Trügerische Anziehung: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Trügerische Anziehung: Roman' von Eshkol Nevo
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Trügerische Anziehung: Roman"

Hindert unser Begehren uns daran, die Wahrheit zu erkennen? Drei Menschen suchen nach Erklärungen – für ihr eigenes Handeln und für das der anderen. Wer ist diese Frau, zu der sich Omri so leidenschaftlich hingezogen fühlt? Eine trauernde Witwe oder doch eine Femme fatale? Was steckt hinter dem Bedürfnis des Arztes Dr. Caro, seine junge Kollegin zu beschützen? Und wie konnte Chellis Mann während ihres gemeinsamen Spaziergangs einfach spurlos zwischen den Bäumen im Obstgarten verschwinden? Voll Spannung und psychologischer Tiefe erkundet Eshkol Nevo die Grauzonen unseres Lebens – und das Rätsel, das selbst unsere Nächsten für uns sind.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783423284011

Rezensionen zu "Trügerische Anziehung: Roman"

  1. Undurchsichtige Beziehungsgeflechte

    Drei Beziehungsgeschichten aus Israel – was ist wahr, was nicht? Kann man sich selber glauben?

    Ich habe dieses Buch gerne gelesen; es war mir nie langweilig damit, aber es ist nicht drin, was drauf steht: Roman. Es handelt sich um drei Erzählungen, die allerdings thematisch ähnlich sind, geht es doch in allen um Irrtümer in problematischen Beziehungen, um trügerische Fehleinschätzungen, die falsche Hoffnungen erwecken, so wie der deutsche Titel nahelegt. Erstaunlicherweise lautet er im Original so wie die letzte Geschichte: 'Ein Mann trat ins Paradies', was man als passend für alle drei Geschichten ansehen könnte und was eine Anspielung auf den Talmud ist.

    Da ist zum einen Omri, frisch geschieden, der sich auf eine Beziehung zur geheimnisvollen Mor einlässt, die ihn später zu einem fatalen Fehler überreden will. Ist sie eine traumatisierte junge Frau in Schwierigkeiten oder eine 'Straßenkatze', wie sie von einigen genannt wird? Omri sieht zwar seinen Fehler: 'Ich bin nur ein Mann, der blind einer Frau gefolgt ist, die die richtigen Knöpfe gedrückt hat.' (86), aber er kann sich anscheinend nur schwer von ihr lösen, weil sie ihm wieder so etwas wie Lebenslust gegeben hat.

    Ein ähnlicher Fall zeigt sich in der zweiten Geschichte, wo ein gerade verwitweter, 68-jähriger Arzt, der seine Frau schrecklich vermisst, sich von einer jungen Assistenzärztin angezogen fühlt, die ähnliche Interessen wie er hat und für die er ein Beschützergefühl entwickelt. Oder ist es mehr? Ein Vorfall, dessen wahrer Charakter nicht geklärt wird, bringt ihn in Schwierigkeiten.

    Die dritte Geschichte fängt spektakulär an: während eines Spaziergangs in einer Obstplantage verschwindet der Ehemann spurlos, eine beängstigende Situation. Seine Leiche wird nie gefunden. Nach und nach erfährt der Leser einiges über ihre zuerst harmonisch erscheinende Ehe und der verschwundene Ofer wird immer rätselhafter. Zwar gibt der Autor einige Hinweise und präsentiert auch kurze Texte des Verschwundenen, die aber schwer zu entschlüsseln sind. Ein paar versteckte Hinweise gibt es, aber letztlich bleibt alles ungewiss. Diese Geschichte hat mir wegen des psychodelischen Traumes am Ende nicht so gut gefallen.

    Fazit

    Es sind drei rätselhafte Geschichten über das menschliche Miteinander, so ungewiss, wie das Leben manchmal ist. Der Autor taucht tief in die Psyche der Hauptpersonen ein, deren Denken und Handeln man aber nie ganz verstehen kann. Es fragt sich, ob sie sich selber verstehen. Jedenfalls vermittelt es dem Leser Einsichten in die komplizierten Beziehungen von Mann und Frau und den Wahrheitsgehalt von dem, was man von anderen oder sich selber glaubt. Ich werde gerne noch mehr von Eshkol Nevo lesen.

