Trink mich!

Buchseite und Rezensionen zu 'Trink mich!' von Gundel Limberg
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Die vierzehnjährige Carolyn hat strenge Eltern und kaum Freunde. Als sie durch Zufall den Literaturwissenschaftler Dr. Wagenblass kennenlernt, scheint sie einen Seelengefährten gefunden zu haben. Endlich gibt es jemanden, der ihr zuhört und mit dem sie über die Bücher sprechen kann, die sie liebt. Doch dann wird eine junge Frau vergiftet. Neben der Toten liegt eine Seite aus Alice im Wunderland – jenem Buch, das Dr. Wagenblass zum Mittelpunkt seiner Forschung gemacht hat.
Ein weiterer Mord geschieht. Auch bei der zweiten Leiche entdeckt die Polizei ein Alice-Zitat. Als Carolyn eines Morgens vor der Haustür einen dritten Ausschnitt aus dem berühmten Kinderbuch findet, begreift sie viel zu spät, dass Lektüre tödlich sein kann.

Format:Kindle Edition
Seiten:304
Verlag: bookshouse
EAN:

Rezensionen zu "Trink mich!"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Feb 2015 

    Wunderwelt oder Albtraum?

    Ein Buch über Bücher, über die Schattenseiten des Lesens und des Lebens... Und über ein junges Mädchen, das seinen Weg erst finden muss, begleitet von einem Mann, dessen Weg am Ende scheint. Zusammen ergibt das eine spannende, originelle Mischung aus Literaturkritik, Krimi und Entwicklungsroman, die richtig Lust aufs Lesen macht!

    Durch das ganze Buch zieht sich ein "Alice im Wunderland"-Motiv. Carolyn, die interessante und sympathische junge Heldin, nimmt quasi die Rolle der Alice ein, und das Wunderland ist die Welt der Erwachsenen, die sich ihr rätselhaft und sogar bedrohlich präsentiert. Ihre Familie versucht, sie in ein Korsett aus scheinheiligem Erfolgswahn und gesellschaftlichen Konventionen zu zwängen, aber sie wächst im Laufe des Buches zunehmend darüber hinaus.

    Dr. Wagenblass, den sie eines Abends verletzt am Wegesrand findet, könnte man als das weiße Kaninchen sehen, dem Alice ins Wunderland folgt. Er wird zu Carolyns Mentor, ihrem Wegbegleiter durch die Welt der Literatur - dabei weiß sie so vieles nicht über ihn. Ist er ein Verrückter? Ein Exhibitionist? Vielleicht sogar ein Mörder? Sie hat Grund, alles davon zu vermuten, und dennoch vertraut sie sich ihm an. Was immer er auch ist, er ist vor allem ein faszinierender Protagonist, der sich nicht in Schubladen stecken lässt.

    Ich fand das Buch auf viele verschiedene Arten packend und aufregend! Die klassische Thriller-Spannung: Wer hat die Morde begangen und warum? Die fesselnde psychologische Entwicklung der Protagonisten. Die vielen mitreißenden Einblicke in die verschiedensten Werke der Literatur. Zusammen ergab das für mich eine stimmige Mischung, die ich als unheilbar Buchsüchtige unwiderstehlich fand.

    Manchmal fand ich die Sprache der jugendlichen Charaktere nicht überzeugend, abgesehen davon hat mir der Schreibstil aber sehr gut gefallen. Er vermittelt mühelos das Gefühl des Fremdartigen, des Bedrohlichen hinter der Normalität, von dem das Buch lebt.

    Bei diesem Buch von Romantik zu sprechen ist gefährlich. In der Auswahl der Bücher, die Dr. Wagenblass für Carolyn trifft, lässt sich ein gewisses Grundmotiv erkennen, aber manches lässt man besser angedeutet und nicht bis zum scheinbaren Schluss durchdacht, um den Charakteren nicht unrecht zu tun... Hier gibt es kein Schwarzweiß, nur unzählige Schattierungen von Grau, und das ist meiner Meinung nach auch gut so.

