Unter Wölfen: Kriminalroman - Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein ermittelt

Buchseite und Rezensionen zu 'Unter Wölfen: Kriminalroman - Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein ermittelt' von Alex Beer
4
4 von 5 (8 Bewertungen)

Um seine Familie zu retten, muss sich der Jude Isaak Rubinstein in die Gestapo einschleusen und mitten unter Wölfen zum Spion werden ... Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein, der ständig in Angst um seine Familie lebt, bittet eine Widerstandskämpferin um Hilfe. Doch ihre Gegenforderung ist hart: Isaak soll die Gestapo infiltrieren und sich dazu als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgeben – jenen Mann, der vom Führerhauptquartier beauftragt wurde, den Mord an einer berühmten Schauspielerin aufzuklären. Was niemand weiß: Der Kriminalist hat den Anschlag, den die Widerstandsgruppe auf ihn verübt hat, überlebt. Mitten unter Wölfen zieht sich das Netz immer weiter zu und die Gefahr, enttarnt zu werden, ist allgegenwärtig …

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:416
Verlag: Limes Verlag
EAN:9783809027119

Rezensionen zu "Unter Wölfen: Kriminalroman - Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein ermittelt"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Dez 2019 

    Spiel mit dem Feuer

    Nürnberg im Jahr 1942: Für die jüdischen Einwohner der Stadt wird es immer gefährlicher. So leben auch Isaak Rubinstein und seine Familie in ständiger Angst vor der drohenden Deportation. Er musste schon sein geliebtes Antiquariat aufgeben, die Familie lebt beengt in einem Judenhaus, in das sie mit vielen anderen jüdischen Familien einquartiert wurden.
    Isaak wendet sich in seiner Verzweiflung an seine frühere Freundin Clara, die im Widerstand aktiv ist. Sie willigt ein, ihn und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Allerdings nutzt Clara Isaaks Situation, um ihn für ihre Zwecke und die Ziele der Widerstandsbewegung ,,Fränkische Freiheit“ einzuspannen. Isaak muss in die Rolle des Nazi-Sonderermittlers Adolf Weissmann schlüpfen. Pikant dabei ist, dass Clara Isaak vorher nicht über ihre Pläne informiert, sondern ihn ausgestattet mit den Papieren des Nazi-Ermittlers ins kalte Wasser wirft. Der echte Adolf Weissmann wird auf dem Weg nach Nürnberg im Zug überfallen, überlebt allerdings schwer verletzt.
    Isaak Rubinstein muss nun, um selbst zu überleben und um seine Familie nicht zu gefährden, wohl oder übel die Rolle des Nazi-Sonderermittlers einnehmen und wird sofort mit den Ermittlungen um den Mord an der berühmten Schauspielerin Lotte Lanner aufzuklären.

    Sehr geschickt wird der historische Hintergrund mit einem spannenden Kriminalfall verwoben. Durch Isaak Rubinsteins persönliches Schicksal und das seiner Familie geht einem die Unmenschlichkeit dieser Zeit auch wirklich nahe. Allerdings findet sich Isaak Rubinstein erstaunlich schnell und eher unproblematisch in seine Rolle, was stellenweise unrealistisch wirkt. Zwar bringt er sich hin und wieder durch kleine Unachtsamkeiten selbst in Gefahr oder wird z.B. von einer alten Nachbarin erkannt. Auch droht Gefahr von dem echten Adolf Weissmann, der irgendwann in einem Lazarett zu sich kommt. Doch diese Probleme werden recht schnell oder mit Hilfe des Zufalls aus dem Weg geräumt. Ich hätte mir stellenweise noch mehr Reflexion von Seiten Isaaks gewünscht, z.B. wenn er merkt, wie er seine Macht als Adolf Weissmann ausspielen kann.
    Insofern ist ,,Unter Wölfen“ ein durchaus lesenwerter Krimi mit einem interessanten und sympathischen Protagonisten, inhaltlich ist er allerdings nicht völlig überzeugend.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Dez 2019 

