Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb

Buchseite und Rezensionen zu 'Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb' von Mick Herron
4.2
4.2 von 5 (11 Bewertungen)

River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070187

Rezensionen zu "Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 28. Okt 2018 

    Ein moderner, sehr spannender Spionagethriller. Ein Pageturner m

    "Things aren't always black and white, River." (Zitat Seite 84)

    Inhalt:
    Man nennt sie "Slow Horses", jene Mitarbeiter des MI5, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem aktiven Dienst entfernt wurden und nun in den Büros im Slough House Akten sichten. Chef dieser eigenwilligen Gruppe ist Jackson Lamb, eine Legende, nun ebenfalls untätig, doch der Schein trügt. Dies erkennt auch River Cartwright, junger, aufstrebender Agent, der im Slough House frustriert Telefonprotokolle prüfen soll. Denn da wird ein junger Student mit pakistanischen Wurzeln entführt, der binnen 48 Stunden exekutiert werden soll und die Slow Horses werden aktiv.

    Thema und Genre:
    Ein spannender Thriller in der Tradition der klassischen Spionageromane, aber modern und frech. Es geht um Politik, Geheimdienste und ihre Strukturen. "London Rules" spielen eine wichtige Rolle in diesem Roman, gemeint sind die internen Intrigen, Macht um jeden Preis und mit allen Mitteln.

    Charaktere:
    Mit Jackson Lamb präsentiert der Autor einen richtigen Antihelden, ein ekelhafter Zyniker, den man als Leser trotzdem oder gerade deshalb ins Herz schließt. River ist das junge Pendant, hartnäckig alle Spuren verfolgend, egal wohin sie führen. Sehr gut schildert der Autor, wie dieser Haufen von schwierigen Eigenbrötlern sich plötzlich zusammenfindet, als es darum geht, ein Menschenleben zu retten und auch die Gruppe zu verteidigen.

    Handlung und Sprache:
    Kurz werden zu Beginn die einzelnen Mitglieder der "Slow Horses" vorgestellt, doch damit ist man auch schon in einer sehr spannenden Handlung mit überraschenden Wendungen auch dort, wo man als Leser zu wissen glaubt, was als nächstes passiert. Sprachlich fallen besonders die großartigen Dialoge auf, immer auf den Punkt gebracht, sarkastisch und witzig. Kann ein Thriller auch in einer literarischen Sprachqualität geschrieben sein - dieser hier kann. Auch wenn ich das englische Original gelesen habe, bin ich überzeugt, dass es dem erfahrenen Diogenes Verlag
    gelungen ist, dies auch in der deutschen Übersetzung umzusetzen.

    Fazit:
    Dieser moderne, spannende Spionagethriller ist die härtere, kompromisslosere Variante des "Kommando Abstellgleis" der französischen Autorin Sophie Hénaff und macht genau so viel Spaß. Ein packender Pageturner nicht nur für Fans von realistischen Spionageromanen. Band 1 einer Serie, Band 2 wartet schon auf meinem Reader.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 26. Okt 2018 

    48 Stunden

    Nach und nach sind sie zum Slough House gekommen. Eine Abteilung des Service zwar, doch eine, deren Funktion nicht richtig greifbar ist. Bei dem letzten Neuzugang handelt es sich um River Cartwright. Mit seinem letzten Einsatz hat der die halbe Stadt lahmgelegt und auch noch den Falschen erwischt. Zwar handelte es sich um eine Übung. Aber Fehler ist Fehler und Fehler, die viele Menschenleben kosten könnten, dürfen noch nicht einmal während Übungen gesehen. River mag seine neuen Kollegen nicht, obwohl diese sich in einer ähnlichen Situation befinden. Mit Widerwillen arbeitet er an der Überwachung einer Zielperson. Die Entführung eines pakistanisch-stämmigen Jugendlichen könnte für die Agenten des Slough House die Chance sein, sich zu rehabilitieren.
    Eine Abteilung der Entsorgten, der Weggelobten, ein Chef, der undurchsichtig seines Amtes waltet, ein geheimnisvoller Entführungsfall, der in kein Schema passt. Ein Opfer, zu dessen Rettung sich viele aufmachen und doch zunächst scheitern. Wie langsam entschlüsselt wird, wer welche Rolle spielt, wer welche Ziele verfolgt, wie Fäden zusammen gehalten werden und schließlich alles an seinem Platz ist. Lauter gute Ideen schmücken diesen ersten Band um die „Insassen“ des Slough House. Doch leider will der Funke nicht so recht überspringen. Manche Schilderungen erscheinen zu sachlich und zu distanziert. Zu subtil verfolgt der Autor den Wunsch, dem Leser seine Gedanken beinahe unmerklich unterzuschieben. Mitunter wirkt es so als säßen unbeteiligte Dritte in einem Club und erzählten bei einer Zigarette von fernen Ereignissen. Ortswechsel ohne große Erklärungen führen zum Teil zu Verwirrung. Erst in der zweiten Hälfte des Buches wird das Bild klarer und die Logik hinter den Ereignissen entfaltet sich. Dann erst kommt Spannung auf, wie man es bei einem Krimi wünscht.
    Es mag vielleicht der persönlichen Situation des Lesers geschuldet sein, dass sich der Reiz dieses Romans nicht so recht offenbaren wollte, denn wie bereits erwähnt, die verarbeiteten Ideen sind bemerkenswert originell, doch weitere Ermittlungen müssen die Agenten des Slough House alleine anstellen. Einer Verfilmung, die vielleicht eher die wünschenswerten Spannungselemente enthalten würde, wird gerne entgegen gesehen.
    3,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Okt 2018 

