Unter Wölfen

Buchseite und Rezensionen zu 'Unter Wölfen' von Alex Beer
3.9
3.9 von 5 (16 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Unter Wölfen"

Nürnberg, April 1942: Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein, der sich noch immer als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgibt, lässt sich auf eine Liaison mit der Nazigröße Ursula von Rahn ein. Durch sie erhält er Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen und bekommt Einsicht in die Pläne der Gegenseite. Doch dann wird Nürnberg plötzlich von brutalen Morden erschüttert. Zwei junge Frauen werden erdrosselt aufgefunden. Ausgerechnet Isaak bekommt von Berlin die Order, den »Würger« aufzuspüren. Darüber hinaus hat er noch ganz andere Probleme: Seine Popularität hat Neider auf den Plan gerufen und besonders ein Mann könnte ihm gefährlich werden …

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:352
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EAN:

Rezensionen zu "Unter Wölfen"

  1. Auf sehr dünnem Eis

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Nov 2020 

    Unter Wölfen - Der verborgene Feind

    Im zweiten Band der Reihe, die im Jahr 1942 in Nürnberg angesiedelt ist, muss sich der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein noch immer als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgeben. In dieser Rolle arbeitet er für den Widerstand, allerdings nicht ganz freiwillig. Im ersten Band erfährt man, wie es zu dieser riskanten Situation kommt, was für das Verständnis der Handlung grundlegend ist.
    Um Einsicht in die Pläne der Nazis zu bekommen, lässt Isaak Rubinstein alias Adolf Weissmann sich auf eine Liaison mit Ursula von Rahn ein, der Tochter eines mächtigen Nationalsozialisten. Dabei bewegt sich Isaak auf sehr dünnem Eis. Nicht nur, dass er als Jude mitten unter Nazis ständig auf der Hut vor einem falschen Wort oder einer falschen Geste sein muss, auch der Journalist Felix Bachmayer, der selbst größtes Interesse an Ursula von Rahn hat, recherchiert mit allen Mitteln, um etwas zu finden, womit er Isaak belasten könnte.
    Gerade, als Isaak meint, er könne Nürnberg endlich verlassen, muss er eine Mordserie an jungen Frauen aufklären. Er bzw. Adolf Weissmann gilt ja als der beste Ermittler des Reiches. So bekommt er direkt aus Berlin den Auftrag, die lokale Polizei zu unterstützen.
    Dabei bekommt er es mit dem mürrischen und misstrauischen Kommissar Paul Köhler zu tun, der wenig erbaut ist über die Einmischung von oben. Isaak Rubinstein alias Weissmann muss nun auch noch vor einem alten Fuchs mit seinem mehr als dürftigen Wissen über Kriminalistik bestehen.
    Die Mordserie, die Ermittlungen und die Geschichte Isaak Rubinsteins sind spannend gestaltet. Man fiebert mit Isaak mit und spürt, wie die Situation immer brenzliger und kritischer wird. Anschaulich wird die Atmosphäre in Nürnberg zur damaligen Zeit vermittelt. Jedoch wirkt so manche Wendung oder Rettung in letzter Sekunde mit der Zeit unrealistisch und zu konstruiert, was das Lesevergnügen leider etwas trübt. Auch dürften manche Figuren, wie z.B. Ursula von Rahn, etwas weniger klischeehaft gestaltet sein.
    Allerdings gibt es am Ende doch noch eine Überraschung, die auf eine Fortsetzung schließen lässt. Dann sollten aber etwas weniger ,,Zufälle" ins Spiel kommen, um die Geschichte nicht allzu unglaubwürdig werden zu lassen.

  1. Verschleiß eines Antihelden

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 15. Nov 2020 

    Nürnberg 1942: Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein lebt ein gefährliches Doppelleben. Denn immer noch muss er sich als Adolf Weissmann, dem berüchtigten Sonderermittler und SS Sturmbannführer, ausgeben. (Leserinnen des ersten Teils wissen wie es dazu kam) Eigentlich soll Isaak nur mehr einen heiklen Auftrag für seine Untergrundgruppe ausführen und wichtige Papiere beschaffen. Doch dann wird die Tochter eines bedeutsamen Nürnberger Nationalsozialisten ermordet. Von höchster Ebene erhält „Weissmann“ die Anweisung den „Würger von Nürnberg“ zu stellen.

    Alex Beer schickt also in „Unter Wölfen - der verborgene Feinde“ Isaak Rubinstein, ihren Helden wider Willen, ein zweites Mal ins Rennen. Genaugenommen steht das Grundgerüst dieses historischen Kriminalromans auf sehr wackeligen Beinen. Isaak Rubinstein ist nicht ganz freiwillig und unter ungewöhnlichen Umständen zu seiner Rolle als Adolf Weissmann gelangt. Dazu ist ein wenig Vorwissen aus dem Vorgängerbuch nötig. Isaak hat keine Schulung für „undercover“ Tätigkeit, keine Ahnung von Kriminalistik und nicht das Auftreten eines berüchtigten SS Ermittlers. Diese Konstruktion muss man einfach hinnehmen.

    Für den Kriminalroman spricht natürlich die Persönlichkeit des Sympathieträgers Isaak Rubinstein und die vielen Wendungen. Isaak steht immer wieder nur knapp davor, dass seine Deckung auffliegt.

    „Solange die Nazis regieren, bin ich nirgendwo sicher. Nicht in dieser Stadt, nicht in diesem Land, nicht auf dieser Welt. Der Sieg der Alliierten ist meine einzige Chance. Sonst verschiebt sich der Tag meines Todes einfach nur um ein paar Wochen.“

    Die Angst vor der Enttarnung ist natürlich nicht grundlos. Nicht nur die Nazis sind Isaaks erklärte Feinde, er hat auch einen ganz persönlichen Widersacher. Ohne Rückendeckung und ohne Ahnung vom polizeilichen Ermittlungen laviert sich Isaak aber immer wieder aus diversen Situationen – und sei es dadurch, dass er Sherlock Holmes zitiert. Damit hält Alex Beer zunächst vom Prolog weg einen Spannungsbogen aufrecht. Den fraglichen Realitätsbezug kann man dann schon auch mal verzeihen. Doch mit der Zeit verschleißt sich das ewige Auf und Ab. Die Auflösung war erwartbar und nicht ganz überraschend.

