Solange die Hoffnung uns gehört: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Solange die Hoffnung uns gehört: Roman' von Linda Winterberg
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Bis wir einander wiederfinden!
Frankfurt, 1938: Als Sängerin darf die Jüdin Anni nicht mehr auftreten. Nur mit Mühe kann sie für sich und ihre kleine Tochter Ruth sorgen. Die Angst vor dem NS-Regime wird immer größer, aber all ihre Bemühungen, gemeinsam auszureisen, scheitern. Schließlich ringt sich Anni zu der wohl schwersten Entscheidung für eine Mutter durch: Um wenigstens ihre Tochter in Sicherheit zu wissen, schickt sie Ruth mit einem der Kindertransporte nach England. So bald wie möglich will Anni ihr folgen. Doch dann bricht der Krieg aus, und sie kann das Land nicht mehr verlassen…
Die berührende Geschichte einer jungen Mutter, die ihr Kind zu retten versucht, indem sie es auf eine Reise ins Ungewisse schickt.

Format:Taschenbuch
Seiten:471
EAN:9783746632896

Rezensionen zu "Solange die Hoffnung uns gehört: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Jul 2017 

    Eines Tages singen wir das Jankele wieder zusammen

    "shlof zhe mir shoyn yankele mayn sheyner, di eygelakh di shvatsinke makh tsu. a yingele vos hot shoyn ale tseyndelekh, muz nokh di mame zingen "ay lyu lyu" Schlaf mir schon, mein schöner Yankele, die Augen, die schwarzen mach zu. Einem Kindchen, das schon alle Zähne hat, muss noch die Mutter "ay lyu lyu" singen? (Yankele von Mordechaj Gebirtig)
    Frankfurt 1933: Anni Kluger die gefeierte Opernsängerin und Sopranistin vom Frankfurter Opernhaus und ihre 6-jährige Tochter Ruth erleben die letzten ruhigen Tage in Frankfurt, ehe auch sie die Auswirkungen des Naziregimes zuspüren bekommen. So wird Anni, die zwar Protestantin mit einer jüdischen Mutter ist, ebenfalls von den Repressalien der Judenverfolgung erfasst. Sie verliert ihre Arbeit an der Oper und muss sich nun mehr schlecht als recht durchschlagen. Doch durch ihre Freundin Magda erfährt Anni eines Tages vom Kindertransport nach England durch die Quäker und versucht so Ruths Leben zu retten, in der Hoffnung bald nachzukommen. Auch Walter der Sohn ihrer Freundin Marlene, der für Ruth wie ein Bruder ist, wird zuvor schon nach England geschickt. Ruth soll in die New Herrlingen School von Anna Essinger kommen, aber wird sie Walter in England wiedersehen? Während Ruth ihr Leben in England auf die Reihe bekommen muss, kämpft Anni um die Auswanderung und ums Überleben in Deutschland während den Kriegswirren. Eine große Hilfe sind ihr in dabei Garderobiere Georgina, ihre Nachbarin Hiltrud und Heinrich Gabler. Aber werden sich Ruth und Anni irgendwann wiedersehen?

    Meine Meinung:
    Das Cover durch die Farbgebung erinnert es an die früheren Zeiten, ist gleichzeitig aber wärmer als das schwarz-weiß von früher. Ein Buch, das mich emotional zutiefst berührt hat, vor allem da dieses Buch auf Tatsachen aufgebaut ist. Diese Kindertransporte gab es zu genüge in der Nazizeit und viele Eltern mussten sich von ihren Kindern trennen ohne zu wissen, ob sie diese je wiedersehen. Im Nachwort hat die Autorin die Menschen des Romans beschrieben, die teils für diesen als Vorlage standen. Da ich schon in KZ's und in Yad Vashem war, wo man sieht wie viele jüdische Kinder damals umgekommen sind, hat mich diese Geschichte noch mehr ergriffen. Auch wen diese Lösung für viele Kinder und Eltern schwer war hat es doch einigen wenigen Kindern das Leben gerettet. Der Schreibstil ist sehr gut und man wird durch die zwei Handlungsstreifen sofort in die Geschichte mit hineingezogen. Ich hatte das Gefühl beim Lesen mitten im damaligen Geschehen dabei zu sein. So wie es der Autorin nicht leicht gefallen ist diese Geschichte zu recherchieren so traurig und emotional kam es auch bei mir als Leser an. Es ist sicher keine leichte Kost dieses Buch, auch ich musste an vielen Stellen innehalten halten. Jedoch finde ich es ein wichtiges Buch von der damaligen harten Zeit. Ich kann es nur jedem ans Herz legen diesen Roman zu lesen, er hat Bestsellerqualität und bekommt von mir 5 von 5 Sterne.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Jun 2017 

