Begeisterung doch sehr einschränkt. Nach dem Umblättern der letzten Seite fühlt man sich vielleicht etwas im Stich gelassen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Okt 2019 

    Evas Leben tobt

    Eva Gruber wird eingeliefert in die Psychiatrische Abteilung des Wiener Otto Wagner Spitals. Auf eine Gruppe Kindergartenkinder soll sie geschossen haben. Das ist es jedenfalls, was sie erzählt. Dich warum ist Eva wirklich dort. Ist sie überhaupt verrückt, gehört sie zu „denen da drinnen“, oder will sie nur zu ihrem Bruder Bernhard, der im gleichen Spital wegen seiner nahezu tödlichen Magersucht behandelt wird.
    Es sind viele Geschichten, die Eva erzählt, vor allem in den Gesprächen mit dem Psychiater Korb, aber auch mit Bernhard oder dessen Mitpatientin und Freundin Ariana. Von der Kindheit, den Depressionen des Vaters, der Bigotterie der Mutter, der Übermacht einer dysfunktionalen Familie. Dabei ist Eva so geschickt, manipulativ, grenzwertig, distanzlos. Eine unzuverlässige Erzählerin, wie nur was. Eigentlich muss man alles, was Eva erzählt in Frage stellen, schon als Kind war Lügen ein Ausweg für sie. Rebellion, Aufbruch, Zusammenbruch, Evas leben tobt bis zum totalen Realitätsverlust.
    Wahnsinn und Normalität, Tragödie und Komödie reiben so nahe aneinander, das es sprüht. Eva kontert allen Lebenssituationen mit rotzigem frechem Wortwitz. Die Dialoge mit Korb, dem Psychiater, grenzen an Genialität. Das Krankenhaus am Rande der Stadt ist Mikrokosmos und Milieustudie zugleich. Bis zum Schluss kann man sich über Eva nie sicher sein
    Angela Lehners Debüt Vater Unser hat mich voll und ganz überzeugt. Und nicht nur mich, immerhin ist das Buch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019 sowie für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises nominiert

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Sep 2019 

    Intensive Verwirrungen

    "Vater unser" von Angela Lehner ist jetzt das dritte Buch der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019, welches mir vor die Augen kam. Und es lässt mich vollkommen begeistert zurück und steht für meine Begriffe vollkommen zu Recht auf dieser Liste.

    Was haben wir hier? "Vater unser" ist der Blick auf eine junge Frau und ihre Familie. Diese junge Frau, Eva Gruber, wird in die Psychiatrie gebracht, sie bezichtigt sich selbst eine Kindergartenklasse umgebracht zu haben. Hat sie nur nicht. Dies sieht man auch daran, dass Eva auf keine forensische Station gebracht wird. Eigentlich will sie meines Erachtens nur dahin, um ihrem Bruder nahe zu sein. Ihr wird eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Aber passt dies zusammen, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und der Drang, dem Bruder nahe zu sein, dem Bruder zu helfen?

    Wobei aber das, was uns die Protagonistin hier so erzählt, nicht immer der Wahrheit entsprechen muss, ich aber schon einen gewissen Leidensdruck auf Seiten der Eva erkennen kann. Ihr Bruder Bernhard ist in der Psychiatrie, weil er Essstörungen hat. Eva beschreibt, dass beide Kinder vom Vater sexuell missbraucht wurden. Die Essstörung und das Trauma als Ursache könnte passen. Könnte?!?! Gleichzeitig kommen aber auch andere schwierige familiäre Konstellationen und gegenseitige Verletzungen zum Vorschein. Wobei man sich aber immer wieder auch fragt, ist das jetzt wahr?

    Dabei ist das Beschreiben von Evas Leben geprägt von fast traumhaft/alptraumhaft anmutenden Sequenzen von einer äußerst eindringlichen Intensität, die einen immensen Sog erzeugen. Durch immer wieder sich gegenseitig widersprechende Informationen ist man beim Lesen verwirrt, sucht nach einer Wahrheit.

    Dabei besitzt die Erzählerin auch deutlich manipulative Züge, die sie meisterhaft einsetzt, aber dadurch auch gleichzeitig ein negatives Bild von sich erzeugt und beim Leser die Frage: Warum?.

    Herrlich sind die Gespräche zwischen dem Psychiater Dr. Korb und der Patientin Eva, einerseits bieten sie gewisse Einblicke in psychiatrisches Geschehen, andererseits sind sie von einem umwerfenden Humor gekennzeichnet, zeigen aber auch deutlich die Interaktionen zu denen Eva fähig ist und sie machen ungeheuer Spaß, auch wenn es manchmal ein etwas schmerzhafter Spaß ist.

    Die Sprache der Angela Lehner ist generell von einem interessanten Mix aus Spannung, Drama und Humor getragen, wobei ihr Humor aber auch manchmal sehr schmerzhaft und boshaft ist.

    Insgesamt betrachtet ist dieses Buch ein äußerst intensives Verwirrspiel, welches absolut fesselt, aber als einen kleinen gewissen Nachteil auch wenig Auflösung mitbringt. Schade.