    Immerhin endet das Buch mit einem Cliffhanger, der mit Sicherheit auf eine Fortsetzung abzielt. Dann würde ich mir aber ein bisschen was Neues wünschen und nicht immer nur Isaaks Rettung in letzter Sekunde….

  1. Doppelspiel

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Nov 2020 

    Nürnberg 1942 – inmitten des Nazi-Terrors sieht sich Isaac Rubinstein immer noch in großer Gefahr. Er hatte die Identität des Sonderermittlers Adolf Weissmann angenommen, um eine Aktion des Widerstands zu unterstützen. Seine große Ähnlichkeit mit dem Nationalsozialisten machte das möglich. Die Aktion ist gelungen, aber nicht Rubinsteins Flucht. Er soll die Untersuchungen zum Mord an einer jungen Frau, Tochter einflussreicher Nazis, übernehmen. Nun hat er nur 4 Tage Zeit, denn dann hat er die letzte Möglichkeit außer Landes gebracht zu werden.

    Er spürt, dass die Aufdeckung seiner falschen Identität immer wahrscheinlicher wird. Seine Tarnung ist löchrig, von Polizeiarbeit versteht er zu wenig – und immer mal ein Spruch aus Conan Doyles Feder reicht nicht. Er ließ sich außerdem auf eine Liaison mit Nazigröße Ursula von Rahn ein, um an Informationen zu kommen, damit zieht er aber auch die Aufmerksamkeit eines Nebenbuhlers an.

    Bald wird im klar, dass der Tod der jungen Frau keine Einzeltat ist, es gibt deutliche Hinweise, dass es sich um einen Serienmörder handelt, der schon mehrfach zugeschlagen hat.

    Der feingeistige Antiquar Isaac fühlt sich in seiner Rolle als Nazi-Ermittler äußerst unwohl, immer muss er die Enttarnung fürchten und unter Hochdruck ermitteln. Diese Anspannung verleiht dem Krimi ein hohes Tempo, als Leser bange ich auf jeder Seite mit Isaac. Der historische Kriminalroman fängt die Atmosphäre der Nazi-Zeit gut ein. Besonders die Begeisterung der Nürnberger Bevölkerung ist gut beschrieben, die Stadt ein Fahnenmeer in Rot-Weiß-Schwarz. Die Figur des Isaac Rubinstein ist idealisiert. Ein Mann, der innerhalb weniger Tage vom Bücherwurm zum harten Ermittler wird, furchtlos in Arbeitszimmern schnüffelt, den Nazi-Jargon verinnerlicht und als Kriminalist durchgeht, ist nicht unbedingt realistisch, aber in jedem Fall für Spannung gut. Die anderen Protagonisten sind eindimensionaler beschrieben, stramme Nazi meist, die austauschbar sind. Bei Kriminalist Köhler, widerwilliger „Kollege“ von Isaac, meine ich eine innere Abwehr zu spüren, die die Figur interessanter macht.

    Dass Isaac sich immer wieder in allerletzte Minute durch geschicktes Taktieren oder durch Zufall aus der Schlinge ziehen kann und unentdeckt bleibt, wiederholt sich dabei immer wieder, schließlich muss er noch in einem weiteren Fall ermitteln. Aber da sehe ich die Gefahr, dass sich das Motiv nach zwei Bänden abnutzt hat.

    Mein Fazit: Ein spannender, düsterer Kriminalroman, der mich gut unterhalten hat.

  1. Spannend und atmosphärisch

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Nov 2020 

    Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein gibt sich noch immer als Sonderermittler Adolf Weissmann aus und lebt in Nürnberg. Durch seine Liaison mit Ursula von Rahn erhält er Einblicke in die höchsten Kreise der Nazis. Als es zu einer Mordserie an jungen Frauen kommt, erhält Isaak den Auftrag, den "Würger" aufzuspüren.

    Die Beschreibung hat mich sehr neugierig gemacht. Ein Jude, der sich als arischer Sonderermittler ausgibt und mitten zwischen den Nazis lebt - eine sehr spannende Grundidee, die mich sofort angesprochen hat.
    Dies war bereits der zweite Band um Isaak Rubinstein. Obwohl ich den ersten Band noch nicht gelesen habe, hatte ich keine Probleme, mich zurechtzufinden. 
    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er war flüssig und zügig zu lesen und war sehr gut verständlich. Auch waren die Beschreibungen sehr detailliert und bildhaft, so dass ich mir alles prima vorstellen konnte. Die Atmosphäre wurde richtig toll rüber gebracht . Die Macht der Nazis, die Angst der Juden, und Isaaks ständige Angst vor Entdeckung sowie den dann schrecklichen Folgen. Ich konnte alles richtig gut mitfühlen.
    Isaak hat mir sehr gut gefallen, ein sehr sympathischer und empathischer Charakter. Seine Gedanken und Gefühle waren nachvollziehbar und verständlich. Ich fand ihn sehr mutig und habe ihm die Daumen gedrückt, dass er nicht auffliegt.
    Der Kriminalfall hat mir sehr gut gefallen. Er war undurchsichtig und gut strukturiert. Bereits der Prolog warf Fragen auf, so dass ich gespannt an den Seiten hing. Was hat es mit den Morden auf sich? Wer ist der Täter und was ist sein Motiv? Ich war sehr gespannt, was sich am Ende ergeben würde. Neben den authentischen und spannenden Ermittlungen, die Isaak mit Hilfe von Kommissar Köhler durchführte, war stets die Sorge vor der Entdeckung präsent. Das war eine richtig gute Mischung, die mir sehr gut gefallen hat. 
    Die Auflösung war schlüssig und nachvollziehbar. Das Ende lässt auf einen weiteren Fall für Isaak schließen, den ich unbedingt lesen möchte.