  1. Komplexe Verstrickungen menschlicher Beziehungen

    Komplexe Verstrickungen menschlicher Beziehungen und die Suche nach Wahrheit
    Eshkol Nevo, ein Meister der feinen Beobachtung und psychologischen Tiefe, bringt mit „Trügerische Anziehung“ einen Roman, der die Leser auf eine emotionale und gedankliche Achterbahnfahrt mitnimmt. Das Buch erzählt die Geschichten von drei Protagonisten: Omri, Dr. Caro und Chelli, deren Leben durch unerwartete Ereignisse und Begegnungen aus der Bahn geworfen wird, während sie nach Erklärungen für ihr eigenes Handeln und das der anderen suchen.

    In „Trügerische Anziehung“ zeigt Eshkol Nevo eindrucksvoll die komplexen inneren Welten seiner Charaktere und deren Handlungen. Omri wird von einer mysteriösen Frau fasziniert, die entweder eine trauernde Witwe oder eine Femme fatale ist. Diese Ambiguität zieht ihn an und lässt ihn ständig zwischen Vernunft und Verlangen schwanken. Nevo verdeutlicht hier, wie stark die menschliche Neugier und die Suche nach Wahrheit die Wahrnehmung und Entscheidungen beeinflussen können.
    In der zweiten Geschichte versucht der Arzt Dr. Caro, seine junge Kollegin zu beschützen, wobei freundschaftlich väterliche Gefühle und sexuelles Begehren sein Handeln beeinflussen.
    Nevo gelingt es, die feinen Nuancen der Beziehungen und die Grenzen zwischen professioneller Distanz und persönlicher Fürsorge sensibel darzustellen.

    Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von Chelli, die den Albtraum erlebt, dass ihr Mann während eines gemeinsamen Spaziergangs im Obstgarten spurlos verschwindet. Diese mysteriöse und schmerzliche Erfahrung stürzt sie in eine Krise, in der sie die Wahrheit über ihre Ehe und ihr eigenes Leben hinterfragt. Nevo beschreibt den emotionalen und psychologischen Aufruhr, der durch plötzliche und unerklärliche Verluste ausgelöst wird, mit großer Eindringlichkeit und Sensibilität.

    Nevos Fähigkeit, komplizierte Bindungen und komplexe Charaktere in subtile, aber eindrucksvolle Geschichten zu verwandeln, macht seinen Roman besonders. Er verzichtet auf übertriebene Dramatik und setzt stattdessen auf leise, aber tief gehende Emotionen und Gedanken.
    Besonders gefallen hat mir die zweite Geschichte, da der Autor hier stilistisch geschickt Musikstücke in die Erzählung integriert.

    „Dann legte ich Schubert auf: die A-Dur-Sonate D 664.“ S. 213

    Die A-Dur-Sonate D 664 von Franz Schubert, auch bekannt als „Klaviersonate Nr. 13“, wurde 1819 komponiert und ist ein typisches Beispiel für Schuberts lyrischen Stil. Sie ist leicht zugänglich und freudig, mit einem ruhigen, nachdenklichen zweiten Satz und einem beschwingten Rondo zum Abschluss. Diese musikalische Struktur unterstreicht die positive Ausstrahlung der Erzählung.
    Im Roman wird die Sonate von Dr. Caro als Metapher für die emotionale Reise der Figuren verwendet.