    lahmer Gaul = cleverer Gaul

    Auch wenn der Romantiker unter den Spionage-Affinen es gerne glauben möchte ... aber nicht jeder britische Geheimagent ist ein knackiger James Bond. Denn es gibt da die "Slow Horses". Das sind jene Agenten, die im Dienst an der britischen Krone versagt haben, in welcher Form auch immer. Einem Geheimagenten kündigt man nicht. Die Versager unter den Geheimdienstlern werden strafversetzt und haben sich fortan mit äußerst anspruchslosen und stumpfsinnigen Tätigkeiten rumzuschlagen, i. d. R. am Schreibtisch. In Mick Herrons Roman "Slow Horses" geht es um eben diese Agenten.
    Abgesehen von den anspruchslosen Aufgaben, stellt man den Slow Horses einen Arbeitsplatz zur Verfügung, der an Schäbigkeit nicht zu überbieten ist. Strafe muss sein.

    "'... In Slough House zu sitzen bedeutet, nicht mehr gebraucht zu werden.'"

    Die Truppe, um die es in diesem Roman geht, ist im Slough House untergebracht (slough = Sumpf). Hierbei handelt es sich um ein unscheinbares Gebäude mitten in London. Die Büroräume sind deprimierend. Das Interieur ist muffig und angeranzt. Hier versumpfen fünf Männer und drei Frauen unter der Führung von Jackson Lamb in ihrem langweiligen Arbeitsalltag. Im Laufe der ersten Kapitel erfährt der Leser, aus welchem Grund sie den Slow Horses zugeordnet wurden. Einzig die Vorgeschichte von Jackson Lamb bleibt zunächst im Unklaren. Jackson Lamb ist ein alter erfahrener Geheimagent, der mit seinem schlechten Aussehen, seiner mangelnden Körperhygiene sowie seinen katastrophalen Umgangsformen kokettiert. Er ist ein Chef, wie ihn keiner haben möchte, auch wenn er seine Mitarbeiter nur selten bei der Arbeit stört.
    Der größte Teil der Slow Horses hat resigniert und sich mit dem Dasein in der Versenkung abgefunden. Sie sehen sich selbst als Verlierer, die keinen Grund haben, ein bisschen Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Nur zwei von ihnen wollen nicht akzeptieren, dass sie ausrangiert wurden.

    "Es war das Starren auf den Computerbildschirm. Dafür war sie eigentlich nicht zum Secret Service gegangen, aber darauf war es hinausgelaufen. Ja, sie hatte das Gefühl, als wäre sie dort gestrandet, als hätte sie keine andere Zukunft als jene, die jeden Morgen hinter der Tür mit der abblätternden Farbe von Slough House auf sie wartete und sich endlos, Minute um Minute, hinzog, bis sich die Tür beim Hinausgehen wieder hinter ihr schloss. Und die Zeit dazwischen verbrachte sie mit der Wut über die Ungerechtigkeit der Welt."

    Anfangs lässt man sich von dem Autor Mick Herron tatsächlich einlullen. Er beschreibt seine Protagonisten und ihren Werdegang - zugegebenermaßen - auf sehr humorvolle Weise. Doch fragt man sich, was "Slow Horses" zu einem Agentenroman macht. Als das wird er schließlich verkauft.
    Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und eine Entführung bestimmt das Geschehen. Die Handlung nimmt mächtig an Fahrt auf und wird sehr sehr spannend.
    Man ahnt es, die Slow Horses werden aus ihrer Lethargie gerissen und schalten sich in die Aufklärung des Verbrechens ein. Und am Ende wird alles gut. Die Guten gewinnen und die Bösen haben das Nachsehen.