    Ich gebe eine unbedingte Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2019 

    So grandios erstickt das Lachen.

    Sie sitzt in der psychiatrischen Abteilung, weil sie eine ganze Kindergartenklasse erschossen hat. Behauptet sie. Weiß nur keiner was von. Sie ist traumatisiert, weil sie vom Vater vergewaltigt wurde. Oder auch nicht. Ihre Mutter ist tot, wie tragisch. Nur steht sie dann da und will ihre Tochter besuchen.

    Glauben, das merkt man schnell, sollte man Eva gar nichts; gewiss ist nur, das es mit ihr keine Gewissheit geben kann. Sie lügt, sie täuscht, sie blendet, sie manipuliert, mit dreister Mühelosigkeit und einem Hauch der Verzweiflung. Sie ist witzig, geradezu zum Schreien komisch, aber dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken – immer wieder.

    Warum sie so ist, wie sie ist, stellt sich als schwierige Frage heraus, deren Bedeutung sich immer weiter verästelt: Ist sie wahnsinnig oder tut sie nur so? Ist sie schwer traumatisiert oder einfach ein narzisstisches Miststück?

    Um von ihren eigenen Wunden abzulenken, kratzt sie den Schorf von den Wunden anderer Menschen, reibt Salz hinein und wartet auf das Blendwerk des Zorns. So entzieht sie sich der Analyse, kann es hinter all ihrem Bravado jedoch nicht gänzlich verbergen: das Leiden, das ihr stumm und stetig aus allen Poren blutet.

    Aber eigentlich geht es ihr ohnehin um etwas ganz anderes:
    Sie hat einen abstrusen, wahnwitzigen, folgerichtigen Plan, in den sie ihren magersüchtigen Bruder gegen dessen Willen mit hineinzieht. Um diesen zu retten und sich selbst damit zu verdammen, soll der Vater sterben, der sie beide verraten hat. Endlich, endlich.

    Neben Eva spielen vor allem ihre Mutter, ihr Bruder Bernhard und Chefpsychiater Dr. Korb wichtige Rollen. Die familiären Beziehungen sind geprägt von vielen Jahren gegenseitiger Verletzungen und empfundenen Verrats. Während Eva darauf mit ungezügelter Aggression reagiert und ihre Mutter mit einem selbstherrlichen Märtyrersyndrom, versucht Bernhard, sich heimlich, still und leise zu Tode zu hungern.

    Derweil erreichen Krug und Eva schon bald einen kuriosen Rapport, indem sie sich in freundschaftlicher Verbundenheit Beleidigungen um die Ohren hauen, die es in sich haben. Man spürt: das ist genau das, was beide brauchen – Patientin und Psychiater bieten sich ein dringend benötigtes Ventil für ihre Frustrationen, im unausgesprochenen gegenseitigen Einverständnis, die Schmähungen nicht für bare Münze zu nehmen. Und doch ist es für beide auch bitterer Ernst.

    Zitat:
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    »Ach, Frau Gruber«, sagt Korb und seufzt, »so klug sind Sie. Was hätte aus Ihnen bloß alles werden können, wenn sie nicht so verrückt wären.«
    Ich nicke. »Ja«, sag ich, »wenn ich einfach nur ein bisschen blöder wär, hätt ich zum Beispiel Psychiater werden können.«
    Wir lächeln uns an.

    »Jetzt muss ich Sie langsam einmal anzeigen, Korb«, sag ich. (…) »Sie sind sowas von unprofessionell. Welcher Psychiater nennt denn den eigenen Patienten verrückt?« (…)
    »Es tut mir leid, Frau Gruber«, sagt er, »man hat mir eh schon öfter kündigen wollen, aber bei Ihnen waren sich alle einig: Für die Gruber reicht’s grad noch.«
    Um mein Grinsen zu vertuschen, dreh ich mich wieder zum Fenster.
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    Die Autorin schreibt Charaktere, die gleichzeitig überlebensgroß und direkt aus dem Leben gegriffen scheinen – das ist ganz nahe dran am Klischee, vermeidet dies jedoch mit einer überraschenden emotionalen Tiefe, die nie rührselig wirkt.

    So etwas Rotzfreches, Witziges, Bitterböses und Tragisches liest man selten, nicht in dieser Kombination und geballten Konzentration. Das Buch macht enorm viel Spaß – wenn auch mit bitterem Beigeschmack! –, ist so grandios wie kurios, und doch verliert man die ernsthaften Aspekte nie aus dem Blick. Was Normalität ist und was Wahn, bleibt immer wieder offen, und auch, ob man Eva bemitleiden, lieben oder verachten sollte. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch, und ich zumindest habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen.

    Außerdem gibt es unerwartete Wendungen, die es an Überraschung und sogar Schockfaktor wirklich in sich haben und im Rückblick dennoch unvermeidlich sind: die Puzzleteilchen, deren Fehlens man sich gar nicht bewusst war, bis sie mit einem leisen Klicken ins Gesamtbild einrasten.