    Dr. Caro beschreibt die Sonate wie folgt:

    „Die Sonate beginnt mit meinem Lieblingsmotiv, das während des ganzen Stücks immer wiederkehrt und mit jedem Mal anders klingt: Wie ein Kinderspiel. Wie eine Aufforderung zum Tanz. Wie ein pochendes Herz nach einem Badeunfall. Wie eine strenge Rüge. Wie die Erleichterung nach dem Schmerz. Wie das Älterwerden. Wie etwas, das man für einen Augenblick hatte und dann wieder verlor.“ S. 213

    Israelische Bräuche und religiöse Symbolik spielen eine entscheidende Rolle bei der Interpretation des Textes. Der Obstgarten als „pardés“ symbolisiert das Konzept des Garten Gottes und steht metaphorisch für spirituelle Erfüllung. Die Zahl Hundert hat im jüdischen Kontext eine besondere Bedeutung, die Dankbarkeit und spirituelle Achtsamkeit widerspiegelt. In der jüdischen Tradition wird empfohlen, täglich 100 Segenssprüche zu sprechen, was sich in den 100 Worten und 100 Geschichten im dritten Teil des Romans widerspiegelt. Diese Struktur symbolisiert spirituelle Vollständigkeit und Erfüllung.
    Gott wird im Roman sowohl als „Gott der Orthodoxen“, der Gebote und Gebete fordert, als auch als innerer Gott dargestellt, der den Protagonisten hilft, mit Entbehrungen umzugehen.

    Ungewollt enthält der Roman auch einen Bezug zur Realität.

    „Nachdem die Thailänder an uns vorübergefahren waren, hörten wir in der Ferne Musik. Trance-Musik von einer Party. Eine Outdoor-Party, sagte Ofer.“ S. 221

    Dieser Satz hat es in sich. Er führt uns in die. Realität, die der Autor sich ausgedacht hat und bittere Wahrheit wurde.
    „Dass die dritte - die titelgebende - Geschichte "Ein Mann trat ins Paradies“, in der eine männliche Person in einem Hain verschwindet und sich auf einen Rave verirrt, uns heute als Parabel auf das Massaker der Hamas auf dem israelischen Supernova Festival und die Traumata des 7. Oktober verweist, ist der Aktualität geschuldet. "Die Endszene des Buches ist ein Fest, es ist eine Rave-Party", sagt Nevo. "Als ich diese Szene 2020 schrieb, dachte ich an die unschuldigen Partys, an denen ich als Jugendlicher teilgenommen habe." Doch seit dem 7. Oktober bekommt diese Szene eine völlig neue Bedeutung.“
    Quelle: https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Roman-Truegerische-Anziehung-Ein-Me...

    Das Cover zeigt eine Grafik von Marleigh Culver mit schwarzen, schwingenden Linien auf graublauem Hintergrund, die hin und wieder zu einer dicken Linie verschmelzen wie bei einer Achtbahnfahrt.

    Eine Danksagung und besonders Zitate runden die drei Erzählungen ab.

    Fazit
    „Trügerische Anziehung“ von Sokol Nevo ist ein beeindruckendes Werk, das tiefgehende Einblicke in die menschliche Psyche und zwischenmenschliche Beziehungen bietet. Die intensive Erkundung der innersten Gedanken, Zweifel und Konflikte der Charaktere macht das Thema besonders herausfordernd und anspruchsvoll. Nevo gelingt es, durch seine präzise und eindringliche Erzählweise den Leser dazu zu zwingen, sich mit den komplexen emotionalen und psychologischen Dynamiken zu beschäftigen. Dabei werden unbequeme und oft widersprüchliche Aspekte des menschlichen Lebens aufgezeigt, die die Lektüre zu einer intensiven Erfahrung machen."

    Ich meine: Eine besondere Leseerfahrung mit viel Tiefe.

  1. 5
    18. Jun 2024 

    grandios konstruiert, ein Meisterwerk !

    Dieser Roman besteht aus drei Geschichten, die lose miteinander verwoben sind.

