Und dann kam Paulette

Rezensionen zu "Und dann kam Paulette"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 15. Apr 2018 

    Gemeinsam dem Alter trotzen

    In einem kleinen Ort findet sich durch eine Reihe von Zufällen und Schicksalsschlägen eine ungewöhnliche WG von Senioren zusammen (plus Katze, Hund und Esel), die beschließt, gemeinsam dem Alter und den damit verbundenen Herausforderungen und Problemen zu trotzen.

    Barbara Constantine spricht in ihrem Roman durchaus ernste Themen an: die im Alter drohende Vereinsamung, Trauer und Verlust, Demenz, Konflikte zwischen den Generationen… Aber sie verpackt diese Themen in eine locker-leichte Geschichte zum Wohlfühlen, mit viel Humor und schrulligen Charakteren.

    Und das fand ich zunächst sehr charmant, fühlte mich jedoch zunehmend entzaubert.

    Denn die Geschichte plätschert so vor sich hin, für jedes Problem wird im Nu eine gefällige Lösung gefunden, die beiden Enkel des Hauptcharakters sind stets knuddelig und herzallerliebst… Für mich war das auf Dauer zu zuckersüß und zu belanglos.

    Nicht jede Geschichte braucht Drama, Schmerz und Leid. Ja, es ist bei einer Geschichte wie dieser sogar sehr schön, wenn das Hauptaugenmerk auf möglichen Lösungen liegt, wenn sie hoffnungsvoll und positiv bleibt!

    Dennoch geht in meinen Augen viel der Wirkung verloren, wenn Konflikte in der Handlung gar nicht erst zugelassen werden.

    Spannung wollte sich bei mir nicht so recht aufbauen, denn es schien ja ohnehin sonnenklar, dass sich alles in Wohlgefallen auflösen würde – trotz der ernsten Themen ist die Welt in dieser WG doch letztlich immer rosarot und heil. Auch die Entwicklung der Charaktere ist meines Erachtens nur schwer nachvollziehbar, wenn sich jedes Hindernis scheinbar mühelos überwinden lässt. Man investiert emotional einfach mehr in einen Charakter, der kämpfen muss, mit dem man mitleiden und mitfiebern kann.

    Schwer tat ich mich auch mit dem Schreibstil.

    Die Sprache ist sehr einfach, manchmal beinahe kindlich. Die Geschichte wird im Plauderton erzählt, scheint den Leser oft mit verschwörerischem Augenzwinkern direkt anzusprechen, was für mich aber nur den Eindruck verstärkte, dass die Handlung lediglich an der Oberfläche kratzt.

    “Ferdinand liegt im Bett und starrt an die Decke, Lolli schnurrt ihm ins Ohr. Bis jetzt ist er ihm keine Einschlafhilfe, Ferdinand denkt an den morgigen Tag.
    Was soll er ihnen bloß sagen? Welche Worte soll er wählen? Und wie soll er es ihnen am Ende verklickern?
    Er ist nervös, der arme Kerl."

    | FAZIT |

    Barbara Constantine erzählt die Geschichte einer Gruppe von Senioren, die gemeinsam den Unbilden des Alters trotzen – denn zusammen ist man nicht nur weniger allein, sondern kann sich auch besser die Arbeit und die Kosten teilen. Da der Bauernhof, in den sie nach und nach alle einziehen, viel Platz bietet, finden sich auch noch junge Leute, die gegen Kost und Logis aushelfen bei der Altenpflege.

    Mir ging zunehmend der Spaß an der Geschichte verloren, weil sich vieles einfach zu schnell und einfach lösen lässt. Ein klein wenig mehr Konflikt und Tiefgang hätten dem Buch meines Erachtens gut getan, ohne dass die Autorin damit auf die hoffnungsvolle, positive Botschaft hätte verzichten müssen.