Stimmen

Rezensionen zu "Stimmen"

  1. Mord in der Psychiatrie...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 03. Apr 2015 

    Beatrice Kaspary und Florin Wenninger werden in ihrem dritten Fall an einen ungewöhnlichen Tatort gerufen. Im Behandlungsraum einer Psychiatrie liegt ein junger Arzt, ermordet, mit einer Stahlschiene im Hals - und auf seiner Brust sind kunstvoll bunte Plastikmesser drapiert. Die Befragung der Personen auf der Station gestaltet sich mehr als schwierig: die Ärzte und das Pflegepersonal sind eher schweigsam, die Patienten so gestört, dass die Antworten eher mystisch klingen.
    Beatrice Kaspary fällt vor allem Jasmin Matheis ins Auge, die kein Wort spricht, seit man sie gefunden hat. Sie scheint mehr mitzubekommen, als sie glauben machen will und als sie zu äußern imstande ist. Als es zu weiteren Toten auf der Station kommt, ist klar, dass Jasmin in irgendeiner Weise in die Vorfälle involviert ist. Aber wie? Und wie soll es Beatrice Kaspary gelingen, zu ihr Kontakt aufzunehmen?

    Ein interessantes Setting hat Ursula Poznanski hier geschaffen. Die Psychiatrie als Tatort, mit dem man im Allgemeinen wenig zu tun hat, düster und undurchschaubar mit Patienten, die sich ungewohnt und unberechenbar verhalten und auf ungewöhnliche Art kommunizieren.
    Doch leider blieb hier für mich alles eher ein wenig blass. Manche der Patienten wirkten ganz interessant, spielten aber letztlich kaum eine Rolle und wurden in der Person nicht näher vertieft. Ebenso das Personal der Psychiatrie, Ärzte und Pfleger. Stets nur ein kurzer Blick auf eine Person, das musste hier genügen.

    Aber selbst die Figuren, die eine gewichtige Rolle spielen, weisen wenig Profil auf. Beatrice Kaspary zeigt Engagement und bezüglich der Patienten durchaus auch Einfühlungsvermögen, ansonsten aber bleibt sie eher blass. Wie in den vorherigen Bänden auch ist sie alleinerziehend und hat Ärger mit ihrem Exmann, muss versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ohne von schlechtem Gewissen aufgefressen zu werden - aber die Schilderung wirkte auf mich eher ermüdend, angestrengt - nicht unbedingt belastend. Selbst die Gefühle zu ihrem Kollegen Florin Wenniger spielen hier keine wesentliche Rolle, das Geschehen zwischen den beiden wird kurz angerissen, bleibt aber durch eine wenig intensive Schilderung eher nebensächlich.

    Der Thriller als solcher ist gut inszeniert, bleibt mir aber auch hier zu sehr an der Oberfläche. Täter und Motiv waren am Ende durchaus überraschend, aber irgendwie wurde alles nur so 'abgehakt', den ermordeten Personen zu wenig Raum gegeben. Dazu wikten einige blauäugige Anfängerfehler von Beatrice Kaspary auf mich verblüffend und gaben dem ganzen eher einen konstruierten Anstrich. Ich bin mir nicht sicher, ob die Kürzung des Hörbuchs der Geschichte gut getan hat.

    Dazu kommt, dass mir Andrea Sawatzki als Sprecherin leider nicht so gut gefallen hat wie vielen anderen der Hörrunde bei Lovelybooks. Ich kenne die Schauspielerin v.a. als Tatortfigur Charlotte Sänger - und mochte diese seinerzeit überhaupt nicht. Beim Einlesen dieses Hörbuchs hatte ich nun ständig diese Tatortkommissarin vor Augen, wobei ich mir bei 'Fünf', dem ersten Roman der Reihe um Beatrice Kaspary, ein ganz anderes Bild gemacht hatte. Das passte für mich nicht zusammen. Dazu fand ich den Vortrag von Andrea Sawatzki häufig recht leblos, wodurch auch die Figuren farblos wurden, und selbst an eigentlich spannenden Stellen überkam mich eher eine Art Gleichgültigkeit. Das fand ich schade.

    Insgesamt hatte ich mir mehr erwartet von dem neuesten Thriller von Ursula Poznanski, vor allem weil mir der erste Band der Reihe wirklich gut gefallen hat. Doch auch wenn meine Erwartungen nicht alle erfüllt wurden, war das Hören unterhaltsam.

    © Parden