    Hinein in den Rachen des Wolfes

    Hinein in den Rachen des Wolfes

    Unter Wölfen von Alex Beer

    Isaak Rubinstein und seine Familie, seine Eltern, die Schwester und deren zwei Kinder, haben in Nürnberg im Jahre 1942 kein leichtes Los. Als Juden müssen sie sich dem Regime unterwerfen und schon bald werden sie deportiert. In seiner Not geht Isaak auf ein Abkommen mit seiner ehemaligen Freundin Clara ein. Clara ist beim Widerstand und hat so ein paar gute Kontakte, die es Isaaks Familie ermöglichen unterzutauchen. Für Isaak hat sie andere Pläne, denn die Mission Ragnarök des Widerstands ist in Gefahr. Isaak soll daher in die Haut des Sonderermittlers Adolf Weißmann schlüpfen, der wegen des Mordes an der Schauspielerin Lotte Lanner nach Nürnberg bestellt wurde.
    Isaak fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen, er sieht in sich nur einen Antiquar. Das war immer seine Erfüllung, bis er seinen kleinen Laden aufgeben musste. Er hat nicht einmal annähernd das Auftreten eines Nationalsozialisten, doch die Angst um seine Familie lässt ihn durchhalten. Er ermittelt sehr gekonnt in dem Fall der toten Schauspielerin und kann einiges erreichen. Doch natürlich läuft nicht alles glatt, mehr als einmal droht die Maskerade aufzufliegen, zumal der echte Adolf Weissmann gar nicht tot ist, wie angenommen.

    Alex Beer hat einen interessanten Kriminalroman geschrieben. An einigen Stellen lief es hier und da ein wenig zu rund, aber das hat mich im Grunde nicht gestört. Die Geschichte bekam für mich ihren Reiz durch Rubinsteins Charisma und seine Eindrücke, die er dem Leser sehr anschaulich präsentierte. Diese Zeit lässt mich immer schaudern und die Autorin greift diesen Schrecken auf und bringt ihn ins Wohnzimmer
    . Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die ich sicher lesen werde, da mir die Figur des Isaak Rubinstein so gut gefallen hat, so dass ich gern mehr über seinen Werdegang erfahren möchte.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Dez 2019 

    Leseerlebnis und Spannung pur

    Nürnberg 1942, Isaak Rubinstein, ein jüdischer Antiquar, ist verzweifelt. Seine Familie hat die Aufforderung zur Evakuierung erhalten. Alle wissen, was das bedeutet. Evakuierung klingt so fürsorglich, doch alle wissen, dass Juden, die diesen Bescheid bekamen, niemals wieder zurückkamen. Sie durften lediglich einen Koffer mitnehmen, der gesamte übrige Besitz blieb zurück. Isaak will das nicht hinnehmen und bittet seine alte Freundin Clara um Hilfe für sich und seine Familie.

    Clara lehnt erst einmal ab, sie habe auch keinen Kontakt zu Widerstand, sie kann nicht helfen. Und doch taucht sie Tage später wieder auf und bringt seine Familie in einen sicheren Unterschlupf. Lediglich Isaak soll, nach entsprechender Umkleidung und Ausstaffierung, zum Bahnhof fahren. Genauestens instruiert von Clara, nie nach unten schauen, nicht zurückweichen und mit Erhabenheit über den Bahnhof schreiten, wird er dort direkt als Adolf Wissmann angesprochen und von Unterscharführer Schmidt abgeholt. Und plötzlich ist er mittendrin im Geschehen. Er soll als Adolf Wissmann den mysteriösen Mord an einer Schauspielerin aufklären. Clara, die sich kurze Zeit bei ihm meldet hat noch weitere Aufgaben für ihn und hofft auf eine Mitarbeit von ihm.

    Mit viel Spannung und Einfallsreichtum agiert Isaak als Adolf Wissmann. Dass er die Rolle ausführen kann, verdankt er nicht nur einer gewissen Ähnlichkeit mit Wissmann, sondern auch seinem Wissen über Bücher. Bei seinen Ermittlungen orientiert er sich an Sherlock Holmes und läuft gar nicht schlecht damit.

    Dieses Buch habe ich innerhalb weniger Tage verschlungen. Es war nicht nur spannend, sondern auch unvorhersehbar. Gerade die Aktionen von Isaak, der ja nicht nur sich, sondern auch seine Familie retten wollten, machen einen großen Teil der Spannung aus. Die Wandlung, die er für sich selbst von einem unterdrückten Menschen zu einem Menschen mit Macht vollziehen musste, war nachvollziehbar nicht einfach. Auch hierbei holte er sich Hilfe aus der Literatur. Und er selbst stellte auch fest, dass ein Leben mit Macht nicht unübel ist. Aber sein Ziel verhalt ihm nicht auf Abwege zu geraten.

