Tiger: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Tiger: Roman' von Polly Clark
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Tiger: Roman"

Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783961610990

Rezensionen zu "Tiger: Roman"

  1. Jäger

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Aug 2021 

    Polly Clark ist mit diesem Buch ein großer Wurf gelungen. Unheimlich spannend spinnt sie eine Geschichte um den Tiger, eine wunderschöne Großkatze, einen König, einen Jäger. Und vergisst dabei auch den anderen Jäger der Erde nicht, den Menschen. Sie vergleicht, stellt einen Zusammenhang her und sie macht das ungeheuer geschickt. Schon im Aufbau des Buches stellt sich das heraus. Vier Teile bilden diesen Roman. Von Teil 1 bis 3 befasst sich das Buch erst einmal mit verschiedenen Personen in verschiedenen Gebieten, erst im vierten Teil treffen die Personen aufeinander und Polly Clark stellt einen Zusammenhang her.

    Das Tier im Zoo wird behandelt, etwas was von vielen Menschen abwertend betrachtet wird. Aber mal ganz ehrlich, wie soll denn die Arterhaltung anders funktionieren? Wir in Europa haben gut reden. Unsere gefährlichen Tiere wurden fast vollkommen dezimiert. Die Natur wurde vom Menschen bezwungen, zumindest glaubten dies manche Europäer, manche westlich erzogene Menschen. Die jetzige Zeit lehrt uns Besseres, lehrt uns unsere Vermessenheit. Zumindest belehrt sie die Menschen, die noch lernen wollen. Zurück zum Thema, Tiere, Jäger. Ich möchte mal manch einen Kritiker der Zoos erleben, wenn er Nachbar von Tiger, Löwe, Leopard, Eisbär, und Grizzly wäre. Würden dann immer noch diese leeren Sprechblasen aus deren Mündern kommen? Nationalparks sind ein interessantes Thema, klar. Aber mit einem funktionierenden Sicherheitskonzept! Und hier fangen die Probleme an! Wer weiß, was hier die Zukunft bringen wird? Denn die titelgebenden Tiere und einige andere möchten wohl viele Menschen nicht missen! Was mich auf deren Jagd bringt. Wie kommt dies? Wie ist dies möglich? Auch hier kommt wieder das Thema Bildung zum Vorschein. Die traditionelle chinesische Medizin hört man immer wieder. Und das Thema männliche Potenz. ... Chinesische Medizin ist ebenso verantwortlich für die Akupunktur und eine ganzheitliche Betrachtung des menschlichen Körpers, chinesische Medizin ist also nicht unbedingt negativ zu bewerten. Vielleicht also eher das Thema männliche Potenz! Bildung und Aufklärung und eine Veränderung gewisser Machtbereiche in China könnten also ein Allheilmittel sein. Aber wer kann dies schaffen?

    Dann kommen noch die Udehe zur Vorschein, ein tungusisches Volk am Amur. Ein Volk, welches den Tiger als heilig erklärte, eigentlich kein wunder, wenn man diese majestätische Katze betrachtet! Aber dies trifft wieder alle Katzen! Gut, ich oute mich gerade als Katzenfan! Aber zurück zu den Udehe, ein Jägervolk, welches den Jäger verehrt, aber von einem anderen Jäger unterworfen wurde, den Russen. Wie die Russen auch alle anderen sibirischen Jägervölker unterwarfen! Ein weiterer Jäger, der Russe, der Mensch. Kulturvölker, die auch die Natur unterwerfen und mit ihr ihre Tiere und Menschen, glauben sie zumindest.

    Dieses Buch fasst diese ganzen Thematiken zu einem wunderbaren Roman zusammen, der mich thematisch anzündet, es aber stilistisch nicht vollkommen schafft. "Tiger" erhält 4 wohlverdiente Sterne, doch der Weg zum fünften Stern ist sehr kurz! Und ich kann nur wieder rufen, unbedingt Lesen!!!

  1. Tiger, Tiger....

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Jul 2021 

    Eigentlich ist Frieda Primatenforscherin. Nach einem Überfall ist sie morphinsüchtig, was sich auf ihre Arbeit mit den Bonobos folgenschwer auswirkt. Sie verliert sie ihre Anstellung im Institut der Universität. In einem kleinen Zoo in Devon übernimmt Frieda die Pflege der Amur-Tiger. Dort trifft sie auf Luna, deren Majestätik und Aggression gleichermaßen beeindruckend ist.

    In der sibirischen Taiga ist Tomas Wildschützer in einem Reservat für Tiger, das sein Vater leitet. Die beiden Männer haben eine sehr komplizierte Beziehung. Ihre Beweggründe sich für den Fortbestand der Tiger einzusetzen unterscheiden sich gewaltig.