    Es geht in allen drei sowohl um das Thema Verlust und damit verbundener Trauer als auch um das Thema Liebe. Eine attraktive junge Frau verliert auf ihrer Hochzeitsreise in Bolivien auf einer Mountainebike Tour ihren Mann. Sie beginnt schon vor diesem Verlust, bei dem unklar bleibt, ob es ein Unfall ist oder gar Mord, einen heißen Flirt mit Omri, ein Israeli wie sie, der auf der Reise die Scheidung von seiner Frau verarbeiten will. Der 68jährige Chefarzt Dr. Caro hat vor kurzer Zeit seine Ehefrau verloren, sie starb an Krebs. Der trauernde Witwer fühlt sich zu seiner deutlich jüngeren Assistenztärztin hingezogen. Die Mitte 40jährige Ehefrau Chelli verliert bei einem Spaziergang durch eine Zitrusplantage ihren Ehemann, er verschwindet zwischen den Bäumen und taucht nicht mehr auf.

    Die drei Protagonisten Omri, Dr. Caro und Chelli haben ein ausgeprägt liebevolles Verhältnis zu ihren Kindern, was der Autor in eindrucksvoller Weise durch Rückblicke auf Szenen ihres familiären Alltags schildert. Man spürt förmlich die behagliche Wärme, die Familie geben kann.

    Die drei Geschichten haben jeweils Elemente eines Krimis, aber auch einer Liebesgeschichte. Letzteres nicht in einem romantisch, kitschigen Sinn. Geschildert werden vielmehr die vielfältigen Aspekte der Anziehung zwischen Mann und Frau: Erotische Leidenschaft; freundschaftlich väterliche Gefühle, in die auch sexuelles Begehren einfließen; die über die Jahre gewachsene tiefe Liebe zwischen Eheleuten.

    Um diese Bandbreite abzubilden, baut der Autor Elemente in die Storys ein, die konstruiert wirken könnten, m. E. aber ein wirksames Mittel im Gesamtzusammenhang des Romans bilden. Was sehr gut deutlich wird ist, dass in den Irrungen und Wirrungen zwischenmenschlicher Beziehungen vieles nicht erklärbar und damit uneindeutig bleibt, je nachdem, aus wessen Sicht berichtet wird und je nachdem, welche Erfahrungen jeder Einzelne in seinem Leben gemacht hat. Wie deute ich die Wahrnehmung anderer, was ist wahr, wo hört die individuelle Interpretation eines Geschehens auf, wo fängt sie an ? All diese Fragen werden durch die psychologisch fein, aber eben nicht eindeutig, ausgeleuchteten Charaktere aufgeworfen.

    Hauptschauplatz des Romans ist Israel. Der Leser erfährt vom jüdischen Brauch der Schiw'a, der Trauer in der ersten Woche nach dem Begräbnis mit Besuchen von Freunden, Bekannten und Angehörigen des Verstorbenen. Man bekommt eine Ahnung davon, wie es ist, in Israel zu leben. Auch die beschriebenen Orte, z. B. die wüstengleichen Landschaften, ein Berg in Obergaliläa, von dem aus man den See Genezareth und das Mittelmeer sehen kann, die Wohnsituationen, Staus auf Autobahnen auch hier, die Hitze und schließlich im letzten Teil die Zitrusplantage, tragen dazu bei.

    Das hebräische Original des Romans lautet übersetzt "Ein Mann betritt einen Obstgarten", eine Anspielung auf eine Geschichte aus dem Talmud, auf die m. E. die drei Geschichten in ihrer Essenz wie auf einen Höhepunkt zusteuern. Zu erwähnen ist unbedingt der Soundtrack des Romans, der sich über die Bandbreite von King Crimson Rock bis hin zu einer Klaviersonate Schuberts erstreckt, was die Fähigkeit Nevos, Gefühle in Worte zu fassen, noch verstärkt.

    Ich bin begeistert von diesem Roman, für mich ein Meisterwerk. 5 Sterne !

