Sveta und der Junge aus dem Wald

Rezensionen zu "Sveta und der Junge aus dem Wald"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Jun 2016 

    In einer eigenartigen Zukunft

    Klappentext:
    Die sechzehnjährige Sveta lebt mit ihren Eltern in Berlin. Nachdem ihr boshafter Vater bei seinen Dienstherren in Ungnade fällt, wird er zum Vorsteher eines kleinen Örtchens in der abgelegenen Provinz degradiert und muss die Stadt verlassen. Noch am gleichen Abend kommt es zum Zerwürfnis zwischen Svetas Eltern, woraufhin ihr Vater sofort aufbricht und Sveta gegen ihren Willen mitnimmt. Ohne zu wissen, wohin ihre Tochter verschleppt wird, bleibt die Mutter zurück. In ihrer neuen Heimat »Dunkeltann« wird Svetas Leben von Tag zu Tag trister, bis es eines Morgens zu einer Begegnung kommt, die ihr Leben verändern wird ...

    Rezension:
    Man schreibt das Jahr 2193. In Berlin, der Hauptstadt des Deutschen Oblast von Russisch-Europa, diente Sergej Maximow lang Jahre in der Garde. Doch gerade jetzt, als seinen Dienstherren die Transporthoheit zuerkannt wird und sich damit auch für ihn die Chance auf eine Beförderung böte, fällt er wegen seiner Brutalität und seines Jähzorns in Ungnade und wird als Ortsvorsteher ins hinterwäldlerische Dunkeltann, einem Vorort von Rudatgard versetzt. Als auch noch ein Streit mit seiner Frau eskaliert, lässt er diese einfach zurück und nimmt nur seinen Sohn Jan und – gegen ihren Willen – seine Tochter Svetlana, genannt Sveta, mit in seine neue Heimat. Während er in seinem Sohn seinen Nachfolger sieht, behandelt er seine Tochter nur als unbezahlte Haushaltshilfe. Schließlich muss man für die Erlaubnis ein Kind zu bekommen, eine hohe Abgabe an den Zaren entrichten, und diese hatte er damals nur gezahlt, weil er auf einen weiteren Sohn gehofft hatte. Zusammen mit seinem Sohn und den beiden ihm unterstellten Gardisten behandelt der neue Ortsvorsteher die extrem ärmlich lebenden Einwohner Dunkeltanns wie Abschaum. Um sich bei seinen Dienstherren wieder beliebt zu machen, versucht er, brutal alles nur Mögliche aus dem Dorf herauszupressen. Doch dann begegnet Sveta einer Gruppe illegaler – dass heißt ohne die Abgabe zu entrichten gezeugter – Kinder und Jugendlicher. Die Lage eskaliert …
    Das Jahr 2193, Deutscher Oblast von Russisch-Europa, Abgaben an den Zaren; alleine diese Angaben dürften beim Leser dieser Rezension wohl schon für verwirrte Gesichter sorgen. Wie man im Laufe des Romans merkt, handelt diese Geschichte nicht in einer anderen Realität, sondern in unserer Zukunft. Rudatgard ist das ehemalige (bzw. jetzige) Weimar. Etwa 100 Jahre vor der Zeit der Handlung hat die Armee des russischen Zaren fast ganz Europa überrannt. So weit – so gut. Oder eher schlecht. Wo am Ende des 21. Jahrhunderts ein Zar herkommt, erwähnt das Buch leider nicht. Auch sonst erscheinen viele Details nicht gerade schlüssig. Zur Fortbewegung dienen Gleiter, die anscheinend nur von Reichen oder in offiziellen Diensten Stehenden benutzt werden, und die einerseits eine gewisse Ähnlichkeit mit Autos zu haben scheinen, ansonsten aber nicht näher erklärt werden. Abgesehen von diesen Gleitern scheint die Technik jedoch komplett auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen zu sein. Zur Kommunikation diesen ausschließlich (mit Federn geschriebene) Briefe. Telefon, Funk oder andere moderne Kommunikationsformen scheinen nicht nur nicht existent, sondern sogar völlig in Vergessenheit geraden zu sein. Ein auch nur halbwegs schlüssiges Bild ergibt das nicht.
    Das Buch liest sich gut und weiß den Leser durchaus zu fesseln. Dass sich Sveta natürlich in den ‚Jungen aus dem Wald‘, einen der Illegalen, verliebt, ist genretypisch und deshalb wohl kaum der Erwähnung wert. In diesem Punkt muss allerdings wohlwollend erwähnt werden, dass diese Liebesgeschichte eine Nebenhandlung bleibt und sich nicht in den Vordergrund drängt.
    Worum handelt es sich nun bei „Sveta und der Junge aus dem Wald“? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Obwohl die Handlung in der Zukunft angesiedelt ist, kann man es bei den darin herrschenden, beinahe technikfreien Verhältnissen wohl kaum als SciFi bezeichnen. Dystopie passt da schon deutlich besser, wenn auch nicht wirklich perfekt. Am ehesten vielleicht dystropisch-utopischer Abenteuerroman?

