Tiger: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Tiger: Roman' von Polly Clark
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Tiger: Roman"

Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783961610990

Rezensionen zu "Tiger: Roman"

  1. Auch Tiger sind nachtragend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Mär 2021 

    Klappentext

    Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.

    Eindruck und Bewertung

    Nachdem ich in diesem Jahr schon Bücher wie „Der Gesang der Flusskrebse“ und „Das Flüstern der Bäume“ gelesen habe, wollte ich dieses verkorkste Jahr noch mit einem weiteren Naturroman abschließen.

    Ich persönlich finde das Beste an Büchern ist, dass uns die darin abgebildeten Wörter in fremde Länder reisen lassen oder man Geschichten aus den Augen unterschiedlichster Menschen oder gar aus den Augen von Tieren betrachten kann. Dieses Buch macht es möglich.

    Das Buch ist unterteilt in vier Erzählstränge. Man startet mit der Geschichte rund um Frieda, einer studierten Primatenforscherin. Sie studiert das Leben der Bonobos. Ihr eigenes Leben wurde aufgrund eines Überfalles grundlegend aus der Bahn geworfen. Ihre wachsende Morphinabhängigkeit macht es ihr kaum möglich ein anständiges Leben zu führen.

    Im zweiten Teil begleiten wir Tomas auf seinen Streifzügen durch den sibirischen Primärwald. Tomas ist Naturschützer in der tiefsten russischen Taiga. Er ist auf der Suche nach der Gräfin. Einer spektakulären Tigerdame, die gemeinsam mit ihren beiden Jungen durch die Wälder zieht. Da sich in Kürze ein hoher Regierungsbeamter ein Bild von Tomas Reservat machen möchte, ist er auf der Suche nach zeitnahen Fotoaufnahmen der Tigerfamilie. Er hofft, dass dieses Projekt Anerkennung bis hinauf zum russischen Präsidenten Vladimir Putin findet.

    Wir bleiben in Sibirien. Der dritte Teil handelt von Edit und ihrer Tochter Sina. Diese Geschichte ist etwas ruhiger als die beiden anderen, ähnelt aber eher einem Abenteuerroman und handelt in erster Linie von der Unwirtlichkeit der sibirischen Taiga. Faszinierend detailliert dargestellt.

    Auf den letzten Teil war ich am meisten gespannt, wird dieser Teil doch aus den Augen des Tigers erzählt wird. Quasi „The Eye of the Tiger“. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Die Geschichten wurden allesamt mühevoll aufgebaut und hier es nun soweit, alle Handlungsstränge finden gekonnt zueinander.

    Der Erzählstil von Polly Clark hat mich sowas von überzeugt. Jedes Kapitel fand ich derartig dynamisch erzählt, dass es mir teilweise vorkam, als würde sich meine Lesegeschwindigkeit überschlagen. Gerade die abwechselnden Erzählungen, die gut durchdachten Charaktere und die Liebe zum Detail machen dieses Buch zu einer runden Sache.

    Autor

    Polly Clark wurde in Toronto geboren und lebt abwechselnd an der schottischen Westküste und auf einem Hausboot in London. Ihre Lyrik wurde mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, und ihr erster Roman Larchfield, für den sie den MsLexia Prize gewann, u.a. von Margaret Atwood, John Boyne und Richard Ford hochgelobt. Während ihrer Arbeit als Wärterin im Edinburgher Zoo begann sie sich für den vom Aussterben bedrohten Sibirischen Tiger zu interessieren. Für die Recherchen an Tiger reiste sie in die russische Taiga, wo sie im tiefsten Winter bei Temperaturen von -35°C lernte, wie man die Spur eines Tigers verfolgt. Tiger stand 2019 auf der Shortlist für den Scottish National Book Award.

  1. Exzellenter Unterhaltungswert!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Nov 2020 

    Kurzmeinung: Hat mir super gut gefallen!