    Von mir gibt es für dieses wunderbare, spannende Buch eine unbedingte Leseempfehlung und fünf verdiente Lesesterne.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Dez 2019 

    Archivar und Antiheld

    Nürnberg, 1942, mitten in der Zeit des nationalsozialistischen Wahnsinns erhält Isaak Rubinstein und seine Familie die Aufforderung zum Abtransport. Verzweifelt wendet er sich an Clara, seine ehemalige Geliebte, die im nun in der geheimen Widerstandsbewegung „Fränkische Freiheit“ tätig ist. So bekommt die Familie Rubinstein die Chance zur Flucht. Aber Isaak muss sich in höchste Gefahr begeben, denn er soll getarnt als Sonderermittler und Sturmbannführer Adolf Weissmann in die Gestapo eingeschleust werden.
    Alex Beer ist mit „Unter Wölfen“ ein atmosphärisch dichter, historischer Kriminalroman gelungen. Nürnberg als eine der Hochburgen der Nazibonzen ist ein besonderer Schauplatz. Die Autorin fängt die Stimmung dieser Zeit auf beklemmende Weise ein. Ihr jüdischer Protagonist, der ehemalige Archivar Isaak Rubinstein ist gebildet, belesen, feinsinnig. Man hangt und bangt mit ihm von Seite zu Seite, wie er dem brisanten Spiel gewachsen sein mag, der Gestapo einen hochrangigen, gefährlichen Offizier vorzugaukeln.
    Isaak ist ein fast übermenschlicher Antiheld, der selbst in der eigenen größten Not immer noch moralisch integer handelt. Ein guter Mensch zu sein, in dieser damaligen Zeit, war wahrscheinlich höchst lebensgefährlich. So empfand ich manche Szenen zu realitätsfern und für den Krimileser auf „flott lesbar“ gemacht. Denn die Geschichte ist spannend und rasant, für meinen Geschmack manchmal ein bisschen zu glatt erzählt. Ich hätte mir ein bisschen weniger „Räuber und Gendarm“ und dafür mehr Ecken und Kanten gewünscht. (Aber die kann ich mir ja bei August Emmerich, dem schäbigeren und verwerflicheren Charakter aus Alex Beers Krimireihe aus der Wiener Zwischenkriegszeit holen.) Aufgrund des hohen Spannungsbogens bekommt das Buch von mir dennoch eine absolut positive Beurteilung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Nov 2019 

    Wenn die Guten nicht kämpfen...

    „Wenn die Guten nicht kämpfen, siegen die Schlechten“ Isaak Rubinstein lässt sich von seiner früheren Freundin Clara, die im Nürnberger Widerstand aktiv ist, überreden in die Rolle des Sonderermittlers und Sturmbannführers Adolf Weissmann zu schlüpfen. Die äußerliche Ähnlichkeit ist da und der Weissmann bereits unschädlich gemacht. Dafür will Clara Isaaks Familie vor der nahenden Deportation retten und verstecken.

    Weissmann sollte als Sonderermittler den rätselhaften Mord an der Schauspielerin Lanner aufklären, die in der Wohnung von Obersturmbannführer Nosske zu Tode kam. Und so sieht sich der jüdische Antiquar Isaak plötzlich in der Höhle des Löwen einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber. Er muss einen Mord aufklären und gleichzeitig alle mit seiner Rolle überzeugen. Aber was er nicht ahnt, Weissmann hat den Anschlag überlebt…

    Vorweg – der Krimi ist unglaublich spannend geschrieben, man fiebert mit Isaak, dem buchstäblich in jedem Augenblick die Enttarnung droht. Da gibt es Begegnungen mit Leuten, die Weissmann kannten, er muss Insiderwissen vortäuschen und soll außerdem noch an Informationen für die Widerstandsgruppe „Fränkische Freiheit“ sammeln. Mehr als einmal hilft ihm der blanke Zufall aus brenzligen Situationen.

    Der Krimi hat als historischen Hintergrund das Jahr 1942 gewählt, die Nazi müssen Misserfolge an der Ostfront vertuschen und gleichzeitig soll die „Umsiedlung“ der jüdischen Bevölkerung in den Osten erfolgen. Man ahnt, was das heißt und die Stimmung auf den Straßen ist sehr gut eingefangen. In den Wohnungen, in denen die verbliebene jüdische Bevölkerung gepfercht wird, wechseln sich Hoffnungslosigkeit und Selbsttäuschung ab. Vielleicht wird es nicht so schlimm, hoffen vor allem die älteren Menschen der jüdischen Gemeinde.