    Ein richtig guter und atmosphärischer Krimi mit einem sympathischen Protagonisten. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  1. Heikle Ermittlungen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Okt 2020 

    Der ehemalige Antiquar Isaak Rubinstein konnte seine Ähnlichkeit zu dem Sonderermittler der Nazis Adolf Weißmann nutzen und sich in deren Kreise einschleusen. Nun, im April 1942, scheint es an der Zeit, in den Untergrund zu gehen und seine eigentliche Identität wieder anzunehmen. Nur eine Sache noch will Isaak Rubinstein erledigen. Doch eben zu dieser Zeit wird die 18jährige Gisela Hoffmann von ihrer Mutter tot aufgefunden. Dieser Mord in wohlhabenden Kreise erregt auch Aufmerksamkeit in Berlin und von höchster Stelle bekommt Rubinstein alias Weissmann den Befehl, den Mord aufzuklären. Und das, wo Isaak Rubinstein in jedem Moment befürchten muss, enttarnt zu werden.

    Bereits zum zweiten Mal wird Isaak Rubinstein in der Person des Adolf Weissmann zum unfreiwilligen Ermittler. Mit Mühe hat er sich einige Nazi-Gewohnheiten angeeignet, doch wie schnell kann es geschehen, dass er sich nicht wie ein erfahrener Ermittler verhält. Er ist ja schließlich einer, der seine kriminalistischen Fähigkeiten eher aus den Kriminalromanen zieht, die er ehedem in seinem Antiquariat angeboten hat. So ist der örtliche Polizist, dem Weissmann vor die Nase gesetzt wird, zum einen nicht begeistert, zum anderen aber auch sehr misstrauisch. Und bald fallen dem Polizisten Köhler einige Ungereimtheiten an angeblich besten Ermittler auf.

    Ob es gelingen konnte, sich als Jude unter den Nazis zu verstecken, mag man bezweifeln, auch wenn vielleicht eine kleine Hoffnung besteht, dass es der eine oder andere geschafft hat. Doch die Geschichte, die die Autorin um ihren Isaak Rubinstein entwickelt, überzeugt. Man bekommt in jedem Moment mit, wie sich die Schlinge um Rubinsteins Hals zusammenzuziehen droht. Wie er immer in Gefahr schwebt aufzufliegen. Dass er dann noch auf einen Fall angesetzt wird, in dem er irgendwie bestehen muss, trägt noch zur Spannung bei. Man spürt Rubinsteins Sehnsucht, den Weissmann abzustreifen, um wieder bei seiner Familie sein zu können. Doch davor will er den Nazis so viel Schaden zufügen wie möglich. Der Gegensatz aus zwei Welten, die Rubinstein gezwungenermaßen in sich vereint, trägt dazu bei, dass die Lektüre dieses Kriminalromans ausgesprochen fesselt und mit ihren authentischen Figuren zu begeistern vermag.
    4,5 Sterne

  1. Auch Spannung kann sich abnutzen...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 30. Okt 2020 

    Es handelt sich bei diesem Buch um den zweiten Teil einer Reihe. Im ersten Band wird geschildert unter welchen Umständen der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein die Identität des SS-Sonderermittlers Adolf Weissmann einnehmen konnte. Er befindet sich noch immer in Nürnberg und versucht durch die Beziehung mit der Tochter eines Großindustriellen an geheime Unterlagen zu kommen, die er dann an der Widerstand weiterleiten kann. Der Plot ist zugegebenermaßen ziemlich unglaubwürdig, aber durch die ständige Bedrohung der Entlarvung ist die Spannung natürlich vorgegeben. Isaak alias Adolf Weissmann tut alles um sich möglichst unauffällig zu verhalten, als aber die Tochter des Nürnberger Gauamtsleiters ermordet aufgefunden wird, bekommt er Order aus Berlin und sieht sich somit gezwungen in seiner Rolle als Kriminalinspektor zu ermitteln. Ihm wird der einheimische raubeinige Kommissar Köhler zur Seite gestellt, der natürlich nicht sehr begeistert über diese Amtshilfe ist. Isaak, der keinerlei Ahnung von Kriminalistik hat, muss nun auch noch von dieser Seite mit seiner Enttarnung rechnen.

    Ich mag die Schreibweise von Alex Beer sehr gern und bin ein großer Fan ihrer August-Emmerich-Reihe. Im Gegensatz zu dieser schafft sie hier leider nie, die Stimmung und Atmosphäre der Zeit gut zu vermitteln. Alles ist holzschnittartig in Gut und Böse eingeteilt, auch bei den Charakteren gibt es kaum Vielschichtigkeit. Beer erreicht damit zwar, die Emotionen des Lesers zu wecken und seine Sympathien klar zu verteilen, aber ein wenig Tiefe hätte der ein oder anderen Figur gutgetan. Auch die erzeugte Spannung durch das Risiko der immer kurz bevorstehenden Enttarnung nutzt sich mit der Zeit ab, so dass mich das Buch zum Ende hin nicht mehr richtig fesseln konnte. Die Auflösung des Kriminalfalls ist meiner Meinung nach vorhersehbar und nicht sonderlich originell und das Ende wird sogar noch mit einem kleinen Cliffhanger gekrönt, was ich persönlich überhaupt nicht leiden kann.

    Fazit:

    Wenn man sich von dem unglaubwürdigen Plot nicht irritieren lässt, ist das Buch durchaus spannend, kann aber mit dem ersten Teil in dieser Hinsicht nicht mithalten. Auch atmosphärisch eher unterdurchschnittlich. Schade, aber dass es Alex Beer besser kann, hat sie mit ihrer August-Emmerich-Reihe bewiesen.

  1. Was für ein grandioser Krimi

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Okt 2020 

    Eigentlich sollte es mit dem Einsatz in Nürnberg für Isaak Rubinstein alias Adolf Wissmann enden. Als Adolf Wissmann hatte er den Mordfall an einer großen Schauspielerin des deutschen Reiches erfolgreich aufklären können. Jetzt hofft er durch die Liason mit Ursula von Rahn, deren Vater ein führendes Mitglied und einflussreicher Industrieller in Nürnberg ist, an weitere wichtige Informationen für den Widerstand zu kommen. Die erlangt er ohne größere Probleme. Dann gibt es jedoch einen Mordfall in der Nürnberger Highsociety. Die Eltern der Ermordeten wollen den besten Ermittler des deutschen Reichs Adolf Wissmann. Ein Anruf beim guten Bekannten Heinrich Himmler ist erfolgreich und so muss Isaak Rubinstein erneut als Kriminalkommissar ermitteln.