    Der Roman „Tiger“ handelt vom Schicksal der Amur-Tiger in der russischen Taiga. Es ist ein Roman mit sehr viel Gefühl, jedoch ohne Pathos, ein wunderschöner einfühlsamer Roman, der auf seine Weise ein Plädoyer für den Schutz der Artenvielfalt und der Tiere darstellt. Ich bin begeistert. In vier Strängen schildert Polly Clark das Leben und das Schicksal von Luna, der Tigerin.

    Durch die Leben dreier sehr individueller Menschen erleben wir diese majestätischen, vom Aussterben bedrohten Raubkatzen. Wir fühlen mit ihnen und wir bewundern sie.

    Da ist einmal Frieda, die Biologin, die eigentlich das Verhalten der Bonobos untersucht und die aufgrund ihres besonderen Schicksals im „Torbet Zoological Park“ landet, wo man sie mit der Betreuung der Amur-Tiger betraut und wo sie auf Luna trifft.

    Da ist Tomas, der mit seinem Vater das Iwanowitsch-Reservat für Tiger in der kalten Taiga aufgebaut hat. Allerdings ist der Hintergrund von Vater und Sohn wenig ehrenhaft.

    Da ist Edit, die verziehen hat, aber dennoch mit ihrer Tochter fliehen muss und der die Begegnung mit dem Tiger alles abverlangt.

    Und dann ist da wieder Frieda, die nach Russland kommt und Tomas triff. So schließt sich der Kreis.

    Die Kritik: Dieses Buch ist spannend und sehr gut geschrieben. Es rückt die fremde Raubtierwelt ins Bewusstsein. Zeigt uns, wie weit der Mensch noch immer davon entfernt ist, Tiere zu respektieren. Und wie einzelne Menschen den Unterschied ausmachen könnten. Nebenbei erfährt man auch einiges aus dem Leben von wilden Tieren. Das wirkt nie aufgesetzt oder belehrend, weil die Informationen, die der Leser bekommt, homogen mit der Erzählung verschmelzen. Und hochinteressant sind.

    Dennoch schreibt die Autorin immer erst einmal von den Menschen aus, in das Leben ihrer besonderen Protagonisten baut sie das Schicksal der Amurtiger ein,

    „Tiger“ ist deshalb nicht in erster Linie ein Tierbuch und macht den Roman für jedermann lesbar.

    Das Plädoyer für die Tiere steht zwischen den Zeilen.

    Dabei taucht Polly Clark in ihrem Roman tief in ihre Figuren ein.

    Das einzige, wenn überhaupt, was zu kritisieren wäre, ist, dass man einmal zu oft emotional aus der Handlung und Identifikation herausgerissen wird, wenn die Autorin die Perspektive wieder einmal wechselt und zum nächsten Buch übergeht. Das ist jedes Mal wie eine kalte Dusche. Man möchte die Figur nicht verlassen, mit der man eins wurde! Dieses Herausgerissen werden verzeiht man einmal, auch zweimal, aber beim dritten Mal ist man unwillig.

    Ein Autor, der es vermag, seine Leser so tief in seine Personen hineinzuholen wie Polly Clark, muss sich nämlich fragen, wie oft der Leser dies neu zu leisten vermag oder ob der Autor durch zu viele Wechsel nicht leichtsinnig die emotionale Kraft des Lesers verbraucht und ihn damit enttäuscht, beziehungsweise zum gefühlsmäßigen Erlöschen bringt.

    Beim vierten Wechsel bindet die Autorin ihre Geschichte zu. Das muss sie. Sonst würde sie ausfransen. Ein Twist weniger und das Buch wäre mehr als perfekt gewesen.

    Fazit: Eine wirklich wunderschön erzählte Tigergeschichte, in der die Protagonisten nicht zu viel und nicht zu wenig Gewicht bekommen haben. Eine besondere Geschichte mit exzellentem Unterhaltungswert.

    Kategorie: Exzellente Unterhaltung
    Verlag: Eisele, 2020