    Allerdings bleibt dieser historische Kontext wirklich nur eine Tapete. Zwar sind die Daten und Ereignisse aus dem Nürnberg dieser Zeit korrekt, aber sie dienen wirklich nur als farbiger Hintergrund. Im Mittelpunkt steht das Katz und Maus Spiel von Isaak Rubinstein gegen seine Gegner. Da muss, wie bereits erwähnt, viel zu oft der Zufall eingesetzt werden. Aber so bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss sehr hoch. Das liegt auch an dem engen Zeitrahmen, den die Geschichte hat, denn es bleiben nur wenige Tage, den Plan durchzuführen. Ich finde, die Autorin kann mitreißend schreiben und packt die Leser von der ersten Seite an. Da kann ich auch akzeptieren, dass mich das Zeitbild nicht ganz überzeugt hat.

    Mit Isaak hat die Autorin auch eine sympathische Figur erschaffen, die in Notsituationen über sich selbst hinauswachsen muss und dessen Wandlung vom zurückhaltenden jüdischen Antiquar zum durchsetzungsstarken Ermittler in wenigen Stunden gelingt.

    Am Ende scheint es, dass Isaak seine Bestimmung gefunden hat und das lässt auf Folgebände schließen, auf die ich schon sehr gespannt bin.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 25. Nov 2019 

    Nur ein einfacher Antiquar?

    Mit sehr hohen Ansprüchen bin ich an Alex Beers „Unter Wölfen“ herangegangen, gilt die Autorin doch als „preisgekrönt und hochgelobt“. Erschienen ist dieser 368-seitige historische Kriminalroman im November 2019 bei Limes.
    Nürnberg im März 1942: Das Deutsche Reich steht mitten im Zweiten Weltkrieg, gute Propaganda ist wichtiger denn je. Und gerade jetzt wird die allseits beliebte Schauspielerin Lotte Lanner in einem verschlossenen Raum ermordet aufgefunden. Der erfolgreichste Ermittler des Dritten Reichs, Adolf Weissmann, wird nach Nürnberg gerufen, um den Fall zu klären.
    Zeitgleich deportieren die Nazis die letzten Juden aus Nürnberg; auch der Antiquar Isaak Rubinstein und seine Familie erhalten einen Evakuierungsbescheid. In seiner Not wendet er sich an seine ehemalige Freundin, Clara. Diese sagt ihm Hilfe zu, jedoch unter einer Bedingung: Isaak soll in die Rolle Weissmanns schlüpfen und die Gestapo infiltrieren. So ist Isaak nun nicht nur auf der Suche nach einem Mörder, sondern er schwebt darüber hinaus in ständiger Gefahr, entlarvt zu werden. Als der echte Weissmann dann noch auftaucht, spitzt sich die Lage für ihn zu.
    Dass Alex Beer weiß, wie man gute Krimis schreibt, steht außer Frage. Der Roman beginnt mit einem klassischen Locked Room-Motiv, der Spannungsbogen ist von Anfang bis Ende mit wechselnder Intensität vorhanden, es werden verschiedene Verdächtige präsentiert und wieder verworfen, die Lösung überrascht und ist dennoch nachvollziehbar. Sprachlich liest sich das Werk schnörkellos und flüssig, die Kapitel haben eine angenehme Länge und enden dann und wann mit einem Cliffhanger. Wie in jeden guten Buch gibt es Charaktere, die sympathischer, und solche, die weniger sympathisch sind, plastisch und realitätsnah beschrieben sind sie an sich alle.
    Auch die Atmosphäre des Dritten Reiches ist treffend eingefangen. Schon das erste „Heil Hitler“ von zwei Männern, die einerseits unscheinbar sind, einem aber andererseits allein durch ihre Präsenz den Angstschweiß auf die Stirn treten lassen, zieht Leserinnen und Leser mitten hinein in diese dunkle Zeit deutscher Geschichte. Auch Verhöre sind, ohne voyeuristisch zu sein, wirklichkeitsnah beschrieben, in der Gerichtsszene konnte ich den Richter sogar förmlich brüllen hören. Dabei bleiben Beers Schilderungen fern von jeder Schwarzweißmalerei: Sei es, dass der jüdische Rubinstein in seiner Rolle als führendes SS-Mitglied durchaus nachvollziehen kann, welche Faszination Macht und Angst auf einen Menschen ausüben können, sei es, wie derselbe darüber philosophiert, dass einige der Nazi-Schergen unter anderen Umständen durchaus seine Freunde hätten sein können. Und nein, im Grunde ist das keine Schönmalerei, denn auch in diesem Roman gibt es sie, die scharfen Hunde.
    Völlig überzeugen konnte mich dieser Krimi dann aber nicht, wurde ich beim Lesen doch das Gefühl nicht los, dass Alex Beer mit ihrem Roman ein Thema aufgegriffen hat, das, weiß man etwas über die deutsche Geschichte, einfach zu schwer zu verarbeiten ist. Natürlich: Kriminalromane werden vor allem dann gelesen, wenn das Gute siegt. Indes gerade dadurch schleicht sich auch viel Unrealistisches in den Roman ein: So läuft vieles bei Isaaks heimlichem Eindringen in die Gestapo einfach zu glatt; mehrmals steht er kurz davor, enttarnt zu werden, schafft es aber immer wieder, sich aus der Affäre zu ziehen. Er dringt mit einigen anderen in ein Lager ein, in dem Juden vor ihrer Deportation zusammengepfercht sind … und verlässt es auch wieder mehr oder weniger unbeschadet – nicht ohne andere befreit zu haben. Solch unrealistische Stellen gibt es mehrere in diesem Buch, was mir persönlich dann doch recht übel aufstieß; denn so einfach, wie im Roman beschrieben, lief es eben nicht im Nationalsozialistischen Deutschland.
    Das Ende des Romans legt den Schluss nahe, dass Issak Rubinstein auch in Zukunft weiter ermitteln wird. Ob die Autorin sich und ihren Leser/innen damit einen Gefallen tut, sei dahingestellt. Ich persönlich denke, dass ein solches Vorhaben nur in Realitätsferne enden kann.
    Nichtsdestotrotz hat mich dieser Roman neugierig gemacht auf andere Werke von Alex Beer, zu denen ich in Zukunft bestimmt noch greifen werde. Und trotz des nicht ungetrübten Lesevergnügens gebe ich diesem Roma dreieinhalb von fünf Lesepunkten, da er sich wirklich spannend und flüssig lesen lässt und mich von Anfang an in seinen Bann zog.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Nov 2019 

