Tiefer Fall: Ein Anna Kronberg Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Tiefer Fall: Ein Anna Kronberg Krimi' von Annelie Wendeberg
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Tiefer Fall: Ein Anna Kronberg Krimi"

Format:Audio CD
Seiten:0
EAN:9783837125856

Rezensionen zu "Tiefer Fall: Ein Anna Kronberg Krimi"

  1. Kronberg gegen Moriarty

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Aug 2015 

    Wie schon den ersten Band, "Teufelsgrinsen", habe ich auch diesen zweiten Band wieder parallel gelesen und als Hörspiel gehört. Ich war erneut begeistert davon, wie großartig Esther Schweins die Charaktere zum Leben erweckt! Sie gibt jedem seine ganz eigene Stimme und Art zu sprechen, und so hört man direkt, ob da jetzt gerade Anna Kromberg, James Moriarty oder Sherlock Holmes zu Wort kommen. Besonders für Anna Kromberg ist sie in meinen Ohren einfach die Idealbesetzung, und bei ihrer Interpretation von Moriarty ist es mir öfter eiskalt über den Rücken gelaufen!

    Der Titel des Buches, "Tiefer Fall", und die Tatsache, dass James Moriarty darin eine große Rolle spielt, verrät eingefleischten Fans von Sherlock Holmes natürlich schon einen Teil der Handlung, denn die Autorin findet hier für eine der Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle eine Neuinterpretation - und eine Vorgeschichte, die den Leser vieles in ganz neuem Licht sehen lässt.

    Ich fand das sehr originell, einfallsreich und gut gelungen. Die Geschichte stellt über weite Teile der Handlung nicht Sherlock Holmes in den Mittelpunkt sondern Anna Kromberg, die dadurch wieder zeigen kann, wie genial und entschlossen sie ist, und wie sehr sie Holmes darin ähnelt, dass ihre überragende Intelligenz sie oft harsch, überlegen und schneidend arrogant macht...

    James Moriarty entführt sie und versucht sie dazu zu zwingen, ihre medizinischen Kenntnisse in den Dienst der biologischen Kriegsführung zu stellen. Sie kann nicht offen gegen ihn kämpfen, da er ihren Vater als Geisel in seiner Gewalt hat, und so ist sie gezwungen, ein perfides Katz-und-Maus-Spiel mit ihm zu beginnen, eine Gratwanderung zwischen ihrem Abscheu vor Moriarty und ihrem widerwilligen Gefühl des Respekts für den eiskalten, aber brillanten Gegner. Bei dem Versuch, sein Vertrauen zu gewinnen, gerät sie in Gefahr, selber zu glauben, was sie ihm vorgaukelt - mit ungeahnten Folgen.

    Annelie Wendeberg stellt Holmes und Moriarty als zwei Männer dar, die sich im Prinzip sehr ähnlich sind; beide sind rastlos, getrieben von einer problematischen Vergangenheit, scheinbar gefühlskalt und überheblich... Ein Quäntchen Gewissen, ein wenig Mitgefühl - mehr trennt sie nicht. Manchmal wichen sie mir zu weit von ihrer Darstellung in den Originalgeschichten ab, aber im Großen und Ganzen fand ich sie glaubhaft und überzeugend geschrieben.

    Anna Kromberg ist in meinen Augen ein fabelhafter Charakter, eine ungewöhnliche, starke Frau, die Holmes und Moriarty von der Intelligenz her locker das Wasser reichen kann. Im Laufe dieses Buch verliert sie allerdings viel von ihrem Bravado und ihrer Stärke, und an einem Punkt der Geschichte musste ich das Buch erstmal zuklappen und weglegen...

    Ich will hier noch nicht zu viel verraten, aber ich war erst nicht sicher, was ich von dieser Entwicklung halten sollte. Holmes würde es wahrscheinlich ein Drei-Pfeifen-Problem nennen: ich musste das Ganze erstmal sacken lassen und darüber nachdenken. Fand ich das jetzt glaubhaft? Fand ich es gut? Wollte ich das Buch an die Wand pfeffern oder ihm einen Ehrenplatz in meiner Sherlock-Holmes-Sammlung geben?

    Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nachvollziehen kann, warum Anna so handelt wie sie handelt. Sie ist etwa ein halbes Jahr lang die Gefangene von Moriarty und steht dabei ständig unter enormem Druck, und ich denke, ihre Entscheidungen sind ein Resultat ihrer dadurch verzerrten Wahrnehmung.