  1. 3
    17. Jun 2024 

    Gewagtes Konstrukt

    Der neue Roman von Eshkol Nevo bezieht sich locker auf eine Geschichte aus dem Talmud und ist im Original auch danach benannt: Ein Mann trat ins Paradies. Der Roman besteht aus drei Stories vom Umfang einer Novelle, die sehr lose miteinander verbunden sind. Erst die letzte Geschichte, die in einem Orangenhain ihren Anfang nimmt, vereint alle Protagonisten, was aber inhaltlich nebensächlich bleibt. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist vielleicht, dass das hebräische Wort für Paradies auch „Obstgarten“ bedeuten kann.

    In allen Geschichten ist das typische israelische Lebensgefühl permanenter Bedrohung mehr oder weniger greifbar. Dass in der dritten Geschichte Bezüge zum Überfall der Hamas am 8. Oktober 2023 bestehen, und zwar zum Massaker von Re´im, ist ein fast schon mystisches Zusammentreffen, denn das israelische Original ist bereits 2021 veröffentlicht worden.

    Bei jeder der drei Stories bleiben Zweifel: Stimmt das so wirklich? Etwas wurde zurückgehalten und kommt später ans Licht, und immer noch fragt man sich: War das jetzt alles? Kommt noch was? Die Figuren wollen ihre Version glaubhaft machen, manchmal auch sich selbst gegenüber, und die Leserin muss entscheiden, ob sie daran glauben will. Aber es geht im Roman nicht nur um Lügen, sondern auch um Selbstbetrug: Kann ich meinem dunklen Zwilling in die Augen schauen? Kann ich zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe? In zwei der Geschichten wird das zu einer existenziellen Frage.

    Schuld und Verantwortung ist das Thema, es geht darum, wie gut man seine Nächsten kennen kann, um fließende Grenzen – zwischen Treue - Untreue, Mann – Frau, Cis – Queer, Schuld – Unschuld, Lüge – Wahrheit. Und darum, dass sich in einem Menschen auch Gegensätze vereinen können.

    „Ich dachte, dass es nicht zwingend ein Entweder–Oder sein musste. Entweder Femme fatale oder vom Unglück verfolgt. Entweder sie mochte mich oder sie hatte mich benutzt. Durch und durch gute Menschen gab es nur in Hollywood-Filmen. Echte Menschen sind beides.“

    Der Verlauf der drei Geschichten ist bei jeder vollkommen unvorhersehbar, eine Qualität an sich. Das liegt einmal an Nevos beeindruckendem schriftstellerischem Können, aber auch an einem Übermaß an Konstruiertheit. Der Autor greift zu tief und zu offensichtlich in die Trickkiste.

    Im ersten Teil ist das noch nicht der Fall; diese Geschichte hat mich am meisten überzeugt. Die zweite Story bemüht unwahrscheinliche Zufälle, und im dritten Teil wurde es mir endgültig zu viel: Haben die Widersprüche vorher in den Figuren selbst gelegen, verlagern sie sich nun auch auf das Setting. Die Chronologie passt nicht, bestimmte faktische Elemente stimmen nicht überein, die Uneindeutigkeit wird um der Botschaft willen allzu gewollt hergestellt. Dazu kommt ein Abdriften in Traum- und Trancewelten, was auf mich ziemlich befremdlich wirkte und dazu führt, dass der dritte Teil für sich steht und die Einordnung ins Genre Roman zweifelhaft werden lässt. Natürlich ist jeder Roman ein Konstrukt, schreibt jeder Autor um ein Gerüst herum, um seine Botschaft rüberzubringen. Die Kunst besteht darin, das Gerippe zu verbergen. In Nevos Roman schimmert es deutlich durch.

    Dennoch erzeugt Nevo immer wieder beträchtlichen Lesesog, weil man einfach neugierig ist, wie er seine teils sehr gewagten Konstrukte auflösen wird. Gelungen in diesem Roman fand ich die facettenreiche Zeichnung der Figuren, die bei aller Fehlbarkeit nahbar und sympathisch wirken und niemals vorgeführt werden.

    Ein Roman, der sich leicht und unterhaltsam liest, auch wenn ich mir die Konstruktion eleganter gewünscht hätte.