    Ein Jude getarnt als Nazi in der Höhle der Wölfe

    "Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!" (Max Frisch)
    Nürnberg 1942: Die Nazis wollen ihre Stadt schnellstens judenfrei machen und deportieren die letzten Juden in den Osten. So soll es eigentlich auch der Familie von Isaak Rubinstein gehen. Doch seine ehemalige Freundin Clara Pflüger hilft ihm. Sie versteckt seine Familie während Isaak als Sonderermittler Adolf Weissmann in die Gestapozentrale infiltriert wird. Dort soll er herausfinden, wo sich wichtige Dokumente befinden. Isaak kann ja nicht ahnen, dass Weissmann den Mord der Schauspielerin Lotte Lanner im Namen des Führerhauptquartiers aufklären soll. Zudem weiß niemand das der wahre Adolf Weissmann seinen Anschlag durch die Fränkische Freiheit verletzt überlebt hat. Je früher Weissmann genesen wird, desto schneller wird Isaaks Identität auffliegen. Das Netz um ihn herum scheint immer enger zu werden und er sucht nicht nur seine Familie, sondern muss zudem Clara aus den Fängen der Nazis befreien.

    Meine Meinung:
    Das geheimnisvolle Cover, bei dem man schon erahnt, das es in der Vergangenheit spielt, und der Klappentext haben mich neugierig auf diesen Krimi gemacht. Der Schreibstil war locker, flüssig, unterhaltsam, in Zeitabschnitte eingeteilt und da mit recht kurzen Kapiteln versehen. Nachdem nun "Die Presse" schrieb: "Alex Beer kultiviert Krimispannung auf höchstem Niveau" war ich erst recht gespannt, was mich erwartet. Leider konnte ich diese Erwartungen nicht ganz teilen, größtenteils wurde mir das Naziregime zu unglaubwürdig dargestellt. Den zu sehr sind diese als naive Tollpatsche oder Vollidioten charakterisiert worden, die man mal ebenso um den Finger wickeln kann. Man hätte, meinen könnte das dieses damalige Naziregime so naiv und dumm war, das jeder Jude es locker hätte schaffen können seinem Schicksal zu entkommen. Man muss nur einfach sein inneres Potenzial abrufen oder entdecken, dann schafft man das auch. Leider war dem nicht so, den sonst wären wohl kaum so viel Millionen Juden ums Leben gekommen. Natürlich ist dies ein fiktiver Kriminalroman, trotzdem hatte ich erhofft einen weitaus besseren Hintergrund vorzufinden, wie ich es von Autoren wie Frank Goldammer oder Volker Kutscher kenne. Dass Isaak als Adolf Weissmann jedoch vieles einfach so zufliegt, das er als ehemaliger Antiquar auf einmal wie ein Kommissar ermittelt, mag ja noch einigermaßen angehen, wenn er als Belesener gerne zu Sherlock Holmes greift. Doch das man mal eben Dutzende Dokumente fälscht, in ein Lager eindringt und dort, mehrere befreit, ging mir dann doch zu weit. Gerade am Ende waren es für mich dann zu viele Dinge, die mir zu glatt liefen und wie schon oben erwähnt die Nazis alt aussehen ließ. Ich hätte da mit deutlich mehr widrigen Umständen gerechnet. Zum Glück machten dann die Ermittlungen und die Spannung das Ganze noch ein wenig wett. Isaak Rubinstein scheint für mich eher ein zurückhaltender und unscheinbarer Mensch zu sein. Während er als Adolf Weissmann genau das Gegenteil