    Ein vermeintlich Schuldiger wird schnell gefunden, aber Rubinstein hat Bedenken. Zu Recht, wie sich herausstellt, als kurze Zeit später das nächste Opfer gefunden wird.

    An und für sich könnte es für den Ermittler gar nicht so schlecht laufen. Jedoch gibt es überall Neider und Konkurrenten. Dem bisher erfolgreichen Ermittler der Kripo wird Wissmann vor die Nase gesetzt. Ein Journalist fühlt sich gedemütigt. Und das macht die Ermittlungen sehr viel komplizierter. Isaak muss als Wissmann permanent auf der Hut sein und auch bei seinen Äußerungen genau achtgeben. Gerade diese Gradwanderung macht auch einen großen Teil der Spannung aus.

    Überrascht hat mich die Auflösung des ganzen Falles, welcher in ein mitreißendes Finale eingebettet, mich als Leserin wirklich atemlos zurückgelassen hat. Im Verlauf des Buches wurde es relativ schnell klar, dass es noch fesselnder und mitreißender wird. Von Kapitel zu Kapitel stieg die Spannung und ich dachte, mehr geht nicht – um dann doch eines besseren belehrt zu werden. Kurzum ich war begeistert. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. Zu oberflächlich

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 29. Okt 2020 

    Kurzmeinung: Hätte mehr Feinschliff vertragen.

    Wir befinden uns 1942, in der Nazizeit. Ein als Nazi-Kriminaler verkleideter Ermittler, Isaak Rubinstein, ist in Nürnberg, seiner Heimatstadt, um für den Widerstand zu spionieren. Durch Ursula von Rahn, der Tochter einer Nazigröße findet er Zugang zu den besseren Häusern. Da geschieht ein Mord und er wird vom RSHA, dem Reichssicherheitsamt in Berlin dazu verdonnert, dem örtlichen Ermittler Köhler bei dessen Untersuchungen in leitender Funktion unter die Arme zu greifen, wovon Köhler naturgemäß wenig begeistert ist.

    Es handelt sich um den zweiten Band einer Reihe und tatsächlich „schwimmt“ man ein wenig, wenn man den ersten Band nicht kennt.

    Der Spannungsbogen des Romans ist minimal. Dennoch zwei unerwartete Wendungen wie aus dem Lehrbuch, eine davon am Schluss, die einen weiteren Band eröffnet (Pluspunkt). Den Täter erahnt man nach der Hälfte und liegt nicht falsch. Das Setting ist nicht ungeschickt und hätte interessant sein können. Als Jude versteckt, in der eigenen Stadt, wo einen viele Menschen kennen müssen und dann noch in einer halböffentlichen Funktion, das hätte ein irres Versteckspiel werden können mit vielerlei genialen Schachzügen und Fluchten. Aber Isaak begegnet niemandem, den er von früher kennt. Nur einmal sieht er von Ferne eine Frau, die ihn aber nicht sieht.

    Ein wenig Lokalkolorit wird da und dort spürbar, aber wenn man Nürnberg nicht kennt, ist es ebenfalls minimal. Zu keiner Zeit entstehen atmosphärische Bilder der Stadt und der Umgebung im Kopf.

    Die Charaktere des Romans sind, sagen wir so, ausbaufähig. Ein Täterpsychogramm dürfen wir deshalb nicht erwarten. Sozialverhalten oder innere Vorgänge werden sowieso nur sehr oberflächlich abgebildet, schon sprachlich ist der Roman nicht so angelegt, dass er feine Beobachtungen ermöglichen würde. „Formanek zuckte zusammen, ballte die Hände zu Fäusten und presste die Zähne zusammen. Er starrte K. so hasserfüllt an, dass I. fröstelte.“ Haha. Hallo Trivi. Jerry Cotton-Heftle konnten das besser!

    Positiv ist die Informationsvermittlung (Zweiter Pluspunkt). Zwar sprühen die Dialoge keineswegs vor Witz und Esprit, aber sie tun ihr Werk. Der Leser erfährt, was er erfahren muss, und das nicht ungeschickt, er fühlt sich nicht belehrt. Die Handlung führt von A nach B und eingeflochtene Rück- oder Vorblenden halten die Leserschaft zumindest wach. Und obwohl Mord und Totschlag auf der Tageskarte stehen, setzt der Roman nicht auf Blut und Gemetzel, was überaus wohltuend ist.

    Zu kritisieren wäre allerdings weiterhin die Ermittlungsarbeit: Ein paar simple Fragen und ein paar Anrufe und voilà: haben wir den Fall gelöst. Dabei hilft dann ein Standardwerk der Kriminalistik, das in einer Buchhandlung erworben wird. Man wünscht sich, die Arbeit der Kriminalpolizei wäre wirklich so einfach! !!

    FAZIT: Ein nicht ungeschicktes Setting verlangte mehr Feinschliff. Und zwar in absolut allem. Aber das Potential wäre da, würfe man alle Trivi-Phrasen aus dem Fenster und widmete sich intensiver seinen Charakteren.

    Kategorie: Kriminalroman
    Verlag Limes, 2020

  1. Spiel mit dem Feuer

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Dez 2019 

    Nürnberg im Jahr 1942: Für die jüdischen Einwohner der Stadt wird es immer gefährlicher. So leben auch Isaak Rubinstein und seine Familie in ständiger Angst vor der drohenden Deportation. Er musste schon sein geliebtes Antiquariat aufgeben, die Familie lebt beengt in einem Judenhaus, in das sie mit vielen anderen jüdischen Familien einquartiert wurden.
    Isaak wendet sich in seiner Verzweiflung an seine frühere Freundin Clara, die im Widerstand aktiv ist. Sie willigt ein, ihn und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Allerdings nutzt Clara Isaaks Situation, um ihn für ihre Zwecke und die Ziele der Widerstandsbewegung ,,Fränkische Freiheit“ einzuspannen. Isaak muss in die Rolle des Nazi-Sonderermittlers Adolf Weissmann schlüpfen. Pikant dabei ist, dass Clara Isaak vorher nicht über ihre Pläne informiert, sondern ihn ausgestattet mit den Papieren des Nazi-Ermittlers ins kalte Wasser wirft. Der echte Adolf Weissmann wird auf dem Weg nach Nürnberg im Zug überfallen, überlebt allerdings schwer verletzt.
    Isaak Rubinstein muss nun, um selbst zu überleben und um seine Familie nicht zu gefährden, wohl oder übel die Rolle des Nazi-Sonderermittlers einnehmen und wird sofort mit den Ermittlungen um den Mord an der berühmten Schauspielerin Lotte Lanner aufzuklären.

