Trügerische Nähe: Kriminalroman

Rezensionen zu "Trügerische Nähe: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Apr 2019 

    Der Albtraum auf dem Lande

    Zwei Paare wollen zukünftig von der Stadt raus aufs Land. Dafür haben sie einen Bauernhof liebevoll restauriert und genießen gerade ihre erste, harmonische Zeit. Als unerwartet die Tochter von Marlis zu Besuch kommt, fängt es unter der Oberfläche leicht zu brodeln an, dem Leser stellen sich langsam die Haare auf und man hat das Gefühl, daß es auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuert.

    Zuerst zu den einzelnen Figuren, von denen jeder immer wieder ein eigenes Kapitel für seinen Teil der Geschichte bekommt.

    Da wäre zunächst das Ehepaar Nora und Alex, die sich gerade in einer Neuausrichtung ihrer Ehe befinden. Nora hatte einen Burnout wegen ihrer Galerie und hofft jetzt, sich auf dem Land ihrem Hobby, der Fotografie, widmen zu können. Alex ist Architekt und arbeitet nach wie vor in der Stadt, hatte in der Vergangenheit mehrere Affären, gelobte allerdings Besserung. Dann wäre da noch der pubertierende Sohn Lukas.

    Das andere Paar besteht aus Johannes, der Alex zu diesem Projekt überredet hat. Auch er ist noch in der Stadt beruflich engagiert. Marlis hat den Part der Verschönerung und Dekoration des Hauses übernommen, analog diverser Landhauszeitschriften. Um alles perfekt zu machen, hat sie sich ein Pferd gekauft. Sexuell ist Johannes schon seit längerem nicht mehr an Marlis interessiert. Marlis’ Tochter Livia ist gerade aus der Schauspielschule geflogen, da sie zwar hübsch anzusehen ist, ihr aber jegliches Talent zur Schauspielerei fehlt. Diese Niederlage gesteht sie nicht ein, sondern behauptet, dass sie ein paar Tage Auszeit genommen hat.

    Und genau mit ihr und ihrem unterschwellig vorhandenen Schauspieltalent beginnt die Dramatik der Story. Livia flirtet was das Zeug hält und versucht allen Männern den Kopf zu verdrehen. So kommt Unruhe in das Landleben, was bisher um des lieben Friedens willen unter den Teppich gekehrt wurde, bricht auf und die anfängliche Harmonie ist dahin. In allen Passagen merkt man, dass Livia das Geschehen vorwärts treibt und von ihr alles Böse ausgeht. Doch der dramatische Höhepunkt sieht ganz anders aus, doch das soll jeder selbst lesen.

    Wie in ihrem ersten Buch hat mich die Autorin wieder voll überzeugt. Die Spannung und Dramatik war förmlich greifbar, nur keiner ahnte, wohin alles hinausläuft. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, die Figuren wurden sehr gut beschrieben und am Ende wurde alles schlüssig aufgeklärt.

    Von mir eine klare Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Apr 2019 

    Trügerische Nähe

    Inhalt :
    In einem Dorf vor den Toren Berlins erfüllen sich zwei Paare Mitte vierzig ihren Traum: Sie ziehen auf einen stilvoll renovierten Hof und freuen sich auf ein beschauliches, naturnahes Landleben. Die beiden Männer kennen sich aus Studienzeiten, auch ihre Partnerinnen Marlis und Nora verstehen sich gut. Als ganz unerwartet Livia, Marlis’ attraktive Tochter aus erster Ehe, auftaucht, setzt sie eine gefährliche Dynamik in Gang. Die junge Frau wirkt verzweifelt, scheint in etwas verstrickt, über das sie nicht sprechen möchte. Alle sorgen sich um sie. Doch Livia verfolgt ihre ganz eigenen abgründigen Interessen und spielt die Bewohner gnadenlos gegeneinander aus. In kürzester Zeit verwandelt sich der idyllische Hof in einen beklemmenden Ort: Eifersucht, Neid und Verdächtigungen vergiften alle Beziehungen und enden in erbitterter Feindschaft. Dann wird auf einer Waldlichtung eine Leiche gefunden. Und allen ist klar, dass der Täter nur einer von ihnen sein kann …

    Rezension :

    In dem Buch Trügerische Nähe von Susanne Kliem geht es um die uns allen wohlbekannten Gefühle Eifersucht und Neid. Und ich glaube jeder von uns kennt diese Gefühle mehr oder weniger. Jeder denkt einmal der oder die sieht besser aus, die Person hat mehr Geld, oder, oder, oder. Im Fall von Livia ist es der makellose Körper, den man als erstes sieht. Man denkt ja immer, dass solche Menschen alles haben! Aber haben sie wirklich alles? Ist nicht auch das Aussehen ein gewisser Fluch?
    Gut, ich werde nun philosophisch. Am Anfang habe ich mir ein wenig schwer getan bei diesem Buch. Ich habe nun auch ein paar Tage darüber nachgedacht, woran es wohl gelegen hat. Es war nicht der Schreibstil oder die Ausdrucksweise. Nein, es war die Tatsache, dass Frau Kliem immer wieder aus der Sicht einer anderen Person die Geschichte weitererzählt. Dies macht sie geschickt und man kann so einen besseren Blick in die handelnden Personen werfen.
    Man muss sich halt erst einmal daran gewöhnen, zumal man sonst oft durch einen Ich-Erzähler durch die Bücher geführt wird. Und ich erinnere mich noch, dass ich mir bei solchen Büchern im letzten Jahr noch extrem schwer getan habe, wenn die Personen immer wieder gewechselt haben.
    Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, geht es richtig flüssig weiter und man saugt die Hofgemeinschaft immer mehr in sich auf. Man erfährt vieles über die Sorgen und Nöte der verschiedenen Personen. Auch erfährt man einiges über das „Dorfleben“ des fiktiven Ortes vor den Toren von Berlin.
    Alles in allem nimmt einen Frau Kliem an die Hand und man lernt doch sehr viel über die menschliche Psyche. Und auch wenn es eine Leiche in diesem Buch gibt, ist es doch kein Krimi oder Thriller. Nein, ich würde es auch als Psychodrama bezeichnen, wie es Elisabeth Herrmann gemacht hat.
    Es ist für mich einfach ein lesenswertes Buch, welches einen recht schnell auf eine besondere Art fesselt. Ich habe mich sehr oft dabei erwischt, wie ich mein Vorhaben „nur noch ein Kapitel oder eine Person, dann mache ich Pause“ gebrochen habe und ich denke, dies sagt einiges über dieses Buch aus, welches durch die Aufteilung und der anderen Story einfach zu begeistern weiß.