verkörpern muss. Den dieser ist hingegen ein Despot und ein überheblicher, dezidierter Mensch, der zu dieser Zeit der beste Ermittler im Deutschen Reich war. Dass man mal so eben diese krasse Umkehr von einem selbst verkörpern soll, ist schon recht schwierig. Dazu noch die ständigen inneren Ängste mit denen er kämpfen muss entlarvt zu werden oder gar einen Fehler zu begehen, das spürt man hier sehr gut. Dies alles konnte ein wenig die Fehler aufwiegen, weshalb ich deshalb 3 von 5 Sterne gebe. Selbst wenn einiges nicht gut war, würde ich dieser Autorin gerne eine weitere Chance geben.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Nov 2019 

    Im Geheimen

    Isaak Rubinstein war einmal mit Herz und Seele Buchantiquar in Nürnberg. Vor Jahren schon haben ihm und seiner Familie alles genommen. Und im März 1942 haben sie den Befehl bekommen, sich zur Deportation einzufinden. Isaak befürchtet, es könnte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Deshalb bittet er seine ehemalige Freundin Clara Pflüger, ihm und seiner Familie beim Untertauchen zu helfen. Clara, die Verbindungen zum Widerstand hat, findet tatsächlich eine Möglichkeit, die Familie Rubinstein vor den Nazischergen zu schützen. Allerdings muss Isaak Rubinstein einen hohen Preis bezahlen. Er muss in die Rolle des Sonderermittlers Adolf Weissmann schlüpfen und die Gestapo unterwandern.

    Mit einem eigentlich unmöglichen Mord beginnt diese spannende Geschichte. Eine bekannte Schauspielerin ist in der Wohnung ihres Geliebten umgebracht worden. Vom Zeitablauf her kommt nur er als Täter in Betracht. Bei diesem handelt es sich allerdings um den stellvertretenden Gestapo-Chef Fritz Nosske. Und nach der Meinung der herrschenden Klasse, kann er als hohes Tier nicht der Mörder sein. In diese Szenerie stolpert Rubinstein alias Weissmann und soll als Sonderermittler den allseits gefälligen Mörder präsentieren. Immer unter der Anspannung stehend, seinen geheimen Auftrag zu erfüllen und in der Angst vor Entlarvung, muss Isaak Rubinstein seinen schlauen Verstand einsetzen.

    Vor dem Hintergrund der damaligen politischen Lage entfaltet sich nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern auch ein prägnantes Bild der Naziherrschaft im zweiten Weltkrieg und davor. Wie perfide die Herrschenden ihre Macht ausspielten und Schwächere und Minderheiten ausgrenzten, bestahlen, quälten und vielen letztlich das Leben nahmen. Isaak Rubinstein ist einer, der sich wehrt. Zwar spät und nicht ganz freiwillig begibt er sich in die Höhle der Löwen. In jeder Minute ist die Gefahr der Entdeckung zu spüren und sein Entsetzen über die unsäglichen Taten der Machthaber. Man fühlt sich beim Lesen in diese grausame und unmenschliche Zeit hineinversetzt. Ob es möglich gewesen wäre, den Nazis zu entkommen, so wie es Rubinstein mehrmals gelingt und ohne jede Vorkenntnis als Ermittler tätig zu werden, kann dahingestellt bleiben. Die eindringlichen Schilderungen des unsäglichen Verhaltens der Nazis machen diesen Roman zu einer herausragenden Lektüre gegen das Vergessen.