Tod in Marburg: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Tod in Marburg: Kriminalroman' von Felix Scholz
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Tod in Marburg: Kriminalroman"

Frankfurter Griesgram ermittelt mit linkem Weltverbesserer unter Marburger Burschenschaften. Eine junge Forscherin steht kurz vor einem bedeutenden Durchbruch in der Impfstoffentwicklung. Doch dann wird sie tot in der Lahn aufgefunden – durchbohrt von einem mittelalterlichen Degen. War Industriespionage das Motiv, oder haben sich die ultrarechten Burschenschaften Marburgs an einer alten Widersacherin gerächt? Die beiden nicht ganz freiwillig zusammenarbeitenden Kommissare Momberger und Zassenberg tauchen tief in die Milieus der Universitätsstadt ein – um am Ende zu einer schockierenden Lösung zu kommen.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:272
Verlag: Emons Verlag
EAN:9783740814113

Rezensionen zu "Tod in Marburg: Kriminalroman"

  1. Eine Kritik

    Es war einmal
    vor langer Zeit
    in einer Stadt, von der man sagen kann, dass sie nicht so weit entfernt liegt. Das lässt sich auch mathematisch beweisen, denn von Marburg braucht es nur 66 Kilometer bis zum Mittelpunkt der Bundesrepublik. Das ist ganz gut; andere Städte liegen weiter weg.

    Scholz kann drei Dinge gut: Comedy schreiben, Comedy in Krimis schreiben, und seine Partei auf 25,7 % bringen.
    Offenbar kann er noch ein viertes Ding gut, nämlich Krimis schreiben.
    Wir schlagen einen Roman auf, der zu gleichen Teilen Krimi und Reiseführer ist. Manche Leuten sagen: "Ein Krimi ist so gut, wie seine Hauptfiguren sympathisch sind". Aus anderen Mündern schallt es: "Ein Krimi ist nur so gut, wie sein Bösewicht gut ist.". Eine Geschichte macht aber noch wesentlich mehr aus, als uns diese unbekannten Geistesgrößen vermitteln wollen. Hören wir nicht auf sie, bilden wir uns unsere eigenen Meinung.

    Als Krimi:
    Graz persönlich empfinde ich einen Krimi als gelungen, wenn ich mir beim Augenblick der Auflösung in die Haare fahre, weil ich Hinweise auf den Mörder, die im ganzen Buch verstreut waren, nicht erkannt hatte. Schlimmer wird es, wenn ihnen eine gewisse Offensichtlichkeit zugrunde liegt. Genau das ist in diesem Buch passiert. Scholz nimmt sich Agatha Christie zum Vorbild, auf die er auch wörtlich verweist, und löst den Fall in einer Szene auf, die an den berühmtesten französischsprachigen Detektiv, neben Inspektor Clouseau, denken lässt, wie er im Orient-Express oder auf dem Nildampfer steht und der versammelten Menge die Lösung des Falls mitsamt all seinen Denkstufen, die er seit Fund der Leiche erklommen hat, präsentiert. Scholz gelingt es bemerkenswert, aus dieser Referenz ein Werkzeug zu machen, das den gestandenen Krimilesenden belohnt, und jenen, der sich für einen solchen hält, klarmacht, beim nächsten Mal ein wenig besser aufzupassen. Die Auflösung kommt runter rüber, Fehler und Widersprüche sind nicht aufgefallen.
    Bis dahin gilt es sich mit diversen Verdächtigen auseinanderzusetzen; einige offensichtlich rote Heringe, andere im engen Kreis der möglichen Mörder. Was mich angeht, da habe ich erst ganz zum Schluss von meiner falschen Fährte abgelassen, in der ich mit Überzeugung die Schuld gesehen habe. Und das ist doch schließlich das, was man von einem guten Krimi erwartet: Man möchte sich seine Theorien bilden und mit zitternden Händen dem näherschreitenden Ende entgegenlesen. Scholz liefert hier gutes Krimihandwerk ab. Hut ab, Buch zu.

    Als Lokalkrimi:
    Wer in Marburg im Hauptbahnhof aussteigt, ist selbst schuld, wenn er sich einen Reiseführer in der Bahnhofsbuchhandlung schnappt. Scholz` Krimi bietet alle Touristenformationen, die man braucht, und darüber hinaus noch eine spannende Geschichte. Doppelter Gewinn.