    Doch das wäre zu einfach und hätte die Serie um das Ober-Slow Horse Jackson Lamb, die aus diesem Roman entstanden ist, nicht zu dem gemacht, was sie in England ist: ein unglaublicher Erfolg und eine mehrfach ausgezeichnete Agentenserie, deren Verfilmung geplant ist.

    Denn Mick Herron macht aus einem Krimi, bei dem es um eine Entführung geht, ein Psycho- und Intrigenspiel innerhalb des britischen Geheimdienstes. Die beteiligten Abteilungen arbeiten gegeneinander. Handlungen und Entscheidungen werden von den Ambitionen einzelner Geheimdienststrategen bestimmt. Und mittendrin ist Jackson Lamb mit seinen Slow Horses, die als Versager ihrer Aussenseiterrolle mehr als gerecht werden. Das macht Spaß, insbesondere wenn man feststellt, dass selbst, wenn ein Gaul lahm ist, er immer noch ein cleverer Gaul sein kann.

    "Irgendjemand muss immer bezahlen. Schau zu, dass nicht du es bist."

    Mick Herron erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Das ist oft verwirrend, zumal er gerade zu Beginn eines neuen Abschnittes den Leser im Unklaren lässt, welcher der Protagonisten gerade die Handlung bestimmt. Darüberhinaus hat er die gemeine Angewohnheit, Abschnitte zu beenden, indem er den Ausgang einer Szene offen lässt und erst seitenweise später für Auflösung sorgt. Dadurch wird man als Leser durch die Handlung getrieben, schließlich will man wissen, ob sich Vermutungen, die man entwickelt hat, am Ende bewahrheiten.

    Fazit:
    Ein Geheimagenten-Roman, mit Geheimagenten, die so gar nicht dem Geheimagenten-Klischee entsprechen. Eine Geschichte, die aufgrund der Charaktere sehr viel Spaß macht und durch seine Spannung überzeugt. Ich hoffe, dass es noch weitere Romane über die Slow Horses geben wird. Ich bin Fan geworden.

    © Renie

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Okt 2018 

    Spannender Agententhriller

    Was geschieht eigentlich mit Agenten des MI5, die ausrangiert werden? River Cartwright ist ein solcher ausrangierter Agent. Er wurde nicht wegen des Alters ausgemustert, nein er hat bei einem Übungseinsatz in seiner Ausbildung Kings Cross lahm gelegt. Das war es für ihn mit der Karriere. Er wurde ins Slough House versetzt. Dort wühlt er nun im Müll fremder Leute und analysiert abgehörte Ferngespräche Tag für Tag. Dieser Zustand ist für ihn und seine Kollegen, es gibt noch weitere Ausgemusterte, absolut demotivierend und frustrierend. Chef der dortigen Truppe ist Jackson Lamb, der sich von niemandem in die Karten blicken lässt. Warum er im Slough House gelandet ist, weiß niemand.

    Dann geschieht etwas Unvorhergesehenes. Ein Video mit einem Entführungsopfer - ein Pakistaner - wird veröffentlicht mit der gleichzeitigen Drohung, dass der junge Mann vor laufender Kamera enthauptet wird. Jackson Lamb hat einige Vermutungen bezüglich der Entführung und will noch einmal mitmischen in dem Geschäft.

    Eine verblüffende Story, überraschende Wendungen und vor allem viel Tempo machen diesen Agententhriller aus. Allerdings dauert es bis dahin. Am Anfang plätschert die Handlung vor sich hin, alle Beteiligten werden zum Teil sehr ausführlich dargestellt. Dann geschieht das Unfassbare. Plötzlich dynamisiert sich die Handlung, man hastet beim Lesen förmlich hinterher. Vor allem die Lösung dieses Falles überraschte und erschütterte mich. Im Nachhinein denke ich, es hätte genauso sein können.

    Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Okt 2018 

    Slow bis zäh...

    River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.

    "Wo haben sie ihn hingeschickt? Irgendein Drecksloch, wo es richtig schrecklich ist? - Schlimmer geht's nicht. - O mein Gott, doch nicht in das Drecksloch, nicht Slough House? - Könnte sein." (S. 30 f.)

    Eine Ansammlung erfolgloser Agenten beherbergt das Slough House, eine fast vergessene Zweigstelle des MI5. Mit dem berühmten Geheimdienst Londons haben die Slow Horses, wie die abgehalfterten Mitarbeiter der Außenstelle spöttisch genannt werden, jedoch kaum noch etwas zu tun. Stumpfsinnige Aufgaben müssen sie erledigen, tagein tagaus Telefongespräche verschriftlichen, Müll durchforsten ohne zu wissen, wonach sie überhaupt suchen, alles mürbe machende Tätigkeiten, immer in der Hoffnung, dass die ehemaligen Agenten von alleine kündigen. Noch nie jedenfalls ist einer von ihnen zurückgekehrt nach Regent´s Park, der Zentrale des MI5.

