Tod in Perchtoldsdorf: Kriminalroman

Rezensionen zu "Tod in Perchtoldsdorf: Kriminalroman"

  1. Wein, Weib...und ein paar Tote

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jun 2020 

    Perchtoldsdorf, eine Marktgemeinde am südlichen Stadtrand von Wien gelegen. Der Ort ist bekannt für seine Weinkultur und seine Sommerfestspiele. Auch heuer soll wieder in der Burg zu Perchtoldsdorf Theater gespielt werden Doch in diesem heißen Sommer wird aus Shakespeares Sommernachtstraum bald ein Alptraum, als der Hauptdarsteller bei der Premiere auf offener Bühne ermordet wird. Die ehemalige Polizistin und Jungwinzerin Charlotte Nöher wollte eigentlich nur ihren Wein vermarkten, aber ihre naturgegebene Neugier lässt sie bald mitten ins Geschehen der Ermittlungen treiben. Denn es bleibt nicht bei nur einer Leiche….
    Christian Schleifer, gebürtiger Perchtoldsdorfer und in seinem Brotberuf unter anderem Sportjournalist, hat mit seinem Debütkrimi „Tod in Perchtoldsdorf“ einen witzigen und spritzigen Regionalkrimi vorgelegt. Der Autor schreibt, wie man bei uns im Osten Österreichs spricht. Das fällt auf und mag auf Nicht-Österreicher etwas gewöhnungsbedürftig wirken, passt aber gut in den Gesamteindruck.
    Schleifers Cast ist weiblich, das mag ich: Charlotte Nöher, ihre Lebensgefährtin Andrea, die Mutter, Großmutter, Schwester. In Perchtoldsdorf haben die Frauen die Hosen an.
    Charlotte (französisch ausgesprochen, darauf legt sie Wert) gefällt mir als Protagonistin außerordentlich gut. Sie hat Hausverstand, Mut und Grips. Das Herz trägt sie am richtigen Fleck und wenn sie eine Spur aufgenommen hat, lässt sie sich von nichts und niemanden stoppen. Auch die anderen handelnden Figuren hat der Autor in seinem mit Krimi in fünf Aufzügen bis in die Nebenrollen (ich sage nur Omama) top besetzt. Allein die (lustige) Witwe des Mordopfers war mir ein bisschen zu operettenhaft.
    Das Buch besticht hauptsächlich mit den gut beobachteten zwischenmenschlichen Ereignissen: Liebe, Eifersucht, Leidenschaft. Manchmal verliert sich die eigentliche Kriminalhandlungen an (zugegeben erheiternden) Nebenschauplätzen, was den Kriminalroman auch ein bisschen zum Heimatroman macht. Immerhin spielt der Krimi in meiner Wohngemeinde, alles was der Christian Schleifer hier über den Ort und seine Bewohner erfunden hat entspricht auch ein bisschen der Wahrheit.
    Alles in allem hat mir „Tod in Perchtoldsdorf“ ein sommerliches Lesevergnügen bereitet, das ich gerne genossen habe.

  1. Perchtoldsdorfer Festspiele

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Jun 2020 

    Perchtoldsdorf vor den Toren Wiens – ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Sanfte Rebhügel, schöne Weingüter, urige Heurigenlokale und eine zum Festspielort umgebaute Burgruine. Was für ein tolles Ambiente für die Sommerfestspiele, Shakespeares Sommernachtstraum kommt zur Aufführung. Für Charlotte Nöhrer, die erst vor kurzem das elterliche Weingut übernommen hat, eine tolle Gelegenheit, ihren neuen Wein vorzustellen. Charlotte, die Ex-Polizistin, hat viele Ideen, den Betrieb noch erfolgreicher zu machen. Da sehen naturgemäß nicht alle gern. Vor allem die älteren Winzer beobachten Charlotte voller Misstrauen.

    Am Premierenabend ist der Nöhrer-Weinstand gut umlagert, ihr Schüttelwein – den Namenswitz muss sie leider jedem Kunden erklären – kommt gut an. Aber dann stirbt der Oberon, ein bekannter Schauspieler und die Charlotte erkennt sofort: das war Mord.

    Gut, dass Cousin Leo der ermittelnde Revierinspektor ist, da kommt sie an Informationen aus erster Hand und Leo nimmt auch ihre Einmischung nicht krumm. Er weiß ja um ihre beruflichen Fähigkeiten.

    Der Krimi ist ein weinseliges und amüsantes Vergnügen. Rund um Shakespeares Stück entwickeln sich menschliche Dramen und Abgründe. Dazu kommen die Familienturbulenzen bei den Nöhrers. Charlottes jüngere Schwester präsentiert den italienischen Freund samt Familie und Charlotte gewährt auch noch der nicht sonderlich traurigen Witwe ein Obdach. Auf dem Nöhrerhof geht also recht lebhaft zu.

    Mit viel Esprit und sprachlichem Witz entwickelt Christian Schleifer seinen Plot. Dabei muss sich der Leser auch an die Eigenheit gewöhnen, dass Namen immer ein Artikel vorgestellt wird. Aber das fand ich ganz passend. Seinen Figuren hat er ebenfalls – bis auf einige, im Krimi notwendige Ausnahmen – viel Charme mitgegeben. Die „Omama“, der Ankerpunkt der Familie, schließt man sofort ins Herz. Charlotte, die auf der französischen Aussprache ihres Namens besteht, hat als Hauptfigur besonders viel Augenmerk bekommen. Tüchtig, weltoffen und mit ihrer Herzensfreundin Andrea ein tolles Gespann, rockt sie das Weingut und nebenbei auch noch den Kriminalfall, dabei scheut sie auch vor brenzligen Situationen nicht zurück.

    Ich habe mich mit diesem Krimi sofort wohlgefühlt, Familie und Weingut nehmen viel Platz in der Geschichte ein und das fand ich hier richtig passend. Auch wenn ich durch den begrenzten Personenkreis schon bald einen Verdacht hatte, bleibt die Geschichte aber bis zum Schluss sehr spannend und mündet auch in eine fulminante Auflösung.

    Der Autor hat einen weiteren Band versprochen, wie schön, denn ich würde gern mehr von Charlotte und ihrem Treiben lesen.

    Das Titelbild ist übrigens wieder ein richtiger Blickfang. Emons schafft es immer wieder Cover passend zum Inhalt und unverwechselbar für den Verlag zu gestalten.