Spreewaldrache

Buchseite und Rezensionen zu 'Spreewaldrache' von Christiane Dieckerhoff
3.65
3.7 von 5 (6 Bewertungen)

Ein junger Mann wird blutüberströmt auf einer kleinen Spreewald-Insel gefunden. Er überlebt nur knapp. Kurz darauf finden Anwohner einen toten Obdachlosen in einer Datsche. Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner steht vor einem Rätsel. Die beiden Männer kannten sich nicht, trotzdem hängen die beiden Fälle offenbar zusammen. Ihre Nachforschungen bringen Erstaunliches zutage: Eine alte Fehde zwischen den Fährleuten von Lübbenau führte schon zwanzig Jahre zuvor zu einem tödlichen Unfall. Oder war es Mord? Klaudia Wagner ermittelt unter Hochdruck, denn der Streit zwischen den Kahnführer-Familien ist neu entfacht und fordert weitere Opfer

Format:Taschenbuch
Seiten:304
EAN:9783548289519

Rezensionen zu "Spreewaldrache"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Rezension zu Spreewaldrache

    Wir haben es hier mit einem soweit recht solide und spannend gestalteten Krimi zu tun. Er ist nicht herausragend, aber er ist ganz gut gemacht. Es wurde in einer einfachen Sprache geschrieben, manchmal etwas verwirrend um Spannung zu erzeugen, aber sobald man etwas durchblickt ist auch schnell klar wo es lang geht. Dieser Band ist der dritte Teil einer Reihe, und um vollkommen den Inhalt überblicken zu können, sollte man alle anderen Teile auch gelesen haben, weil es viele persönlichen Dinge der Protagonisten gibt, die sich auf vorhergehende Ereignisse berufen.

    Zur Handlung: Es geht in diesem Buch um den Konflikt zwischen zwei alteingesessenen Familien von Lübbenau, die im Fährgeschäft arbeiten. Der Konflikt reicht weit in DDR Zeiten zurück und mündet schließlich in einer schrecklichen Tat im Jahre 1993. Und als jetzt das Oberhaupt der einen Familie stirbt und zu Grabe getragen wird, kommen die Ereignisse von damals zum tragen, und der Mensch darf zeigen, zu was er in der Lage sein kann. Für mich kommt in diesem Buch die wunderschöne melancholische Kulisse des Spreewaldes etwas zu kurz, daraus hätte man mehr machen können, es hätten für meinen Geschmack mehr Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen können.

    Für mich ist dieses Buch eine nette Unterhaltung gewesen, mehr nicht.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 11. Nov 2018 

    Ein Fall wie Glibber, wa?