    River Cartwright ist einer der ausgemusterten Agenten und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich wieder einmal an einer echten Ermittlung teilzunehmen. Der Thriller beginnt fulminant mit der Szene, die verdeutlicht, weshalb River nicht länger ein vollwertiges Mitglied des Secret Service ist: bei einer Übung verwechselte er den zu Verfolgenden, so dass nicht nur der U-Bahnhof lahmgelegt wurde, sondern der vermeintliche Attentäter in Ruhe dazu kam, die Sprengsätze zu zünden und damit sich und zahlreiche andere in den Tod zu reißen. Nur eine Übung, glücklicherweise, aber eben auch ein Grund für die Disqualifizierung.

    Nach dem Prolog wird die Spannung plötzlich komplett aus der Erzählung herausgenommen und weicht einer langatmigen und sehr ausführlichen Schilderung der Personen und Räumlichkeiten von Slough House. Fast wie nebenbei erfährt der Leser auch von der Entführung eines pakistanischen Jungen und der Drohung der vermutlich rechtsextremen Täter, ihrem Opfer vor laufender Kamera den Kopf abzuhacken. Trotz dieses schockierenden Umstands laufen die Ermittlungen hierzu nur schleppend oder gar nicht an, und nur in kurzen, wie eingeblendeten Sequenzen, erfährt der Leser von der beängstigenden Situation des Entführten, ohne dass der Fall als solcher in der Erzählung dominiert.

    Jackson Lamb, der schmierige, schmerbäuchige, ungehobelte, faule, verbitterte, misantropische, überhebliche Koloss von einem Chef lässt die abgehalfterten Agenten von Slough House täglich spüren, was sie für Versager sind, und vergräbt sich selbst in seinem Büro, in dem Tag und Nacht die Jalousien herabgelassen sind. Doch kommt etwas in Bewegung, als er bezüglich des entführten pakistanischen Jungen beginnt, auf eigene Faust mit den Ermittlungen zu starten und dabei auch seine Untergebenen mit einzubeziehen, die nach echter Agententätigkeit lechzen. Allerdings kommt dies dermaßen zäh in Gang, dass ich tatsächlich schon fast aufgegeben hätte, als es im letzten Drittel endlich spannender zu werden begann.

    "Lamb drehte sich zu ihm um und musterte ihn durch halbgeschlossene Augen, was River daran erinnerte, dass das Nilpferd zu den gefährlichsten Tieren der Welt gehört. Es war tonnenförmig und tapsig, aber wenn man eins ärgern wollte, tat man das besser von einem Hubschrauber aus. Jedenfalls nicht, wenn man mit ihm in einem Auto saß." (S. 259 f.)

    Der Autor Mick Herron arbeitet hier mit zahlreichen Perspektivwechseln, gegen Ende in immer rascherer Folge, was die Spannung eindeutig erhöht. Davor führten sie für mich jedoch oftmals zu einer Verwässerung des Falles, da auf diese Art bedeutsame wie nebensächliche Fakten gleichberechtigt nebeneinander stehen, ohne dass der Leser schon entscheiden kann, was nun wichtig ist und was nicht. Dies war - freundlich ausgedrückt - überaus anstrengend zu lesen, und mehr als einmal gab ich dem häufigen Impuls nach, das Buch einfach erst einmal wieder wegzulegen.

    Über die Hintergründe der Entführung werde ich mich hier nicht auslassen, nur so viel: nichts daran ist so abstrus, dass ich es mir nicht auch in der Realität vorstellen kann. Allerdings führte die Erzählung bei mir häufig sowohl zu Verwirrung als auch zu Genervtsein. "Jeder gegen jeden, trau nicht mal Deinem eigenen Schatten, keiner weiß mehr was er glauben, geschweige denn wem er vertrauen soll. Jeder ist irgendeine Schachfigur von jemand anderem", schrieb ich in der Leserunde zum Buch. Und genauso wie die meisten Charaktere im Buch lange Zeit keinen Durchblick hatten, ging es mir als Leser auch.

    Alles in allem also ein durchwachsenes Leseerlebnis. Die Spannung blieb lange Zeit auf der Strecke, die Vorstellung der handelnden Personen geriet für meinen Geschmack zu ausführlich und umfangreich, die Verwirrung war meist das vorherrschende Gefühl beim Lesen. Das Ende allerdings war dann durchaus spannend und überzeugend, und die Charaktere entzogen sich einem letztlich nicht mehr vollkommen. Und der Chef von Slough House, Jackson Lamb, zeigt bei aller Widerwärtigkeit seiner Person letztlich doch einen hohen Moralkodex: er versucht, seine eigene Agenten zu schützen, so weit das eben geht.

