Trinkende Frauen

Buchseite und Rezensionen zu 'Trinkende Frauen' von Leah Odze Epstein (Hrsg.)
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Ob wir trinken oder nicht Alkohol ist Teil unseres Lebens, unserer Kultur. Auch für Frauen. Frauen trinken aus den unterschiedlichsten Gründen: um den Durst zu löschen, um zu entspannen, weil es gut schmeckt, um eine Mahlzeit abzurunden, weil sie süchtig sind, als Teil einer Feier, um zu vergessen. Frauen trinken, weil sie glücklich sind. Und wenn sie traurig sind. Oder bleiben konsequent abstinent. Bitten Sie eine Frau darum, Ihnen eine Trinkgeschichte zu erzählen, wird sie ganz sicher eine auf Lager habe. Meistens sogar mehrere. Sie wird von Erlebnissen mit FreundInnen oder MitarbeiterInnen erzählen, von Mädels-Abenden oder von Geburtstagsfeiern. Doch wenn es um die ganz eigene Beziehung zum Trinken geht, verstummen sie. Bis jetzt. Denn im vorliegenden Buch öffnen sich Frauen zum ersten Mal und erzählen schonungslos ehrlich die unterschiedlichsten Geschichten in Bezug auf ihre ureigene, persönliche Erfahrung mit Alkohol. Die Erlebnisse reichen von überschwänglicher Heiterkeit bis hin zu abgrundtiefer Verzweiflung. Es geht um Erfahrungen, die Mädchen mit ihren trinkenden Eltern gemacht haben; darum, wie sich das Trinken auf Beziehungen auswirkt; um den Umgang verschiedenster Kulturen mit Alkohol; um Geständnisse und Beichten. Es geht ums Saufen auf dem College, um den ersten nüchternen Kuss oder darum, was es heißt, die beste Freundin an den Alkohol zu verlieren. Das Buch, in der sowohl bekannte Schriftstellerinnen als auch Laien-Autorinnen zu Wort kommen, lässt in Bezug auf Frauen und Trinken keine Frage offen und kein Thema unberührt.

Format:Taschenbuch
Seiten:280
Verlag: Louisoder
EAN:9783944153445

Rezensionen zu "Trinkende Frauen"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Apr 2018 

    berührend und aufwühlend

    Ich habe da diese Tasche - eine Bookletta. Viele meiner Blogger-Kolleginnen werden die Marke kennen. Eine rumänische Firma, die als Trägerin ihrer Taschen die Leserin auserkoren hat. Die Besonderheit einer Bookletta ist das Seitenfach in Buchgröße mit einem Sichtfenster. Wir wissen doch alle, wie dekorativ Bücher sind. Man kann sie nicht nur lesen, sie sehen auch noch gut aus. Das Buch wird zum Bestandteil der Tasche, die ich stolz mit mir herumtrage. Denn ein Eyecatcher ist sie alle Male. Ich schwöre, jeder, der mir begegnet, wirft einen Blick auf die Tasche mit dem Buch darin, das ich gerade lese.
    Jetzt habe ich aber ein Buch gelesen, bei dem ich hin- und hergerissen war, ob ich meine Bookletta damit bestücken soll: "Trinkende Frauen" - Erfahrungsberichte von Frauen über ihren Umgang mit Alkohol. Herausgegeben wurden diese Geschichten von Leah Odze Epstein und Caren Osten Gerszberg, zwei US-Amerikanerinnen, die mit ihrem Blog "Drinkingdiaries.com" sehr erfolgreich sind. In Deutschland hat sich der Münchner Verlag Louisoder der "Trinkenden Frauen" angenommen. Das Buch ist vor Kurzem erschienen.

