Totenlied

Buchseite und Rezensionen zu 'Totenlied' von Tess Gerritsen
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Eine verstörende Melodie, ein tragisches Schicksal, ein tödliches Geheimnis ...


Von einer Italienreise bringt die Violinistin Julia Ansdell als Souvenir ein altes Notenbuch mit nach Hause. Es enthält eine handgeschriebene, bislang völlig unbekannte Walzerkomposition. Julia ist fasziniert von dem schwierigen Stück, doch jedes Mal, wenn sie die aufwühlende Melodie spielt, geschehen merkwürdige Dinge. Etwas Bösartiges geht von dem Walzer aus, etwas, was das Wesen von Julias dreijähriger Tochter auf beunruhigende Weise zu verändern scheint. Weil niemand ihr Glauben schenkt, reist Julia heimlich nach Italien, um nach der Herkunft der mysteriösen Komposition zu forschen ...


Format:Hörbuch-Download
Seiten:0
EAN:

Rezensionen zu "Totenlied"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Feb 2018 

    So viel mehr als ich erwartet habe...

    Ich kenne von Tess Gerritsen ausschließlich die Bücher der Rizzoli und Isles Reihe und war nun neugierig, ob mich die Autorin auch ohne meine Lieblingscharaktere überzeugen kann, doch was sie mir hier geboten hat, das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

    In der Geschichte geht es um Julia Ansdell, die von einer Konzertreise in Rom ein uraltes Notenbuch mit einem mysteriösen Walzerstück mitbringt. Kaum Zuhause muss sie dieses Stück spielen. Doch beim Spiel des Stücks passieren jedes Mal seltsame Dinge. Ist das Stück verflucht? Julia kann das Stück nicht mehr vergessen, wird es ihr Leben für immer zerstören?

    Die Ereignisse werden uns über zwei Handlungsstränge näher gebracht. Da haben wir zum Einen die Gegenwart, in der wir Julia bei ihrer Recherche zu dem ominösen Walzer begleiten. Zum Anderen wandeln wir in der Vergangenheit gemeinsam mit Lorenzo und seiner Familie, die als Juden in Italien zur Zeit des zweiten Weltkrieges lebten. Die Handlung hier wird beginnend ab 1938 erzählt.

    Mir hat hier wirklich außerordentlich gefallen, dass die Autorin die Handlung über zwei Zeitem dem Leser näher bringt und vor allem dass sie meine Lieblingsepoche gewählt hat.

    Mit Julia als Charakter fühlt man direkt mit. Man spürt ihre Verzweiflung und ihre Angst, dass ihr Leben aufgrund dieser Melodie sich so stark verändert hat, dass nichts mehr ist wie es mal war. Die Auflösung ihres Problems kam für mich völlig überraschend, aber absolut logisch und nachvollziehbar.

    Noch viel mehr als Julias Geschichte hat mich alles um Lorenzo gefesselt. Er ist ein so herzensguter Charakter, der für seine Familie alles getan hat. Und auch Familie Balboni, die die Juden so tatkräftig unterstützt, war sehr gut dargestellt. Die zarten Bande zwischen Lorenzo und Laura berühren einen zutiefst und machen die Judenverfolgung umso tragischer für die beiden. Bei der Beschreibung wie Lorenzo als Musiker im KZ aufspielen muss, hatte ich Tränen in den Augen.

    Ich fand sehr interessant, dass es die Judenverfolgung auch in Italien gegeben hat, das war mir bisher nicht wirklich bekannt. Ebenso wenig, dass es dort Vernichtungslager gab.

    Fazit: Eine tief bewegende Geschichte, die mehr als nur ein Thriller ist. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen, da mich dieses Buch tief bewegt hat. Spitzenklasse!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Aug 2016 

    Nur ein Walzer

    In einem Trödelladen in Rom entdeckt die Musikerin Julia Ansdell ein altes Notenblatt. Wegen ihrer musikalischen Ausbildung kann sie sich die Melodie des Walzers gleich vorstellen und sie muss das Stück unbedingt haben. Voller Stolz präsentiert sie das Stück nach ihrer Heimkehr ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Das Vorspielen des anrührenden Walzers scheint allerdings beinahe schon unheimliche Auswirkungen zu haben. Beim ersten Mal findet Julia den betagten Familienkater tot, offensichtlich wurde er mit mehreren Stichen getötet. Das zweite Mal endet damit, dass Julia eine Wunde von einer Scherbe in ihrem Bein hat. Das kann doch nicht ihre erst dreijährige Tochter gewesen sein. Aber sonst war niemand da…

    Des Öfteren überziehen sich die Arme mit einer Gänsehaut, wenn man zuhörend verfolgt, was mit Julia Ansdell und ihrer Familie geschieht. Es ist doch nicht möglich, dass so ein kleines Kind auf die eigene Mutter losgeht, oder? Doch das ist nur ein Teil. Julia möchte ergründen, weshalb ein unschuldiges Musikstück solch negative Auswirkungen auf sie hat. Und so offenbart sich nach und nach die tragische und berührende Geschichte des Musikstücks, des grauenvollen Schreckens, dem sein Komponist ausgesetzt war, aber auch einer großen Liebe.

    Unheimlich, unheimlich berührend und ausgesprochen spannend, was Tess Gerritsen hier hervorgebracht hat. Ganz anders als die Rizzoli & Isles Krimis und gerade weil sich dadurch eine andere Facette der Autorin offenbart besonders faszinierend. Verstärkend kommt hinzu, dass Mechthild Großmann ihre Stimme hervorragend einzusetzen versteht. Von dem dahin gehauchten „Mami!“ mag man zunächst kaum glauben, dass es in ihr steckt. Und wie sie es vermag, den sehr unterschiedlichen Szenarien stimmlich gerecht zu werden, ist schon eine besondere Kunst. Gefesselt gibt man sich den Schauern hin, die die Geschichte und ihr Vortrag entfesseln. Ein ungewöhnlicher Thriller, in dem die europäische Geschichte geschickt mit den bedrohlich wirkenden Ereignissen der Gegenwart verknüpft wird.

    Bravo, Tess Gerritsen. Bravo, Frau Staatsanwältin.
    4,5 Sterne