    Ein Stück Zeitgeschichte

    Ein Stück Zeitgeschichte

    Solange die Hoffnung uns gehört von Linda Winterberg

    Die Sopranistin Anni Kluger ist Jüdin, die aber durch die Konvertierung ihrer Eltern als Protestantin erzogen wurde. Sie arbeitet 1933 an der Frankfurter Oper. Sie ist Witwe, und muss allein für sich und ihre 6 jährige Tochter Ruth sorgen. Die Oper ist wie eine Familie für die beiden, vor allem zum Garderobier Georgina, eigentlich Norbert Baum, haben die zwei ein inniges Verhältnis.
    Die Lage in Deutschland beginnt schwierig zu werden, auch wenn Anni sich nicht als Jüdin sieht, kann sie ihre Wurzeln nicht verleugnen. Ruth muss bereits in der Schule mit Anfeindungen leben.

    Bei Familie Sommer, die im Nachbarhaus wohnt, ist Anni mit ihrer Tochter ein gern gesehener Gast. Deren Sohn Walter ist nur wenig älter als Ruth, die beiden verbindet die Liebe zur Musik. Die Kinder stützen sich sehr aufeinander, geben sich gegenseitig halt, denn auch Familie ist jüdischer Abstammung.

    1939, die Reichskristallnacht, die Lage spitzt sich zu. Nun muss Anni ernsthaft um das Leben ihrer Tochter bangen. Sie entschließt sich schweren Herzen sie mit der Kinderverschickung nach England Reisen zu lassen. Sie hegt die Hoffnung ihrer Tochter bald folgen zu können, doch leider macht das Schicksal da nicht mit.

    Eine Odysee für Mutter und Tochter beginnt. Linda Winterberg beschreibt deren Lebensweg über die Jahre sehr anschaulich. Sie schönt nichts, im Gegenteil, dem Leser wird überzeugend real beschrieben, durch was für eine schlimme Zeit die Menschen damals gehen mussten. In der Geschichte gibt es aber auch Menschen die für andere einstehen, ohne sie wäre die Handlung fast nicht auszuhalten gewesen.

    Die Charaktere sind teilweise in Anlehnung wahrer Personen entstanden. Als Vorbild für die Figur der Ruth, diente beispielsweise Eva Heymann, die 1924 in Berlin geboren wurde. Sie war musisch sehr begabt und wurde 1939 mit einem Kindertransport verschickt. Sie verstarb 2016 im Alter von 91 Jahren. Diese Tatsache hat mich sehr berührt, es führte mir noch deutlicher vor Augen, dass dieses Schicksal nicht abwegig ist.

    Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen, er brachte mir eine Seite des Krieges näher, die immer einen bitteren Beigeschmack behalten wird. Es ist gut, sich auch in der heutigen Zeit mit diesem Thema zu beschäftigen. In dem ich mich mit allem auseinandersetze, wird mir immer wieder klar, wie sehr wir dafür kämpfen müssen, dass solche Dinge nicht wieder geschehen. Und wenn man sich in der Welt mal umschaut, haben wir immer noch ein großes Stück Weg vor uns.

    Dieser Roman wurde mir von Netgalley zur Verfügung gestellt.