    Sehr geschickt wird der historische Hintergrund mit einem spannenden Kriminalfall verwoben. Durch Isaak Rubinsteins persönliches Schicksal und das seiner Familie geht einem die Unmenschlichkeit dieser Zeit auch wirklich nahe. Allerdings findet sich Isaak Rubinstein erstaunlich schnell und eher unproblematisch in seine Rolle, was stellenweise unrealistisch wirkt. Zwar bringt er sich hin und wieder durch kleine Unachtsamkeiten selbst in Gefahr oder wird z.B. von einer alten Nachbarin erkannt. Auch droht Gefahr von dem echten Adolf Weissmann, der irgendwann in einem Lazarett zu sich kommt. Doch diese Probleme werden recht schnell oder mit Hilfe des Zufalls aus dem Weg geräumt. Ich hätte mir stellenweise noch mehr Reflexion von Seiten Isaaks gewünscht, z.B. wenn er merkt, wie er seine Macht als Adolf Weissmann ausspielen kann.
    Insofern ist ,,Unter Wölfen“ ein durchaus lesenwerter Krimi mit einem interessanten und sympathischen Protagonisten, inhaltlich ist er allerdings nicht völlig überzeugend.

  1. Hinein in den Rachen des Wolfes

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Dez 2019 

    Hinein in den Rachen des Wolfes

    Unter Wölfen von Alex Beer

    Isaak Rubinstein und seine Familie, seine Eltern, die Schwester und deren zwei Kinder, haben in Nürnberg im Jahre 1942 kein leichtes Los. Als Juden müssen sie sich dem Regime unterwerfen und schon bald werden sie deportiert. In seiner Not geht Isaak auf ein Abkommen mit seiner ehemaligen Freundin Clara ein. Clara ist beim Widerstand und hat so ein paar gute Kontakte, die es Isaaks Familie ermöglichen unterzutauchen. Für Isaak hat sie andere Pläne, denn die Mission Ragnarök des Widerstands ist in Gefahr. Isaak soll daher in die Haut des Sonderermittlers Adolf Weißmann schlüpfen, der wegen des Mordes an der Schauspielerin Lotte Lanner nach Nürnberg bestellt wurde.
    Isaak fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen, er sieht in sich nur einen Antiquar. Das war immer seine Erfüllung, bis er seinen kleinen Laden aufgeben musste. Er hat nicht einmal annähernd das Auftreten eines Nationalsozialisten, doch die Angst um seine Familie lässt ihn durchhalten. Er ermittelt sehr gekonnt in dem Fall der toten Schauspielerin und kann einiges erreichen. Doch natürlich läuft nicht alles glatt, mehr als einmal droht die Maskerade aufzufliegen, zumal der echte Adolf Weissmann gar nicht tot ist, wie angenommen.

    Alex Beer hat einen interessanten Kriminalroman geschrieben. An einigen Stellen lief es hier und da ein wenig zu rund, aber das hat mich im Grunde nicht gestört. Die Geschichte bekam für mich ihren Reiz durch Rubinsteins Charisma und seine Eindrücke, die er dem Leser sehr anschaulich präsentierte. Diese Zeit lässt mich immer schaudern und die Autorin greift diesen Schrecken auf und bringt ihn ins Wohnzimmer
    . Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die ich sicher lesen werde, da mir die Figur des Isaak Rubinstein so gut gefallen hat, so dass ich gern mehr über seinen Werdegang erfahren möchte.

  1. Leseerlebnis und Spannung pur

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Dez 2019 

    Nürnberg 1942, Isaak Rubinstein, ein jüdischer Antiquar, ist verzweifelt. Seine Familie hat die Aufforderung zur Evakuierung erhalten. Alle wissen, was das bedeutet. Evakuierung klingt so fürsorglich, doch alle wissen, dass Juden, die diesen Bescheid bekamen, niemals wieder zurückkamen. Sie durften lediglich einen Koffer mitnehmen, der gesamte übrige Besitz blieb zurück. Isaak will das nicht hinnehmen und bittet seine alte Freundin Clara um Hilfe für sich und seine Familie.

    Clara lehnt erst einmal ab, sie habe auch keinen Kontakt zu Widerstand, sie kann nicht helfen. Und doch taucht sie Tage später wieder auf und bringt seine Familie in einen sicheren Unterschlupf. Lediglich Isaak soll, nach entsprechender Umkleidung und Ausstaffierung, zum Bahnhof fahren. Genauestens instruiert von Clara, nie nach unten schauen, nicht zurückweichen und mit Erhabenheit über den Bahnhof schreiten, wird er dort direkt als Adolf Wissmann angesprochen und von Unterscharführer Schmidt abgeholt. Und plötzlich ist er mittendrin im Geschehen. Er soll als Adolf Wissmann den mysteriösen Mord an einer Schauspielerin aufklären. Clara, die sich kurze Zeit bei ihm meldet hat noch weitere Aufgaben für ihn und hofft auf eine Mitarbeit von ihm.

    Mit viel Spannung und Einfallsreichtum agiert Isaak als Adolf Wissmann. Dass er die Rolle ausführen kann, verdankt er nicht nur einer gewissen Ähnlichkeit mit Wissmann, sondern auch seinem Wissen über Bücher. Bei seinen Ermittlungen orientiert er sich an Sherlock Holmes und läuft gar nicht schlecht damit.