    Da das spannende letzte Drittel die Zähigkeit der davor liegenden Seiten nicht auslöschen kann, komme ich hier nur zu einer mittleren Wertung. Ich habe nichts gegen langsame Erzählungen, aber den Leser im Dunkeln durch ein endlos scheinendes Labyrinth aus Informationen zu führen, erscheint mir dann doch übertrieben. Den Humor allerdings möchte ich hier noch postiv hervorheben. Trocken, schwarz und eben - ja, englisch, riss mich da doch manchmal ein Lachen aus meiner genervten Lethargie.

    "Wir haben einen Agenten. So gewinnt man gemeinhin Informationen. - Aber von dieser neuesten Entwicklung wusste Ihr Mann nichts? - Wenn er alles wüsste, wäre er nicht nur ein Agent (...) Er wäre Wikipdia." (s. 192)

    Ein zäher erster Band einer in England bereits sechsbändigen Reihe um Jackson Lamb, der viel Durchhaltevermögen verlangt, letztlich aber mit einem überzeugenden Ende aufwartet.

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Okt 2018 

    hatte mir ein bisschen etwas anderes vorgestellt

    Klappentext:
    River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.

    Meinung:
    Das erste Kapitel war so spannend gemacht, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste. Leider wurden meine Erwartungen nicht vollständig erfüllt. Ich finde, dass der Hauptcharakter River, ein ziemlich cooler Typ ist, der meist die genialsten Sprüche drückt. Er kommt mir auf jeden Fall sehr sympathisch rüber.
    Man erfährt aber nicht nur gefühlt alles von ihm, nein jede einzelne Person wird vorgestellt. Aber dadurch geht für mich ein bisschen die Story, die auf dem Klappentext versprochen wurde, flöten. Erst zur Mitte des Buches bekommt man das, was man erwartet. Für mich ist das leider viel zu wenig. Es ist zwar schön, wenn man Charaktere gut kennen lernt, aber das war ein bisschen zu viel des guten. Ich musste bei der Lektüre auf jeden Fall öfter Schmunzeln weil der Autor super Umschreibungen benutzt hat. Da ja nun alle ins kleinste vorgestellt wurden, kann ja eigentlich der zweite Teil nur sehr gut werden. Ich werde ihn mir dann auf jeden Fall mal anschauen, immerhin kam ich ja sonst gut mit dem Autor und seiner Schreibweise klar.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Okt 2018 

    Wahrheit ist relativ

    Smart sind die Helden dieser Geschichte nicht. Alle sind sie auf ihre Weise beschädigt. Durch Alkohol, die Lebensumstände oder durch verbockte Einsätze für den britischen Inlandsgeheimdienst MI5.

    Aber was tun mit Agenten, die es nicht mehr bringen? Gehen lassen? Wohl kaum. Sie werden abgestellt, in einem Büro namens „Slough House“, wo sie mit Bürokratie und mehr oder weniger sinnlosen Arbeiten als „Slow Horses“ – lahme Gäule - ihre Tage verbringen. Die Stimmung ist mies, an eine bessere Zukunft nicht zu denken. Denn aus „Slough House“ zurück in den normalen Dienst, zurück in „die Firma“, hat es noch nie jemand geschafft.

    Alles ändert sich als ein junger Pakistani entführt wird. Die Täter veröffentlichen ein Video im Internet und drohen mit der Enthauptung des Jungen binnen 48 Stunden. Schnell wird klar, dass eine rechtsextreme britische Gruppierung hinter der Entführung steckt, die endlich Rache nehmen will für Anschläge und Entführungen muslimischer Täter in der Vergangenheit.

    Damit könnte „Slow Horses“ jetzt den gewohnten Gang vieler Entführungsthriller gehen und zu einem reinen Wettlauf gegen die Zeit werden. Findet die Polizei den Jungen vor Ende des Ultimatums oder nicht? Der Thriller um den jungen Agenten River Cartwright, dessen Karriere zu Ende war, bevor sie richtig begann, und seinem zwielichtigen Chef Jackson Lamb ist aber viel komplizierter und aufregender.

    Durch Cartwrights Eigeninitiative wird die Truppe der „Slow Horses“ in den Entführungsfall verwickelt. Bald verschwimmen alle Gewissheiten. Wer steht auf der Seite der Guten? Wer sind die Bösen? Der französische Philosoph Voltaire sagte einmal „Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat“.