    Bei Christiane Dieckerhoffs „Spreewaldrache“ handelt es sich um den dritten Fall für Klaudia Wagners Ermittlungsteam. Dieser Spreewaldkrimi ist im April 2018 im Ullsteinverlag erschienen und umfasst 298 Seiten.
    November im Spreewald – eigentlich eine ruhige Zeit. Doch dann wird auf einer Spreewaldinsel der junge Daniel Schenker brutal niedergeschlagen. Als die Ermittlungen noch im vollen Gange sind, wird in der Nähe die Leiche eines Obdachlosen aufgefunden. Bald zeigt sich, dass auch der Landstreicher kein Unbekannter ist, und die Ermittlungen führen Klaudia Wagner tief zurück in die Vergangenheit und zu einem nie gesühnten Verbrechen. Immer mehr tritt zu Tage, dass die alteingesessenen Spreewälder eine Menge zu verbergen haben und eine Reise in menschliche Geheimnisse beginnt.
    Dieses ist der erste Band dieser Reihe, den ich gelesen habe. Um es vorweg zu sagen: Zwar ist dieser Fall in sich abgeschlossen und durchaus verständlich, doch haben sich mir während des Lesens Fragen gestellt, für deren Beantwortung das Kennen der Vorgängerbände sicherlich hilfreich gewesen wäre. Auch eine dem Roman vorangestellte Auflistung der Charaktere wäre nützlich.
    „Dieser Fall war wie Glibber, immer wenn man versuchte, ihn in den Griff zu kriegen, quollen einem die Ereignisse durch die Finger.“ Diese Gedanke Klaudia Wagners bestimmen den Verlauf der Handlung, sodass der Roman weniger durch einen durchgängigen Spannungsbogen, als vielmehr durch Verwicklungen und überraschende Einsichten, die den Leser/innen häppchenweise dargeboten werden, besticht. Zwar baut Christiane Dieckerhoff mit einem Prolog, in dem ein im Jahre 1993 begangenes Verbrechen geschildert wird und auf den sie im Laufe der Erzählung auch zurückgreift, gleich zu Beginn einen Spannungsbogen auf, doch heißt es für Leserinnen und Leser dann erst einmal: Konzentration! Die recht verworrenen Beziehungen und Verhältnisse der einzelnen Charaktere untereinander halten die Leser/innen auf Trab, dazu kommen immer wieder neue Informationen und niemand scheint der-/diejenige zu sein wie vermutet. Vor Überraschungen ist man bei den Spreewälder/innen eben nicht gefeit! Mit dem Tod des Landstreichers nimmt die Spannung dann aber wieder rasant zu und hält sich bis zur Aufklärung des Falles, bei der es allerdings noch einige gewollte offene Fragen gibt – wie im wahren Leben eben.
    Die Charaktere sind lebensnah und mehrschichtig gezeichnet. Besonders Klaudia hat mir sehr gefallen, da sie sich zwar als praktische und engagierte Polizistin zeigt, trotzdem aber menschliche Regungen nicht verbirgt.
    Immer wiederkehrende Perspektivwechsel helfen, sich in die Figuren hineinzuversetzen. Sehr ansprechende und detaillierte Beschreibungen des Spreewalds lassen Lesende förmlich in diese Welt eintauchen und machen Lust, diese Flusslandschaft einmal zu besuchen.
    Dieckerhoffs Sprache ist schnörkellos und flott zu lesen, recht kurze Kapitel lassen Lesende rasch vorankommen. Diesem tut kein Abbruch, dass manche Stellen, vor allem in der ersten Krimihälfte, etwas langatmig erscheinen.
    Das Cover zeigt einen Steg über einen Flussarm, die Bäume im Hintergrund gehen in Nebel über – ein guter Einblick zum einen in die Spreelandschaft, zum anderen ein Symbol für das Nebulöse der Charaktere und der Handlung.
    Insgesamt legt die Autorin mit diesem Werk einen intelligent konstruierten Kriminalfall vor, der durch Verwicklungen glänzt und zum Mitdenken einlädt: kein Buch, bei dem man abschalten kann, das beim Lesen aber für schöne, spannungsreiche Stunden sorgt. Ich jedenfalls werde bei Gelegenheit auch die vorangegangenen Bände lesen, um Klaudias Geschichte kennenzulernen, und hoffe, dass diese Reihe fortgesetzt wird. Für Freund/innen deutscher Regionalkrimis ist die Lektüre auf jeden Fall zu empfehlen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2018 

    Hat jede Familie eine Leiche im Keller?

    "Mütter lieben ihre Kinder mehr, als Väter es tun, weil sie sicher sein können, dass es ihre sind." (Aristoteles)
    1993: Auf der kleinen Spreewald Insel ein Bootshaus angezündet, bei dem man danach die Leiche eines jungen Mannes auffindet.
    Heute: Bei der Kripo Lübben ist momentan etwas Ruhe eingekehrt, deshalb hat der Chef von Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner eine Teambildung Maßnahme beordert. Was Klaudia und ihr Team allerdings nicht ahnt ist, das sie ausgerechnet einen Kurs im Wursten besuchen müssen. Da würde Klaudia sich doch lieber einen neuen Mordfall wünschen. Wenn sie geahnt hätte, dass sich dieser Wunsch schneller erfüllt, hätte sie ihn lieber nicht ausgesprochen. Auf der kleinen Spreewald Insel Klingeweide fand eine Technoparty statt, dabei fand man einen jungen Mann vor, der brutal hinterrücks niedergeschlagen wurde. Dass der junge Mann ausgerechnet der Neffe des Metzgers ist, bei dem die Teambildung ist, ist schon ein eigenartiger Zufall. Doch als man kurz danach noch einen toten Obdachlosen findet, stehen Klaudia Wagner und ihr Team vor einem Rätsel. Erst bei weiteren Recherchen entdecken die Ermittler das es eine alte Fehde zwischen der Familie Klingebiel und Schenker gibt, bei dem es vor 20 Jahren zu einem tödlichen Unfall kam. Klaudia muss nun alle Hebel in Bewegung setzen, den der alte Hass zwischen den Familien ist, wieder neu entfacht und könnte jederzeit eskalieren.

