Tropenkoller: Ausgewählte Romane (detebe)

Buchseite und Rezensionen zu 'Tropenkoller: Ausgewählte Romane (detebe)' von Georges Simenon
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Drei Jahre nach diesem Roman wird Simenon 45° Grad im Schatten schreiben, einen Text, der seine Joseph-Conrad-Lektüre deutlich anklingen lässt. Noch offensichtlicher ist das in diesem Buch, das eben genau die Konfrontation des Europäers mit dem "düsteren Afrika" zum Thema hat.

Joseph Timar, von seiner Familie mehr oder weniger abgeschoben, soll für die Savaco-Handelsgesellschaft von Westafrika aus in den Dschungel reisen, um dort einen Vertreter dieser dubiosen Firma abzulösen. Bereits im Küstenstädtchen Gabun bleibt er hängen, zumal es heißt, sein Vorgänger würde seine Position mit der Waffe in der Hand verteidigen und keineswegs nach Europa zurückkehren wollen -- die Parallelen zu Herz der Finsternis sind klar.

In Gabun verfällt er der ihm fremden Stimmung und der älteren Adèle, die es gewohnt ist, die Männer zu beherrschen, sich jedoch eigentümlicherweise auch in den kleinen Handelsreisenden verliebt. Dies hindert sie jedoch nicht daran, ihn zur Ausführung eines Bodenschwindels einzuspannen. Ebenso undurchsichtig bleibt ihre Beteiligung am Mord eines farbigen Angestellten.

Ein bedrückendes Buch, dessen Stimmung sich der Leser nur schwer entziehen kann. Einmal mehr stellt sich die Frage, was die weißen Imperialisten in "ihren" Kolonien eigentlich gesucht haben, denn eigentlich profitiert haben nur die Geldsäcke in der Heimat, die sich nicht dem ungewohnten Klima aussetzen mussten. Entsprechend lässt Simenon seinen Timar dann auch ein trauriges Ende nehmen -- nicht in Afrika, sondern in einer Zeit nach dem Roman. Über die Welt der Europäer und Nordamerikaner hat er später noch zahllose Bücher geschrieben, die nicht weniger harte Urteile fällen. --Hannes Riffel

Format:Broschiert
Seiten:192
Verlag: Diogenes
EAN:9783257241020

Rezensionen zu "Tropenkoller: Ausgewählte Romane (detebe)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Feb 2016 

    Wunderbare Geschichte, tolle Charaktere, aber...

    Das Buch erzählt eine wunderbare Geschichte von Leidenschaft und Verliebtheit. Zugleich geht es um ein Verbrechen, das dem jungen Protagonisten keine Ruhe lässt. Von Anfang an tauchen wir dabei in die Welt des späteren Kolonialismus in Zentralafrika; ganz nebenher, ohne das man das Gefühl erhält, dass es dem Autor letztlich womöglich darum geht. Charaktere und die Geschichte selbst sind meisterhaft beschrieben und geschrieben - Simenon eben! Leider macht es die andauernde Verwendung von aus heutiger Sicht (das Buch wurde 1933 geschrieben) ungewohnten Begriffen wie Neger, Negerinnen, Negerpolizisten etc. teilweise schwierig, den Roman als solches zu genießen. Es gibt nahezu keine Seite wo derartige Begriffe keine Anwendung finden.