    Herron sagt etwas Ähnliches. Manchmal ist Wahrheit die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. Wahrheit ist relativ. Sie hängt vom Informationsstand ab. Wahrheit ist also unter Umständen nur eine Momentaufnahme, weil sich die Antworten auf unsere Fragen mit neuen Informationen jederzeit ändern können. Vor allem sind die Nachrichten, die über die Massenmedien verbreitet werden, mit Vorsicht zu genießen, weil die Fakten, auf denen sie beruhen, manipulierbar sind und deshalb auch manipuliert werden. Unter Umständen ist dann wahr, was dem Ziel dient.

    Jackson Lamb, der abgehalfterte Leiter von Slough House, weiß das alles. Er kennt alle Intrigen und Winkelzüge und er hat auch noch eine Rechnung offen mit Lady Di, der Leiterin des Geheimdienstes. Und so nimmt dieser Entführungsfall eine ganz ungeahnte Wendung.

    Fazit: ein temporeicher und spannender Agententhriller mit Aktualitätsbezug zu Rechtsextremismus, islamistischem Terror und Geheimdienstintrigen. Klare Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Sep 2018 

    Vermeintliche Loser

    Jackson Lamb, ein übergewichtiger, leicht verwahrlost wirkender, meist mürrischer Geheimagent leitet das sogenannte Slough House, eine Abteilung des berühmten britischen Geheimdienstes MI5. In diese Abteilung werden Agenten strafversetzt, die in ihrem Dienst schwere Fehler begangen haben oder aus anderen Gründen nicht mehr für die schicke, legendäre Zentrale des britischen Inlandgeheimdienstes tragbar sind. Diese Agenten, von ihrem Kollegen abfällig "Slow Horses" genannt, dürfen eigentlich nicht mehr an echten Spionageeinsätzen teilnehmen sondern müssen minderwertige Routinearbeiten leisten.
    Kann unter diesen Umständen überhaupt ein spannender Plot entstehen? Ja durchaus! Denn niemand, insbesondere die eiskalte Vizechefin des MI5 sollte den Fehler begehen, diese vermeintliche Loser Crew zu unterschätzen.

    Mick Herron hat eine Thriller Reihe um diese Crew geschrieben, dessen erster Band nun auf Deutsch erschienen ist. Sicher werden auch die anderen Romane dieser Reihe noch ins Deutsche übersetzt werden.

    Viel Raum nimmt im ersten Band naturgemäß die Vorstellung der Abteilung und der Mitarbeiter ein. Dies gelingt dem Autor sehr gut. Bei mir entstand schnell Sympathie für diese Romanfiguren, zumal immer fraglich bleibt, ob sie zurecht aufs Abstellgleis geschoben worden sind. Die eigentliche Geschichte des Romans beginnt, als in London ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird, die Entführer damit drohen, diesen Jungen zu enthaupten und diese Enthauptung dann live in den sozialen Medien zu streamen. Mick Herrons Agententhriller ist in unserem Zeitalter des Terrorismus angekommen. In diesem konkreten Fall scheint es sich um rechtsradikalen Terror zu handeln. River Cartwright, ein junger Mitarbeiter von Jackson Lamb, ermittelt zunächst auf eigene Faust, wobei diese Ermittlungen schnell aus dem Ruder laufen. Der Entführungsfall erweist sich als weit gefährlicher und komplexer als es den Anschein hat. Jetzt ist die ganze Erfahrung und Raffinesse von Jackson Lamb gefragt aber auch die seiner Mitarbeiter, die jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen.
    Häufige Persektivwechsel, die gegen Ende des Romas in immer schnellerem Wechsel folgen, sorgen für Spannung beim Lesen. Die Dialoge zwischen den Agenten haben mir bei der Lektüre besonders gefallen. Sie sind mit trockenem britischen Humor geschrieben. Das Thema Terrorismus ist aktuell und interessant.

    Insgesamt ein überdurchschnittlich guter Agententhriller, raffiniert konstruiert, mit überraschenden Wendungen und interessanten Charakteren.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Sep 2018 