    Meine Meinung:
    Ich kenne die Autorin schon von den ersten beiden Folgen um die Kripobeamtin Klaudia Wagner. Das wunderschöne Cover gibt uns wieder mal einen Einblick des Spreewalds und passt bestens zu der Reihe. Auch bei diesem Band ist es nicht unbedingt vonnöten die Vorgeschichte zu kennen. Der Schreibstil ist wieder sehr gut, so das ich wieder einmal das Gefühl hatte, im Spreewald angekommen zu sein. Durch die guten Beschreibungen der Autorin bekommt man einen Einblick in die Arbeit der Ermittler, die gerade im Spreewald durch die vielen Gewässer und Inseln sehr speziell sind. Man merkt einfach, das sich die Autorin in dieser Region wie zu Hause fühlt. Das Ermittlerteam bei dem alle ihre Vorgeschichten haben, gefällt mir hier wieder sehr gut. Allen voran Klaudia Wagner, mit der ich mich am Anfang etwas schwertat, ist meines Erachtens endlich angekommen. Wieder einmal hat sie auch mit Problemen innerhalb ihres Teams zu kämpfen, die sie aber gut meistert. Dadurch hat man sofort das Gefühl realistische Polizeiarbeit mitzuerleben. Auch die Spannung zwischen den Familien Klingebiel und Schenker, war sehr gut ausgearbeitet und für mich absolut nachvollziehbar. Lediglich ein wenig mehr Spannung hätte dem Krimi gutgetan. Dass man jedoch alte Bekannte wieder trifft, wie den Fährmann Schiebschick der Klaudia inzwischen ein guter Freund geworden ist, hat mich sehr gefreut. Von daher kann ich nur jedem raten, wer die ganzen Hintergründe kennenlernen möchte, der sollte unbedingt die zwei Bände davor lesen. Für mich war es mal wieder ein schönes Erlebnis mitten im Spreewald dabei zu sein, gebe 4 1/2 von 5 Sterne und freue mich auf Band 4.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 23. Apr 2018 

    Späte Rache

    Was für eine Idee des Chefs! Als Teambildungsmaßnahme sollen die Kollegen der Polizeidienststelle auf einem Spreebauernhof zusammen wursten. Während Klaudia Wagner und ihre Kollegin mit Widerwillen Speck- und Fleischstücke durch den Fleischwolf drehen, hoffen Sie auf einen Einsatz. Der kommt schneller als sie denken. Ein junger Mann wurde niedergeschlagen und schwer verletzt, es ist ausgerechnet der Sohn der Hofbesitzer.
    Im Krankenhaus wird Klaudia sehr schnell klar, dass Daniel wesentlich mehr gesehen hat und weiß, als er sagt, noch kann er sich auf eine Amnesie herausreden. Als einige Tage später ein ermordeter Obdachloser gefunden wird, nah am ersten Tatort und alles auf eine alte offene Rechnung verfeindeter Familien hindeutet, wird die Ermittlung schwierig und spannend.
    Spreewaldrache ist der dritte Krimi in der Spreewaldreihe der Autorin. Ich bin froh, dass ich die Vorgänger gelesen habe. So hatte ich noch viele Ereignisse parat und war auch immer auf Stand, wenn es um die privaten Probleme und Konflikte von Klaudia und ihren Kollegen geht. War mir in den ersten zwei Büchern noch diese Nebenhandlung zu viel und zu vordergründig, ist es mir hier nicht mehr so negativ aufgefallen. Entweder habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, oder die Personen sind mir inzwischen schon mit allen Macken vertrauter geworden.
    Was den Kriminalfall angeht, war er verwickelt und verzwickt, die vielen Personen und ihre verwandtschaftlichen und amourösen Verflechtungen erforderte meine volle Konzentration. Sehr gut hat mir der geschichtliche Hintergrund gefallen. Die Wunden die Wende schlug haben auch Jahrzehnte später noch Auswirkungen und alle Beteiligten geprägt. Klaudia Wagner muss erst die Vergangenheit entschlüsseln um die Gegenwart zu verstehen.
    Der Schreibstil ist flüssig, ein solider aufgebauter Krimi, der bis zum Ende spannend bleibt und die Auflösung fand ich logisch.
    Spreewaldrache hat mir besser gefallen, als die Vorgänger.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Apr 2018 

