Sommerdiebe

Buchseite und Rezensionen zu 'Sommerdiebe' von Truman Capote
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Vor ihr liegt ein Sommer, in dem sie einen ganzen Kontinent zwischen sich und ihrer Familie weiß: Während ihre Eltern nach Europa segeln, bleibt die 17-jährige Grady allein zurück in einem schwülen New York ohne Aircondition, dafür in einem voller Versprechen.
Grady kann tun und lassen, was sie will. Und sie will eine Menge, bloß sich noch nicht in die feine Gesellschaft einfädeln, die sie nur müde macht. Sie verliebt sie sich in Clyde, einen jüdischen Jungen aus Brooklyn, der, zurück aus dem Krieg, als Parkplatzwächter arbeitet. Es ist ihr egal, dass sich ihre Mutter, einen anderen Schwiegersohn erträumt - eine standesgemäße, sichere Partie. Doch ein komfortables, risikoloses Leben ist das Letzte, was Grady interessiert. Sie schwirrt durch diese heißen Monate mit Clyde und seinen Kumpels - erfüllt von einer Sehnsucht nach einer Welt mit lauter Unbekannten, wo nichts festgeschrieben ist und stets ein Rätsel zu lösen bleibt.

Format:Taschenbuch
Seiten:160
Verlag: Goldmann TB
EAN:9783442464821

Rezensionen zu "Sommerdiebe"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Apr 2016 

    Wunderbar geschrieben, aber unbefriedigendes Ende

    Dass Truman Capote ein wunderbarer Erzähler ist, der - durchaus ausschweifend, aber nie langatmig - Figuren, Stimmungen und Orte lebendig vor dem inneren Auge entstehen lassen kann, ist hinlänglich bekannt. Auch in seinem ersten Roman "Sommerdiebe", der allerdings erst posthum erschienen ist, beweist er dies eindrucksvoll.
    Grady, Tochter einer sehr reichen Familie, verbringt den Sommer alleine in New York, während ihre Familie nach Europa reist. Die Siebzehnjährige, eine freche, emanzipierte junge Dame, die selbst nie eine Dame sein möchte, genießt ihre Freiheiten und den Sommer mit Grady, einem Arbeiterjungen, der nicht zu ihr passt und vielleicht gerade deswegen der ideale Sommerbegleiter ist.

    Es geschieht eigentlich nicht allzu viel. Auch wird wenig Spannung aufgebaut. Vielmehr wird der Leser durch das Buch getragen wie Grady und Clyde durch den Sommer. Wer Freude an Sprache, an Bildern, die hängen bleiben, an durchkomponierten Sätzen hat, der wird sich hier gerne treiben lassen. Wer allerdings eine Geschichte erwartet, die den Leser aufgrund ihrer Spannung mitnimmt, und der womöglich sogar noch auf ein befriedigendes Ende wartet, der wird wohl enttäuscht sein. Der Schluss ist in seiner Plötzlichkeit und Offenheit tatsächlich etwas enttäuschend. Es wirkt, als sei das Manuskript ein Fragment geblieben. Aber vielleicht war es das ja auch.