    Schreib den alten Gaul nicht zu früh ab

    Slough House ist die Endstation für ausgemusterte Agenten des britschen MI5. Dorthin werden sie versetzt, wenn sie einen unverzeihlichen Fehler gemacht haben oder in Diskredit geraten sind. Dorthin hat es auch River Cartwright verschlagen, als er eine Übung zur Terrorabwehr gründlich vermasselt hat – sagen seine Chefs. Aber River ist sicher, dass er hereingelegt worden ist.
    Die Slow Horses so der Begriff für die Loser, werden mit unnützen Aufgaben beschäftigt, sie durchsuchen Müll, hören endlose unwichtige Telefonate ab und legen Akten an. Ein frustrierender, Zustand, vor allem da es noch nie einer zurückgeschafft hat.
    Doch die Entführung eines pakistanischen Jungen scheint eine Chance für Jackson Lamb, den „Chef“ der lahmen Gäule zu sein. Er will mitmischen!
    Mick Herron hat einen klassischen Spionagethriller geschrieben, trickreich, voller Wendungen und Verschwörungstheorien. Es gibt auf Seite 312 den Satz von Rivers Großvater: Vergewissere dich, dass niemand das sieht, was er zu sehen glaubt. Der Autor geht nach der gleichen Devise vor: Schreib so, dass kein Leser das liest, was er zu lesen glaubt. Das macht die Geschichte sehr undurchsichtig und fordernd, aber auch spannend, wie ich das von einem Spionagethriller erwarte.
    Nach einem rasanten Beginn, lässt sich die Handlung dann mehr Zeit um die vielen Protagonisten im Slough House vorzustellen, ihre Schwächen und Stärken zu thematisieren und ihre Fehler bei ihrer Arbeit im Geheimdienst. Das hat mit anfangs etwas verwirrt und manchem Abschnitt musste ich ein weiteres Mal lesen um auch ja keine versteckte Informationen zu übersehen.
    Im Schlussteil findet Herron wieder zu seinem Anfangstempo und der Thriller endet mit einem echten Paukenschlag.
    Der Untertitel „Ein Fall für Jackson Lamb“ weist ja schon darauf hin, dass noch weitere Bücher ins Deutsche übersetzt werden, denn Slow Horses ist bereits 2010 erschienen und es gibt im Englischen bereits mehrere Fortsetzungen. Die Presse vergleicht den Autor bereits mit Le Carré, ein würdiger Nachfolger ist er auf jeden Fall.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Sep 2018 

    Lahme Gäule, nur dem Anschein nach

    River Cartwright, Agent der MI5, verpfuscht mächtig einen Einsatz am King’s Cross. Dafür wird er strafversetzt ins Slough House, Auffangstätte für abgehalfterte Agenten und Versager aller Art, nämlich den Slow Horses. Die tägliche Fadesse wird jäh unterbrochen, als ein junger Mann pakistanischer Herkunft entführt wird und vor laufender Kamera enthauptet werden soll.
    Mir gefiel zunächst der rasante Einstieg, der verpatzte Zugriff im ersten Kapitel. Danach zieht sich zwar über Längen eine Vorstellung des Slough House und der Slow Horses. Aber lahme Gäule sind Cartwright und seine Kollegen nur dem Anschein nach, aus der öden Schrittgeschwindigkeit fallen sie nach und nach in forschen Galopp. Jeder der Slow Horses hadert mit dem eigenen Versagen. Aber es sind nicht nur ihre persönlichen Probleme, die sie beschäftigen, es sind auch die ganz allgemeinen, Radikalismus, Terrorismus, die großen Schlagworte der Angst in der heutigen Zeit. Das Cover mag ein bisschen 60er Jahre Flair vermitteln, aber das Thema ist ganz im hier und jetzt.
    Dazu schafft Autor Mick Herron ordentlich Londoner Atmosphäre. Intrigen, Verschwörungen und skurrile Figuren machen dieses Buch nach der anfänglichen Durststrecke noch sehr vergnüglich. Jackson Lamb, der Leiter der Horses, ist absolut kein netter Mensch, ausgefuxt, vulgär und politisch vollkommen inkorrekt. Man muss ihn nicht mögen, seine Methoden, die blasierten Agenten im Hauptquartier auszutricksen, mochte ich hingegen sehr.
    Der englische Wortwitz geht bei der Übersetzung leider unter. So ist der zweite Teil des Buches mit „Gerissene Huren“ betitelt. Ich wage zu wetten, dass nach „Slough House“ der Abschnitt „Sly Whores“ kommt.
    Mit ein bisschen Durchhaltevermögen ein absolut lesenswertes Buch und jedenfalls keine 0815 Massenware, dafür bürgt schon auch der Diogenes Verlag.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Sep 2018 

    Rasanter Agenten-Thriller

    "Und so kam River Cartwright von der Überholspur ab und geriet zu den Slow Horses." (9)

    Der erste Satz des Kriminalromans klingt zunächst wenig vielversprechend: Ein Agent, der die Karriereleiter abwärts fällt und zu den langsamen Pferden kommt, nachdem er einen wichtigen Einsatz katastrophal vermasselt, weil er die falsche Zielperson verfolgt hat...