    Dieses Buch habe ich innerhalb weniger Tage verschlungen. Es war nicht nur spannend, sondern auch unvorhersehbar. Gerade die Aktionen von Isaak, der ja nicht nur sich, sondern auch seine Familie retten wollten, machen einen großen Teil der Spannung aus. Die Wandlung, die er für sich selbst von einem unterdrückten Menschen zu einem Menschen mit Macht vollziehen musste, war nachvollziehbar nicht einfach. Auch hierbei holte er sich Hilfe aus der Literatur. Und er selbst stellte auch fest, dass ein Leben mit Macht nicht unübel ist. Aber sein Ziel verhalt ihm nicht auf Abwege zu geraten.

    Von mir gibt es für dieses wunderbare, spannende Buch eine unbedingte Leseempfehlung und fünf verdiente Lesesterne.

  1. Archivar und Antiheld

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Dez 2019 

    Nürnberg, 1942, mitten in der Zeit des nationalsozialistischen Wahnsinns erhält Isaak Rubinstein und seine Familie die Aufforderung zum Abtransport. Verzweifelt wendet er sich an Clara, seine ehemalige Geliebte, die im nun in der geheimen Widerstandsbewegung „Fränkische Freiheit“ tätig ist. So bekommt die Familie Rubinstein die Chance zur Flucht. Aber Isaak muss sich in höchste Gefahr begeben, denn er soll getarnt als Sonderermittler und Sturmbannführer Adolf Weissmann in die Gestapo eingeschleust werden.
    Alex Beer ist mit „Unter Wölfen“ ein atmosphärisch dichter, historischer Kriminalroman gelungen. Nürnberg als eine der Hochburgen der Nazibonzen ist ein besonderer Schauplatz. Die Autorin fängt die Stimmung dieser Zeit auf beklemmende Weise ein. Ihr jüdischer Protagonist, der ehemalige Archivar Isaak Rubinstein ist gebildet, belesen, feinsinnig. Man hangt und bangt mit ihm von Seite zu Seite, wie er dem brisanten Spiel gewachsen sein mag, der Gestapo einen hochrangigen, gefährlichen Offizier vorzugaukeln.
    Isaak ist ein fast übermenschlicher Antiheld, der selbst in der eigenen größten Not immer noch moralisch integer handelt. Ein guter Mensch zu sein, in dieser damaligen Zeit, war wahrscheinlich höchst lebensgefährlich. So empfand ich manche Szenen zu realitätsfern und für den Krimileser auf „flott lesbar“ gemacht. Denn die Geschichte ist spannend und rasant, für meinen Geschmack manchmal ein bisschen zu glatt erzählt. Ich hätte mir ein bisschen weniger „Räuber und Gendarm“ und dafür mehr Ecken und Kanten gewünscht. (Aber die kann ich mir ja bei August Emmerich, dem schäbigeren und verwerflicheren Charakter aus Alex Beers Krimireihe aus der Wiener Zwischenkriegszeit holen.) Aufgrund des hohen Spannungsbogens bekommt das Buch von mir dennoch eine absolut positive Beurteilung.

  1. Wenn die Guten nicht kämpfen...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Nov 2019 

    „Wenn die Guten nicht kämpfen, siegen die Schlechten“ Isaak Rubinstein lässt sich von seiner früheren Freundin Clara, die im Nürnberger Widerstand aktiv ist, überreden in die Rolle des Sonderermittlers und Sturmbannführers Adolf Weissmann zu schlüpfen. Die äußerliche Ähnlichkeit ist da und der Weissmann bereits unschädlich gemacht. Dafür will Clara Isaaks Familie vor der nahenden Deportation retten und verstecken.

    Weissmann sollte als Sonderermittler den rätselhaften Mord an der Schauspielerin Lanner aufklären, die in der Wohnung von Obersturmbannführer Nosske zu Tode kam. Und so sieht sich der jüdische Antiquar Isaak plötzlich in der Höhle des Löwen einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber. Er muss einen Mord aufklären und gleichzeitig alle mit seiner Rolle überzeugen. Aber was er nicht ahnt, Weissmann hat den Anschlag überlebt…

    Vorweg – der Krimi ist unglaublich spannend geschrieben, man fiebert mit Isaak, dem buchstäblich in jedem Augenblick die Enttarnung droht. Da gibt es Begegnungen mit Leuten, die Weissmann kannten, er muss Insiderwissen vortäuschen und soll außerdem noch an Informationen für die Widerstandsgruppe „Fränkische Freiheit“ sammeln. Mehr als einmal hilft ihm der blanke Zufall aus brenzligen Situationen.

    Der Krimi hat als historischen Hintergrund das Jahr 1942 gewählt, die Nazi müssen Misserfolge an der Ostfront vertuschen und gleichzeitig soll die „Umsiedlung“ der jüdischen Bevölkerung in den Osten erfolgen. Man ahnt, was das heißt und die Stimmung auf den Straßen ist sehr gut eingefangen. In den Wohnungen, in denen die verbliebene jüdische Bevölkerung gepfercht wird, wechseln sich Hoffnungslosigkeit und Selbsttäuschung ab. Vielleicht wird es nicht so schlimm, hoffen vor allem die älteren Menschen der jüdischen Gemeinde.

    Allerdings bleibt dieser historische Kontext wirklich nur eine Tapete. Zwar sind die Daten und Ereignisse aus dem Nürnberg dieser Zeit korrekt, aber sie dienen wirklich nur als farbiger Hintergrund. Im Mittelpunkt steht das Katz und Maus Spiel von Isaak Rubinstein gegen seine Gegner. Da muss, wie bereits erwähnt, viel zu oft der Zufall eingesetzt werden. Aber so bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss sehr hoch. Das liegt auch an dem engen Zeitrahmen, den die Geschichte hat, denn es bleiben nur wenige Tage, den Plan durchzuführen. Ich finde, die Autorin kann mitreißend schreiben und packt die Leser von der ersten Seite an. Da kann ich auch akzeptieren, dass mich das Zeitbild nicht ganz überzeugt hat.

    Mit Isaak hat die Autorin auch eine sympathische Figur erschaffen, die in Notsituationen über sich selbst hinauswachsen muss und dessen Wandlung vom zurückhaltenden jüdischen Antiquar zum durchsetzungsstarken Ermittler in wenigen Stunden gelingt.