    Die Figuren:
    Hier liegt der Pfeffer unausgeliefert im Keller und dünstet merkwürdige Gerüche aus. Ganz der Manier bestimmter Hollywood-Streifen, werden zwei gegensätzliche Mordermittler miteinander einer Aufgabe betraut. Ganz der Manier bestimmter Hollywood-Streifen, mag man sich am Anfang gar nicht riechen, bis einen die Arbeit zum Kennenlernen zwingt, un man sich schließlich so etwas wie "Kollegen-Freunde" schimpft.
    Mir persönlich fiel es schwer, in Momberger mehr als ein laufendes Klischee zu sehen. Der tatsächliche Charakter blieb mir verborgen, auch wenn ich mir sicher bin, dass Scholz ihn da irgendwo reingesteckt hat. Momberber nervt. Er wirft ständig mit Klischees und Vorurteilen um sich, die ihn davon abhalten, die Auflösung des Falls in welcher Weise auch immer weiterzubringen. Am Ende muss er sich eingestehen, dass es auch ohne ihn und seine abfälligen Kommentare gegenüber Verdächtigen funktioniert hätte. Er wirkt im Gegensatz zu seiner gepredigten Weltoffenheit eher verbaut und konservativ. Wie ein echter Mensch wirkt er nicht.
    Zassenberg kommt an und meckert. Das hat er mit seinem Marburg Kollegen gemein; der Unterschied findet sich jedoch in seiner tatsächlichen Kompetenz, die er ganz zum Schluss auch grundsolide offenlegt. Für die Spannung natürlich gut, dass er all seine Fortschritte und Überlegungen für sich behält, seinem Kollegen gegenüber aber nicht sehr nett. Zwiespalt. Zassenberg verwandelt sich eher in einer interessante Figur denn eine sympathische.
    Der Rest der Entourage macht einen guten Job für das, was sie tun sollen. Jeder hat so seine Eigenschaft, seinen Wiedererkennungswert, und bleibt darum im Kopf.

    Der Humor:
    Haut rein. Diagnose: lustig

    Fazit:
    Scholz hat einen wirklich guten Krimi abgeliefert. Das Auge für Details ist angebracht, die Verdächtigen existieren in einer solchen Zahl, dass man nie zulange bei einem Verdacht bleibt.
    Wer sich an Marburg erinnern will, oder seine Stadt mal im Rampenlicht sehen möchte, der darf auch zugreifen. Die Beschreibungen der Lokalitäten fließen organisch in die Handlung ein. Trotz Mombergers Bestimmung als Reiseführer, hat man nur in drei von vier Fällen das Gefühl, grade einen Ort zu besuchen, nur damit Scholz ein wenig darüber erzählen kann.
    Mein Problem liegt in den Hauptfiguren, darum gibts auch nicht die volle Punktzahl.
    Leseempfehlung? Wenn man Krimis mag, dann ja. Wenn man lieber über die Grauen des Krieges erfahren möchte, dann empfehle ich Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues".

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  1. Vergnüglicher Debutroman

    Eduard Momberger ist unbestritten die Nummer 1 der Marburger Kriminalpolizei. Doch nun wird ihm im aktuellen Fall Philipp Zassenberg von der Mordkommission Frankfurt vor die Nase gesetzt, ein ähnliches Alpha-Männchen wie er selbst, da sind die Auseinandersetzungen vorprogrammiert.

    In der Lahn wird die Leiche einer jungen Pharmazeutin gefunden, die kurz vor einem Durchbruch in der Impfstoffentwicklung stand. Da ihr Ehemann Verbindungen in die höchsten Kreise der hessischen Landespolitik hat, kommt es zu der oben beschriebenen Ausgangssituation. Ansatzpunkte haben die beiden Ermittler einige, so etwa kommt Industriespionage ins Spiel. Allerdings deutet die Tatsache, dass die Ermordete von einem Degen durchbohrt wurde, auch in Richtung der mächtigen Marburger (rechtslastigen) Burschenschaften, mit denen sich das Opfer, ein Flüchtling aus dem Iran, angelegt hatte. Und als dann auch noch die Tatsache bekannt wird, dass die Wissenschaftlerin eine lesbische Beziehung hatte, rückt auch ihr in Glaubensfragen dogmatischer Bruder in den Kreis der Verdächtigen auf. Genug Arbeit also für Momsen und Zaster (so die Spitznamen der beiden Ermittler). Dabei kommen sie sich, auch unter zuhilfenahme etlicher Gläser Bier, deutlich näher, so dass man schon fast von einer Freundschaft sprechen könnte.

    "Tod in Marburg" ist der erste Roman des Autoren Felix Scholz, dem hoffentlich weitere mit dem gleichen Ermittlergespann folgen werden. Als ehemaliger Student in dieser Stadt habe ich den Roman gleich nach seiner Vorankündigung im emons-Verlag vorbestellt. Auch wenn meine Tage dort schon sehr, sehr wei zurückliegen, ist mir doch so Einiges vergegenwärtigt worden. Den Spruch "Marburg hat keine Universität, Marburg ist eine Universität" gab es auch vor vier Jahrzehnten, die Auseinandersetzungen der traditionell eher links eingestellten Studenten mit den Burschschaftlern, deren Häuser in den besten Lagen der Stadt zu finden sind, gab es ebenfalls, jährlicher Höhepunkt war das Trillerpfeifenkonzert beim Maiansingen der Burschenschaftler auf dem Rathausplatz. Was die beschriebenen Orte anbetrifft, wer einmal dort gelebt hat, wird einiges wiedererkennen, auch wenn es bisweilen verfremdet dargestellt worden ist. Aber Marburg-Kenner wissen natürlich, was mit dem Hotel "Zum Stern" und der gegenüberliegenden Kneipe "Miraculix" gemeint ist. Ledigglich bei der "Tränke" bin ich mir unsicher, die beschriebene Lage schließt die "Destille" aus, der beschriebene Raum das "Pegasus". Aber vielleicht ist da ja auch eine Lokalität aus späterer Zeit, denn diesbezüglich hat sich Marburg in den letzten Jahren dann ja doch etwas verändert (Umzug des "Quod Libet, meiner damaligen Stammkneipe, Schließung des "Slots").

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