Summ, wenn du das Lied nicht kennst: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Summ, wenn du das Lied nicht kennst: Roman' von Bianca Marais
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
Verlag: Wunderraum
EAN:9783336547944

Rezensionen zu "Summ, wenn du das Lied nicht kennst: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Apr 2018 

    Lektüre für Herz und Seele

    „Wenn die Leute nicht mit der richtigen Hautfarbe zur Welt kamen, wie sollen wir dann wissen, vor wem wir Angst haben sollten?“

    Diese Frage stellt sich auch die neunjährige Protagonistin Robin in dem Roman „Summ, wenn du das Lied nicht kennst“ von Bianca Marais, der im März 2018 im Wilhelm Goldmann Verlag erschienen ist. Zum Glück kann ihr die erfahrene Beauty, die durch ein Zufall in ihr Leben gerät bei der Lösung dieser Frage helfen.

    Die herzzerreißende Geschichte spielt in den siebziger Jahren in Südafrika. Die kleine Robin verliert ihre Eltern, während die Lehrerin Beauty nach ihrer Tochter sucht, die bei einem Schüleraufstand verschwindet. Die beiden Protagonistinnen kommen durch einen Zufall zusammen und freunden sich an. Beauty hilft Robin ihre Trauer um ihre Eltern durchzustehen und ist im Gegensatz zu anderen Menschen schonungslos ehrlich zu dem kleinen Mädchen und so fasst Robin Vertrauen zu der dunkelhäutigen Frau. Doch was passiert wenn Beauty ihre Tochter Nomsa findet? Kann Robin eine weitere Trennung verkraften?

    Zunächst möchte ich gerne erwähnen wie wunderschön das Cover und die Verarbeitung des Buches ist. Die hochwertigen Materialien fühlen sich einfach so angenehm in den Händen an und sogar das Lesebändchen ist mit so viel Liebe gestaltet, dass ich es einfach nur bei jedem Aufschlagen immer wieder bewundern musste. Dieses Buch ist ein echtes Schmuckstück in jedem Regal.

    Diese Geschichte hat mich von den ersten Kapiteln in ihren Bann gezogen. Es passieren immer wieder Dinge mit denen ich nicht gerechnet habe und die mich richtig überraschten. Man kann das Buch einfach nicht aus der Hand legen, weil man immer wissen will, wie geht es weiter mit den Personen in dem Buch. Außerdem finde ich es unglaublich gut, dass die zwei Protagonistinnen sehr von den typischen Figuren in einem Buch abweichen, aber trotzdem jede auf ihre Art sehr sympathisch ist. Des Weiteren ist es zu erwähnen, dass Bianca Marais es sehr gut geschafft hat die einzelnen Charaktere auszuarbeiten. Auch Nebencharaktere haben eine starke Persönlichkeit, die die Autorin mit wenigen Worten gut an den Leser bringt.

    Auch der Sprachstil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Zum einen ist dieser sehr einfach, wenn aus der Sicht von Robin berichtet wird und malerisch und fließend in den Kapiteln von Beauty. Der einzige Kritikpunkt, den ich dabei hätte ist, dass sehr oft afrikanische Begriffe und Sätze vorkommen, die den Lesefluss einfach stören und über die der Leser stolpert, weil sie so sehr von der deutschen Sprache abweichen.

    „Summ, wenn du das Lied nicht kennst“ ist eine wunderbare und herzzerreißende Geschichte, die ich jedem nur weiterempfehlen kann. Es bringt den Leser dazu über sein Weltbild nachzudenken und über Dinge, die im Leben wirklich eine Bedeutung haben. Das Lesen bereitet einfach Freude und die Geschichte hinterlässt einen bleibenden Eindruck, so dass man auch nach dem Lesen ständig daran denken muss.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Mär 2018 

    Anrührend

    Johannesburg 1976, eine unruhige Zeit: die Apartheid steht für Unterdrückung der farbigen Bevölkerung. Aber es rumort immer mehr. Die jungen Südafrikaner wollen nicht länger das Regime hinnehmen, die Aufstände in Townships nehmen zu und Soweto wird das Sinnbild für die Unruhen werden.
    Robin wächst mit ihren Eltern in Wohlstand auf, sie gehören zur englischsprachigen weißen Bevölkerung, das schwarze Hausmädchen Mabel ist ihre Bezugsperson und Vertraute. Robin wird aus jäh aus ihrer Welt gerissen, als die Eltern bei einem Aufstand ums Leben kommen und automatisch das Hausmädchen mitbeschuldigt und in der Haft gefoltert wird. Die Tante Edith nimmt Robin auf, kann sich aber nicht um ihre kindlichen Nöte kümmern und ist mit dem traumatisierten Mädchen völlig überfordert.
    Beauty Mbali hat ihr Homeland verlassen um ihre 17jährige Tochter Nomsa zu suchen. Sie gehört zu den Schülern, die Demonstrationen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit organisieren. Nomsa ist in Gefahr und ihre Mutter verzweifelt. Hilfe erfährt sie von Maggie, einer weißen Gegnerin der Apartheid. Sie vermittelt Beauty eine Stelle als Hausmädchen bei Edith, denn ohne Arbeit darf sich keine schwarze Frau außerhalb der Townships aufhalten. So treffen Robin und Beauty in ihrem Schmerz aufeinander.

    Die Schüleraufstände von Soweto markieren den Anfang vom Ende der Apartheid. Die Weltöffentlichkeit schaut auf die sinnlose Gewalt gegen Jugendliche. Diese aufgeheizte Zeit ist der Hintergrund für den Roman „Summ, wenn du das Lied nicht kennst“. Mit diesem Roman lässt mich die Autorin an dieser zeitgeschichtlichen Begebenheit teilnehmen und ruft sie mir, jenseits der wenigen Schlagzeilen, die mir noch in Erinnerung sind, ins Bewusstsein zurück. In dem sie zwei Protagonisten in den Mittelpunkt rückt, die jeweils für eine Seite stehen und sie zueinander finden lässt, wird die Sinnlosigkeit der Apartheid noch deutlicher. Der Roman ist sehr bildhaft geschrieben, die lebendige Sprache zieht mich unmittelbar ins Geschehen. Den Emotionen kann ich mich nicht entziehen. Das liegt auch an Erzählweise, die abwechselnd Robin und Beauty zu Wort kommen lässt und ihre Ängste und Hoffnungen thematisiert.

    Es gibt Bücher, die ziehen mich gleich nach einigen Seiten völlig in den Bann und lassen mich in die Welt der Protagonisten abtauchen. „Summ, wenn du das Lied nicht kennst“ ist genau so ein Buch. Ein sehr trauriger und anrührender Roman, der Zeitgeschichte lebendig macht, in dem er die Auswirkungen auf die Menschen zeigt, ganz unabhängig von den politischen Hintergründen.