    In "Tiefer Fall" passiert eigentlich recht wenig; die Spannung entwickelt sich langsam und resultiert eher aus dem psychologischen Hin und Her zwischen Anna und Moriarty - und Annas Versuch, sich dabei nicht selbst zu verlieren. Ich fand das Buch dennoch (oder gerade deswegen?) sehr interessant und packend!

    Der Schreibstil ist glasklar, präzise und intelligent, was mir wieder sehr gut gefallen hat. In diesem Band wird allerdings mehr über die Gefühle der Protagonisten geschrieben als im letzten - was manche Holmes-Puristen sicher stören wird, mir aber gut gefallen hat. Achtung, Liebesgeschichte!

    Fazit:
    In diesem zweiten Band bekommt es Anna Kromberg mit James Moriarty zu tun, dem Erzfeind von Sherlock Holmes. Aber er will durch sie nicht etwa an den Meisterdetektiv herankommen, sondern braucht ihre Kenntnisse der Bakteriologie für schrecklich Zwecke... Monatelang hält er sie gefangen, und im Laufe dieser Zeit droht Anna, sich selbst zu verlieren.

    Der zweite Band ist langsamer als der erste, mit überraschenden Entwicklungen, die unter Liebhabern der Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle sicher für Debatten sorgen könnten! Ich fand ihn dennoch spannend und lohnend, und ich freue mich schon auf den dritten Band.

  1. Vom Mann zur Frau

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 28. Mai 2015 

    Ein Fortschritt ist es schon, auch Frauen können nun Medizin studieren. Dr. Anna Kronberg, die sich jahrelang in Dr. Anton Kronberg verwandelte, um ihrer Berufung nachgehen zu können, kann nun ihre wahre Identität offenbaren. Ihre Situation bessert sich dadurch nicht, verborgen und zurückgezogen in ihrem Cottage lebend, wird sie von Moriarty aufgespürt und in sein Haus entführt. Dieser will ihr Wissen für seine mörderischen Zwecke nutzen und biologische Waffen entwickeln, die nicht dem Wohle der Menschheit dienen. Zum Schein geht Anna auf Moriarty Verlangen ein, sucht aber insgeheim fieberhaft nach einem Ausweg.

    Sehr angetan vom ersten Band dieser Reihe, war ich sehr gespannt und neugierig, auf welchen Wegen sich Dr. Kronberg und Sherlock Holmes wieder begegnen würden und welche Fälle sie gemeinsam lösen würden. Umso überraschter war ich nun, dass Anna Kronberg in Moriartys Fänge gerät und keinen Kontakt mehr zu Holmes zu haben scheint. Noch mehr überrascht war ich von der Entwicklung, die Annas Leben nimmt. Von der kraftvollen Persönlichkeit, die beinahe durch nichts zu stoppen ist, die es mit ihrer außerordentlichen Intelligenz sogar mit Holmes aufnehmen kann, wandelt sich sich in eine Frau, die sich fast zur Gänze aufgibt, um noch Schlimmeres zu verhindern. Allein bewirkt sie nicht so viel wie vielleicht gewünscht. Eine starke Veränderung geht mit ihrem Charakter vonstatten, die einen beim Lesen beziehungsweise Hören etwas niederdrückt. Diese Wirkung wird noch verstärkt durch die getragen betonte Lesung von Esther Schweins, die die Wandlung der Dr. Anna Kronberg damit hervorragend vermittelt.

    Aus dieser Sicht betrachtet ist dieser Roman schon bald kein Krimi mehr, eher eine Studie der Anna Kronberg, eines Menschen, der zum Äußersten getrieben, sich extrem verändert und eigentlich mit Zärtlichkeit umfangen werden müsste. Zu meinem großen Bedauern jedoch muss ich gestehen, mir gefiel die Geschichte einfach nicht. Einen gradlinigen Krimi und intelligente Geplänkel zwischen Holmes und Kronberg erwartend, konnte ich mit diesem Psychogramm eines wahrlich Tiefen Falls nicht warm werden. Es ist alles vorhanden, was einen herausragenden Roman ausmacht, intelligent gestrickte Handlung, glaubhafte Gefühle - doch eher für andere Leser. Unsicher bin ich nun, ob ich mir den dritten Band zulegen werden, welcher im Englischen unter dem Titel „The Journey“ bereits erschienen ist.