    Fazit:
    Meiner Meinung nach der ideale Thriller für Leseratten, denn so ganz nebenher entdeckt die jugendliche Heldin die manchmal abgründige Welt der Literatur. Das Buch lebt genauso sehr von seinen zwiespältigen Charakteren wie von der klassischen Thriller-Spannung, die sich aus den Mordfällen ergibt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Jun 2014 

    Geniale Geschichte

    Die 14-jährige Carolyn hat fast keine Freunde. Das liegt zum größten Teil an ihren sehr strengen Eltern. Da sie in Französisch nicht die Beste ist, muss zur Nachhilfe. Dumm nur, dass die Nachhilfelehrerin auf einem alten Aussiedlerhof wohnt und Carolyn jedes mal durch eine dunkle Unterführung an den Bahngleisen muss. Auf ihrem Weg nach Hause findet sie einen verletzten Mann, der wohl mit seinem Fahrrad gestürzt ist. Sie hilft ihm nach Hause und freundet sich dem etwas verrückten Dr. Wagenblass an. Er scheint der einzige zu sein, der sie ernst nimmt und sie versteht. Doch dann wird auf den Feldern eine weibliche Leiche gefunden. Neben der Leiche ein Blatt aus dem Buch "Alice im Wunderland". Ist das nicht genau das Thema mit dem sich Dr. Wagenblass beschäftigt? Carolyn weiß nicht wem sie noch trauen kann. Und dann wird eine zweite Leiche gefunden.Und wieder liegt ein Alice-Zitat neben ihr. Ist Carolyn die Nächste?

    Der Klappentext des Buch hat mich sofort angesprochen. Immerhin geht es um Lewis Carroll und seine Alice-Bücher. Für den Autor habe ich mich schon immer interessiert und wer kennt nicht die Geschichte von Alice im Wunderland. Das Buch schien also wie für mich geschrieben.

    Ich lud es mir auf meinen Kindle und wollte es nur nur mal kurz anschmökern. Als ich dann das erste mal den Kopf hob, hatte ich mehr als die Hälfte gelesen. Jede Unterbrechung die mich zwang das Buch aus der Hand zu legen war die reinste Folter für mich. Ich musste einfach wissen wie es weiter geht und las mit müden Augen bis die Geschichte zu Ende war.

    "Vielleicht ist es gut, verrückt zu sein", sagte sie, in einem Versuch, ihr Gefühl zu erklären, es zu verstehen. "Vielleicht ist es richtig". Das einzig Richtige, um diese Welt abzuwehren, die hauptsächlich Angst und Schmerz und viel zu vielen Fragen bereithielt." (Kindle 70 % Pos. 3232)

    Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so gefesselt. Es stört auch überhaupt nicht, dass die Protagonistin erst 14 Jahre alt ist. Ihr zur Seite steht Dr. Wagenblass, von dem man nie weiß, ob er jetzt zu den Guten gehört oder nicht. Warum wurden diese Mädchen getötet? Warum lagen überall Zitate aus Alice?

    Carolyn tat mir richtig leid. Mit so einem Vater braucht man echt keine Feinde. Warum, das müsst ihr selbst lesen. Ich war jedenfalls immer kurz davor, ihm den Hals umdrehen zu wollen. Ihre Mutter ist auch nicht viel besser. Ich konnte absolut verstehen, dass Wagenblass ein väterlicher Freund für sie wurde, vor allen Dingen weil sie beide Bücher lieben und wunderbar darüber diskutieren konnten.

    Der Schreibstil der Autorin ist einfach unglaublich. Sie hat mich förmlich mitgerissen und ihre Charaktere wirken lebendig, sind facettenreich und sehr authentisch. Ich habe mich natürlich gefragt, warum ich von der Autorin noch nie was gehört hatte. Aber das ist kein Wunder, wo sie doch sonst unter dem Namen B.C. Bolt schreibt.

    Ihr seht, ich habe mal wieder ein Buch gefunden, das mich restlos begeistert. Es ist keiner dieser bluttriefenden Thriller, er ist eher einer der leiseren, dafür aber um so interessanteren Geschichten mit viel Hintergrund, bei dem ganz auf Schockmomente verzichtet wurde. Ich vergebe für dieses wundervolle Buch 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung. Und jetzt werde ich mir ein Buch von B.C. Bolt auf den Kindle laden und schauen, was Frau Limberg in Sachen Fantasy so einfällt.

    ©Beate Senft