    Im ersten Teil - Slough House - wird zunächst sehr ausführlich das Gebäude beschrieben, in dem River zukünftig arbeiten darf - ein

    "Drecksloch, ein Ort von Gelb- und Grautönen, wo einst alles schwarz und weiß war." (31)

    Nur die Tatsache, dass sein Großvater ein bedeutender Agent des Secret Service gewesen ist, rettet ihn vor dem endgültigen Rauswurf.

    Sein neuer Chef ist Jackson Lamb - dessen Vergehen, also der Grund, warum er zu den Slow Horses verbannt wurde, erst am Ende offenbart wird - erinnert River an Peter Pettigrew -Wurmschwanz aus Harry Potter- nicht gerade ein Gewinner-Typ.

    Wie Loser erscheint auch der Rest der jämmerlichen Truppe,

    "niemand [kehrt] von ihnen zurück nach Regent´s Park, denn sie alle hatten dort Geschichte geschrieben, Schmutzflecken in den Annalen des Secret Service hinterlassen", wie

    - Catherine Standish, die ehemalige "Moneypenny" des Secret Service Chefs, trockene Alkoholikerin,
    - Min Harper, der einen wichtigen Datenträger in der U-Bahn hat liegen lassen,
    - Louisa Guy, die eine Zielperson aus den Augen verloren hat,
    - Roderick Ho, Computer-Genie, der nicht weiß, warum er abgeschoben wurde,
    - Jed Moody, der unbedingt zurück will - zu den Dogs:

    " Slough House bedeutet nicht, dass du drin bist, Jed. Regent´s Park ist der Nabel der Welt. Die Dogs - na ja, du weißt schon. Wir patrouillieren durch die Korridore und schnüffeln, an wem wir wollen. Wir gehen sicher, dass alle das tun, was sie tun sollen, und niemand aus der Reihe tanzt. Falls doch beißen wir zu. Deswegen nennt man uns Dogs." (106)

    Ausnahme ist Sidonie Baker, eine hübsche, sympathische junge Frau, von der niemand weiß, warum sie bei den Slow Horses ist.

    Rivers erster Auftrag besteht darin, den Müll des Journalisten Robert Hobden zu durchforsten. Einst war er ein Star, wegen rechtsradikaler Gesinnung ist er ebenfalls aufs Abstellgleis geraten.
    Während sich River mit Abfällen zufrieden geben muss, darf seine hübsche Kollegen Hobden beschatten, entwendet ihm seinen USB-Stick, der zum Regent´s Park, also zum MI 5 gebracht werden soll.
    Seit wann führen die Slow Horses, die statistische Daten auswerten und in langweiliger Ermittlungsarbeit gefangen sind, echte Einsätze durch? Und dann muss River ausgerechnet zu James Webb, Spider genannt, den er für seinen katastrophalen Einsatz verantwortlich macht, um ihm Hobdens Daten zu überbringen.
    Am Ende des ersten Teils wird ein jungen Mann entführt, der gerade auf dem Nachhauseweg ist, und in ein Kellerloch gesperrt. Wie hängen die beiden Fälle zusammen? Und welche Rolle wird den Slow Horses dabei zuteil?

    Bewertung
    Direkt zu Beginn hat mich der Autor für sich eingenommen, als er den katastrophalen Einsatz von Cartwrights auf dem Bahnhof King´s Cross schildert und auf Bahnsteig 9 3/4 hinweist, an dem der Hogwarts Express abfährt. Harry Potter ist Allgemeingut geworden ;)

    Der Roman startet furios mit dem verpatzten Einsatz Rivers, um dann ganz gemächlich den zukünftigen Arbeitsplatz des Gefallenen zu beschreiben. Nacheinander werden uns die einstigen Agenten und ihre Vergehen vorgestellt, so dass man zunächst die wichtigsten Figuren kennenlernt. Im Lauf der Handlung nimmt dieser äußerst spannende Agententhriller rasant an Fahrt auf. Nach der Entführung des jungen Mannes gilt es herauszufinden, wer dahinter steckt. Spekulationen über Täter und Anstifter führen dazu, dass ich ab dem 2.Teil den Krimi nicht mehr aus der Hand legen wollte. Aufgrund der Andeutungen und immer neuer Wendungen hat man kaum noch Zeit durchzuatmen - umso schöner, dass es ein ruhiges Ende gibt, das einen Bogen zum Anfang schlägt - eine Rahmenhandlung, in der deutlich wird, was sich in Slough House verändert hat.
    Die politische Dimension des Thrillers und die Skrupellosigkeit der Handelnden wirken sehr authentisch - man hat das Gefühl, genauso läuft das. Was für den glaubwürdigen Erzähler spricht, der zudem mit ironischen Kommentaren und britischem Humor überzeugt.

    Spannende Unterhaltung, klare Lese-Empfehlung!