    Warum fällt es mir so schwer, das Buch offen mit mir herumzutragen? Bei "Fifty Shades of Grey" würde es mir auch nichts ausmachen. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich einfach Angst davor habe, in irgendeiner Weise mit Alkohol in Verbindung gebracht zu werden. Werden mir die Leute, die mein Buch sehen, ins Gesicht blicken und denken "die gönnt sich auch gern mal Einen!"
    Wie peinlich! Aber es ist doch so. Ich bin dem Alkohol nicht abgeneigt, bin mehr so der Genuss- und Geselligkeitstrinker. Je älter ich werde, desto mehr hasse ich, die Kontrolle über mich zu verlieren. Insofern trinke ich in Maßen, aber gern - wie wahrscheinlich die meisten unter meinen Lesern. Und trotzdem ist da dieses schlechte Gefühl in mir, wenn ich darüber in der Öffentlichkeit spreche, wie jetzt gerade in diesem Moment, während ich hier schreibe. Wahrscheinlich bin ich auch ein Fall für die Drinking Diaries, von denen 28 Erfahrungsberichte in diesem Buch "Trinkende Frauen" veröffentlicht wurden. Denn hier schreiben Frauen wie du und ich.

    "Wir trinken aus verschiedenen Gründen Alkohol: um den Durst zu stillen, um zu entspannen, weil er uns schmeckt, um ein Essen abzurunden, weil wir süchtig danach sind, zur Selbstmedikation, als Teil einer Zeremonie oder eines Rituals, um zu feiern oder um zu trauern. Wir trinken, wenn wir glücklich sind. Wir trinken, wenn wir unglücklich sind. Und dann gibt es noch die Abstinenzler, für die das Nicht-Trinken genauso ein Thema sein kann wie für andere das Trinken."

    Das Buch beginnt mit einem Vorwort der beiden Herausgeberinnen, indem sie über das Thema "Alkohol" in unserer Gesellschaft philosophieren. Sie erzählen von dem überwältigendem Zulauf auf ihren Blog "Drinkingdiaries.com", der sie veranlasst hat, eine Auswahl von 28 Erzählungen in einem eigenen Buch zu veröffentlichen. Dabei haben sie diese Geschichten in folgende Struktur gebracht:

    Teil 1: Kindheit
    Erste Erfahrungen mit Alkohol

    Teil 2: Beziehungen
    Der Stellenwert von Alkohol in Partnerschaften und Freundschaften

    Teil 3: Kultur und Gesellschaft
    In jeder Kultur wird anders mit Alkohol umgegangen. Doch getrunken wird überall.

    Teil 4: Familie
    Alkohol kann verbinden und zerstören.

    Teil 5: Bekenntnisse
    Alkoholikerinnen

    Die Erzählungen der "Trinkenden Frauen" haben mich sehr berührt, weil ich wahrscheinlich viele Überschneidungen mit meinen eigenen Erfahrungen gesehen habe. Und ich garantiere, dass dies jeder anderen Leserin genauso gehen wird. Denn jede Geschichte ist anders. In der Vielfalt dieser sehr persönlichen Erlebnisberichte wird sich jede Leserin wiederfinden.

    Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind durch die Bank weg in einem sehr ansprechenden Sprachstil geschrieben. Die Frauen, die hier berichten, verstehen ihr Handwerk. Denn sie haben allesamt irgendetwas mit "Schreiben" zu tun: freiberufliche Journalistinnen, Schriftstellerinnen, Bloggerinnen, Dozentinnen, die Schreibseminare geben, Frauen, die Schreib-Workshops abhalten, Lektorinnen, Literaturkritikerinnen ..... Die Reihe ist noch länger. Wer sich für die einzelnen Frauen interessiert, kann mehr über sie am Ende des Buches erfahren.

    Fazit:
    Ich habe gelacht und geweint, habe mich geärgert und war auch manchmal fassungslos. Und immer hat mich das Buch nachdenklich gestimmt: bevor ich es begonnen habe, während ich es gelesen habe und immer noch, seit ich es vor ein paar Tagen beendet habe. Ich danke dem Louisoder Verlag für dieses ungewöhnliche und wundervolle Buch, insbesondere, dass sie den Mut hatten, es überhaupt zu veröffentlichen. Denn Thema und Titel des Buches wecken negative Assoziationen, was den Verkauf eines solchen Buches nicht einfach macht. Da bedarf es schon einiger Werbung für dieses Buch, die ich hiermit gerne mache. Denn das Buch hat es mehr als verdient, gelesen zu werden!
    (Und jetzt gönne ich mir ein Gläschen Wein und verkrümle mich zusammen mit meinem nächsten Buch an meine Lieblingsleseplatz und lasse es mir gut gehen.)

    © Renie