    Fazit:
    Eine Abenteuergeschichte in einer dunklen Zukunft, die bei Lesern, die gerne mal etwas abseits des Üblichen unterwegs sind, Gefallen finden könnte.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Dez 2015 

    Unterhaltsam, fesselnd und sehr spannend

    Inhalt:
    Sveta wird von ihrem Vater in das kleine Dorf Dunkeltann mitgeschleppt. Ihre Eltern haben sich getrennt und ihr Vater wurde in Dunkeltann als Ortsvorsteher eingesetzt. Svetas Alltag ist geprägt von Arbeit und Schelte, denn ihr Vater hält sie wie eine Sklavin und auch ihr Bruder sieht in ihr nur Abschaum. Sie sehnt sich zurück nach ihrer Mutter, hat aber wenig Hoffnung das sie in dieser verlassenen Gegend gefunden wird. Der Alltag ist trist bis sie auf einen Jungen und sein Geheimnis trifft. Nun hat Sveta eine Aufgabe die ihr wichtig ist...

    Meine Meinung:
    Als Axel Saalbach nachfragte ob ich Lust hätte das Buch zu lesen, war ich zunächst skeptisch. Doch schon die Leseprobe gefiel mir recht gut und ließ mich zusagen.

    Der Einstieg fällt hier wirklich leicht. Der lockere und leichte Schreibstil lässt drüber hinweg sehen das Land und Leute russisch sind und somit auch russische Namen haben und auch manche Begriffe wohl russisch oder russisch klingend sind. Es gibt zwar am Ende ein Glossar für die Begriffe, doch beim Reader ist es immer etwas umständlich hin und her zu schauen, doch es störte nicht so sehr das es wirklich negativ auffiel und es waren auch nur wenige Begriffe.

    Die Geschichte spielt im Jahr 2193 in Russisch-Europa und am Ende wird auch beschrieben welche Orte für diese Ortschaften aus der Geschichte spielen, so kann man ein wenig erahnen wie weit die Entfernungen auseinander sind. Doch auch das sah ich erst ganz am Ende im Glossar. Doch es war auch so klar das sich eine sechzehnjährige kaum in Dunkeltann wohl fühlt.

    Die Figuren haben geläufige Namen.
    wobei Sveta da schon für mich eher ungewöhnlich war, ist aber auch eine Abkürzung für Svetlana, ein Name der mir schon eher ein Begriff ist. Sie ist 16 Jahre alt und hat bei ihrem Vater wirklich nichts zu lachen. Die Geschichte beginnt mit der Fahrt nach Dunkeltann und man merkt wie sehr sie schon darunter leidet in dieses hinterste Kaff zu kommen. Schließlich kommt sie aus Berlin. Sie meistert alles mit Bravour und ohne aufbegehren, doch wenn sie das tut, merkt man wie brutal ihr Vater ist. Eine Wende gibt es wirklich als sie auf Sima und Osip trifft, denn nun rebelliert sie im Verborgenen. Sie zeigt sehr viel Mut und macht viel um die die sie mag zu schützen. Es ist nie ungefährlich.
    Sima ist ein recht ruhiger Junge und viel erfährt man von ihm nicht, aber gerade das Ruhige fasziniert Sveta. Osip lernt man genauso wenig kennen, doch ist er etwas lebhafter als Sima.
    Sergej ist Svetas Vater und ein Tyrann. Sein Lieblingsgetränk ist Wodka und seine Lieblingsbeschäftigung scheint es zu sein, Menschen zu drangsalieren. Selbst sein Sohn Jan ist davor nicht geschützt, obwohl er schon eher in Sergejs Gunst steht wie Sveta.
    Es gibt noch Söldner die mit in Dunkeltann sind, der eine sehr brutal, der andere herzlicher als erwartet.

    Am Ende fand ich die Geschichte wirklich unterhaltsam, fesselnd und sehr spannend. Ich fühlte mich sehr wohl auch wenn die Situation schon sehr anders war wie in der heutigen Zeit. Sie spielt in der Zukunft, hat aber mehr von der Vergangenheit wie zum Beispiel kein fließendes Wasser, Holz was man zum Heizen holen muss und vieles mehr. Mich haben das Szenario, der Plot und auch die Figuren vollkommen überzeugt so dass ich froh bin hier zugesagt zu haben.