    Immer noch in Sibirien erleben wir Edit und ihre Tochter Sina, die fernab der Zivilisation in einer Hütte im Primärwald leben. Edit ist vor menschlicher Gewalt geflohen und setzt sich lieber der Urgewalt der Natur, des Waldes und der Tiger aus.
    Der Kreis schließt sich, als Frieda nach Sibirien kommt und dort auf Tomas trifft.

    „Tiger“ ist der atemberaubende Roman der kanadisch-britischen Schriftstellerin und Lyrikerin Polly Clark. Die Autorin hat selbst im Edinburgher Zoo gearbeitet, wo ihr Interesse an den sibirischen Tigern entstand. Nach Recherchearbeiten in der russischen Taiga konnte sie in diesem Buch ihre Erfahrungen mit den vom Aussterben bedrohten Raubkatzen übermitteln.

    „In der Wildnis – in der richtigen, echten Natur – gibt es nur zweierlei: Jäger und Gejagte. Und einem Tiger ist bewusst, dass er ein Spitzenprädator ist. Wusstest du, dass die Fellzeichnung auf der Stirn des Tigers das chinesische Schriftzeichen für König ist?“

    Die menschlichen Schicksale, von denen Polly Clark erzählt sind die Fäden für den Stoff der Geschichte, der Tiger ist der Knoten, der das ganze Geflecht zusammenhält.
    „Tiger, Tiger, burning bright…“ dichtete William Blake.

    Artenschutz, Wilderei, menschliche Hybris auf der einen Seite und die strahlende animalische Urkraft der bedrohten Tierart auf der anderen: diese Mischung, düster, bedrohlich, unglaublich spannend und darüber hinaus lehrreich, machen ein sehr eindringliches Leseerlebnis aus.

  1. Auch Tiger sind nachtragend

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Mär 2021 

    Klappentext

    Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.

    Eindruck und Bewertung

    Nachdem ich in diesem Jahr schon Bücher wie „Der Gesang der Flusskrebse“ und „Das Flüstern der Bäume“ gelesen habe, wollte ich dieses verkorkste Jahr noch mit einem weiteren Naturroman abschließen.

    Ich persönlich finde das Beste an Büchern ist, dass uns die darin abgebildeten Wörter in fremde Länder reisen lassen oder man Geschichten aus den Augen unterschiedlichster Menschen oder gar aus den Augen von Tieren betrachten kann. Dieses Buch macht es möglich.

    Das Buch ist unterteilt in vier Erzählstränge. Man startet mit der Geschichte rund um Frieda, einer studierten Primatenforscherin. Sie studiert das Leben der Bonobos. Ihr eigenes Leben wurde aufgrund eines Überfalles grundlegend aus der Bahn geworfen. Ihre wachsende Morphinabhängigkeit macht es ihr kaum möglich ein anständiges Leben zu führen.

    Im zweiten Teil begleiten wir Tomas auf seinen Streifzügen durch den sibirischen Primärwald. Tomas ist Naturschützer in der tiefsten russischen Taiga. Er ist auf der Suche nach der Gräfin. Einer spektakulären Tigerdame, die gemeinsam mit ihren beiden Jungen durch die Wälder zieht. Da sich in Kürze ein hoher Regierungsbeamter ein Bild von Tomas Reservat machen möchte, ist er auf der Suche nach zeitnahen Fotoaufnahmen der Tigerfamilie. Er hofft, dass dieses Projekt Anerkennung bis hinauf zum russischen Präsidenten Vladimir Putin findet.

    Wir bleiben in Sibirien. Der dritte Teil handelt von Edit und ihrer Tochter Sina. Diese Geschichte ist etwas ruhiger als die beiden anderen, ähnelt aber eher einem Abenteuerroman und handelt in erster Linie von der Unwirtlichkeit der sibirischen Taiga. Faszinierend detailliert dargestellt.

    Auf den letzten Teil war ich am meisten gespannt, wird dieser Teil doch aus den Augen des Tigers erzählt wird. Quasi „The Eye of the Tiger“. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Die Geschichten wurden allesamt mühevoll aufgebaut und hier es nun soweit, alle Handlungsstränge finden gekonnt zueinander.

    Der Erzählstil von Polly Clark hat mich sowas von überzeugt. Jedes Kapitel fand ich derartig dynamisch erzählt, dass es mir teilweise vorkam, als würde sich meine Lesegeschwindigkeit überschlagen. Gerade die abwechselnden Erzählungen, die gut durchdachten Charaktere und die Liebe zum Detail machen dieses Buch zu einer runden Sache.