    Am Ende scheint es, dass Isaak seine Bestimmung gefunden hat und das lässt auf Folgebände schließen, auf die ich schon sehr gespannt bin.

  1. Nur ein einfacher Antiquar?

    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Nov 2019 

    Mit sehr hohen Ansprüchen bin ich an Alex Beers „Unter Wölfen“ herangegangen, gilt die Autorin doch als „preisgekrönt und hochgelobt“. Erschienen ist dieser 368-seitige historische Kriminalroman im November 2019 bei Limes.
    Nürnberg im März 1942: Das Deutsche Reich steht mitten im Zweiten Weltkrieg, gute Propaganda ist wichtiger denn je. Und gerade jetzt wird die allseits beliebte Schauspielerin Lotte Lanner in einem verschlossenen Raum ermordet aufgefunden. Der erfolgreichste Ermittler des Dritten Reichs, Adolf Weissmann, wird nach Nürnberg gerufen, um den Fall zu klären.
    Zeitgleich deportieren die Nazis die letzten Juden aus Nürnberg; auch der Antiquar Isaak Rubinstein und seine Familie erhalten einen Evakuierungsbescheid. In seiner Not wendet er sich an seine ehemalige Freundin, Clara. Diese sagt ihm Hilfe zu, jedoch unter einer Bedingung: Isaak soll in die Rolle Weissmanns schlüpfen und die Gestapo infiltrieren. So ist Isaak nun nicht nur auf der Suche nach einem Mörder, sondern er schwebt darüber hinaus in ständiger Gefahr, entlarvt zu werden. Als der echte Weissmann dann noch auftaucht, spitzt sich die Lage für ihn zu.
    Dass Alex Beer weiß, wie man gute Krimis schreibt, steht außer Frage. Der Roman beginnt mit einem klassischen Locked Room-Motiv, der Spannungsbogen ist von Anfang bis Ende mit wechselnder Intensität vorhanden, es werden verschiedene Verdächtige präsentiert und wieder verworfen, die Lösung überrascht und ist dennoch nachvollziehbar. Sprachlich liest sich das Werk schnörkellos und flüssig, die Kapitel haben eine angenehme Länge und enden dann und wann mit einem Cliffhanger. Wie in jeden guten Buch gibt es Charaktere, die sympathischer, und solche, die weniger sympathisch sind, plastisch und realitätsnah beschrieben sind sie an sich alle.
    Auch die Atmosphäre des Dritten Reiches ist treffend eingefangen. Schon das erste „Heil Hitler“ von zwei Männern, die einerseits unscheinbar sind, einem aber andererseits allein durch ihre Präsenz den Angstschweiß auf die Stirn treten lassen, zieht Leserinnen und Leser mitten hinein in diese dunkle Zeit deutscher Geschichte. Auch Verhöre sind, ohne voyeuristisch zu sein, wirklichkeitsnah beschrieben, in der Gerichtsszene konnte ich den Richter sogar förmlich brüllen hören. Dabei bleiben Beers Schilderungen fern von jeder Schwarzweißmalerei: Sei es, dass der jüdische Rubinstein in seiner Rolle als führendes SS-Mitglied durchaus nachvollziehen kann, welche Faszination Macht und Angst auf einen Menschen ausüben können, sei es, wie derselbe darüber philosophiert, dass einige der Nazi-Schergen unter anderen Umständen durchaus seine Freunde hätten sein können. Und nein, im Grunde ist das keine Schönmalerei, denn auch in diesem Roman gibt es sie, die scharfen Hunde.
    Völlig überzeugen konnte mich dieser Krimi dann aber nicht, wurde ich beim Lesen doch das Gefühl nicht los, dass Alex Beer mit ihrem Roman ein Thema aufgegriffen hat, das, weiß man etwas über die deutsche Geschichte, einfach zu schwer zu verarbeiten ist. Natürlich: Kriminalromane werden vor allem dann gelesen, wenn das Gute siegt. Indes gerade dadurch schleicht sich auch viel Unrealistisches in den Roman ein: So läuft vieles bei Isaaks heimlichem Eindringen in die Gestapo einfach zu glatt; mehrmals steht er kurz davor, enttarnt zu werden, schafft es aber immer wieder, sich aus der Affäre zu ziehen. Er dringt mit einigen anderen in ein Lager ein, in dem Juden vor ihrer Deportation zusammengepfercht sind … und verlässt es auch wieder mehr oder weniger unbeschadet – nicht ohne andere befreit zu haben. Solch unrealistische Stellen gibt es mehrere in diesem Buch, was mir persönlich dann doch recht übel aufstieß; denn so einfach, wie im Roman beschrieben, lief es eben nicht im Nationalsozialistischen Deutschland.
    Das Ende des Romans legt den Schluss nahe, dass Issak Rubinstein auch in Zukunft weiter ermitteln wird. Ob die Autorin sich und ihren Leser/innen damit einen Gefallen tut, sei dahingestellt. Ich persönlich denke, dass ein solches Vorhaben nur in Realitätsferne enden kann.
    Nichtsdestotrotz hat mich dieser Roman neugierig gemacht auf andere Werke von Alex Beer, zu denen ich in Zukunft bestimmt noch greifen werde. Und trotz des nicht ungetrübten Lesevergnügens gebe ich diesem Roma dreieinhalb von fünf Lesepunkten, da er sich wirklich spannend und flüssig lesen lässt und mich von Anfang an in seinen Bann zog.

  1. Ein Jude getarnt als Nazi in der Höhle der Wölfe

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Nov 2019 

    "Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!" (Max Frisch)
    Nürnberg 1942: Die Nazis wollen ihre Stadt schnellstens judenfrei machen und deportieren die letzten Juden in den Osten. So soll es eigentlich auch der Familie von Isaak Rubinstein gehen. Doch seine ehemalige Freundin Clara Pflüger hilft ihm. Sie versteckt seine Familie während Isaak als Sonderermittler Adolf Weissmann in die Gestapozentrale infiltriert wird. Dort soll er herausfinden, wo sich wichtige Dokumente befinden. Isaak kann ja nicht ahnen, dass Weissmann den Mord der Schauspielerin Lotte Lanner im Namen des Führerhauptquartiers aufklären soll. Zudem weiß niemand das der wahre Adolf Weissmann seinen Anschlag durch die Fränkische Freiheit verletzt überlebt hat. Je früher Weissmann genesen wird, desto schneller wird Isaaks Identität auffliegen. Das Netz um ihn herum scheint immer enger zu werden und er sucht nicht nur seine Familie, sondern muss zudem Clara aus den Fängen der Nazis befreien.