    Der Schreibstil, um es salopp zu sagen, ist einfach der Hammer. Und hier ist dieser Ausdruck so passend wie selten, denn die Autorin benutzt eine ausdrucksstarke, freche, intensive und kompromisslose Sprache, um dem Leser die Handlung quasi vor die Stirn zu knallen. Hab Spaß, aber schäm dich auch dafür. Lache, aber winde dich auch vor Unbehagen.

    „Man holt sich beim Lesen blaue Flecken“, sagt Spiegel Online, und das trifft es perfekt.

    FAZIT

    Eva wurde gerade in der Psychiatrie abgeliefert. Von der Polizei, in Handschellen. Weswegen? Sie behauptet, sie habe eine ganze Kindergartenklasse erschossen. Deswegen. Aber das ist nur eine von unzähligen Lügen, hinter denen sie sich versteckt – wobei man nie so genau weiß, was nicht vielleicht doch die Wahrheit ist.

    Fest steht: ihr Bruder sitzt ebenfalls in dieser Anstalt. Fest steht auch: sie ist besessen von der Idee, gemeinsam mit ihm auszubrechen und zusammen den Vater zu ermorden. Oder doch nicht? Während sie an ihrem Plan schmiedet, freundet Eva sich mit Chefpsychiater Korb an, indem sie krasse Unverschämtheiten mit ihm austauscht.

    Das Buch ist unglaublich witzig und unglaublich tragisch, oft beides gleichzeitig, so dass man sich am Lachen verschluckt. Für mich ist dieser Debütroman ein ganz heißer Kandidat für den Deutschen Buchpreis.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Sep 2019 

    Genie und Wahnsinn

    Als „das Augenkrebsbuch“ kursiert der Roman von Angela Lehner “Vater unser“ in meinem Leseforum wharchareadin, und allein das Cover ist ein Schlag ins Gesicht - knallpink und rot, und auch schon der Titel gibt Anlass zu fragen, ob der echte Vater oder Gott gemeint ist. Dazu trägt bei, dass das Buch in drei Akte geteilt ist: Der Vater. Der Sohn. Der heilige Geist.
    Knallig, rotzig und kraftvoll ist die erzählte Geschichte, bei der es um eine junge geistesgestörte Patientin im altehrwürdigen Spital „Otto Wagner“ geht.

    Eva Gruber wird von der Polizei im Spital abgeliefert, weil sie eine Kindergartengruppe umgebracht haben soll. Sie trifft dort ihren Bruder Bernhard, ebenfalls Patient, den sie retten will.
    Erzählt wird im Roman ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, über den Aufenthalt in der psychiatrischen Heilanstalt mit Rückblicken auf die Kindheits- und Familiengeschichte. Immer wieder taucht ihr Vater in den Erinnerungen auf, und auf ihn ist Eva nicht gut zu sprechen, beschließt sogar, ihn zu töten zu Bernhards Rettung.
    Eva, die unzuverlässige Erzählerin, berichtet in Sitzungen ihrem Psychiater Dr. Korb aus ihrem Leben, im Ton der Straße, völlig respektlos und raubeinig. Es wird sehr schnell klar, dass sie eine völlig verdrehte Beziehung zur Realität hat, die Irrwege ihrer Familie durch die Augen einer Geistesgestörten sieht.

    Beim Lesen der Gespräche zwischen Eva und Korb, wie sie ihn nennt, fragt man sich zeitweise, wer von beiden der Gestörte ist, muss auflachen über den Schlagabtausch und kurz danach bleibt das Lachen im Hals stecken. Verrückt sind die da draußen, die sich scheinbar ohne Mühe einfügen und mitspielen ist der Ton hinter den Gesprächen zwischen Psychiater und Patientin.
    Die Gesunden machen die Regeln und stecken das enge Feld der Normalität ab, wie der Pfleger, der Eva das Werfen der Bettdecke verbietet, oder der Lehrer, der sie schlug, weil sie vor lauter Angst glaubte, das Vater Unser nicht aufsagen zu können.

    Schnörkellos und mit einer gut überschaubaren Menge an Personal erzählt die Autorin Evas Geschichte, die sich auch immer wieder auf die Schuld der Familie bezieht, von der Eva allerdings glaubt sie nicht zu brauchen, weder zum Leben noch zum Töten.
    Trotzig und energiegeladen spielt Eva ein Katz und Maus - Spiel mit den Ärzten und Patienten im Spital, manipuliert und lügt, hält mit aller Kraft gegen Tristesse und eingefahrenen Gleise. Voller Ironie beschreibt die Autorin Themen der Psychotherapie und das Milieu der Kindheit in Kärnten mit dem ländlichen Katholizismus und dem ungläubigen Vater mit Heiligenschrein von Jörg Haider im heimischen Arbeitszimmer.

    Parodistisch und ironisch ergibt das ein äußerst unterhaltsames Debüt mit einigen Überraschungen, Klischees werden gekonnt umschifft, Fettnäpfchen gesucht und genüsslich darin herumgetrampelt, während völlig nebenbei Krankenhauspathos demontiert wird.
    Mir hat‘s gefallen, sehr sogar.