    Schuld und Rache

    Wursten als teambildende Maßnahme? Eine originelle Idee, die aber nicht allen bei der Kripo Lübbenau wirklich gefällt. Und so wünscht sich Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner schon bald, doch lieber ermitteln zu können – was sie kurz darauf auch darf bzw. muss. Ein Junge wird blutüberströmt auf einer kleinen Spreewaldinsel aufgefunden. Er wurde brutal niedergeschlagen und kann sich an nichts erinnern. Oder verheimlicht er etwas? Bald finden Klaudia und ihre Kollegen heraus, dass eine alte Familienfehde, die schon Jahrzehnte zurückreicht, eine Rolle spielt. Zwei alteingesessene Fähr-Familien sind eng miteinander verflochten durch eine heimliche Liebesbeziehung, ein uneheliches Kind und ein Unglück, für das sich die Familien bis heute gegenseitig die Schuld zuweisen.
    Als kurz darauf die Leiche eines Obdachlosen in einer Datsche gefunden wird, deutet alles darauf hin, dass auch er irgendwie in die Familiengeschichte verwickelt ist.
    Der Spreewald wird hier in einer melancholischen, düsteren und geheimnisvollen Atmosphäre präsentiert. Das Geschehen findet häufig nachts, im Nebel statt, wo sich so mancher Beteiligte auch der Wasser- und Schleichwege bedient, um ungesehen von einem Ort zum anderen zu kommen. Das erschwert natürlich auch die Ermittlungen der Kripo Lübbenau. Dennoch ergibt sich aus den einzelnen Puzzleteilen nach und nach ein Gesamtbild, das eine tragische Geschichte voller düsterer Familiengeheimnisse, verdrängter Schuld und unerfüllter Hoffnungen zeigt.
    Klaudia Wagner eckt durch ihr manchmal undiplomatisches Verhalten gelegentlich an, bei den Kollegen, aber auch beim Leser, der ihre Entscheidungen und ihre Art nicht immer nachvollziehen kann. Hilfreich ist, wenn man Klaudia Wagner und ihre Vorgeschichte, die sie in den Spreewald geführt hat, aus den Vorgängerbänden kennt.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Apr 2018 

    Eifersucht kann töten

    Nach einer Technoparty wird der junge Daniel schwer verletzt aufgefunden. Gefährliche Körperverletzung lautet die Fallkennzeichnung. Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner beginnt mit den Ermittlungen. Doch der junge Mann kann sich nicht an viel erinnern oder er sagt nichts. Wenig später wird ein älterer Mann, der offensichtlich ein Penner war, tot in einer Datsche entdeckt. Der alte Mann stand in Beziehung zu den anderen Personen, die als Beteiligte festgestellt werden konnten. Doch in der kleinen Spreewaldgemeinde wird Schweigen groß geschrieben. Jedoch deutet einiges darauf hin, dass die Ereignisse auf einen Brand zurückgehen, bei dem vor zwanzig Jahren ein Jugendlicher umgekommen ist.

    Noch immer ist Klaudia Wagner nicht ganz im Spreewald angekommen. Ursprünglich stammt sie aus dem Ruhrgebiet und sie hat sich aus persönlichen Gründen nach Brandenburg versetzen lassen. Schwierig ist das Ankommen, aber nicht unmöglich. Auch wenn es immer wieder Schwierigkeiten gibt, fühlt sie sich doch so langsam heimisch. Der neue Fall, ihr dritter, erweist sich als nicht leicht zu knacken. Die Sache von damals scheint noch nicht ausgestanden zu sein. Da haben wohl einige noch ein Hühnchen miteinander zu rupfen. Doch warum nicht einfach die Vergangenheit ruhen lassen. Allerdings, manches nagt an einem und wird nie vergessen.

    In ihrem dritten Fall hat es Klaudia Wagner nicht leicht, eine Lösung zu finden. Sehr verschlungen sind die Beziehungen der beteiligten Familien. Es wirkt wie ein wir gegen die. Und möglicherweise kann Eifersucht tatsächlich töten. Wenn Probleme schweigend unter den Teppich gekehrt werden, können sie nie richtig verarbeitet werden. Und wenn sich die Gelegenheit bietet, bricht alles wieder auf. Natürlich wird es durch diese Hintergründe, die in der Vergangenheit verborgen liegen, alles andere als einfach, die Gegenwart zu verstehen. Fraglich, ob jemals alles herauskommt. Was zu Beginn nur in kleinen Schritten vorankommt, wirkt am Ende etwas überhastet, so dass man sich fragt, ob man nicht etwas verpasst hat. Dennoch versteht es Klaudia Wagner mit ihrem Auftreten zu fesseln, ihre zielstrebige Art überzeugt und die stimmungsvollen Beschreibungen des Spreewalds im November lassen einen wünschen, den Ort im Sommer zu besuchen.

    3,5 Sterne