    Meine Meinung:
    Das geheimnisvolle Cover, bei dem man schon erahnt, das es in der Vergangenheit spielt, und der Klappentext haben mich neugierig auf diesen Krimi gemacht. Der Schreibstil war locker, flüssig, unterhaltsam, in Zeitabschnitte eingeteilt und da mit recht kurzen Kapiteln versehen. Nachdem nun "Die Presse" schrieb: "Alex Beer kultiviert Krimispannung auf höchstem Niveau" war ich erst recht gespannt, was mich erwartet. Leider konnte ich diese Erwartungen nicht ganz teilen, größtenteils wurde mir das Naziregime zu unglaubwürdig dargestellt. Den zu sehr sind diese als naive Tollpatsche oder Vollidioten charakterisiert worden, die man mal ebenso um den Finger wickeln kann. Man hätte, meinen könnte das dieses damalige Naziregime so naiv und dumm war, das jeder Jude es locker hätte schaffen können seinem Schicksal zu entkommen. Man muss nur einfach sein inneres Potenzial abrufen oder entdecken, dann schafft man das auch. Leider war dem nicht so, den sonst wären wohl kaum so viel Millionen Juden ums Leben gekommen. Natürlich ist dies ein fiktiver Kriminalroman, trotzdem hatte ich erhofft einen weitaus besseren Hintergrund vorzufinden, wie ich es von Autoren wie Frank Goldammer oder Volker Kutscher kenne. Dass Isaak als Adolf Weissmann jedoch vieles einfach so zufliegt, das er als ehemaliger Antiquar auf einmal wie ein Kommissar ermittelt, mag ja noch einigermaßen angehen, wenn er als Belesener gerne zu Sherlock Holmes greift. Doch das man mal eben Dutzende Dokumente fälscht, in ein Lager eindringt und dort, mehrere befreit, ging mir dann doch zu weit. Gerade am Ende waren es für mich dann zu viele Dinge, die mir zu glatt liefen und wie schon oben erwähnt die Nazis alt aussehen ließ. Ich hätte da mit deutlich mehr widrigen Umständen gerechnet. Zum Glück machten dann die Ermittlungen und die Spannung das Ganze noch ein wenig wett. Isaak Rubinstein scheint für mich eher ein zurückhaltender und unscheinbarer Mensch zu sein. Während er als Adolf Weissmann genau das Gegenteil verkörpern muss. Den dieser ist hingegen ein Despot und ein überheblicher, dezidierter Mensch, der zu dieser Zeit der beste Ermittler im Deutschen Reich war. Dass man mal so eben diese krasse Umkehr von einem selbst verkörpern soll, ist schon recht schwierig. Dazu noch die ständigen inneren Ängste mit denen er kämpfen muss entlarvt zu werden oder gar einen Fehler zu begehen, das spürt man hier sehr gut. Dies alles konnte ein wenig die Fehler aufwiegen, weshalb ich deshalb 3 von 5 Sterne gebe. Selbst wenn einiges nicht gut war, würde ich dieser Autorin gerne eine weitere Chance geben.

  1. Im Geheimen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Nov 2019 

    Isaak Rubinstein war einmal mit Herz und Seele Buchantiquar in Nürnberg. Vor Jahren schon haben ihm und seiner Familie alles genommen. Und im März 1942 haben sie den Befehl bekommen, sich zur Deportation einzufinden. Isaak befürchtet, es könnte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Deshalb bittet er seine ehemalige Freundin Clara Pflüger, ihm und seiner Familie beim Untertauchen zu helfen. Clara, die Verbindungen zum Widerstand hat, findet tatsächlich eine Möglichkeit, die Familie Rubinstein vor den Nazischergen zu schützen. Allerdings muss Isaak Rubinstein einen hohen Preis bezahlen. Er muss in die Rolle des Sonderermittlers Adolf Weissmann schlüpfen und die Gestapo unterwandern.

    Mit einem eigentlich unmöglichen Mord beginnt diese spannende Geschichte. Eine bekannte Schauspielerin ist in der Wohnung ihres Geliebten umgebracht worden. Vom Zeitablauf her kommt nur er als Täter in Betracht. Bei diesem handelt es sich allerdings um den stellvertretenden Gestapo-Chef Fritz Nosske. Und nach der Meinung der herrschenden Klasse, kann er als hohes Tier nicht der Mörder sein. In diese Szenerie stolpert Rubinstein alias Weissmann und soll als Sonderermittler den allseits gefälligen Mörder präsentieren. Immer unter der Anspannung stehend, seinen geheimen Auftrag zu erfüllen und in der Angst vor Entlarvung, muss Isaak Rubinstein seinen schlauen Verstand einsetzen.

    Vor dem Hintergrund der damaligen politischen Lage entfaltet sich nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern auch ein prägnantes Bild der Naziherrschaft im zweiten Weltkrieg und davor. Wie perfide die Herrschenden ihre Macht ausspielten und Schwächere und Minderheiten ausgrenzten, bestahlen, quälten und vielen letztlich das Leben nahmen. Isaak Rubinstein ist einer, der sich wehrt. Zwar spät und nicht ganz freiwillig begibt er sich in die Höhle der Löwen. In jeder Minute ist die Gefahr der Entdeckung zu spüren und sein Entsetzen über die unsäglichen Taten der Machthaber. Man fühlt sich beim Lesen in diese grausame und unmenschliche Zeit hineinversetzt. Ob es möglich gewesen wäre, den Nazis zu entkommen, so wie es Rubinstein mehrmals gelingt und ohne jede Vorkenntnis als Ermittler tätig zu werden, kann dahingestellt bleiben. Die eindringlichen Schilderungen des unsäglichen Verhaltens der Nazis machen diesen Roman zu einer herausragenden Lektüre gegen das Vergessen.