Töchter

Buchseite und Rezensionen zu 'Töchter' von Lucy Fricke
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Töchter"

Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Eine letzte, finale Fahrt soll es werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben.
Martha und Betty kennen sich seit zwanzig Jahren, und sie entscheiden sich fürs Durchbrettern. Vor sich haben sie das Ziel, von hinten drängt das nahende Unglück. «Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit Martha. Die wenigsten Frauen lachten über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes. Frauen redeten darüber, bis sie weinten und nichts mehr zu retten war. Was das Leiden betraf, verstanden Frauen keinen Spaß.»
Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die wehtut, erzählt Lucy Fricke von Frauen in der Mitte ihres Lebens, von Abschieden, die niemandem erspart bleiben und von Vätern, die zu früh verschwinden. Eine groteske Reise Richtung Süden, durch die Schweiz, Italien, bis nach Griechenland, immer tiefer hinein in die Abgründe der eigenen Geschichte. Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus?

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:226
EAN:

Rezensionen zu "Töchter"

  1. 5
    04. Mai 2022 

    Von Töchtern und Freundinnen

    Lucy Fricke schickt ihre beiden Protagonistinnen Martha und Betty auf einen heiteren Roadtrip mit traurigem Ausgangspunkt. Marthas Vater Kurt hat Krebs und möchte in die Schweiz gefahren werden, um dort Sterbehilfe zu erhalten. Doch Martha fährt sei Ewigkeiten kein Auto mehr und erst recht nicht im alten, roten Golf des Vaters. Also muss die beste Freundin ran, Betty. Diese ist die Ich-Erzählerin des Romans und schnell entwickelt sich die Geschichte zu einer, die sich nicht allein um Martha und Kurt sondern auch um Betty und ihre verschwundenen Väter – und einen im Speziellen – dreht. Denn Betty war eigentlich gerade dabei das Grab ihres Ziehvaters in Italien zu besuchen, etwas was sie bereits zehn Jahre vor sich herschiebt.

    So entwickelt sich aus dieser Ausgangssituation ein wahnwitziger Roadtrip, in dem es nicht nur um die Beziehungen zwischen Töchtern und ihren Vätern sondern eben auch immer wieder um die Freundschaft der beiden Frauen untereinander. Diese ist nicht ein Paradebeispiel für die Freundschaft unter „besten Freundinnen“, sondern zeichnet sich oft durch Abwesenheit im Alltag aber vor allem Anwesenheit, wenn es darauf ankommt, aus. Fricke schafft es gekonnt durch aufhellenden Sprachwitz in ganz präzisen, kurzen Sätzen die Beziehung der Protagonist:innen untereinander herauszuarbeiten. Es entsteht eine kuriose aber auch letztendlich immer warme Geschichte zu einer Freundschaft durch nicht nur gute aber vor allem schlechte Zeiten.

    „Töchter“ ist der Inbegriff des rasanten Roadtrips durch halb Europa, der immer wieder an Fahrt gewinnt und sich fluffig, flott lesen lässt, und genauso, wenn es notwendig wird, in einer Szenerie anhält, um den Befindlichkeiten seiner Figuren nachzuspüren. Das Tempo beherrscht die Autorin meisterhaft und macht dadurch und durch die Liebe zu den einzelnen Figuren als auch dem niemals zu abwegig werdenden Plot dieses Buch zu einer hellen Freude am Lesen und Leben.

    Der Roman bekommt glatte 5 Sterne von mir, da er mich über seine perfekte Konstruktion und seinen witzigen Schreibstil definitiv auch emotional bewegen konnte. Eine große Leseempfehlung meinerseits für diese perfekt inszenierte Reise zweier Frauen zu ihren Vätern, zueinander und letztendlich auch zu sich selbst.

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