    Autor

    Polly Clark wurde in Toronto geboren und lebt abwechselnd an der schottischen Westküste und auf einem Hausboot in London. Ihre Lyrik wurde mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, und ihr erster Roman Larchfield, für den sie den MsLexia Prize gewann, u.a. von Margaret Atwood, John Boyne und Richard Ford hochgelobt. Während ihrer Arbeit als Wärterin im Edinburgher Zoo begann sie sich für den vom Aussterben bedrohten Sibirischen Tiger zu interessieren. Für die Recherchen an Tiger reiste sie in die russische Taiga, wo sie im tiefsten Winter bei Temperaturen von -35°C lernte, wie man die Spur eines Tigers verfolgt. Tiger stand 2019 auf der Shortlist für den Scottish National Book Award.

  1. Exzellenter Unterhaltungswert!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Nov 2020 

    Kurzmeinung: Hat mir super gut gefallen!

    Der Roman „Tiger“ handelt vom Schicksal der Amur-Tiger in der russischen Taiga. Es ist ein Roman mit sehr viel Gefühl, jedoch ohne Pathos, ein wunderschöner einfühlsamer Roman, der auf seine Weise ein Plädoyer für den Schutz der Artenvielfalt und der Tiere darstellt. Ich bin begeistert. In vier Strängen schildert Polly Clark das Leben und das Schicksal von Luna, der Tigerin.

    Durch die Leben dreier sehr individueller Menschen erleben wir diese majestätischen, vom Aussterben bedrohten Raubkatzen. Wir fühlen mit ihnen und wir bewundern sie.

    Da ist einmal Frieda, die Biologin, die eigentlich das Verhalten der Bonobos untersucht und die aufgrund ihres besonderen Schicksals im „Torbet Zoological Park“ landet, wo man sie mit der Betreuung der Amur-Tiger betraut und wo sie auf Luna trifft.

    Da ist Tomas, der mit seinem Vater das Iwanowitsch-Reservat für Tiger in der kalten Taiga aufgebaut hat. Allerdings ist der Hintergrund von Vater und Sohn wenig ehrenhaft.

    Da ist Edit, die verziehen hat, aber dennoch mit ihrer Tochter fliehen muss und der die Begegnung mit dem Tiger alles abverlangt.

    Und dann ist da wieder Frieda, die nach Russland kommt und Tomas triff. So schließt sich der Kreis.

    Die Kritik: Dieses Buch ist spannend und sehr gut geschrieben. Es rückt die fremde Raubtierwelt ins Bewusstsein. Zeigt uns, wie weit der Mensch noch immer davon entfernt ist, Tiere zu respektieren. Und wie einzelne Menschen den Unterschied ausmachen könnten. Nebenbei erfährt man auch einiges aus dem Leben von wilden Tieren. Das wirkt nie aufgesetzt oder belehrend, weil die Informationen, die der Leser bekommt, homogen mit der Erzählung verschmelzen. Und hochinteressant sind.

    Dennoch schreibt die Autorin immer erst einmal von den Menschen aus, in das Leben ihrer besonderen Protagonisten baut sie das Schicksal der Amurtiger ein,

    „Tiger“ ist deshalb nicht in erster Linie ein Tierbuch und macht den Roman für jedermann lesbar.

    Das Plädoyer für die Tiere steht zwischen den Zeilen.

    Dabei taucht Polly Clark in ihrem Roman tief in ihre Figuren ein.

    Das einzige, wenn überhaupt, was zu kritisieren wäre, ist, dass man einmal zu oft emotional aus der Handlung und Identifikation herausgerissen wird, wenn die Autorin die Perspektive wieder einmal wechselt und zum nächsten Buch übergeht. Das ist jedes Mal wie eine kalte Dusche. Man möchte die Figur nicht verlassen, mit der man eins wurde! Dieses Herausgerissen werden verzeiht man einmal, auch zweimal, aber beim dritten Mal ist man unwillig.

    Ein Autor, der es vermag, seine Leser so tief in seine Personen hineinzuholen wie Polly Clark, muss sich nämlich fragen, wie oft der Leser dies neu zu leisten vermag oder ob der Autor durch zu viele Wechsel nicht leichtsinnig die emotionale Kraft des Lesers verbraucht und ihn damit enttäuscht, beziehungsweise zum gefühlsmäßigen Erlöschen bringt.

    Beim vierten Wechsel bindet die Autorin ihre Geschichte zu. Das muss sie. Sonst würde sie ausfransen. Ein Twist weniger und das Buch wäre mehr als perfekt gewesen.

    Fazit: Eine wirklich wunderschön erzählte Tigergeschichte, in der die Protagonisten nicht zu viel und nicht zu wenig Gewicht bekommen haben. Eine besondere Geschichte mit exzellentem Unterhaltungswert.

    Kategorie: Exzellente Unterhaltung
    Verlag: Eisele, 2020